Links:

Demofotos.

Anarchy - Fotografie - anarchy-photography-geroldflock

https://www.geroldflock-photography.de/

 

Unruhen.org

unruhen.org/

~ Tsveyfl

www.tsveyfl.de/

Diese Schrift rüttelt nicht nur an vermeintlich linken Gewissheiten, sie bricht ganz offen mit ihnen.

Graswurzelrevolution

https://lavamuc.noblogs.org/
lava [muc] – libertäre Antifa

Alles Verändern, ein anarchistischer aufruf / …

https://www.crimethinc.com/tce/deutsch

 

Postanarchismus

www.postanarchismus.net/

No Power For No One! Postanarchismus setzt sich mit poststrukturalistischen und postmodernen Theorien aus anarchistischer Perspektive auseinander.

FdA-Logo

Crimethinc

Verlag Edition AV - Ne znam - Zeitschrift für Anarchismusforschung

www.edition-av.de/ne_znam.html

Ne znam. Zeitschrift für Anarchismusforschung Herausgeben von Philippe Kellermann. Ne znam (kroatisch) – zu Deutsch: Ich weiß es nicht. Was gewusst wird ...

A-Fahne

Anarchistische Gruppe Mannheim
www.anarchie-mannheim.de

Lexikon der Anarchie – DadAWeb

dadaweb.de/wiki/Lexikon_der_Anarchie


www.anarchismus.at

Rubikon - Magazin für die kritische Masse

https://www.rubikon.news/

Rubikon ist das Magazin für die kritische Masse. Wir berichten über das, was in den Massenmedien nicht zu finden ist.

HINTER DEN SCHLAGZEILEN

https://hinter-den-schlagzeilen.de/

HOME-HINTER-DEN-SCHLAGZEILEN

Libertad Verlag: Bücher der Freiheit und Solidarität

https://www.libertadverlag.de/

Literatur fuer die Anarchie- und Anarchismus-Forschung. Themen: Anarchie, Anarchismus, Anarchosyndikalismus, Linksradikalismus.

 

Bildergebnis für ausgestrahlt

.ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie | .ausgestrahlt.de

https://www.ausgestrahlt.de/

ausgestrahlt ist eine bundesweit tätige Anti-Atom-Organisation. Wir vernetzen AtomkraftgegnerInnen, organisieren Proteste und informieren zum Atomausstieg.

FAU-Fahne

FAU - Mehr als nur Gewerkschaft

Untergrund-Blättle | Online Magazin

 
www.untergrund-blättle.ch

Artikel, Reportagen und Analysen aus dem politischen und kulturellen Untergrund. Rezensionen, Essays und linke ...

Bildergebnis für anarchistischebibliothek.org

Die anarchistische Onlinebibliothek | Anarchistische ...

anarchistischebibliothek.org/special/index

 

Edition Irreversibel

https://editionirreversibel.noblogs.org/

Bibliothek der Freien

bibliothekderfreien.de

Die Bibliothek der Freien existiert seit Dezember 1993. Wir sammeln libertäre Publikationen und Archivalien aus allen Zeiten und in allen Sprachen.

Gaudiblatt – umsonst – aber nicht vergebens

https://gaudiblatt.de/

Gaudiblatt

 

Demofotos.

Verlag Edition AV - Anarchismus und Theorie

www.edition-av.de/theorie.htm

Bücher seit 1974 | EDITION NAUTILUS

https://edition-nautilus.de/

Willkommen bei Unrast Verlag – Bücher der Kritik

https://www.unrast-verlag.de/

UNRAST - Bücher der Kritik.

Anarchy - Photography - Gerold Flock

www.geroldflock-photography.de/


 Thesen und Zitate
I. HANNAH ARENDT: WAS IST POLITIK?

Lit: Arendt, Hannah: Was ist Politik? Fragmente aus dem Nachlass, hrsg. von Ursula Ludz, München/Zürich 1993

    a) Die Haupt-Thesen Hannah Arendts
        1. "Politik beruht auf der Tatsache der Pluralität der Menschen." (S. 9)
        2. "Politik handelt von dem Zusammen- und Miteinandersein der VERSCHIEDENEN." (S. 9)
        3.  "Der Ruin der Politik entsteht aus der Entwicklung politischer Körper aus der Familie, da in ihr die ursprüngliche Verschiedenheit ebenso wie die essentielle Gleichheit aller Menschen ausgelöscht ist." (S. 10)
        4.  "DER Mensch, wie ihn Philosophie und Theologie kennen, existiert - oder wird realisiert - in der Politik nur in den gleichen Rechten, die die Verschiedensten sich garantieren." (S. 11)
        5.  "Politik entsteht in dem ZWISCHEN-DEN-MENSCHEN, also durchaus AUSSERHALB DES Menschen, sie entsteht im Zwischen und etabliert sich als der Bezug, nicht als eigentlich politische Substanz." (S. 11)
        6.  "Politik organisiert die absolut Verschiedenen im Hinblick auf RELATIVE Gleichheit und im Unterschied zu RELATIV Verschiedenen." (S. 12)
        7. "Wenn man in unserer Zeit über Politik reden will, so muß man mit den Vorurteilen beginnen, die wir alle, wenn wir nicht gerade Berufspolitiker sind, gegen Politik hegen." (S. 13)
        8. "Diese Vorurteile, die uns allen gemeinsam sind, stellen selbst etwas Politisches im weitesten Sinn des Wortes dar ..." (S. 13)
        9. "Politik hat es ... auch immer und überall mit der Aufhellung und Zerstreuung von Vorurteilen zu tun, was aber nicht  besagt, dass es in ihr überhaupt um eine Erziehung zur Vorurteilslosigkeit ging, noch dass diejenigen, die sich um eine solche Aufklärung bemühen, selber von Vorurteilen frei wären." (S. 15)
        10.  "Auf die Frage nach dem Sinn von Politik gibt es eine so einfache und in sich so schlüssige Antwort, dass man meinen möchte, weitere Antworten erübrigten sich ganz und gar. Die Antwort lautet: Der Sinn von Politik ist Freiheit." (S. 28)
        11.  "Unsere heutige Frage entsteht aus sehr realen Erfahrungen, die wir mit Politik gemacht haben; sie entzündet sich an dem Unheil, das Politik bereits in unserem Jahrhundert angerichtet hat, und dem größeren, das aus ihr zu erwachsen droht." (S. 28)
        12. "Als solches hat das Politische so wenig immer und überall existiert, dass historisch gesprochen nur wenige große Epochen es gekannt und verwirklicht haben. Diese wenigen großen Glücksfälle der Geschichte aber sind entscheidend; nur in ihnen tritt der Sinn von Politik, und zwar sowohl das Heil wie das Unheil des Politischen voll in Erscheinung." (S. 41/42)
        13. Alle ideologischen politischen Bewegungen haben "die Vorstellung, dass die Freiheit der Menschen der historischen Entwicklung geopfert werden müsse, deren Prozeß von Menschen nur gehindert werden kann, wenn sie in Freiheit handeln und sich bewegen. ... In all diesen Fällen tritt an die Stelle eines wie immer gearteten Begriffes von Politik der moderne Geschichtsbegriff; politische Ereignisse und politisches Handeln werden in geschichtliches Geschehen aufgelöst, und Geschichte wird im wörtlichsten Sinne als ein Geschichtsfluß verstanden." (S. 42/43)
        14. "Für uns ist hier nur entscheidend, dass wir Freiheit selbst als etwas Politisches verstehen und nicht als den vielleicht höchsten Zweck politischer Mittel, und dass wir einsehen, dass Zwang und Gewalt zwar immer Mittel waren, um den politischen Raum zu schützen oder zu gründen oder zu erweitern, aber als solche gerade selbst nicht politisch sind. Sie sind die zum Phänomen des Politischen gehörigen Randphänomene und darum gerade nicht es selbst." (S. 53)
        15. "Die Vorstellung, dass es Politik immer und überall gäbe, wo es Menschen gibt, ist selbst ein Vorurteil, und das sozialistische Ideal von einem staatslosen, und das heißt bei Marx politiklosen, Endzustand der Menschheit ist keineswegs utopisch, es ist nur grauenhaft." (S. 79)
        16.  "Im Mittelpunkt aller Politik steht die Sorge um die WELT ... Politik bezweckt Änderung oder Erhaltung oder Gründung von Welt. ... Die Weltentfremdung der Neuzeit ist eingedrungen in die Politik mit Marx, der von der Selbstentfremdung des Menschen spricht. Entscheidend ist, dass Marx die Welt nur verändern wollte, um den Menschen zu erlösen, und zwar von der Welt." (S. 192)
    b) Der rekonstruierte Begriff des Politischen
        Unter Politik versteht Hannah Arendt: das existentiell freiheitsverwirklichende (10-15) und sich dabei um die Welt sorgende (16), reflektiv urteilende (7-9) Zusammen- und Miteinander-Handeln von ursprüngliche gleich(artig)en und zugleich absolut verschiedenen Menschen (1-6).
        vgl. dazu Vollrath, a.a.O., S. 21: "Der enthusiastische Begriff des Politischen ... besagt recht eigentlich, dass das Politische, die politische Art der Verbandsbildung, das Einzige ist, was Menschen zu einem Gemeinsamen zusammenbringen kann, ohne dass sie dabei ihre Unterschiedlichkeit, die ihr Personsein ausmacht, aufzugeben hätten. Sie konstituieren das Politische als jenes Gemeinsame einer Welt zwischen sich als dasjenige, woran sie Anteil haben durch den Beitrag, den sie in ihrer Unterschiedenheit dazu leisten."
    c) Mögliche Vorwürfe an Hannah Arendt
        enthusiastisch? existentialistisch? apolitisch? (Freiheit als Sinn der Politik? Republikgründung als spontaner Akt des gemeinsamen Handelns? Radikale Authentizität der politischen Freiheit?)
        idealistisch? un-realistisch? utopisch? (unter den Bedingungen des gegenwärtigen Zeitalters ohne Aussicht auf Realisierung?)
        normativ? moralisierend? (kognitiv unzuverlässige und daher überholungsbedürfte Variante `der ehrwürdigen Figur des Vertrages´)
        romantisch? (Versuch einer Wiederbelebung der antiken Polis?)
        Bei genauerer Betrachtung treffen alle diese Vorwürfe nicht oder nur zum Teil zu. Näheres dazu später.


II.  HANNAH ARENDT: VORURTEIL UND URTEIL

In Fragmenten zu ihrer nie erschienenen "Einführung in die Politik", also einem politischem "Lehr"werk, schreibt Hannah Arendt vom "Vorurteil gegen Politik und was Politik in der Tat heute ist" bzw. vom "Vorurteil und Urteil", bevor sie schließlich die Frage aufwirft "Hat Politik überhaupt noch einen Sinn?" und diesen schließlich herauszuarbeiten versucht. Lassen wir Hannah Arendt in einer längeren Passage aus ihren erst seit 1993 zugänglichen Texten zur "Einführung in die Politik" selbst zu Wort kommen:

    "Wenn man in unserer Zeit über Politik reden will, so muß man mit den Vorurteilen beginnen, die wir alle, wenn wir nicht gerade Berufspolitiker sind, gegen Politik hegen. Diese Vorurteile, die uns allen gemeinsam sind (die wir miteinander teilen, die uns selbstverständlich sind, die wir einander im Gespräch zuwerfen können, ohne uns erst umständlich über sie erklären zu müssen), stellen selbst etwas Politisches im weitesten Sinn des Wortes dar (- nämlich etwas, was einen integralen Bestandteil der menschlichen Angelegenheiten bildet, in deren Raum wir uns tagtäglich bewegen): Sie entspringen nicht dem Hochmut der Gebildeten und sind nicht dem Zynismus derer geschuldet, die zuviel erlebt und zuwenig verstanden haben. Wir können sie nicht ignorieren, weil sie sich in uns selbst zu Worte melden, und wir können sie nicht mit Argumenten beschwichtigen, weil sie sich auf unleugbare Realitäten berufen können und die wirklich bestehende gegenwärtige Situation getreulich widerspiegeln, und zwar gerade in ihren politischen Aspekten. (Dass Vorurteile eine so außerordentlich große Rolle im alltäglichen Leben und damit in der Politik spielen, braucht man an sich nicht zu beklagen, und man sollte auf keinen Fall versuchen, es zu ändern. Denn ohne Vorurteile kann kein Mensch leben, und zwar nicht nur, weil keines Menschen Klugheit oder Einsicht dazu ausreichen würde, all das neu zu beurteilen, worüber ihm ein Urteil im Laufe seines Lebens abverlangt wird, sondern weil eine solche Vorurteilslosigkeit eine übermenschliche Wachheit erfordern würde.) Dennoch sind diese Vorurteile keine Urteile. (Offenbar hat diese Berechtigung des Vorurteils als Maßstab des Urteilens innerhalb des alltäglichen Lebens ihre Grenzen.) Sie zeigen an, dass wir in eine Situation geraten sind, in der wir uns gerade politisch nicht oder noch nicht zu bewegen verstehen. Die Gefahr ist, dass das Politische überhaupt aus der Welt verschwindet. Aber die Vorurteile greifen vor; sie schütten das Kind mit dem Bade aus, verwechseln das, was der Politik ein Ende machen würde, mit Politik und stellen das, was eine Katastrophe wäre, hin, als wäre es in der Natur der Sache gelegen und daher unabwendbar. (Einer der Gründe für die Wirksamkeit und Gefährlichkeit von Vorurteilen liegt darin, dass sich in ihnen immer ein Stück Vergangenheit verbirgt. Bei näherem Zusehen ist ferner ein echtes Vorurteil daran zu erkennen, dass sich in ihm ein einmal gefälltes Urteil verbirgt, das ursprünglich einen ihm angemessenen legitimen Erfahrungsgrund hatte und zum Vorurteil nur wurde, weil es unbesehen und unrevidiert durch die Zeiten geschleppt wurde. ... Will man Vorurteile zerstreuen, so muß man immer das in ihnen enthaltene vergangene Urteilen erst einmal wieder entdecken, also eigentlich ihren Wahrheitsgehalt aufzeigen. Geht man an diesem vorbei, so können ganze Bataillone von aufklärenden Rednern und ganze Bibliotheken von Broschüren nichts erreichen, wie die schier unendlichen und unendlich fruchtlosen Bemühungen hinsichtlich solcher mit Vorurteilen ältester Art überladener Probleme wie des Negerproblems in den Vereinigten Staaten oder des Judenproblems deutlich zeigen. ... Das Wort Urteilen hat in unserem Sprachgebrauch zwei durchaus voneinander zu scheidende Bedeutungen, die uns doch, wenn wir sprechen, immer durcheinandergehen. Es meint einmal das ordnende Subsumieren des Einzelnen und Partikularen unter etwas Allgemeines und Universales, das regelnde Messen mit Maßstäben, an denen sich das Konkrete auszuweisen hat und an denen über es entschieden wird. In allem solchen Urteilen steckt ein Vor-Urteil; beurteilt wird nur das Einzelne, aber weder der Maßstab selbst noch seine Angemessenheit für das zu Messende. Auch über den Maßstab ist einmal urteilend entschieden worden, aber nun ist dies Urteil übernommen und gleichsam zu einem Mittel geworden, weiter urteilen zu können. Urteilen kann aber auch etwas ganz anderes meinen, und zwar immer dann, wenn wir mit etwas konfrontiert werden, was wir noch nie gesehen haben und wofür uns keinerlei Maßstäbe zur Verfügung stehen. Dies Urteilen, das maßstablos ist, kann sich auf nichts berufen als die Evidenz des Geurteilten selbst, und es hat keine anderen Voraussetzungen als die menschliche Fähigkeit der Urteilskraft, die mit der Fähigkeit zu unterscheiden sehr viel mehr zu tun hat als mit der Fähigkeit zu ordnen und zu subsumieren. ... In jeder historischen Krise geraten erst einmal die Vorurteile ins Wanken, es ist auf sie kein Verlass mehr, und gerade weil sie, in der Unverbindlichkeit des `man sagt´, `man meint´, in dem begrenzten Raum, wo sie berechtigt sind und gebraucht werden, nicht mehr auf Anerkennung rechnen können, verfestigen sie sich leicht zu etwas, was sie von Haus aus ganz und gar nicht sind, nämlich zu jenen Pseudotheorien, die als geschlossene Weltanschauungen oder alles erklärende Ideologien die gesamte geschichtliche und politische Wirklichkeit zu begreifen vorgeben. Wenn es die Funktion des Vorurteils ist, den urteilenden Menschen davor zu bewahren, jedem Wirklichen, das ihm begegnet, offen sich exponieren und denkend gegenübertreten zu müssen, so erfüllen die Weltanschauungen und Ideologien gerade diese Aufgabe so gut, dass sie vor aller Erfahrung schützen, da in ihnen ja angeblich alles Wirkliche irgendwie vorgesehen ist. Gerade diese Universalität, die sie so deutlich von den Vorurteilen trennt, die immer nur partieller Natur sind, zeigt deutlich an, dass nicht nur auf die Vorurteile, sondern auf die Maßstäbe des Urteilens und auf das in ihnen Vor-Geurteilte kein Verlass mehr ist, dass sie buchstäblich unangemessen sind. Dies Versagen der Maßstäbe in der modernen Welt - die Unmöglichkeit, das, was geschehen ist und täglich neu geschieht, nach festen, von allen anerkannten Maßstäben zu beurteilen, es zu subsumieren als Fälle eines wohlbekannten Allgemeinen, sowie die mit dieser eng verbundene Schwierigkeit, für das, was geschehen soll, Prinzipien des Handelns anzugeben - ist oft als ein der Zeit inhärenter Nihilismus beschrieben worden, als eine Entwertung aller Werte, eine Art Götterdämmerung und Katastrophe der moralischen Weltordnung. All solche Interpretationen setzen stillschweigend voraus, dass Menschen das Urteilen überhaupt nur da zugemutet werden könne, wo sie Maßstäbe besitzen, dass die Urteilskraft also nicht mehr sei als die Fähigkeit, das Einzelne richtig und angemessen dem ihm zugehörenden Allgemeinen, über das man einig ist, zuzuordnen. ... Der Verlust der Maßstäbe, der in der Tat die moderne Welt in ihrer Faktizität bestimmt und durch keine Rückkehr zum guten Alten und keine willkürliche Aufstellung neuer Werte und Maßstäbe rückgängig gemacht werden kann, ist also eine Katastrophe der moralischen Welt nur, wenn man annimmt, Menschen wären eigentlich gar nicht in der Lage, Dinge an sich selbst zu beurteilen, ihre Urteilskraft reiche für ein ursprüngliches Urteilen nicht aus." (Arendt, Hannah: Was ist Politik? Fragmente aus dem Nachlass, hrsg. von Ursula Ludz, S. 13-27. Es wurde versucht zwei Fragmente zusammenzulesen, wobei Fragment A zugrundegelegt, Fragment B in Klammern eingefügt wurde.)

Das was Hannah Arendt hier am Phänomen "Politik" über die Urteilskraft des Menschen schreibt, ist durch und durch phänomenologisch. Zunächst gilt es, die Lebenswelt der Vorurteile ernst zu nehmen, als vor-wissenschaftlichen Bereich des Meinens gelten zu lassen und ihr einen Wert zuzusprechen. Es gibt aber Zeiten, Zeiten der Krise, in denen die lebensweltlichen Vorurteile versagen, weil über die hinter ihnen stehenden Maßstäbe kein Konsens mehr erzielt werden kann und sie sich deshalb in Weltanschauungen und Ideologien verwandeln, die nicht mehr entlasten, sondern abhängig machen und so wie sie zusammenbrechen, auch die Menschen, die an sie geglaubt haben, in die Tiefe reißen. Dieser Prozeß kann nur dadurch verhindert werden, wenn frühzeitig ein Vertrauen in die Fähigkeit der eigenen kritischen Urteilskraft ausgebildet wird, das in Krisensituationen von Vorurteilen absehen, die grundsätzliche Frage, z.B. "Hat die Politik noch einen Sinn?" stellen, dabei alles Gemeinte in Frage stellen, so neu zum Eigentlichen, zum Wesen, zum Sinn - hier der Politik, nämlich "Der Sinn der Politik ist Freiheit" (Ebd., S. 28) - vorstoßen und diesen Sinn dann näher entfalten kann.
Auf die politische Bildung gewendet heißt dies nichts anderes, als den Schülern im politischen Unterricht und den Teilnehmern außerschulischer politischer Bildung ihre lebensweltliche Perspektivität bewusst zu machen und sie beispielhaft immer wieder Vertrauen in die Fähigkeit ihrer eigenen Urteilskraft gewinnen zu lassen, und sie dabei mit dem notwendigen Wissen zu konfrontieren, dass es ihnen möglich macht, einerseits weltanschauliche und ideologische Verengungen zu erkennen, andererseits den neu gewonnenen, tieferen Sinn eines Phänomens inhaltlich ausfüllen zu können.
Dabei werden sie zwangsläufig über "das Faktum menschlicher Pluralität" stolpern, das die Eigenschaft hat, Menschen in ihrem Harmoniebedürfnis zu verunsichern. Es geht um die Frage der "Einfühlung", wie Husserl es genannt hat, die Frage nach der intersubjektiven Mitteilbarkeit, die Möglichkeit der Verallgemeinerung der zunächst individuell gewonnenen Urteile. Diese Problematik muß deshalb eigens thematisiert werden muß. Hannah Arendt schreibt davon in ihrem Buch "Vita activa" im fünften Kapitel "Das Handeln":

     "Das Faktum menschlicher Pluralität, die grundsätzliche Bedingung des Handelns wie des Sprechens, manifestiert sich auf zweierlei Art, als Gleichheit und als Verschiedenheit. Ohne Gleichartigkeit gäbe es keine Verständigung unter Lebenden, kein Verstehen der Toten und kein Planen für eine Welt, die nicht mehr von uns, aber doch immer noch von unseresgleichen bevölkert sein wird. Ohne Verschiedenheit, das absolute Unterschiedensein jeder Person von jeder anderen, die ist, war oder sein wird, bedürfte es weder der Sprache noch des Handelns für eine Verständigung; ... Sprechend und handelnd schalten wir uns in die Welt der Menschen ein, die existierte, bevor wir in sie geboren wurden, und diese Einschaltung ist wie eine zweite Geburt, in der wir die nackte Tatsache des Geborenseins bestätigen, gleichsam die Verantwortung dafür auf uns nehmen." (Arendt, Hannah: Vita activa, Stuttgart 1960, S. 164 f.)

Wer wirklich in Beziehung treten will, muß wahrhaftig sein, er muß sagen, wer er ist, woher er kommt, was für eine Lebenswelt er mitbringt und er muß Verständnis aufbringen können, für die Lebenswelt der anderen. Es geht im wahrsten Sinne des Wort um Toleranz um das Ertragen der Pluralität, der Verschiedenartigkeit. Nur so ist ein eigentliches Miteinander möglich.
 "Ohne diese Eigenschaft, über das Wer der Person mit Aufschluss zu geben, wird das Handeln zu einer Art Leistung wie andere gegenstandgebundene Leistungen auch. Es kann dann in der Tat einfach Mittel zum Zweck werden, sowie Herstellen ein Mittel ist, einen Gegenstand hervorzubringen. Dies tritt immer dann ein, wenn das eigentliche Miteinander gestört ist oder auch zeitweilig zurücktritt und Menschen nur für- oder gegeneinander stehen und agieren, wie etwa im Kriegsfall, wenn Handeln nur besagt, bestimmte Gewaltmittel bereitzustellen und zur Anwendung zu bringen, um gewissen, vorgefasste Ziele für sich selbst und gegen den Feind zu erreichen. In solchen Fällen, von denen die Geschichte der Menschheit so viel zu erzählen weiß, dass man sie lange Zeit für die eigentliche Substanz des Geschichtlichen überhaupt hielt, ist Sprechen in der Tat `bloßes Gerede´, nämlich ein Mittel unter anderen für die Erreichung des Zweckes, ob dies Mittel nun dazu dient, dem Feind Sand in die Augen zu streuen, oder dazu, sich selbst an der eigenen Propaganda zu berauschen."
Auf dem Hintergrund dieser Überlegungen wird nochmals deutlich, dass es im politischen Lernprozess nicht darum gehen kann, dem Lernenden seine subjektiven Interessen oder die objektive Bedeutsamkeit dieser oder jener Werte deutlich zu machen, sondern ihn zu befähigen die Voraussetzungen seines Sprechens und Handelns, und damit auch seines Lernens bewusst zu machen, damit "Die Enthüllung der Person im Handeln und Sprechen" - so der Titel des ersten Abschnitts des besagten Kapitels in "Vita activa" - möglich wird, sowohl die der eigenen Person als auch die des anderen. In Bezug auf den Sinn der Politik, die Freiheit, heißt dies nach Hannah Arendt:

    "Ursprünglich erfahre ich Freiheit im Verkehr mit anderen und nicht im Verkehr mit mir selbst. Frei SEIN können Menschen nur in Bezug aufeinander, also nur im Bereich des Politischen und des Handelns; nur dort erfahren sie, was Freiheit positiv ist und dass sie mehr ist als ein Nichtgezwungen-werden." (Arendt, Hannah: Kultur und Politik, in: Merkur, 120. Jg., 1958, H. 130, S. 1122-1145.)

Und das Gemeinsame ist schließlich auch "nicht die Identität der immer schon Geeinten", sondern "das, worauf sich Verschiedene und Unterschiedliche als das ihnen Gemeinsame geeinigt haben," (Vollrath, Ernst: Hannah Arendt, in: Ballestrem/Ottmann (Hrsg.): Politische Philosophie des 20. Jahrhunderts, Oldenburg 1990, S. 21.) eine "Gemeinsamkeit, deren Stiftungsgrund gerade die bewahrte Differentialität ist. Sie ist in die Operation der Urteilskraft selbst eingelassen" (Ebd., S. 23) und geht ihr im Grunde voraus: Um die Freiheit des Menschen aufrecht erhalten zu können, muß die Einsicht in das "absolute Verschiedensein jeder Person von jeder anderen, die ist, war oder sein wird" aufrecht erhalten werden, ebenso wie die Einsicht in das Aufeinander-Verwiesen-Sein, was Hannah Arendt die "zweite" oder die "politische" Geburt nennt. (Vgl. dazu die Arbeit von Patricia Bowen-Moor: Hannah Arendt´s Philosophy of Natality, London 1989.)