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Über uns – HINTER DEN SCHLAGZEILEN

hinter-den-schlagzeilen.de/ueber-uns

„Die erste Pflicht aller Journalisten müsste doch sein, nicht gegen irgendeinen Feind, sondern gegen den Krieg mobil zu machen!“,

 Ich muß bereit sein meinen Blick zu weiten. Ich muss
begreifen, dass das Ganze mehr ist, als die Summe
seiner Teile.
Nehmen wir zum Beispiel einen Wald, wenn ich alle Bäume
heraushole, was bleibt dann übrig? Kahlschlag. der Wald
ist weg! Ich habe aber nur die Bäume geholt, die Zwischen-
räume habe ich dort gelassen.
Aber wir sehen sie nicht mehr. Sie waren jedoch Bestand-
teil des Waldes, denn ohne Raum zwischen den Bäumen gibt
es keinen Wald.
Oder ein Gedicht von Goethe:
Es besteht aus Buchstaben.
Wenn ich sie nicht einzeln einsammle, dann habe ich einen
Sack voller Buchstaben, aber nicht das Goethe-Gedicht.
Ein Zweck gibt es nicht mehr: Geordnete Systeme können sich
nur in ungeordnete verwandeln. Das ist der zweite Hauptsatz
der Thermodynamik. In Zukunft passiert das Wahrscheinliche
am wahrscheinlichsten.
Indigene Völker können uns da weiterhelfen: Sie haben immer
das Ganze im Blick. Wir müssen wieder unsere Verantwortung
gegenüber der Natur und allen nachkommenden Generationen
erkennen. Damit meine ich nicht nur unsere Enkel, sondern
auch die nächsten Generationen in der Tier- und Pflanzen-
welt. Wir müssen erkennen, dass wir nicht abseits stehende
objektive Betrachter sind, sondern Teilhaber, Mitwirkende.
Das ist eine Erkenntnis aus der Quantenphysik.
Im alten Denken ist der Betrachter als Mitwirkender des
Geschehens nicht vorgesehen.
Erst Max Planck hat die Tür geöffnet, und Werner Heisenberg
hat das Ganze in seine Form gebracht.
Sobald wir aus dem Kontext heraustreten, ist unser Blick
ein anderer. Dann beschreiben wir eine Welt, der wir nicht
zugehören. Wir müssen wieder als Teilhabende sehen und
agieren.
Dann werden wir auch unsere Verantwortung spüren.
Das Spüren und das Erahnen sind sehr wichtig.


Intuition und Spiel sind unerlässlich für ein Neugestalten.
Das neue Denken ist auch ein Spüren und Erahnen, ein Dämmern,
ein Träumen.
Manchen jagt das Angst ein, weil es das Unbekannte einlädt.
Ein Festklammern am Bekannten vermittelt Sicherheit, aber es
verhindert unerwartete Lösungen.
Ein Verlassen des Weges verlangt auch Mut.
Auf eingefahrenen Schienen zu fahren erlaubt Schnelligkeit,
aber kein Abweichen. Wenn man aber auf eine Gefahr zurast,
gibt es kein Entkommen - dann ist es vorbei mit der Sicher-
heit.
Das gilt auch für unser Wirtschaften. Schneller Profit mit
geringem Aufwand, aber immenser Plünderung - das nennen wir
dann "Wertsteigerung". Wir müssen von den Schienen runter.
Dann geben unsere zwei Beine die Richtung an.
Ein Bein alleine schafft es nicht, wir brauchen zwei, die
miteinander kooperieren.
Kooperation steht ja unserer Wettbewerbsgesellschaft im Weg.
Für unsere Zukunft ist sie unerlässlich. Durch Kooperation
von Unterschiedlichem komme ich auf ein höheres Niveau von
Lebendigkeit. Dabei ist die Vielfalt eine entscheidende Kraft.
Wir müssen auf das Zusammenspiel unterschiedlicher Talente
achten, das erhöht unsere gemeinsame Gestaltungsfähigkeit.
Ich will es mal drastisch formulieren:
Unser Feind muss unser Verbündeter werden. Das müssen wir
vor Augen haben, wenn wir uns vernetzen.
Dann können auch Fehler ein gegenseitiger Gewinn sein.
Fehler sind unsere größten Lehrer!
Darum dürfen wir keine Technik zulassen, die keine Fehler
erlaubt, denn Fehler sind menschlich.
Atomenergie, Genmanipulation, Nano-Technik, Fracking,
Teersand, Patentierung lebender Organismen - alles Resultate
alten Denkens, jeder Fehler kann hier verheerend sein.
Wie weit können wir Menschenwesen das Ganze mitgestalten?
Im alten Weltbild haben wir uns Menschen aus der Natur
herausgenommen und uns zu Zerstörern der Natur gemacht.
Jetzt müssen wir das Ganze korrigieren und uns einmischen.
Wir müssen wieder erkennen, welch ein Wunder der Tanz der
Moleküle ist, aus dem der Mensch entstanden ist:
Ein göttlicher Tanz.
Und wenn ich jetzt die Metapher "Gott" einführe, dann heißt
das: Gott ist neugierig und gespannt, wie es weitergeht.
Gemeinsam gestalten wir, gemeinsam sind wir verantwortlich,
gemeinsam sorgen wir uns um die Schöpfung.
Gemeinsam sind wir eine verändernde Kraft!
HANS-PETER DÜRR (1929-2014)
Quelle - OYA-Magazin Nr. 27, Seite 58-59 Text von Claus Biegert.