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Alles Verändern, ein anarchistischer aufruf / …

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Erich Fromm

..................Dem Geisteskranken, wie dem Träumenden fehlt ein objektives Bild von der Außenwelt vollständig. Aber wir alle sind mehr oder weniger geisteskrank, wir alle schlafen mehr oder weniger, wir alle machen uns ein nichtobjektives Bild von der Welt, das durch unsere narzistische Orientierung entstellt ist....................Wie viele Eltern erleben ihr Kind nur unter dem Gesichtspunkt, ob es ihnen gehorcht, ob es ihnen Freude macht, ob es ihnen zur Ehre gereicht usw., anstatt zu merken oder auch nur sich dafür zu interessieren wie es dem Kinde selbst damit zumute ist.....
Erich Fromm

 

 

  Kritisches Denken! - Das kritische Denken ist die einzige Waffe und Abwehr, die der Mensch gegen die Gefahren im Leben zur Verfügung hat. Wer nicht kritisch denken kann, ist in Wirklichkeit allen Einflüssen, Suggestionen, allen Irrtümern und Lügen ausgesetzt, die verbreitet werden und mit denen er vom ersten Tag an  indoktriniert wird. Man vermag nicht frei sein, sich  selbst bestimmen und sein Zentrum in sich selbst finden, wenn man nicht kritisch denken  und in einem gewissen Sinne auch zynisch sein kann. (Erich Fromm)

 

 

 Der neue Mensch


Die Funktion der neuen Gesellschaft ist es, die Entstehung eines neuen Menschen zu fördern dessen Charakterstruktur folgende Züge aufweist:


die Bereitschaft, alle Formen des Habens aufzugeben, um ganz zu sein


Sicherheit, Identitätserleben und Selbstvertrauen, basierend auf dem Glauben an das, was man ist, und auf dem Bedürfnis nach Bezogenheit, auf Interesse, Liebe und Solidarität mit der Umwelt, statt des Verlangens, zu haben, zu besitzen und die Welt zu beherrschen und so zum Sklaven des eigenen Besitzes zu werden


Annahme der Tatsache, daß niemand und nichts außer uns selbst dem Leben Sinn gibt, wobei diese radikale Unabhängigkeit und Nichtheit (no-thingness) die

Voraussetzung für ein volles Engagiertsein sein kann, das dem Geben und Teilen gewidmet ist


die Fähigkeit, wo immer man ist, ganz gegenwärtig zu sein Freude aus dem Geben und Teilen, nicht aus dem Horten und der Ausbeutung anderer zu schöpfen


Liebe und Ehrfurcht vor dem Leben in allen seinen Manifestationen zu empfinden und sich bewußt zu sein, daß weder Dinge noch Macht, noch alles Tote heilig sind, sondern das Leben und alles, was dessen Wachstum fördert


bestrebt zu sein, Gier, Haß und Illusionen, so weit wie es einem möglich ist, zu reduzieren


imstande zu sein, ein Leben ohne Verehrung von Idolen und ohne Illusionen zu führen, weil eine Entwicklungsstufe erreicht ist, auf der der Mensch keiner Illusionen mehr bedarf


bestrebt zu sein, die eigene Liebesfähigkeit sowie die Fähigkeit zu kritischem und unsentimentalem Denken zu entwickeln


imstande zu sein, den eigenen Narzißmus zu überwinden und die tragische Begrenztheit der menschlichen Existenz zu akzeptieren


sich bewußt zu sein, daß die volle Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der des Mitmenschen das höchste Ziel des menschlichen Lebens ist


Wissen, daß zur Erreichung dieses Zieles Disziplin und Anerkennung der Realität nötig sind


Wissen, daß Wachstum nur dann gesund ist, wenn es sich innerhalb einer Struktur vollzieht, und den Unterschied zwischen »Struktur« als Attribut des Lebens und »Ordnung« als Attribut der Leblosigkeit, des Toten, zu kennen


Entwicklung des eigenen Vorstellungsvermögens, nicht nur zur Flucht aus unerträglichen Bedingungen, sondern als Vorwegnahme realer Möglichkeiten


andere nicht zu täuschen, sich aber auch von anderen nicht täuschen zu lassen; man kann unschuldig, aber man soll nicht naiv sein


sich selbst zu kennen, nicht nur sein bewußtes, sondern auch sein unbewußtes Selbst - von dem jeder Mensch ein schlummerndes Wissen in sich trägt


sich eins zu fühlen mit allem Lebendigen und daher das Ziel aufzugeben, die Natur zu erobern, zu unterwerfen, sie auszubeuten, zu vergewaltigen und zu zerstören, und statt dessen zu versuchen, sie zu verstehen und mit ihr zu kooperieren


unter Freiheit nicht Willkür zu verstehen, sondern die Chance, man selbst zu sein - nicht als ein Bündel zügelloser Begierden, sondern als fein ausbalancierte Struktur, die in jedem Augenblick mit der Alternative Wachstum oder Verfall, Leben oder Tod

konfrontiert ist


Wissen, daß das Böse und die Destruktivität notwendige Folgen verhinderten Wachstums sind


Wissen, daß nur wenige Menschen Vollkommenheit in allen diesen Eigenschaften erreicht haben, aber nicht den Ehrgeiz zu haben, das Ziel zu erreichend, eingedenk, daß ein solcher Ehrgeiz nur eine andere Form von Gier und Haben ist


was auch immer der entfernteste Punkt sein mag, den uns das Schicksal zu erreichen gestattet - glücklich zu sein in diesem Prozeß stetig wachsender Lebendigkeit, denn so bewußt und intensiv zu leben, wie man kann, ist so befriedigend, daß die Sorge darüber, was man erreichen oder nicht erreichen könnte, gar nicht erst aufkommt.


Erich Fromm: Haben oder Sein (1976)

 

 Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe? Nichts als ein besiegter, gebrochener, erbarmenswerter Mensch, Zeugnis einer falschen Lebensweise. Weil ich verlieren kann, was ich habe, mache ich mir natürlich ständig Sorgen, dass ich verlieren werde, was ich habe. Ich fürchte mich vor Dieben, vor wirtschaftlichen Veränderungen, vor Revolutionen, vor Krankheit, vor dem Tod, und ich habe Angst zu lieben, Angst vor der Freiheit, vor dem Wachsen, vor der Veränderung, vor dem Unbekannten. So lebe ich in ständiger Sorge und leide an chronischer Hypochondrie, nicht nur in Bezug auf Krankheiten, sondern hinsichtlich jeglichem Verlust, der mich treffen könnte; ich werde defensiv, hart, misstrauisch, einsam, von dem Bedürfnis getrieben, mehr zu haben.  (Erich Fromm)

 

 

Die Industrialisierung zerriss die Sippen
Kapitalismus zerreist die Familien und den Planeten
Egoismus, Habgier und Selbstsucht haben die Liebe verdrängt
"In allen Beziehungen geht nur noch ums Geschäft, das ganze Leben lang vergleichen, aussuchen, abnutzen, entsorgen und neu vergleichen... Der Kreislauf des Lebens, für den modernen Menschen. Sein ganzes Leben läuft rezeptiv und jede Reibung oder Abweichung lässt ihn zittern.
Es interessiert ihn nicht, das die Tafel nur für eine Minderheit gedeckt ist, während die Mehrheit den Zwecken dieser Minderheit zu dienen hat und sich mit den Überresten zufrieden geben muß. Er lebt noch immer mit dem kultivierten Gefühl, daß Ungehorsam Sünde ist. Staat und Kirche taten dies mit vereinten Kräften. Sie arbeiten zusammen, da sie beide ihre eigene Hierachie schützen müßen.
Der Staat braucht die Religion, um eine Ideologie zu haben, die Ungehorsam zu Sünde erklärt, - die Kirche braucht Gläubige, die der Staat in der Tugend des Gehorsams schult.
Beide bedienen sich der Institution der Familie, die die Funktion hat, das Kind von dem Augenblick an, in dem es zum ersten Mal einen eigenen Willen bekundet, zum Gehorsam zu erziehen. Der "Eigenwille" des Kindes muß gebrochen werden, um sicherzustellen, daß es später als Bürger wunschgemäß funktioniert."
(Erich Fromm 1976, S.149)