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Über uns – HINTER DEN SCHLAGZEILEN

hinter-den-schlagzeilen.de/ueber-uns

„Die erste Pflicht aller Journalisten müsste doch sein, nicht gegen irgendeinen Feind, sondern gegen den Krieg mobil zu machen!“,

Cornelius Castoriadis

Weder können noch dürfen wir im gesellschaftlichen,
geschweige denn in irgendeinem anderen Bereich nach
einer wissenschaftlichen Theorie oder selbst einer
Globaltheorie suchen - denn auch das schlägt noch
um, wird missbraucht als Täuschungsinstrument oder
Deckmantel für Verantwortungslosigkeit in den Hän-
den zeitgenössischer Hochstapler.
Wir dürfen nicht einen Augenblick lang den Eindruck
vermitteln, die Artikel eines politischen Programms
enthielten das Geheimis der zukünftigen menschlichen
Freiheit; wir haben keine Heilsbotschaft zu verkünden,
kein Gelobtes Land in den leuchtendsten Farben auszu-
malen, kein Buch zu empfehlen, dessen Lektüre uns für-
derhin der Mühe entheben würde, nach unserer eigenen
Wahrheit zu suchen.
Alles was wir zu sagen haben, wird auf taube Ohren
stoßen, wenn es nicht zunächst als Aufruf zu einer
Kritik verstanden wird, die kein Skeptizismus ist,
zu einer Offenheit, die sich nicht in Eklektizismus
verflüchtigt, zu einer Weitsicht, die nicht das Handeln
lähmt, zu einem Handeln, das nicht in bloßen Aktivismus
umschlägt, zu einer Wertschätzung des anderen, die
zu Wachsamkeit fähig bleibt.
Die Wahrheit, um die es fortan geht, ist kein Besitz,
kein Bei-sich-sein des Geistes, sondern die Bewegung
der Menschen in einem freien Raum, in dem die obigen
Eigenschaften als Orientierungspunkte dienen.
Aber kann dieser Appell überhaupt noch gehört werden?
Ist es wirklich dieses Wahre, das die Welt heute ver-
langt und das sie erlangen kann?
CORNELIUS CASTORIADIS - KAPITALISMUS ALS IMAGINÄRE
INSTITUTION - Ausgewählte Schriften Band 6 - Seite 61.

 

 Wenn es dem Kapitalismus, nie gelungen ist, die Gesellschaft in eine einzige riesige, unter einem Kommando und einer Logik stehenden Fabrik zu verwandeln (so wie es, jeweils auf ihre bestimmte Art der Nazismus und der Kommunismus später versucht haben), dann sicherlich nur aufgrund der Rivalitäten und der Kämpfe unter den kapitalistischen Gruppierungen und Nationen - aber vor allem aufgrund des Widerstandes, der ihm von Anbeginn durch die demokratische Bewegung auf gesellschaftlicher und von der Arbeiterbewegung auf der betrieblichen Ebene entgegengesetzt wurde (...) Cornelius Castoriadis

 

 Jedes einzelne Teil Entität hat Teil  an Entitäten
anderer Ebenen, ist in diese integriert - oder besteht
selbst aus einer Zusammensetzung solcher Entitäten.
Eine Platane kann nicht ohne Wald existieren, ein Wald
nicht ohne Vögel, diese nicht ohne Würmer, usw.
Es gibt keinen einzelnen Zwangsneurotiker, aber umge-
kehrt sind die Zwangsneurotiker als Kollektiv auch
nicht bloße  Exemplare der Entität "Zwangsneurose".
Es scheint, als sei es dem  Kapitalismus endlich
gelungen, den Typ von Individuum zu erzeugen, der zu
ihm passt: ewig zerstreut, von einem "Kick" zum
nächsten zappend, vergesslich und planlos, bereit
auf alle Verlockungen einer Wirtschaftsmaschine  ein-
zugehen, die dei Biosphäre des Planeten immer weiter
zerstört, um Illusionen in Form von "Waren" zu pro-
duzieren.
CORNELIUS CASTORIADIS

Cornelius Castoriadis, 10.0k

 Datei:Sf head.jpg
Marx Idee man könne den Markt und das Geld abschaffen,
 ist eine unausgegorene Utopie. Das zu begreifen bedeutet weder,
 eine Bürgschaft für die Allmacht des Geldes zu übernehmen,
 noch an die Rationalität eines Wirtschaftssystems zu glauben,
das nichts mit einem wirklichen Markt zu tun hat und eher einem
weltweiten Casino ähnelt. Nur weil es keine Gesellschaften ohne
 Konsumtion und ohne Produktion gibt, heißt das noch lange nicht,
 daß diese Bereiche sich zu den letzten Zwecken menschlicher
 Existenz aufschwingen sollen -
das ist die tatsächliche Substanz des heutigen Individualismus
 und Liberalismus.
Die entsetzliche Geschichte des Marxismus-Leninismus zeigt,
 was eine Emanzipationsbewegung nicht sein kann und nicht sein darf.
 Sie erlaubt in keiner Weise den Schluß, daß der Kapitalismus und die
 liberale Oligarchie unter der wir leben, das letzendlich aufgelöste
 Rätsel der menschlichen Geschichte in sich birgt. Das Projekt einer
 totalen Beherrschung (vom Kapitalismus durch den Marxismus-Leninismus
übernommen und in beiden Fällen in sein Gegenteil verwandelt)
 ist ein Wahn. Daraus ist nicht zu schließen,
daß wir uns unserer Geschichte wie einem Schicksal unterzuordnen haben.
 Der Begriff der Gleichheit diente im Stalinismus als Deckblatt
für ein Regime, wo die reale Ungleichheit in Wirklichkeit
 noch größer war als im Kapitalismus.
Wir dürfen nicht vergessen, daß es keine politische Freiheit
 ohne politische Gleichheit gibt und daß diese unmöglich ist,
 wenn ungeheure Ungleichheiten im Bereich der ökonomischen Macht,
 die sich direkt auf die Ebene der politischen Macht übersetzt,
bestehen und sich noch verschärfen.
WIR SOLLTEN UNSERE GESETZE UND INSTITUTIONEN SEBST SCHAFFEN.
 - WIR WOLLEN UNSERE INDIVIDUELLE UND KOLLEKTIVE AUTONOMIE,
UND DIESE AUTONOMIE KÖNNEN UND SOLLEN NUR WIR BEGRENZEN.
Cornelius Castoriadis

QUELLE - SCHWARZER FADEN

 Revolution?

Für sich genommen mag jede Krise als "Unfall" erscheinen;

doch sind sie in einem solchen System die Existenz von

Unfällen und ihre periodische (wenn auch nicht regelmäßige)

Wiederkehr unvermeidlich.

Denn diese Gesellschaft ist zutiefst irrational.

Und das beinhaltet, dass es keine einfache, direkte,schöne

(und damit letztlich rationale) "Widerspruchsdynamik" gibt.

Das mag diejenigen zur Verzweiflung treiben, die glauben,

in drei ökonomischen Grundformeln den Schlüssel zu allen

Geheimnissen der Menscheitsgechichte gefunden zu haben.

Doch diese Leute, als was sie sich auch bezeichnen mögen,

haben noch nie begriffen, worum es bei der REVOLUTION geht.

Revolutionäre, die verstehen wollen, wie das System funktioniert,

müssen von dem einen zentralen Punkt ausgehen: dem Kampf der

Menschen gegen ihre ENTFREMDUNG und dem sich daraus ergebenden

Bruch und Konflikt in allen Sphären, allen Aspekten, allen Momen-

ten des gesellschaftlichen Lebens.

Solange dieser Kampf andauert, werden die herrschenden Schichten

außerstande sein, ihr System in kohärenter Weise zu organisieren,

und die Gesellschaft wird weiter von einem Unfall zum nächsten

taumeln. Das sind die Bedingungen revolutionären Engagements

in dieser Zeit - und sie sind vollkommen ausreichend.

CORNELIUS CASTORIADIS - Vom Sozialismus zur autonomen Gesellschaft

Ausgewählte Schriften

Band 2.2

 

 

 Der wahre Schöpfer des Totalitarismus war LENIN. Die inneren Widersprüche seiner Persönlichkeit
wären kaum  von Belang, würden sie nicht einmal mehr die Absurdität rationaler Geschichtserklärungen
veranschaulichen. Er, der Zauberlehrling, der nur auf die Wissenschaft schwört, UNMENSCHLICH
und dabei ohne jeden Zweifel selbstlos und aufrichtig, hellsichtig in Bezug auf seine Feinde,
aber blind sich selbst gegenüber, der sich daranmacht, den von ihm zerschlagenen zaristischen
Staatsapparat wieder aufzubauen und gleichzeitig gegen den Wiederaufbau protestiert, der büro-
kratische Kommissionen zum Kampf gegen die Bürokratie ins Leben ruft, für deren Aufklärung
er selbst verantwortlich ist - er, LENIN, erscheint am Ende zugleich als der nahezu alleinige
Urheber einer gigantischen Umwälzung und als Strohhalm auf der Welle der Ereignisse.

 Und doch erschafft er die Institution, ohne die der TOTALITARISMUS undenkbar wäre und die
jetzt in Trümmer fällt: die totalitäre PARTEI, die leninistische PARTEI,
zugleich ideologische KIRCHE, kampfbereite ARMEE, Staatsapparat in nuce, als sie noch komplett
in seine "Pferdedroschke" passt, FABRIK, wo jeder innerhalb eines strikt hierarchisch und
arbeitsteilig organisierten Ganzen einen Platz hat.

All diese seit langem, aber verstreut vorhandenen Elemente fügt LENIN zusammen und verleiht
dem von ihm gebildeten Ganzen eine neue Bedeutung. Orthodoxie und Disziplin werden bis ins
Extrem gesteigert (TROTZKI war stolz auf den Vergleich der bolschewistischen PARTEI mit
dem Jesuitenorden) und auf die internationale Ebene übertragen.

Der Grundsatz, "wer nicht für uns ist, muss vernichtet werden", wird erbarmungslos angewandt.
Die modernen Mittel des TERRORS werden erfunden, organisiert und massenhaft in die Tat umgesetzt.
Vor allem aber: Die MACHTBESSESNHEIT, die Macht um der MACHT willen, die Macht als Selbstzweck,
um jeden Preis und egal wofür, entsteht und etabliert sich, micht mehr als individueller
Charakterzug, sondern als gesellschaftlich-geschichtliche Determinante. Es geht nicht mehr
darum, die MACHT zu ergreifen, um ganz bestimmte Veränderungen durchzusetzen, sondern solche
Änderungen einzuführen, die es ermöglichen, an der Macht zu bleiben und diese unaufhörlich
auszubauen. Eines wußte LENIN 1917 ganz genau: dass der Moment der MACHTERGREIFUNG gekommen
war und dass es morgen zu spät sein würde.

Um was zu tun? Das weiß er zugegebenermaßen nicht: "Leider haben uns unsere Lehrmeister nicht
gesagt, was man tun muss, um den Sozialismus aufzubauen." Und später heißt es dann: Sollte sich
ein Thermidor als unvermeidlich erweisen, werden wir ihn selbst herbeiführen. Sprich: "Müssen
wir, um die Macht zu behalten, komplett unsere Richtung ändern, werden wir es tun.
Was er in der Folge auch tatsächlich mehrmals tat (STALIN sollte diese Kunst später perfektionieren).
Das einzige Ziel , das durch die unglaublichsten  Kurswechsel hindurch unerbittlich anvisiert
wurde: die grenzenlose Ausdehnung der PARTEIMACHT, die Umwandlung aller Institutionen,
angefangen mit dem Staat, in rein instrumentelle Anhängsel der PARTEI und schließlich ihre
Anmaßung, die Gesellschaft nicht bloß zu leiten oder in ihrem Namen zu sprechen, sondern
tatsächlich die Gesellschaft selbst zu sein.

Bekanntlich wurde dieses Vorhaben unter STALIN bis ins Extrem getrieben und nahm wahnhafte Züge an.
Und mit dessen Tod begann sich auch sein Scheitern abzuzeichnen. Der TOTALITARISMUS ist keine
unveränderliche Wesenheit, er hat eine Geschichte, die hier nicht nachvollzogen werden kann,
in Bezug auf die aber dennoch daran erinnert werden muss, dass der Widerstand von Menschen und
Dingen gegen das Phantasma einer totalen Vereinnahmung der Gesellschaft und einer umfassenden
Gestaltung der Geschichte durch die Macht  der PARTEI darin eine zentrale Rolle spielt.
CORNELIUS CASTORIADIS - Vom Sozialismus zur autonomen Gesellschaft - Gesellschaftskritik und Politik
nach Marx - Ausgewählte Schriften Band 2.2 - Seite 248-249.