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Untergrund-Blättle | Online Magazin

 
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Über uns – HINTER DEN SCHLAGZEILEN

hinter-den-schlagzeilen.de/ueber-uns

„Die erste Pflicht aller Journalisten müsste doch sein, nicht gegen irgendeinen Feind, sondern gegen den Krieg mobil zu machen!“,

 

 Selbstverantwortung?
Leid ist etwas, daß zu den Bedingungen des Menschseins gehört. Man kann das Leid nicht mit Patentrezepten beseitigen. Der Schmerz muß akzeptiert werden. Auf die innere Stimme sollte man hören können. ...ich ganz tief in meinem Innern mein eigener Freund sein zu können und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen. (Arno Gruen

 In seinem Roman "WARTEN AUF DIE BARBAREN" fragt John
M. Coetzee, wieso es für uns unmöglich geworden ist, in der
Zeit zu leben, wie die Fische im Wasser, wie die Vögel in der
Luft, wie die Kinder? Damit deutet er darauf hin, dass au-
thentisch-empathisches Erleben nicht möglich ist in einer
Kultur, die einerseits den Verstand verherrlicht, andererseits
ihn problematisch macht, indem sie von Geburt an unser Ge-
fühlsleben verkümmern lässt. Wir verdammen uns dazu, in
unserer Geschichte zu leben, schmieden jedoch ein Komplott
gegen diese Geschichte, indem wir dazu gebracht werden,
von Gedanken beherrscht zu werden, um im ständigen Wett-
bewerb nicht unterzugehen. Wir befinden uns deshalb in
einem ständigen Überlebenskampf dessen Ziel es ist, nicht
schlechtgemacht oder abgewertet zu werden, nicht zu ver-
sagen. Was authentisches Erleben sein sollte, wird dadurch
irrational, weil die Angst zu versagen oder unterzugehen,
Menschen die unmittelbare Verbindung mit den primären
Kräften des wirklichen Lebens raubt.
Die unnachsichtige Erforschung des Selbst, sowohl hin-
sichtlich des tatsächlichen Zustandes als auch der vorstell-
baren Alternativen, wäre die Voraussetzung für ein wahres
geschichtliches Bewußtsein. Hier aber liegt das Problem:
Wenn das Selbst von Gedanken beherrscht ist, die Lebendig-
sein mit Überlebenskampf, Wettbewerb, Besitz und Macht
verwechseln, dann ist ein Mensch nicht mehr in der Lage,
andere Menschen als Angehörige derselben Gattung zu ver-
stehen, ihre innere Natur und ihre Handlungen zu erkennen.
Es ist als ob der Mensch selbst zum Feind des Menschen geworden ist.
Feinddenken wird zur Raison dÉtre des Lebens. Zivilisation,
aufgebaut auf Herrschen und Unterdrückung, beinhaltet Be-
drohung, denn Besitz und Eigentum müssen verteidigt werden.
Die Feinde von außen, wie in Coetzees Roman, arrangieren
erst den Zusammenhalt einer sonst zersplitterten Gruppe.
ARNO GRUEN - As Dem Buch - DEM LEBEN ENTFREMDET Seite 39-40.

http://www.plotpoint.ch/dem-leben-entfremdet/
Wir leben in einer vollkommen durchkonstruierten Welt und sind unfähig, lebendig, mitfühlend und empathisch die Wirklichkeit wahrzunehmen. Anlass für eine Fundamentalkritik an unserer Zivilisation durch den bedeutenden Psychoanalytiker und Gesellschaftskritiker Arno Gruen. Unser Bewusstsein und unsere Wirklichkeit sind beherrscht von Krisen, Hass, Exzessen und Gewalt bis hin zur Verachtung des Menschlichen. Wissenschaftliche Erkenntnisse, Technik und Informatik beeinflussen, beaufsichtigen, befehlen uns: Das abstrakte Bewusstsein entfremdet uns unaufhaltsam dem Leben. Das Empfinden für die Wirklichkeit und das Mitgefühl für andere Menschen werden zunehmend durch ein unnatürliches und nicht mehr menschliches Bewusstsein abgewertet und unterdrückt. So nehmen wir den Ursprung unseres selbstzerstörerischen Tuns nicht mehr wahr. Das empathische Bewusstsein würde es uns ermöglichen, den Weg des Lebens neu zu entdecken.
Buchdeckel „978-3-608-94746-5

www.dradio.de
Liebe und Wärme sind das Wichtigste, was der Mensch braucht, um ein positives Verhältnis zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen zu entwickeln, sagt der Schweizer Psychoanalytiker Arno Gruen. Das Bekenntnis zur Menschlichkeit hält er für den Schlüssel zur Bewahrung der Demokratie.

Klett-Cotta :: Dem Leben entfremdet - Arno Gruen

www.klett-cotta.de › StartBücherSachbuch
Warum wir als Originale geboren werden und meistens als Kopien sterben. Wir leben in einer vollkommen durchkonstruierten Welt und sind unfähig, lebendig, ...

 Arbeitslosigkeit bedeutet in unserem Gesellschaftssystem,
den Verlust von Status und persönlicher Bedeutung und anderen
Unsicherheiten einer auf Wettbewerb basierenden Gesellschaft,
die Menschen demütigt und ausgrenzt. Diese stets präsenten
Ängste werden in wirtschaftlich guten Zeiten dadurch in
Schach gehalten, dass Menschen sich durch ihre Teilnahme
an dem Konsum von Gütern als Teil der Gesellschaft erleben.
Heutzutage fühlen Menschen sich durch die Möglichkeiten
dieses Konsums in ihrer Identität befestigt.
Der Besitz von Dingen gibt ein Gefühl des Wohlbefindens
und deshalb eine Art von Identität und Zugehörigkeit.
Sobald jedoch Besitz und Konsum bedroht sind, bricht ein
solches Identitätskonstrukt zusammen und die stets lauernden
Ängste brechen wieder hervor.
Wie also können solche Menschen realistisch mit gesellschaft-
lichen Problemen umgehen, wenn ihre Sicht durch ein reduziertes
Bewusstsein bestimmt wird?
Arno Gruen - Dem Leben Entfremdet

 

 

 ...Autonomie ist derjenige Zustand der Integration, in dem ein Mensch in voller Übereinstimmung mit seinen eigenen Gefühlen und und Bedürfnissen ist. Im Allgemeinen verstehen wir unter Autonomie etwas anderes, nämlich etwas, das mit der Behauptung der eigenen Wichtigkeit und Unabhängigkeit zu tun hat. Das gilt insbesondere für ein Selbst, das, bewusst oder unbewusst, der Ideologie des Herrschens entspricht. Deswegen dient das, was wir meistens als autonom beschreiben, einer auf Abstraktionen aufgebauten Idee des Selbst. Trotz der Rebellion, die von einem solchen Selbst ausgehen kann, reflektiert dieses nur die einschränkenden, entstellenden, selbstsüchtigen Kategorien von Eigenschaften, in welche Eltern, Schule und Gesellschaft uns gepresst haben. Was dann mit Autonomie bezeichnet wird, ist die Freiheit, sich und anderen ständig Beweise der Stärke und Überlegenheit liefern zu müssen. Ob es ein Beweisen für oder gegen die bestehenden Normen ist, macht keinen Unterschied. Das Wichtigste ist das ständige Beweisen-Müssen; es ist ein kriegerischer Zustand, weit entfernt von der Fähigkeit, das Leben zu bejahen. Demgegenüber ist es der Zugang zum Lebensbejahenden, zu den Gefühlen der Freude, des Leids, des Schmerzes, kurz des Lebendigseins, aus dem Autonomie, die ich meine, sich entwickelt. Arno Gruen

 

 

 Autonomie beinhaltet die Fähigkeit, ein Selbst zu haben, das auf dem Zugang zu eigenen Gefühlen und Bedürfnissen gründet. Da bei einer Fehlentwicklung der Autonomie Gefühle und Bedürfnisse Ausdruck der Ideologie des Herrschens und nicht einer inneren Integration sein können, müssen wir erkennen, daß die Bedürfnisse und Gefühle selbst nicht mit Autonomie gleichzusetzen sind. Es ist wichtig, sie im Rahmen ihrer Entwicklung zu differenzieren.

Die MACHTPOLITIKEN, die uns als Realismus vorgehalten werden, bringen die Welt jeden Tag dem Abgrund näher. Es war immer schon so, nur hatten die Mächte nie solche Vernichtungsmittel zur Verfügung. Und wie schon früher, so auch jetzt, versucht man im Namen der Realität, uns den tödlichen Ausgang und die tödliche Gesinnung zu verneinen. Jene, die an der Macht sind, behaupten uns ohne Eigennutz beschützen zu wollen. Aber wie Friedrich Nietzsche es über die Philosophen in "Jenseits von Gut und Böse" sagte, gibt es nichts Unpersönliches.

Wenn Staatsmänner(oder -frauen) in ihrem Sein gespalten sind, müssen sie fortwährend mit einer Lüge leben. Was sie uns offerieren, kann dann nur vom Gefüge des Menschlichen getrennt sein. Wir werden dieses aber erst erkennen können, wenn wir selbst aufhören, nach Göttern zu suchen. Dafür muß man sich von den Ängsten befreien, die einen dazu brachten; das Göttliche außerhalb des eigenen Selbst zu finden. Wenn nicht dann führt Rebllion nur dazu, eine Kirche zu stürzen, um eine andere auferstehen zu lassen. Die Mächte und ihre Ausstrahlungen dauern an. Unter solchen Bedingungen schafft man nur neue Formen der TYRANNEI.

Es ist Mitgefühl und Liebe, die die Wandlung zu einem wahren Selbst möglich machen. Es ist unsere Aufgabe, falsche Lehren zu bekämpfen, indem wir die WAHRHEIT in uns offenbaren....Es ist die große Aufgabe, alle Menschen über den Weg des gegenseitigen Verstehens zu vereinigen. Der Schlüssel ist Barmherzigkeit...

Es gibt keine Methode oder Technik, die zu einem Selbst führen. Die Erwartung solch einer Lösung entspricht schon einem Selbst, das ohne Bewußtsein in der Annahme gefangen ist, daß ein Mensch wie ene Maschine auf Knopfdruck funktioniere. Die Einstellung ist der Schlüssel zur Autonomie. Wenn man sein Mitgefühl und seine Liebe zu anderen wirken läßt, wird man sie finden. Die Mannigfaltigkeit der Wege zu ihr entspricht der Einzigartigkeit des einzelnen. Deswegen muß man seinen Weg alleine finden. Begleitung und Freunde sind dabei nötig, aber die Verantwortung für die Wahl des Weges muß die eigene sein. Auf diesem Weg gibt es kein "you take care of me" (sorge für mich). Man muß es wagen, das eigene Selbst zum Erleben zu bringen, um zu erfahren, daß die Angstgespenster, die im Wege stehen, eigentlich machtlos sind.

Es ist unser Schicksal daß, wenn wir nie die Chance hatten, uns aufzulehnen, wir die Absurdität durchleben müssen, nie ein eigenes Selbst gelebt zu haben. Durch Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt zu einem langen, schwierigen und nie endenden Weg zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben. (Quelle - Arno Gruen - Der Verrat am Selbst)



  Diese Suche nach äußerer Stimulation führt zu einer Sucht, die nicht als solche erkannt wird. Wir werden nicht müde, unseren Besitz zu vergrößern, ständig müssen wir unsere Herrschaft über Dinge, Personen und wirtschaftliche und politische Systeme erweitern. Je mehr wir diesem Bestreben folgen, um so mehr geraten wir in eine Abhängigkeit von diesem Aktionismus. Zugleich sind die äußeren Dinge in ihrer Rückwirkung auf unser Selbst Grund dafür, daß unser Erlebnishunger nicht mehr zu stillen ist und die Abhängigkeit von äußerer Stimulation immer größer wird. Denn diese Art der Bewegung, die innere Prozesse wie unser Bedürfnis nach Zuwendung und Liebe nicht tangiert, verstärkt das künstlich geschaffene Verlangen nach dieser Art Bewegung, die den Anschein von Lebendigsein gibt. Das kreative Innere jedoch bleibt unberührt und deshalb leer.

Wenn das äußere keinen Halt mehr gibt, bricht auch die Persönlichkeitsstruktur von Menschen immer mehr auseinander. Diese Gefahr besteht zum Beispiel, wenn das soziale Gefüge einer Gesellschaft zerfällt, weil die Verteilung von Status und Besitz zu immer größerer Ungleichheit führt, wenn Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden, wenn Menschen immer weniger Mitgefühl empfinden, weil der andere im Kampf um den sozialen Status als Bedrohung erlebt wird, denn sich mit ihm zusammenzutun könnte den eigenen Status herabsetzen. Dadurch wächst die Isolation des Einzelnen. Solche Vorgänge verstärken das Gefühl, Opfer zu sein. Der Haß, der damit einhergeht, muß immer mehr nach außen projiziert werden. Die Folgen sind Fremdenhaß, die Suche nach vermeintlichen Feinden, Progrome, Genozide, überhaupt eine erhöhte Bereitschaft zur Gewalttätigkeit.

Menschen, die ihren  Haß nicht nach außen verlagern können, verlieren unter solchen Bedingungen das Gefühl, ihr Leben im Griff zu haben. Sie fühlen sich ohnmächtig und hilflos, neigen zu Depressionen oder entwicklen Krankheiten. Auch das sind Folgen einer Sozialisation, in deren Verlauf sich entweder eine eigene Identität herausbildete oder es durch Verlust des Eigenen zu einer Nicht-Identität kam. Bei Menschen, die sich im Laufe dieser Entwicklung nicht völlig mit äußeren Autoritäten identifiziert haben, führt das Aufsteigen des eigenen Opferseins zu einer nach Innen gelenkten Aggression. Je stärker solche Menschen noch in der Lage sind, Schmerz und Leid als Teil ihrer Selbstentwicklung zu erleben, desto mehr werden die nach Innen gelenkten Aggressionen Depressionen hervorrufen. Bei denjenigen, die Schmerz und Leid weniger als eigene seelische Erfahrung zulassen können, wird es eher zu Auswirkungen auf der somatischen Ebene kommen.  (Quelle - ARNO GRUEN - Der Fremde in uns)