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George Orwell

 

 
George Orwell (1903-1950)
George Orwell alias Eric Arthur Blair wurde am 25. Juni 1903 in Motihari (Bihar, Indien) geboren und starb am 21. Januar 1950 in London an Tuberkulose. Seine sprachlich geschliffenen und politisch engagierten Essays und Romane entfalten ein scharf konturiertes Panorama der ersten Jahrhunderthälfte. Der Slogan Big Brother is watching you aus seinem Meisterwerk 1984 wurde zu einer stehenden Wendung für total(itär)e Überwachung.

George Orwell Der Sohn eines britischen Kolonialbeamten besuchte eine Eliteschule in Eton, diente von 1922 bis 1927 in der Indian Imperial Police in Burma und kehrte dann nach England zurück. Mit dem Wunsch, Schriftsteller zu werden, lebte Orwell mehrere Jahre in Paris und in London. In seinem literarischen Debüt Down and Out in Paris and London (1933) resümierte er die Erfahrungen dieser Zeit und schilderte illusionslos das Obdachlosenmilieu. Autobiographisch gefärbt war auch Burmese Days (1934), eine Anklage gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien und den Imperialismus im allgemeinen. Eine gesellschaftskritische Tendenz prägte auch das Sozialmelodram A Clergyman's Daughter (1935). Wie viele politisch interessierte Schriftsteller seiner Generation (Auden, Day Lewis) schloss sich auch Orwell 1936 den republikanischen Kräften im Spanischen Bürgerkrieg an. Aus seinem Erfahrungsbericht Homage to Catalonia (1938) sprach indessen tiefe Enttäuschung über die Querelen der Linken in Spanien, vor allem über die stalinistische Ausrichtung der Kommunisten. Einige Jahre später setzte sich die grimmige Fabel Animal Farm (1945) kritisch mit gesellschaftlichen Machtmechanismen auseinander. Und in seinem Welterfolg Nineteen Eighty-four (1948/49) verarbeitete Orwell sein pessimistisches Menschen- und Geschichtsbild in einem utopischen Roman, dessen Titel im Lauf der Jahre zum Inbegriff der philosophisch akzentuierten Science-fiction wurde. Das dort entworfene Bild einer totalitären Gesellschaft der Zukunft hat die Sowjetunion unter Stalin zum Vorbild und übertrifft in seiner Radikalität bei weitem Aldous Huxleys Brave New World (1932). Aus heutiger Sicht haben sich Orwells düstere Visionen zwar nicht konkret bestätigt, doch seine Prognose eines umfassend überwachten Staatsbürgers ohne geschützte Privatsphäre ist im fortschreitenden Medienzeitalter aktueller denn je.

 
      
Internet:       Die Zeit, Orwell Spezial, Sonderbeilage zum 100. Geburtstag.

 
NINETEEN EIGHTY-FOUR - Roman 1948/49
Zusammenfassung
Der Hauptprotagonist Winston Smith (Anspielung an den Vornamen Churchills) ist 39 Jahre alt, nicht besonders attraktiv, schmächtig und unauffällig. Er arbeitet im Wahrheitsministerium, wo er in der Abteilung für Geschichtszeugnisse (records, alle virtuellen Zeugnisse, d.h. die elektronischen Archive) arbeitet. In der fiktionalen Welt des Buches ist die Privatsphäre abgeschafft. Überall gibt es sogenannte Telescreens, die nicht nur ständig alles mit Mikrofonen und Videokameras beobachten, sondern auch noch unablässig Kriegspropaganda für den "grossen Bruder" abspulen. Dies ist der Code, die Personifizierung eines Diktators. Wahr ist, was Big Brother als wahr definiert. Dem Volk wird eingetrichtert, dass alles immer schon so war, wie es jetzt ist. Auch nur ansatzweise diese Sichtweise in Frage stellendes wird aus Zeitschriften und Büchern und damit aus dem Gedächtnis der Menschen systematisch entfernt. Smith selbst ist an diesem Prozess beteiligt, besteht doch seine Arbeit im Ministerium konkret darin, kontinuierlich alte Fakten so zu verfälschen, dass sie sich mit den aktuellen politischen Direktiven decken. Das MiniTrue, wie die Abkürzung für das Ministry of Truth lautet, stellt sich schnell als gemeiner Euphemismus heraus: seine Domäne ist in Wahrheit die Massenbeeinflussung und Meinungserzeugung. Das Ministry of Peace organisiert die permanenten Kriegsanstrengungen, denen der ganze Staat offiziell dient. Das Ministry of Plenty schmeisst die Wirtschaft und hat meistens Rationisierungen zu verkünden (plenty: Überfluss!). Das Ministry of Love schliesslich koordiniert die Rechtssprechung (engl. law!) und den Parteiterror.

Nach aussen hin verhält sich Winston ganz normal, aber in Gedanken lehnt er sich gegen den autoritären Staat auf. Er kauft sich heimlich ein Tagebuch, in das er seine Gedanken zu schreiben beginnt. Dabei versucht er immer, sich vom Televisor abzuwenden, sein Heft im toten Punkt der Kamera zu halten. Winston ist zwar verheiratet, hat aber keine Ahnung, was mit seiner Frau ist. Er lebt allein in einer Wohnung. Liebe ist im Staat sowieso unerwünscht und man könnte sagen, dass Kinder nur aus Pflicht gezeugt werden. Bei einer Versammlung aller Mitarbeiter seiner Abteilung zum sogenannten "Zwei- Minuten-Hass", der sich gegen Goldstein und dessen gefürchtete Untergrundorganisation, die «Brotherhood» richtet, entdeckt er ein junges Mädchen von ungefähr 27 Jahren, das sich hinter ihn setzt. Er fühlt sich irgendwie beobachtet und vermutet sogar, sie sei bei der gefürchteten Gedankenpolizei. Diese Vermutung bestärkt sich noch. Eines Tages geht er heimlich wieder in den Antiquitätenladen von Mr. Charrington, in dem er auch sein Tagebuch gekauft hat. Eigentlich ist dies den Angestellten in den Ministerien nicht gestattet, weil der Laden in einem Elendsviertel liegt und man sich dort nicht aufhalten darf. Im Laden kauft er einen Briefbeschwerer und unterhält sich mit dem Besitzer. Der zeigt ihm ein Zimmer im Obergeschoss, dass er früher mit seiner Frau bewohnte. Dort scheint es nicht einmal einen Televisor zu geben. Winston gefällt es dort sofort. Und als er den Laden verlässt, begegnet ihm wieder die junge Frau und er hat höllische Angst, dass sie ihn bespitzelt. Wer bei der Partei nämlich in Ungnade fällt, wird zur Unperson erklärt und alle Beweise seiner Existenz (sämtliche Urkunden, alle Zeitungsartikel etc.) würden getilgt oder abgeändert. Und was einem im Keller Nr. 101 des MiniLuv dann physisch genau passiert, hört man nur von Gerüchten.

Im zweiten Teil nimmt die Julia-Episode ihren Lauf. Als Winston Julia bei der Arbeit wieder begegnet, fällt sie gerade hin. Er will ihr aufhelfen, da ihr Arm verletzt scheint. So gelingt es ihr, ihm einen Zettel zuzustecken. Sogar diesen muss Winston heimlich lesen und überrascht wird auch der Leser durch die schlichte Botschaft: «Ich liebe dich». Nun versucht Winston natürlich, Julia näherzukommen. Doch ist das in einem diktatorischen Staat, der für Gefühle nichts übrig hat, schwer zu arrangieren. Heimlich müssen die beiden in einer Menschenmenge fast ohne die Lippen zu bewegen einen Treffpunkt ausmachen. Julia und Winston fühlen sich gezwungen, sich immer an verschiedenen Orten zu treffen, z.B. auf einer einsamen Waldlichtung, wo sie annehmen, dass es keine Telescreens gibt. Schliesslich entschliessen sie sich, sich im Zimmer bei Mr. Charrington zu treffen. Dort fühlen sie sich unbeobachtet. Auch Julia scheint nur nach aussen hin für die Partei zu sein. Nach einem verschwörerischen Zwinkern, wagt Winston Kontakt mit O'Brien, einem Mitglied der Inneren Partei, aufzunehmen. Winston glaubte nämlich schon länger, dass dieser eigentlich ein Mitglied der Brotherhood sei. Diese Annahme scheint sich zunächst zu bestätigen, als O'Brien Julia und Winston zu sich einlädt, wo er dies auch zugibt. O'Brien erzählt ihnen einiges über die Organisation und sie müssen allerlei Fragen beantworten, z.B. ob sie dafür töten oder Selbstmord begehen würden; kurzum was sie bereit wären, gegen die Partei zu tun. Das Pärchen bekennt, zu allem bereit zu sein. Einzig die Frage, ob sie sich auch trennen und einander nie wiedersehen würden, verneinen sie. Wenig später lässt O'Brien Winston heimlich "das Buch" übergeben. Einige Kapitel davon sind in Orwells Roman enthalten; es handelt sich um die theoretischen Grundlagen der Machtpolitik, wie sie die Big-Brother- Diktatur ausübt. Kurz darauf, als Julia und Winston wieder im Zimmer bei Mr. Charrington sind, bricht alles zusammen: Hinter einem Bild ist ein Televisor versteckt. Durch das Fenster kommen uniformierte Männer ins Zimmer und etwas später erscheint Mr. Charrington, der sich als Mitarbeiter der Gedankenpolizei entpuppt.

Seit diesem Ereignis hat Winston Julia nicht mehr gesehen. In seiner Haft bekommt er nur wenig zu essen. Als er sich einmal im Spiegel sieht, erkennt er die abgemagerte und fast zahnlose Gestalt kaum wieder. Er ist mit anderen Gefangenen in einer Zelle, wird aber oft verhört - meistens von O'Brien, der sich als loyales Mitglied der Inneren Partei entpuppt. Doch es bleibt nicht beim Verhör; es werden furchtbare Foltermethoden eingesetzt. Zum Beispiel wird Winston auf einem Stuhl festgeschnallt und wird manipuliert, muss möglichst das sagen, was O'Brien von ihm erwartet. Wenn er dies nicht tut, stellt O'Brien eine Skala nach oben und Winstons Körper wird bis zum absoluten Maximum gestreckt. So befiehlt ihm O'Brien nicht nur zu glauben, sondern überzeugt zu sein, 2 und 2 gebe 5. Wenn es die Partei wolle, könne es auch 6 oder 7 sein. Doch die furchtbarste Folter erfährt Winston im Kellerraum. Was eigentlich im Zimmer 101 passiert, weiss keiner der Gefangenen. Aber alle wissen, dass es das Schlimmste ist. Das Schlimmste ist individuell; jedem Mensch wird dort das für ihn Schlimmste auf der Welt vorgesetzt. Da dies für Winston Ratten sind, setzt man ihn einer Unzahl hungriger Nager aus. Ihn ergreift eine immense Panik, so dass er schliesslich schreit, sie sollen Julia nehmen, nicht ihn. Er hat sie verraten, obwohl sie sich doch geschworen hatten, dies nie zu tun. Nachdem er aufgehört hat, als Individuum zu existieren, wird er frei gelassen. Im Grossen und Ganzen lebt er seitdessen wieder normal, arbeitet wieder und trifft auch Julia noch einmal. Sie haben sich aber nichts mehr zu sagen, gestehen sich nur, dass sie jeweils den anderen verraten haben und trennen sich. Das Buch endet mit den Worten: «Er hatte den Sieg über sich selbst errungen. Er liebte den Grossen Bruder.»

Die drei Parolen
WAR IS PEACE
Die drei Superstaaten Eurasien, Südostasien und Ozeanien führen permanent Krieg. Dennoch haben sie nach dem Atomkrieg der 50er-Jahre eingesehen, dass sie einander nicht vernichten können (vgl. Abschreckungssituation im Kalten Krieg). Das Hauptgebiet von Eurasien ist Europa inkl. Russland, jenes von Ozeanien Nordamerika inkl. Grossbritannien und der Kern Südostasiens liegt in China. Daneben gibt es ein grosses Gebiet um den Äquator herum, auf das sich die Kriege konzentrieren. Hier werden billige Arbeitskräfte und unverzichtbare Rohstoffe ausgebeutet. Das Ziel der Kriege ist also nicht die Vernichtung des Gegners, sondern die Aufrechterhaltung der Kontrolle im Innern. Im "Buch" wird davon gefaselt, dass es das Ziel sei, Arbeitskraft zu zerstören, ohne den Lebensstandard erhöhen zu müssen. Daneben dient der Krieg und besonders der instrumentalisierte Hass als Legitimation für das in jeder Hinsicht harte Durchgreifen der Partei. Es gibt noch eine andere mögliche Interpretation für den Slogan, vor allem für den Frieden (siehe Anmerkungen zur Interpretation, Punkt 3).

FREEDOM IS SLAVERY
Freiheit und Gleichheit sind zwei konzeptionell metaphysische Begriffe, die seit 1789 eine wichtige Rolle im politischen Denken spielten. Gleichheit aber will die Partei mit allen Mitteln verhindern. Aus dem Buch: «In dem Augenblick, in dem Gleichheit infolge technischer Neuerung erstmals theoretisch möglich zu werden drohte, musste...» Ist nun wenigstens Freiheit erreicht? Kämpft man für eine wie auch immer geartete Freiheit gegen die anderen Staaten? Nein, denn es gibt keine Freiheit unter Big-Brother-Überwachung. Doch der Slogan wandelt diese für uns so schreckliche Aussage gleich in eine positive um. Freiheit sei gleichbedeutend mit Sklaverei. Möchtest du gerne versklavt werden? Freiheit ist ausser einer Worthülse ohnehin nichts, aber es ist besser, wenn man diese Worthülse mit einer komplett anderen Worthülse gleichsetzt, zwecks Verwirrung der Idee Freiheit, damit diese allmählich aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinde. Das ist letztlich ja auch der Zweck der Geschichtsfälschung: Die Wahrheit, dass die Partei einmal nicht regiert hat; die Wahrheit von den Weltkriegen und anderen geschichtlichen Prozessen zu vertuschen.

IGNORANCE IS STRENGTH
In der 1984-Diktatur soll man wohl vor allem gewisse Fakten ignorieren. Doch muss man auch seine Gefühls- und Gewissensregungen ignorieren, wenn sie der Parteimeinung widersprechen. Das Fremdwort Ignoranz bedeutet nun aber im Französischen, und auch im Englischen, eigentlich Unwissenheit. Es ist das Gegenteil der culture. Und tatsächlich zerstört ja die Propagandamaschine systematisch das, was wir heute "Zivilgesellschaft" nennen. Die durchgreifende individuelle Isolierung weist jedem sein Gefängnis in Form eines staatlichen Arbeitsplatz zu, von dem aus er überwacht werden kann. Die Macht unter Umständen gefährdende Gruppenbildungen werden so systematisch verunmöglicht. Wo ein Gespräch unter vier Augen möglich wäre, stehen Telescreens. Man resigniert, man stumpft ein, man wird zum Tier. Und das ist - nach Parteimeinung - die grösste Tugend.

Interpretation
Orwell war zwar Sozialist, doch wurde ihm in den späten Vierziger-Jahren klar, dass Stalins Sowjetunion weit weg von den sozialistischen Idealen war und dieser machthungrige Politiker sich genau so schrecklich wie Hitler seinerzeit aufführte. 1984 soll die Leser bewusst schocken, soll aufmerksam machen, wie leicht die Menschlichkeit zerstört werden kann und worin die Gefahren einer absolutistischen Herrschaft liegen. Der Grosse Bruder ist in seiner Beschreibung Stalin nachempfunden; allerdings kommt er nie persönlich vor. Es gibt aber eine Menge weiterer Gegebenheiten, die tatsächlich der politischen Praxis des Stalinismus dieser Zeit entsprachen, so z.B. dass Gegner in Arbeitslager geschickt oder gefoltert werden. Oder dass Kinder ihrer Eltern verraten, wie das auch im Nationalsozialismus der Fall war. Dies geschieht auch im Buch mit einem Nachbarn. (Obwohl nie ausgesprochen, fühlt sich Winston schuldig, sobald ihm seine Mutter nur in den Sinn kommt, hat er sie auch verraten?) Orwell geht durch seinen Televisor allerdings noch einen Schritt weiter. Ist Orwells These, dass Widerstand gegen totalitäre Regime nutzlos sei? Eher nein, schliesslich ist das Buch ja auch keine Prophezeiung der Zukunft, sondern eine Antiutopie, die man als Warnung verstehen kann. Der Ruin von Winston ist zwar in der Welt, die Orwell geschaffen hat, unvermeidlich, aber wir Menschen können die Bildung solcher Gesellschaften vermeiden, wenn alle daran arbeiten (würden), die Menschenwürde und die individuelle Freiheit intakt zu halten.

 

    Der Abzählvers verklärt die für immer zerstörte Vergangenheit. Winston weiss, dass er als einer der letzten ein paar Strophen davon kennt; und ihm ist bewusst, dass dies bedeutete, dass in einer Generation den Vers niemand mehr kennen wird. Vom Inhalt her unspektakulär, geht es um die Kirchen von London, die möglicherweise abgerissen worden waren. Es fällt auf, dass es ausgerechnet die Geheimdienstagenten sind, die als einzige den kompletten Vers kennen. Bewahrt die Innere Partei also die wirklich wahren Fakten? Warum könnte das sinnvoll sein?
    Im Kino beginnt eine Proletarierfrau zu schreien, als ein Massenmord gezeigt wird. «Zeigt das nicht den Kindern, hier hat es kleine Kinder im Saal», schreit sie, während sie abgeführt wird. Zum einen steht diese Frau symbolhaft für die Urmutter Eva, zum anderen als Gegenbeispiel zu Winston. Dessen Widerstand gründet auf der Vernunft (Kopf), der Widerstand der Proletarierin hingegen auf den Gefühlen (Herz). Warum aber konnte sich der Indo- Engländer Orwell kein Terrorregime denken, dass ohne Proletarier auskommt? Dass es eine innere Partei mit den wahren Herrschern und eine äussere Partei mit allen, die gerne herrschen würden, gibt, macht Sinn. Doch die dritte Kategorie der Proletarier nicht, denn auch sie müssten konsequenterweise überwacht werden.
    Dass die Kriege so begrenzt und abgesprochen sind, und die drei Diktaturen so ähnlich, kann einem auf folgenden Gedanken bringen: Was wäre wenn die 3 Big Brothers in Wirklichkeit einer sind? Es hätte also so eine Art Stalin gegeben, dem das Kunststück gelang, weltweit alles unter Kontrolle zu bekommen, und er hätte sich dann wieder aufgespalten, um die Herrschaft für alle Zeiten zu konsoldieren. In diesem Falle bekäme die Parole War is Peace eine ganz andere Bedeutung: der Krieg müsste gar nicht stattfinden. Wo nämlich keine unabhängige Information möglich ist, kann man auch jahrelang von erfundenen Feldzügen sprechen, geht es doch ohnehin nur um die Heimfront. Eine von Orwells Hauptthesen ist ja, dass sich der eigentliche Krieg jeder Diktatur gegen innen richtet.
    Für das Verständnis des Romans ist NewSpeek unwichtig. Der Grundgedanke dahinter ist aber recht interessant. Orwell stellt sich vor, dass man mit genug diktatorischem Druck sogar die Sprache neu erfinden kann. Anhand der geschilderten Beispiele im Anhang erkennt man, dass es bei dieser Sprache darum gehen würde, möglichst wenig Gedanken überhaupt zu ermöglichen. «Sprache ist Denken», meinte schon Parmenides. Sicher stört es einige Machthaber, dass man etwas sagen und das Gegenteil meinen kann. Vermutlich wäre es also das Ziel von NewSpeek, ironische Bemerkungen ein für allemal zu verunmöglichen.

 
BERÜHMTE ZITATE
Freiheit
«Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.»
«Freiheit ist die Freiheit zu sagen, dass zwei und zwei vier ergibt. Wenn das garantiert ist, folgt alles andere von selbst.»

Politik
«Der Liberale ist ein Anbeter der Macht ohne Macht.»
«Man hat gewöhnlich nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen zwei Übeln zu wählen.»
«Die Schwäche aller linken Parteien ist ihre Unfähigkeit, etwas Wahres über die unmittelbare Zukunft zu sagen.»

Andere Aussprüche
«Mit fünfzig hat jeder das Gesicht, das er verdient.»
«Der ist der beste Lehrer, der sich nach und nach überflüssig macht.»
«Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.»
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