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Erich Fromm

Der Mensch in der kapitalistischen Gesellschaft.

Die Menschen arbeiten zusammen. Tausende strömen in die Fabri-
ken und Büros - sie kommen in ihren Wagen, mit der U-Bahn, im Bus
und mit der Eisenbahn - sie arbeiten zusammen nach einem von den
Experten vorgeschriebenen Rhythmus, nach Methoden, welche die
Experten ausgearbeitet haben - nicht zu schnell und nicht zu langsam,
aber immer in Zusammenarbeit; jeder als Teil des Ganzen. Am Abend
strömt alles wieder zurück. Sie lesen alle die gleichen Zeitungen, sie
hören sich dieselben Radioprogramme an, sie sehen dieselben Filme.
Es sind dieselben für die oben auf der Leiter und für die auf der
untersten Stufe, für die Intelligenten und für die Dummen, für die
Gebildeten und für die Ungebildeten. Man produziert und konsumiert,
man hat seinen Spaß miteinander, man marschiert im geichen Schritt,
ohne Fragen zu stellen.
Das ist der allgemeine Lebensrhythmus.
Welche Art von Menschen braucht dann unsere Gesellschaft?
Welche Art von Gesellschafts-Charakter paßt zum Kapitalismus des
zwanzigsten Jahrhunderts?
Wir brauchen Menschen, die reibungslos in großen Gruppen zu-
sammenarbeiten; die mehr und mehr konsumieren möchten, und de-
ren Geschmack standardisiert und leicht zu beeinflussen und voraus-
zusagen ist.
Wir brauchen Menschen, die sich frei und unabhängig und keiner
Autorität, keinerlei Prinzipien und keinem Gewissen unterworfen
fühlen und die dennoch bereit sind, sich befehlen zu lassen, das zu
tun, was von ihnen erwartet wird, sich reibungslos in den Gesell-
schaftsapparat einzuordnen. Wie kann der Mensch ohne Gewalt und
ohne Führer und ohne Ziel gelenkt werden - zu keinem anderen
Zweck als immer in Bewegung zu bleiben, zu funktionieren und vor-
anzukommen...?
ERICH FROMM

..................Dem Geisteskranken, wie dem Träumenden fehlt ein objektives Bild von der Außenwelt vollständig. Aber wir alle sind mehr oder weniger geisteskrank, wir alle schlafen mehr oder weniger, wir alle machen uns ein nichtobjektives Bild von der Welt, das durch unsere narzistische Orientierung entstellt ist....................Wie viele Eltern erleben ihr Kind nur unter dem Gesichtspunkt, ob es ihnen gehorcht, ob es ihnen Freude macht, ob es ihnen zur Ehre gereicht usw., anstatt zu merken oder auch nur sich dafür zu interessieren wie es dem Kinde selbst damit zumute ist.....
Erich Fromm

 

 

  Kritisches Denken! - Das kritische Denken ist die einzige Waffe und Abwehr, die der Mensch gegen die Gefahren im Leben zur Verfügung hat. Wer nicht kritisch denken kann, ist in Wirklichkeit allen Einflüssen, Suggestionen, allen Irrtümern und Lügen ausgesetzt, die verbreitet werden und mit denen er vom ersten Tag an  indoktriniert wird. Man vermag nicht frei sein, sich  selbst bestimmen und sein Zentrum in sich selbst finden, wenn man nicht kritisch denken  und in einem gewissen Sinne auch zynisch sein kann. (Erich Fromm)

 

 

 Der neue Mensch


Die Funktion der neuen Gesellschaft ist es, die Entstehung eines neuen Menschen zu fördern dessen Charakterstruktur folgende Züge aufweist:


die Bereitschaft, alle Formen des Habens aufzugeben, um ganz zu sein


Sicherheit, Identitätserleben und Selbstvertrauen, basierend auf dem Glauben an das, was man ist, und auf dem Bedürfnis nach Bezogenheit, auf Interesse, Liebe und Solidarität mit der Umwelt, statt des Verlangens, zu haben, zu besitzen und die Welt zu beherrschen und so zum Sklaven des eigenen Besitzes zu werden


Annahme der Tatsache, daß niemand und nichts außer uns selbst dem Leben Sinn gibt, wobei diese radikale Unabhängigkeit und Nichtheit (no-thingness) die

Voraussetzung für ein volles Engagiertsein sein kann, das dem Geben und Teilen gewidmet ist


die Fähigkeit, wo immer man ist, ganz gegenwärtig zu sein Freude aus dem Geben und Teilen, nicht aus dem Horten und der Ausbeutung anderer zu schöpfen


Liebe und Ehrfurcht vor dem Leben in allen seinen Manifestationen zu empfinden und sich bewußt zu sein, daß weder Dinge noch Macht, noch alles Tote heilig sind, sondern das Leben und alles, was dessen Wachstum fördert


bestrebt zu sein, Gier, Haß und Illusionen, so weit wie es einem möglich ist, zu reduzieren


imstande zu sein, ein Leben ohne Verehrung von Idolen und ohne Illusionen zu führen, weil eine Entwicklungsstufe erreicht ist, auf der der Mensch keiner Illusionen mehr bedarf


bestrebt zu sein, die eigene Liebesfähigkeit sowie die Fähigkeit zu kritischem und unsentimentalem Denken zu entwickeln


imstande zu sein, den eigenen Narzißmus zu überwinden und die tragische Begrenztheit der menschlichen Existenz zu akzeptieren


sich bewußt zu sein, daß die volle Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der des Mitmenschen das höchste Ziel des menschlichen Lebens ist


Wissen, daß zur Erreichung dieses Zieles Disziplin und Anerkennung der Realität nötig sind


Wissen, daß Wachstum nur dann gesund ist, wenn es sich innerhalb einer Struktur vollzieht, und den Unterschied zwischen »Struktur« als Attribut des Lebens und »Ordnung« als Attribut der Leblosigkeit, des Toten, zu kennen


Entwicklung des eigenen Vorstellungsvermögens, nicht nur zur Flucht aus unerträglichen Bedingungen, sondern als Vorwegnahme realer Möglichkeiten


andere nicht zu täuschen, sich aber auch von anderen nicht täuschen zu lassen; man kann unschuldig, aber man soll nicht naiv sein


sich selbst zu kennen, nicht nur sein bewußtes, sondern auch sein unbewußtes Selbst - von dem jeder Mensch ein schlummerndes Wissen in sich trägt


sich eins zu fühlen mit allem Lebendigen und daher das Ziel aufzugeben, die Natur zu erobern, zu unterwerfen, sie auszubeuten, zu vergewaltigen und zu zerstören, und statt dessen zu versuchen, sie zu verstehen und mit ihr zu kooperieren


unter Freiheit nicht Willkür zu verstehen, sondern die Chance, man selbst zu sein - nicht als ein Bündel zügelloser Begierden, sondern als fein ausbalancierte Struktur, die in jedem Augenblick mit der Alternative Wachstum oder Verfall, Leben oder Tod

konfrontiert ist


Wissen, daß das Böse und die Destruktivität notwendige Folgen verhinderten Wachstums sind


Wissen, daß nur wenige Menschen Vollkommenheit in allen diesen Eigenschaften erreicht haben, aber nicht den Ehrgeiz zu haben, das Ziel zu erreichend, eingedenk, daß ein solcher Ehrgeiz nur eine andere Form von Gier und Haben ist


was auch immer der entfernteste Punkt sein mag, den uns das Schicksal zu erreichen gestattet - glücklich zu sein in diesem Prozeß stetig wachsender Lebendigkeit, denn so bewußt und intensiv zu leben, wie man kann, ist so befriedigend, daß die Sorge darüber, was man erreichen oder nicht erreichen könnte, gar nicht erst aufkommt.


Erich Fromm: Haben oder Sein (1976)

 

 Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe? Nichts als ein besiegter, gebrochener, erbarmenswerter Mensch, Zeugnis einer falschen Lebensweise. Weil ich verlieren kann, was ich habe, mache ich mir natürlich ständig Sorgen, dass ich verlieren werde, was ich habe. Ich fürchte mich vor Dieben, vor wirtschaftlichen Veränderungen, vor Revolutionen, vor Krankheit, vor dem Tod, und ich habe Angst zu lieben, Angst vor der Freiheit, vor dem Wachsen, vor der Veränderung, vor dem Unbekannten. So lebe ich in ständiger Sorge und leide an chronischer Hypochondrie, nicht nur in Bezug auf Krankheiten, sondern hinsichtlich jeglichem Verlust, der mich treffen könnte; ich werde defensiv, hart, misstrauisch, einsam, von dem Bedürfnis getrieben, mehr zu haben.  (Erich Fromm)

 

 

Die Industrialisierung zerriss die Sippen
Kapitalismus zerreist die Familien und den Planeten
Egoismus, Habgier und Selbstsucht haben die Liebe verdrängt
"In allen Beziehungen geht nur noch ums Geschäft, das ganze Leben lang vergleichen, aussuchen, abnutzen, entsorgen und neu vergleichen... Der Kreislauf des Lebens, für den modernen Menschen. Sein ganzes Leben läuft rezeptiv und jede Reibung oder Abweichung lässt ihn zittern.
Es interessiert ihn nicht, das die Tafel nur für eine Minderheit gedeckt ist, während die Mehrheit den Zwecken dieser Minderheit zu dienen hat und sich mit den Überresten zufrieden geben muß. Er lebt noch immer mit dem kultivierten Gefühl, daß Ungehorsam Sünde ist. Staat und Kirche taten dies mit vereinten Kräften. Sie arbeiten zusammen, da sie beide ihre eigene Hierachie schützen müßen.
Der Staat braucht die Religion, um eine Ideologie zu haben, die Ungehorsam zu Sünde erklärt, - die Kirche braucht Gläubige, die der Staat in der Tugend des Gehorsams schult.
Beide bedienen sich der Institution der Familie, die die Funktion hat, das Kind von dem Augenblick an, in dem es zum ersten Mal einen eigenen Willen bekundet, zum Gehorsam zu erziehen. Der "Eigenwille" des Kindes muß gebrochen werden, um sicherzustellen, daß es später als Bürger wunschgemäß funktioniert."
(Erich Fromm 1976, S.149)

 

Wir sahen, daß das starke Verlangen nach einer unaufhörlichen Tätigkeit seine Wurzeln in Einsamkeit und Angst hat. Wir sahen, daß dieser innere Zwang zur Arbeit sich von der Einstellung zur Arbeit in anderen Kulturen unterscheidet, wo die Menschen nur soviel arbeiten, wie notwendig ist, und nicht noch darüber hinaus durch Kräfte angetrieben werden, die in ihrer Charakterstruktur wurzeln. ERICH FROMM

Der auf Arbeiten und Konsumieren manipulierte Gesellschafts-Charakter.

Die moderne Industriegesellschaft hätte ihre Ziele nicht erreichen können,
wenn sie nicht die Energie freier Menschen in einem bisher beispiellosen
Maß für die Arbeit eingespannt hätte.
Der Mensch mußte in eine Person umgewandelt werden, die eifrig bestrebt ist,
den größten Teil ihrer Energie für die Arbeit einzusetzen, die Eigenschaften
wie Disziplin, Ordnungsliebe und Pünktlichkeit in einem in den meisten anderen
Kulturen unbekannten Maß besitzt.
Es hätte nicht genügt, dass jeder Einzelne sich bewusst jeden Tag vorgenommen
hätte arbeiten zu wollen, pünktlich zu sein usw., da es bei solchen bewussten
Entscheidungen zu viel Ausnahmen gegeben hätte, so dass ein reibungsloses
Funktionieren der Gesellschaft nicht gewährleistet gewesen wäre.
Auch Drohungen und Gewaltanwendungen hätten als Motivation nicht ausgereicht,
da die hochdifferenzierten Aufgaben in der modernen Industriegesellschaft
auf Dauer nur von freien Menschen ausgeführt werden können, die nicht zur
Arbeit gezwungen werden.
Die gesellschaftliche Notwendigkeit zu arbeiten, pünktlich und ordentlich zu
sein, musste in einen inneren Trieb umgewandelt werden. Das bedeutet, dass die
Gesellschaft einen Gesellschafts-Charakter schaffen  musste, dem die Strebun-
gen inhärent sind.
Während es sich bei dem Bedürfnis nach Pünktlichkeit und Ordnungsliebe um
Wesenszüge handelt, die für das Funktionieren eines jeden Industriesystems handelt,
die für das Funktionieren eines jeden Industriesystems notwendig sind, gibt es
andere Bedürfnisse, die sich beispielsweise beim Kapitalismus des neunzehnten
Jahrhunderts und beim heutigen Kapitalismus voneinander unterscheiden.
Dem Kapitalismus des neunzehnten Jahrhundert ging es noch hauptsächlich um die
Akkumulation von Kapital und daher um das Sparen.
Er musste daher Disziplin und Stabilität durch autoritäre Grundsätze in Familie,
Religion, Industrie, Staat, Kirche untermauern.
Man könnte den Gesellschafts-Charakter beim Mittelstand des neunzehnten Jahr-
hunderts in vieler Hinsicht geradezu als ""hortende Orientierung" bezeichnen.
Konsumverzicht, Sparen und Respekt vor der Autorität waren nicht nur Tugenden,
sie gewährten auch dem Durchschnittsmenschen des Mittelstandes eine innere
Befriedigung. Seine Charakterstruktur veranlasste ihn, das gerne zu tun,
was er tun musste, um den Zwecken des Wirtschaftssystems gerecht zu werden.
Der heutige Gesellschafts-Charakter ist ein ganz anderer.
Die gegenwärtige Wirtschaft gründet sich nicht auf Konsumeinschränkung, son-
dern auf einen größtmöglichen Konsum. Unsere Wirtschaft geriete in eine schwere
Krise, wenn die Arbeiter und Angestellten nicht den größten Teil ihres Ein-
kommens für den Konsum ausgäben, sondern sparten.
Der Konsum ist für die meisten nicht nur zu ihrem leidenschaftlich ersehnten
Lebensziel geworden, man hält ihn geradezu für eine Tugend.
Der moderne Verbraucher, der auf Raten kauft, wäre seinem Großvater als
verantwortungsloser, unmoralischer Verschwender vorgekommen, genauso wie der
Enkel im Großvater einen hässlichen Geizkragen sieht. Der Gesellschafts-
Charakter des neunzehnten Jahrhunderts ist heute nur noch in den rückständigen
gesellschaftlichen Schichten Europas und Nordamerikas zu finden.
Das wichtigste Ziel dieses Gesellschafts-Charakters ist das Haben, das des
heutigen das Verbrauchen.
Ein ähnlicher Unterschied besteht auch hinsichtlich der Formen der Autorität.
In unserem Jahrhundert ist wenigstens in den fortgeschrittenen Ländern des
Westens genügend vorhanden, um alle materiellen Bedürfnisse zu befriedigen,
daher ist hier weniger autoritäre Kontrolle notwendig.
Gleichzeitig ist aber Kontrolle in die Hände bürokratischer Eliten über-
gegangen, die weniger dadurch herrschen, dass sie Gehorsam erzwingen,
als das sie Zustimmung herauslocken, wobei es sich jedoch um eine Zustimmung
handelt, die weitgehend von den modernen Hilfsmitteln der Psychologie und
einer als human relations bezeichneten Wissenschaft manipuliert wird.
Solange die objektiven Bedingungen von Gesellschaft und Kultur stabil bleiben,
hat der Gesellschafts-Charakter eine vorwiegend stabilisierende Funktion.
Ändern sich jedoch die äußeren Bedingungen so, dass sie nicht mehr zu dem
herkömmlichen Gesellschafts-Charakter passen, dann kommt es zu einer Phasen-
verschiebung, die oft die Funktion des Charakters so verändert, dass er zu
einem Element der Zersetzung anstatt der Stabilisierung - zu Dynamit anstatt
zu einem gesellschaftichen Mörtel wird.
Wenn wir feststellen, das die sozio-ökonomische Struktur der Gesellschaft den
Charakter bildet, so sprechen wir nur von dem einen Pol in der wechselseitigen
Beziehung zwischen der gesellschaftlichen Organisation und dem Menschen.
Der andere Pol ist die Natur des Menschen, die ihrerseits die gesellschaftichen
Bedingungen, unter denen er lebt, mitformt. Wir können den gesellschaftlichen
Prozess nur verstehen, wenn wir die Wechselwirkung zwischen der Natur des
Menschen und der Natur der äußeren Bedingungen untersuchen, unter denen er
lebt und die er meistern muss, wenn er überleben will.
ERICH FROMM Jenseits der Illusionen - Die Bedeutung von Freud und Marx
Seite 88-90.

Im Kapitalismus wurde die wirtchaftliche Betätigung, der Erfolg
und der materielle Gewinn Selbstzweck. Es wurde zum Schicksal
des Menschen, daß er zum Gedeihen des Wirtschaftsystems beitragen
mußte, daß er Kapital anhäufen mußte, und dies nicht zum eigenen
Glück und Heil, sondern als Selbstzweck. Der Mensch wurde zu
einem Zahnrad im riesigen Wirtschaftsapparat - zu einem wichtigen
Zahnrad, falls er über viel Kapital verfügte, und zu einem un-
wichtigen, wenn er kein Geld hatte -, aber er war stets ein Zahn-
rad, das einem Zweck diente, der außerhalb seiner selbst lag.
ERICH FROMM