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Über uns – HINTER DEN SCHLAGZEILEN

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„Die erste Pflicht aller Journalisten müsste doch sein, nicht gegen irgendeinen Feind, sondern gegen den Krieg mobil zu machen!“,

 

 

  Wie soll ein Grundeinkommen finanziert werden?
Welche historische Reichweite soll es haben?
Ist es ethisch vertretbar, lebenslang Leistungen ohne Gegenleistung zu beziehen?
Auf diese Fragen nur folgende Kurzantworten. Die Finanzierung über eine stark erhöhte Konsum-
steuer, die nach Wegfall aller anderen Steuern als einzige Steuer übrig bliebe, zusammen mit
dem Entfallen der derzeit jährlich zu leistenden 700 Milliarden Transferleistungen und der
Steuerverwaltungsbürokratie, eröffnet Strategien der Finanzierbarkeit.

Bernhard H. F. Taureck: Gleichheit für Fortgeschrittene

Cover

Vor den Rettungs-
aktionen und der Zahl ihrer Milliarden hätte man bei Lücken von 50 bis 100 Milliarden
wohl das Gespräch abgebrochen und denen einen Vogel gezeigt, die das Grundeinkommen
für finanzierbar halten. Doch das Irreale ist in der Realität gelandet. "Sollte Schlachtbank"
- so Karl Kraus - nicht vielmehr von der Verbindung der Schlacht mit der Bank herkommen?
Es wurdeen gewährt: 480 Milliarden Euro für die Banken, 100 als Konjunkturpakete,
150 für Wirtschaftsfonds, 5 für Länderfonds, 5 für die Abwrackprämie, Steuerentlastungen
für Unternehmen von 3, Nachtragshaushalte mit einer zusätzlichen Nettokreditaufnahme von
47,6 Milliarden Euro. Daraus folgt: Wenn man mehr als 700 Milliarden Reperaturkosten für
ein altes system zu zahlen bereit ist, dann ist nicht einsehbar, weshalb zwischen 50 und
100 Milliarden für den Aufbau eines neuen Systems nicht grundsätzlich bereit stehen könnten
oder sollten.

 

Wie es um die Gleichheit der Bildung steht, dürfte bekannt sein. Der Anspruch auf Gleichschaltung
aller Staatsbürger ließe sich wirksam durch eine Bildungsverbesserung erreichen, in welcher ein
Gleichgewicht zwischen der Zahl der Schulanfänger  und der Schulabschlüsse erzielt würde,
das das chronische Ungleichgewicht ablöst. Mit dem BOLOGNA-PROZESS, der nicht unwesentlich
von der BERTELSMANN-STIFTUNG konzipiert wurde, geht es seit 1999 um eine Vereinheitlichung
der Studiengänge und Studienabschlüsse in Europa. Doch der Öffentlichkeit wird in der Regel vor-
enthalten, dass diese nicht das Ziel, sondern nur ein Mittel darstellen. Das Ziel ist eine Verein-
nahmung der Universitäten durch das privatwirtschaftliche Unternehmertum, wie es in den USA
praktiziert wird, die trotz ihres ökonomischen Totalversagens (Umstellung auf eine reine Nach-
fragewirtschaft, welche die Nachfrage nach Immobilien auf ungedeckte Kredite ausdehnte und
durch Aufhebung der Entkoppelung von Finanz- und Realwirtschaft 2008 die Globalkrise auslöste)
noch immer als Vorbild genommen werden. Der Gedanke der Gleichwürdigkeit der Hochschulen durch
Ausrichtung auf dasselbe - auf Erkenntnis im Sinn eines Hingewendetseins auf ein und dasselbe,
wie es "universitas" meinte - soll ersetzt werden durch eine Spaltung in wenige Forschungs- und
viele Ausbildungsuniversitäten. Analog zur Entstehung wirtschaftlicher Oligopole soll es ebenfalls
einen universitären Oligopol der Hochschulen geben. In der Schulpolitik wurden "Bildungsstandards"
vorgegeben, die in Wirklichkeit Leistungsstandards sind. Hier liegt eine wirtschaftsanaloge Output-
orientierung vor, in welcher Furchterzeugung auf Seiten der SchülerInnen (zusätzliche Leistungstests)
mit Machtstabilisierung der Privelegierten korreliert:
Auf keinen Fall soll in der Bundesrepublik das dreigliedrige Schulsystem angetastet werden, das den
Privelegierten den Schulerfolg auf Kosten derer garantiert (Kinder aus bildungsfernen Schichten), die
bei gleichartigen Leistungsvoraussetzungen scheitern und deren Scheitern im System vorgesehen ist.
Die strukturelle Ökonomisierung von Schule und Hochschule entspricht einer post- oder parademo-
kratischen Ersetzung politisch-öffentlicher durch privatwirtschaftliche Kompetenz.
Das Gemeinsame zwischen Privatwirtschaft und Schule spiegelt sich nicht lediglich im Zulauf der
gymnasialen Privatschulen, sondern im Gebrauch des Adjektivs oder Adverbs "gut" an den für das
System begründungsrelevanten Stellen. Es geht um Garantien für "gute" Schulen, "gute" Pädagogen,
"gute" Leistungen, "gute" Arbeit.

Auch jene Decke einer Eishalle in Bayern befand sich im Urteil der
Experten noch in "gutem" Zustand, bevor sie 2006 einstürzte. Auch den gesunkenen Atom-U-Booten
 am Grunde des russischen Nordmeeres wird ein "guter" Zustand attestiert. Das Vakuum-Prädikat
"gut", auf das man sich stets einigen kann, weil ihm nichts entspricht, was einzulösen oder überprüfbar
wäre, dient mühelos als rhetorischer Hebel einer Schulpolitik der Ungleichfortsetzung.
Ab November 2009 kommt es zu Protesten der Studierenden gegen die Zerstörung druch Paukbeding-
ungen. Hochschulen werden besetzt. Die Regierung verspricht eine Erhöhung der Bafög-Zusätze ab
Oktober 2010, koppelt diese Zusage jedoch an die Einführung von Stipendien an leistungsstarke
Studierende. Hier wird ein Köder der belohnten Ungleicheit ausgelegt. Denn die geplanten Stipendien
werden erstens von der Wirtschaft und Konjunktur abhängig (die Hochschulen) sollen 50% der
Stipendienzahlungen bei der Wirtschaft einwerben). Zweitens ist nicht unbekannt, dass es geheime
Codes der Stipendienvergabe gibt, an denen nicht selten diejenigen scheitern, die nicht bildungsnah-
bürgerlichen Schichten oder Lagen stammen.  (Quelle: Zitiert aus dem Buch von Bernhard H.F. Taureck
- GLEICHHEIT FÜR FORTGESCHRITTENE, Seite 81-83.
Mehr Lesestoff in meiner Bibliothek.

 

Gleichheit für Fortgeschrittene - Socialnet

www.socialnet.de/rezensionen/10159.php
22.10.2010 - Rezension von Bernhard H. F. Taureck: Gleichheit für Fortgeschrittene.