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Texte, Gedanken & Zitate über die Liebe und das Verlieben.


 

 

Wolfgang Sterneck:

FREIE LIEBE

 

Wirkliche Liebe ist ein Gefühl, das viel tiefer geht als all das, was gewöhnlich als Liebe bezeichnet wird. Es beinhaltet den Ausbruch aus dem Vorgegebenen, die Überwindung des Egoismus und die Fähigkeit geben zu können. Es ist eine tiefe innere Verbindung, die sich keineswegs nur auf einen Menschen beschränken muss.

Wirkliche Liebe hat nur wenig gemeinsam mit dem Begriff der Liebe, der uns aufgezwängt wird und den die meisten von uns verinnerlicht haben. Sie hat nichts zu tun mit den Gefängnissen der Beziehungen und der Ehe. Die romantische Liebe, wie sie uns von den Medien immer wieder vermittelt wird, ist von seltenen Ausnahmen abgesehen, eine Illusion. Und die, die daran glauben, täuschen sich letztlich nur selbst.

Die meisten herkömmlichen Beziehungen gleichen schon nach kurzer Zeit einer Straße, deren Verlauf vorgeben ist und unter dem Beton alles Leben vergräbt bis sie in einer Sackgasse endet.

Eine offene Beziehung zwischen zwei Menschen, die auf der Vorstellung der freien Liebe basiert, entspricht dagegen zwei Wegen, die sich kreuzen. Sie verlaufen zeitweise nebeneinander und werden phasenweise zu einem, beinhalten aber immer wieder Strecken, in denen sie sich trennen, zum Teil weit voneinander entfernen oder vielleicht sogar verschiedenen Richtungen einnehmen, um dann an bestimmten Orten wieder zusammenzufinden.

 

Es ist fast unmöglich die Bedürfnisse nach Kontakt und Austausch, nach Zärtlichkeit und Sexualität über einen längeren Zeitraum auf einen Menschen zu fixieren - es ist auch nicht notwendig. Vielmehr ist es durchaus möglich und selbstverständlich zu mehreren Menschen ein Gefühl tiefer Zuneigung und Wärme zu empfinden, vielleicht sogar jede und jeden von ihnen auf eine eigene Weise zu lieben.

Wenn nach der anfänglichen Phase des Verliebtseins, indem sich oft alle Empfindungen auf die entsprechende Person konzentrieren, die Gefühle füreinander nachlassen oder sich verändern, und auch wieder andere Menschen interessant werden, dann stellt sich die Frage, ob Fesseln angelegt werden oder versucht wird mit diesen Bedürfnissen offen umzugehen.

 

Die Idee einer offenen Beziehung beinhaltet das Bestreben diese Gefühle zuzulassen und nicht zu unterdrücken. Das heißt konkret, der Partnerin oder dem Partner die Möglichkeit zu geben mit anderen engeren Kontakt zu haben, sich selbstverständlich mit einer anderen Person zu treffen, vielleicht auch Zärtlichkeiten auszutauschen oder miteinander zu schlafen.

Auch wenn es in der bestehenden Gesellschaft normal ist, so hat im Grunde niemand, auch kein Beziehungspartner oder -partnerin das Recht, dies zu untersagen. Wer es dennoch tut, offenbart im Grunde nur den eigenen Egoismus indem versucht wird, die angeblich so geliebte Person einzuschränken und deren Gefühle zu unterdrücken. Eifersucht hat nur wenig mit Liebe zu tun, sondern vielmehr mit Besitzgier und Verlustangst.

Das herrschende System basiert auf der Idee des Besitzes von materiellen Dingen wie auch von Menschen, von deren Arbeitskraft, von deren Wissen, von deren Gefühlen. Gesellschaften, die kein Privateigentum kannten, die davon ausgingen, dass beispielsweise keine Person ein Stück Land besitzen kann, weil es gleichzeitig allen und niemanden gehört, die kannten auch keinen eheähnlichen Besitzanspruch und sie kannten auch keine Eifersucht.

 

Eine wesentliche Voraussetzung für eine offene Beziehung ist die Bereitschaft auf andere einzugehen, aber auch in sich selbst hineinzuschauen, sich mit eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen und diese zu hinterfragen. Wichtig ist dabei, dass gleichermaßen die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche, sowie die Ängste und Schwächen gezeigt werden, darüber offen geredet wird und gemeinsam nach einem Weg gesucht wird. Gerade Männern, denen vielfach noch eingeredet wird, dass Männlichkeit Härte und Gefühllosigkeit bedeutet, fällt dies oftmals sehr schwer.

Wenn Du ehrlich zu Dir bist, dann stellst Du schnell fest, dass Du in Deiner derzeitigen Beziehung oder in ehemaligen zumindest zeitweise tiefere Empfindungen für Menschen außerhalb dieses Verhältnisses gehabt hast. - Warum diese Gefühle unterdrücken, warum sich nicht dazu bekennen und die Möglichkeiten schaffen sie auszuleben? Warum bindet Ihr Euch so eng aneinander und geht nicht weiterhin Euren eigenen Weg, um in bestimmten Momenten, über deren Tiefe und Länge Ihr frei entscheiden könnt, zusammen zu kommen, ohne Euch gegenseitig Eure Freiheit zu nehmen?

Es ist ein langer Prozess, der seine Zeit braucht und sicherlich auch mit Schmerzen verbunden sein wird. Zu viel haben wir von frühester Kindheit an verinnerlicht und zu allgegenwärtig ist die scheinbar so selbstverständliche Darstellung des Besitzdenkens. Aber was haben wir zu verlieren? Schau Dich um, sicherlich sind fast alle festen Beziehungen, die Du kennst, immer wieder davon geprägt, daß der Partner oder die Partnerin entweder einen Teil ihrer Gefühle unterdrückt oder sie heimlich auslebt. Die Alternative heißt offen sein, keine künstlichen Barrieren aufbauen, sondern sich im Fluss befinden. - Geben und das nehmen was freiwillig gegeben wird.

Wenn Du in die Gesichter der Menschen blickst, die mit Dir in der Bahn sitzen, oder wenn Du Dir bewusst die Reklamefassaden anschaust, dann wirst Du mehr und mehr spüren, wie wichtig es ist, dass wir uns einem veränderten Verständnis von Liebe öffnen und ihre Wärme der fast allgegenwärtigen gesellschaftlichen Kälte entgegenstellen.

aus dem Buch:

Wolfgang Sterneck (Hg.) / Cybertribe-Visionen

KomistA / Nachtschatten • ISBN 3-928988-04-2

www.sterneck.net/komista/visionen

 


 

 Man warf mir vor, daß ich der Utopie anhinge,
die Unlust aus der Welt schaffen und einzig
die Lust sichern zu wollen.
Dagegen stand meine Behauptung in Schrift und
Wort, daß die übliche Erziehung den Menschen
lustunfähig macht, indem sie ihn gegen die Un-
lust panzert.
Lust und Lebensfreude sind ohne Kampf, schmerz-
hafte Erfahrungen und unlustvollen Kampf mit
sich selbst undenkbar.
Nicht die Leidlosigkeits-Theorie der Yogi und der
Buddhisten, nicht die Genußpilosophie des Epi-
kur, nicht die Entsagung des Mönchtums, sondern
der Wechsel von unlustvollem Kampf und Glück,
von Irrtum und Wahrheit, Fehltritt und Besin-
nung, rationalem Haß und rationaler Liebe, kurz;
die volle Lebendigkeit in allen Lebenssituatio-
nen ist das Kennzeichen seelischer Gesundheit.
Die Fähigkeit, Unlust und Schmerz zu ertragen,
ohne enttäuscht in die Erstarrung zu flüchten,
geht einher mit der Fähigkeit, Glück wahrzu-
nehmen und Liebe zu geben.
Um mit Nietzsche zu reden: Wer das "Himmelhoch-
Jauchzen" lernen will, muß sich auch für das
"Zum-Tode-betrübt" bereit halten.
Unsere europäische gesellschaftliche Anschau-
ung und Erziehung machte aber aus den Jugend-
lichen, je nach der sozialen Lage, entweder in
Watte gepackte Püppchen, oder ausgedörrte, lust-
unfähige, chronisch unlustige Maschinen der In-
dustrie und des Geschäfts.
Wilhelm Reich(Psychoanalytiker 1897-1957)

Aus "Die Farben der Wirklichkeit" - Ein Maerchenbuch -
(Lucy Koerner Verlag)


Vor langer Zeit lebten die Menschen auf dieser Welt noch zufriedener
und gluecklicher als heute. Jedem wurde damals bei der Geburt ein
kleiner und warmer Sack mit auf den Lebensweg gegeben. In diesem Sack
befanden sich unzaehlige warme Schmuser, die jeder seinen Mitmenschen
verschenken konnte, wann es ihm beliebte. Die Nachfrage nach diesen
Schmusern war gross, denn wer einen geschenkt bekam, fuehlte sich am
ganzen Koerper wohlig warm und liebkost. Wenn einer ausnahmsweise
einmal zuwenig Schmuser geschenkt bekam, lief er Gefahr, sich eine
schlimme Krankheit einzuhandeln, die zu Verschrumpelung, Verhaertung
und gar zum Tode fuehren konnte.
Aber zum Glueck war es damals leicht, Schmuser zu bekommen. Immer,
wenn einem danach war, konnte man auf einen anderen zugehen und um
einen Schmuser bitten. Der andere holte selbstverstaendlich einen aus
seinem
Sack, und sobald man sich diesen Schmuser zum Beispiel auf die
Schulter gelegt hatte, fuehlte man sich wohl und bekam ein rundum
gutes Gefuehl. Die Menschen erbaten sich oft Schmuser voneinander,
und da sie auch freigiebig verteilt wurden, war es kein Problem,
genuegend davon zu
bekommen. Alle Menschen fuehlten sich die meiste Zeit wohl, gluecklich
und liebgehabt, bis eines Tages eine Hexe darueber sehr boese wurde.
Sie hatte naemlich einen grossen Vorrat an Tinkturen und Salben fuer
diejenigen, die tatsaechlich einmal krank wurden, doch brauchte kaum
jemand ihre Mittel. Sie begann deshalb den Menschen einzureden, dass
ihnen die Schmuser bald ausgehen werden, wenn sie weiter so freigiebig
damit sind. Und die Menschen glaubten ihr seltsamerweise.
Sie fingen an, ueber ihre Schmuser zu wachen und nicht mehr so
grosszuegig damit umzugehen. Viele beobachteten neidisch ihre
Mitmenschen, wenn diese anderen einmal einen Schmuser schenkten,
wurden oft boese und machten ihnen Vorwuerfe. Diese wollten ja ihren
Eltern, Kindern und Partnern nicht wehtun und bemuehten sich, anderen
keine Schmuser mehr zukommen zu lassen. Die Kinder lernten das schnell
von ihren Eltern: sie merkten, dass es scheinbar falsch ist, seine
Schmuser all denen zu verschenken, die danach Lust hatten.
Obwohl immer noch jeder in seinem Sack genuegend Schmuser fand,
holten die Menschen immer seltener einen hervor. Die Folgen waren
schrecklich: immer weniger Menschen erhielten die Schmuser, die sie
brauchten; immer mehr fuehlten sich nicht mehr warm, gluecklich und
liebkost. Viele wurden krank und einige starben gar an Schmusermangel.
Die Hexe konnte jetzt viele Arzneien verkaufen, merkte aber bald, dass
sie gar nicht zu helfen schienen.
Natuerlich wollte sie auch wieder nicht, dass die Menschen starben;
wer sollte denn dann ihre Mittelchen kaufen? Sie erfand also etwas
Neues: kalte Froestler. Sie verkaufte jedem einen Sack mit kalten
Froestlern. Die Froestler sahen genauso aus wie die Schmuser, nur
gaben sie den Menschen kein warmes und liebkosendes Gefuehl, sondern
ein kaltes, froestelndes. Aber sie liessen immerhin die Menschen nicht
mehr verschrumpeln und sterben.
Wenn jetzt jemand einen warmen Schmuser haben wollte, konnten ihm
die Leute, die Angst um ihren Schmuservorrat hatten, statt dessen
Froestler anbieten. Oft gingen zwei Menschen aufeinander zu in der
Hoffnung, vom anderen einen Schmuser zu bekommen, doch dann ueberlegte
es sich der eine oder andere nochmal, und am Ende gaben sie sich nur
kalte Froestler. Zwar starben kaum noch Menschen an Schmusermangel,
weil sie ihn einigermassen mit Froestlern ausgleichen konnten, aber
die meisten fuehlten sich nicht mehr wohl, liefen verbittert und vom
Leben enttaeuscht umher.
Schmuser waren ungeheuer wertvoll geworden: Eltern ermahnten ihre
Kinder, sich genau zu ueberlegen wem sie einen Schmuser gaben; Paare
wachten eifersuechtig ueber den Schmuservorrat des anderen; Kinder
neideten ihren Eltern die Schmuser, die sie sich gegenseitig gaben.
Frueher waren oft viele Menschen in Gruppen zusammengekommen, ohne
sich darum zu kuemmern, wer wem Schmuser schenkte. Jetzt schlossen
sich Paare zusammen und behielten misstrauisch ihre Schmuser fuer sich.
Wer versehentlich oder weil er gerade Lust dazu hatte, einmal einem
anderen einen Schmuser gab, fuehlte sich auch gleich danach schuldig,
weil er wusste, dass ihm sein Partner das uebelnehmen wuerde. Und wer
keinen freigiebigen Partner finden konnte, musste sich Schmuser
kaufen, wenn er welche wollte, und fuer das Geld Ueberstunden machen.
Einige Leute wurden irgendwie beliebter als die anderen und bekamen
eine Menge Schmuser, ohne selber welche hergeben zu muessen. Sie
verkauften dann ihre Schmuser zu hohen Preisen.
Ein paar ganz raffinierte Menschen hatten eine Idee: sie sammelten
kalte Froestler, die ja recht billig und in Mengen zu haben waren und
verkauften sie fuer viel Geld als warme Schmuser. Diese scheinbar
warmen und flauschigen Schmuser waren in Wirklichkeit nichts weiter
als Plastikschmuser oder Schmuserimitationen und schufen noch mehr
Probleme.
Sie hinterliessen nach ihrem Gebrauch das Gefuehl, etwas verpasst zu
haben, machten regelrecht suechtig danach, immer wieder und immer mehr
davon zu kaufen. Viele starben schliesslich, weil sie einfach zuviel
Plastikschmuser verbraucht hatten.
Ueber diese Suechtigen regten sich zwar die "normalen" Menschen
furchtbar auf, aber sie konnten weder die Plastikschmuser aus der Welt
schaffen noch das Beduerfnis danach. Allzuoft passierte es, dass sich
zwei Menschen trafen, um warme Schmuser auszutauschen und ein gutes
Gefuehl zu bekommen, benuetzten aber dafuer Plastikschmuser. Nach den
ersten Minuten oder Stunden spuerten sie dann, dass ihnen nur ein
kaltes, froestelndes und leeres Gefuehl geblieben war, das sie so
schnell wie moeglich wieder
loswerden wollten. Deshalb kauften sie schnell neue und gerieten in
einen Kreislauf, aus dem sie alleine niemals herausfinden konnten.
Ueberhaupt gab es in dieser Zeit viel Verwirrung unter den
Menschen. Keiner fand sich mehr so zurecht, wie es frueher gewesen war.
Und alles nur, weil die Hexe ihnen eingeredet hatte, es gaebe nicht
genuegend warme Schmuser!
Vor kurzem kam nun eine Frau zu uns, die offensichtlich noch nichts
von der Hexe gehoert zu haben scheint. Sie sorgt sich ueberhaupt
nicht um ihren Schmuservorrat und verteilt sie so freigiebig, wie
niemand sonst, sogar ohne darum gebeten worden zu sein. Man nennt sie
die Hippiefrau.
Die Erwachsenen waren anfangs sehr veraergert, gibt doch diese Frau
den Kindern die fixe Idee, es gaebe immer genuegend Schmuser in ihren
Saecken. Die Kinder moegen diese Frau sehr und lernen langsam wieder,
dass es immer ausreichend Schmuser geben wird. Doch die Erwachsenen
sind schon so verhaertet und festgefahren in ihren Vorstellungen, dass
sie die Botschaft der Hippiefrau nicht begreifen. Jetzt wird sogar ein
Gesetz erlassen, das den verschwenderischen Gebrauch von Schmusern
unter Strafe stellt. Es soll die Kinder davor schuetzen, ihre Schmuser
zu vergeuden.
Zum Glueck kuemmern sich nicht alle Kinder um dieses Gesetz, und
wir koennen hoffen, dass auch die Erwachsenen sich langsam wieder an
die Zeit erinnern, in der sich jeder wohl und liebgehabt fuehlte, weil
es warme Schmuser in Huelle und Fuelle gab.
Werden wir endlich wieder damit beginnen, so viele Schmuser zu
verschenken, wie jeder braucht? Fangen wir doch heute schon damit an,
sooft wie moeglich in unseren Schmusersack zu greifen!

 

»Es sind nur wenige, die mit ihren eigenen Augen sehen und mit ihrem eigenen Herzen fühlen.«
Albert Einstein



Liebe bedeutet etwas zu geben, daß man nicht hat...
Jemanden der es nicht haben will...(JACQUES LACAN)

Mit der Zeit lernst Du,
dass eine Hand halten nicht dasselbe ist
wie eine Seele zu berühren
Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet
und Begleitung nicht Sicherheit
Du lernst allmählich,
dass Küsse keine Verträge sind
und Geschenke keine Versprechen
Und Du beginnst,
Deine Niederlagen erhobenen Hauptes
und offenen Auges hinzunehmen
mit der Würde des Erwachsenen,
nicht maulend wie ein Kind
Und Du lernst,
all Deine Straßen auf dem Heute zu bauen,
weil das Morgen
ein zu unsicherer Boden ist
Mit der Zeit erkennst Du,
dass sogar Sonnenschein brennt,
wenn Du zuviel davon abbekommst
Also bestell Deinen Garten
und schmücke selbst
Dir die Seele mit Blumen,
statt darauf zu warten,
dass andere Dir Kränze flechten
Und bedenke,
dass Du wirklich standhalten kannst ...
und wirklich stark bist.
Und dass Du Deinen eigenen Wert hast.

Zivilisation! Mein Gott, wie schrecklich sie ist!
Was ist das Leben ohne die freie Befriedigung un-
serer Begierden? Denn wenn sie bedeutet, dass ein
Mann sich zügeln und nachdenken muss, ehe er die
Frau eines anderen begehrt, ist es höchste Zeit
sie abzuschaffen. (...) Warum muß ich in einer Frau,
die Frau eines anderen sehen? Ich bin nicht schuld
daran, daß sie verheiratet sind oder miteinander
leben. Emma Goldmann

Wir können etwas bereuen, auch wenn wir genau wissen,
dass wir im Moment des Fehlverhaltens schlichtweg keine
andere Wahl hatten. Dadurch behalten wir einen klaren Kopf,
wenn es darum geht, zu analysieren, was wir wann, wo, wie
falsch gemacht haben. Statt um unser ach so böses Selbst zu
zirkulieren, können wir uns darauf konzentrieren, wie wir den
verursachten Schaden vielleicht wiedergutmachen können, oder
zumindest daran arbeiten, ähnliches Fehlverhalten in der Zukunft
zu vermeiden.
Es gibt in meinem Leben einiges was ich bereue: verpasste Chancen,
die ich besser hätte nutzen sollen, vor allem aber Verhaltens-
weisen, mit ich andere Menschen unnötig verletzte.
Manches wünschte ich mir ungeschehen machen zu können.
Doch dies ist nicht möglich. Was ich jedoch kann ist Folgendes:
Ich kann mich selbst dahingehend weiterentwicklen, dass ich
künftig die Gelegenheiten, die sich mir bieten, besser nutze und
Verhaltensweisen, die andere schädigen, unterlasse.
Ich kann meine Vergangenheit nicht verändern, aber ich
kann daran arbeiten, in Zukunft klüger, vernünftiger, verständnis-
voller, liebevoller zu sein, als ich es war und jetzt noch bin.
Reuegefühle sind ein wichtiger Anstoßgeber für die persönliche
Weiterentwicklung, Schuldgefühle hingegen stehen ihr im Wege.
http://www.schmidt-salomon.de/jvgub/home1.htm

Liebe gründet sich auf Gleichberechtigung und Freiheit!

 Enttäuschungen in Beziehungen können uns als Meilensteine auf dem Weg zu uns selbst dienen – wenn wir aus dem „Opfer-Bewusstsein“ aussteigen

Der Wunsch nach einem Partner beruht zunächst und in den meisten Fällen auf dem Wunsch nach Sicherheit in einer im Außen unsicher erscheinenden Welt und auf der Angst, evtl. allein zu bleiben. Wir wollen zu jemandem gehören und einen Menschen für uns allein
haben, um mit ihm Geborgenheit, Freude und andere schöne Gefühle zu erleben.

Zu Anfang der Beziehung scheint der Andere uns das auch bieten zu können, bis wir entdecken, dass er unsere Wünsche nicht alle erfüllen kann, dass er unserem Ideal-Wunsch-Bild nicht entspricht und auch voller Emotionen steckt, die wir bei ihm auslösen und dass er auch bei uns die ‚Knöpfe’ drückt.

Diese Ent-Deckungen und Ent-Täuschungen sind wichtige Erfahrungen und Meilensteine auf dem Weg, uns selbst und vor allem unsere Innenwelt kennenzulernen und zu klären, der sich nur wenige bewusst sind. Hierzu gehören unsere von uns abgelehnten, verdrängten und verleugneten Gefühle wie Angst, Minderwertigkeit, Scham, Schuld, Neid, Eifersucht, Wut, Ohnmacht u.a. – es sind die Gefühle des Kindes in uns. Und hierzu gehören die vielfältigen Verstrickungen mit Mutter, Vater und den Geschwistern, die wir im ersten Jahrzehnt unseres Lebens zusammen mit diesen erschufen.

Solange wir mit diesen Schlüsselpersonen unserer Kindheit nicht Frieden geschlossen und erkannt haben, dass Sie nicht anders konnten (so wie wir selbst auch nicht) und unsere Urteile Ihnen gegenüber zurückgenommen haben, solange wiederholen wir diese leidvolle Vergangenheit in unseren Partnerschaften, bis wir aufwachen, die Zusammenhänge erkennen und uns selbst zum ersten Liebespartner werden.
 

 Jedes mal wenn wir Zeugen einer Ungerechtigkeit werden und nicht handeln, trainieren wir
unseren Charakter dazu, in ihrem Angesicht passiv zu sein, und verlieren dadurch schließlich
jede Fähigkeit, uns und diejenigen, die wir lieben, zu verteidigen. In einer modernen Wirtschaft
ist es unmöglich, sich von Ungerechtigkeiten abzuschotten.(...)
Wenn wir Grips oder Mut haben, dann ist es das ein Segen, und wir sind berufen, diese Eigen-
schaften nicht zu vergeuden, indem wir mit offenem Mund die Ideen anderer begaffen,
Weitpinkelwettbewerbe gewinnen, die Effizienz des neokorporativen Staates verbessern oder uns
in Obskurisitäten verlieren, sondern statt dessen die Kraft unserer Talente gegen die stärksten
Feinde der Liebe unter Beweis stellen, die wir finden können.(...)
Vielleicht wird es mir als altem Mann Trost spenden, in einem Labor herumzuwerkeln und an
Sommerabenden freundliche Gespräche mit Studenten zu führen, und ich werde Leid ganz
unbekümmert hinnehmen. Aber nicht jetzt: Männer in ihren Blütejahren sind, wenn sie  Über-
zeugungen haben, aufgefordert, nach ihnen zu handeln. (Julian Assange)

Die Liebe ist die Verächterin aller Gesetze, aller Vorschriften (...) Wenn die Welt jemals Gleichheit & Einigkeit hervorbringen wird, wird es nicht mehr die Ehe, sondern nur noch Liebe geben!Emma Goldmann
 

 

 Für die Liebe allein ist es, daß Menschen geboren werden...und nur der Liebe wegen ist es, daß sie leben. Was auch immer man an Würden, Ehren, Verdiensten, Ruhm & Reichtum erworben haben mag, verglichen mit der Liebe zählt es nichts. B. Traven

»Wenn wir wieder in den Wäldern lieben, werden wir zittern vor Kälte und Furcht. Doch wir werden Dinge erleben, so dass wir uns selbst nicht mehr kennen; kühles, wahres Leben wird sich auf uns stürzen, und Leidenschaft wird unseren Körper mit Kraft erfüllen. Mit neuer Kraft werden wir aufstampfen, und alles Alte wird abfallen. Wir werden lachen, und Gesetze werden sich kräuseln wie verbranntes Papier.«

Weder die Evolutionsbiologie noch irgendein anderes wissenschaftliches Feld,
kann viel über das Phänomen Liebe aussagen. Natürlich können wir einiges über
die Bedeutung von Hormonen und deren Auswirkungen auf unsere Gefühle lernen.
Aber wirken sich die nackten Schlussfolgerungen aus der Evolution irgendwie
auf die Liebe aus, die ich für meine Familie empfinde?
Führen sie dazu, dass ich eher das Gesetz breche oder den Erwartungen der Gesellschaft
trotze? Nein. Es ist einfach ein unzulässiger Schluss, dass die menschlichen Beziehungen
sinnlos wären, nur weil wir in einem gottlosen Universums leben, das von den Gesetzen
der Biologie bestimmt ist.
Die Menschen geben fast jedem Aspekt des Lebens einen Sinn.
Dieses Gespür für Sinn und Zweck gibt uns eine Gebrauchsanweisung dafür, wie man ein
gutes Leben führt. Diese Anleitung entsteht von sich aus aus den Wechselbeziehungen
zwischen Menschen, die in Gesellschaften zusammenleben und die gemeinsam überlegen,
wie man am besten zurechtkommt.
 
 
Das erfordert keinen Gott oder einen heiligen Text.
Naturalistisch betrachtet, verlangt das Wissen, das in dem Streben nach einem guten Leben
erworben wurde, nach weiterer Beobachtung und Überprüfung. das Leben befindet sich ständig
im Wandel, und wenn man Fehler erkennt, kann das zu ihrer Korrektur führen.
Wir sollten das Leben genießen und das Beste daraus machen, nicht, weil wir ständig in
Angst davor leben, was in einem mythischen Jenseits passieren könnte, sondern weil wir
nur diese eine Gelegenheit zu leben haben.

Es gibt noch einen anderen Aspekt des Lebens, in dem die Menschen glauben müssen.
Von einigen wenigen sehr bedauernswerten Menschen ausgenommen, haben die meisten an
irgendeinem Punkt im Leben eine Liebesbeziehung. Diese Beziehungen überschreiten unsere
gewöhnlichen Beziehungen zu anderen Menschen. Empathie ist beispielsweise eine Komponente
der Liebe,
 
 
Aber Liebe ist mehr als Empathie. Liebe verändert eine Person. Sie beinhaltet
die Bereitschaft, für jemanden besondere Dinge zu tun, die man für andere nicht tun würde.
Sie bringt das Beste in den Menschen zum Vorschein, aber ich habe auch gesehen, wie sie
das Schlechteste in ihnen hervorbringen kann.
Es ist ein Wunder, dass so viele Lieder sich um das Hochgefühl, aber auch um den Herzschmerz
der Liebe drehen.
Liebe verlangt Glauben. Im Zusammensein mit denen, die wir lieben, sind Beweise sinnlos.
Mein Gefühl der Liebe ist subjektiv und kann von niemand anderem überprüft werden.
Liebe ist ein einzigartiges Gefühl und kann nur von der Person erfahren werden,
die Liebe empfindet. Die einzige Person auf der Welt, die fähig ist, diese besondere
subjektive Erfahrung mit mir zu teilen.
Liebe enthüllt eine andere Form von Glauben an Gott, den die meisten Religionen verlangen.
Sie basiert auf einer Subjektivität, die nur für die beiden Menschen Geltung hat,
die behaupten, sich zu lieben.
Liebe kann nicht als empririscher Fakt überprüft werden.
Liebe ist kien Fakt - sie ist ein permanentes Glücksspiel.
Aber ich habe gelernt, dass es Möglichkeiten gibt, seine Chancen zu verbessern.
Genau wie bei dem Sprung in den Pit, wenn ich Recht darauf spekuliere, dass mein Publikum
mich auffangen wird, baut mein Glauben teilweise auf Selbstsicherheit auf und teilweise
auf der Art und Weise, wie mir signalisiert wird, das Liebe in einer Beziehung zutiefst
wichtig ist.
 
In diesem Sinne bin ich eine gläubige Person.
 
 

Die Kombination von unserem Mitwirken in dichten sozialen Netzwerken einerseits und unserer
Unabhängkigkeit als Individuen andererseits birgt Spannungen. Soziale Erwartungen können
erdrückend sein.
Wie können wir uns dagegen wehren, bloße Zahnräder im großen Getriebe der sozialen Mechanismen
zu sein, die der Gesellschaft zugrunde liegen?
Meine Antwort ist einfach. Wir müssen unsere Kreativität entfalten und aufhören, sie zu
bekämpfen. Wenn sich unerwartete Dinge ereignen, seien es Tragödien oder Möglichkeiten,
dann müssen wir kluge Entscheidungen treffen, die zu kreativen Ergebnissen führen.
Jeder von uns vefügt durch seine Handlungen und seine Worte über das Potenzial, um in der
Welt einen Eindruck zu hinterlassen. Egal, ob jemand ein Elternteil ist, der ein Kind
großzieht, ein Priester, der eine Predigt hält, ein Maurer, der eine Wand hochzieht,
ein Biologe, der die Natur erforscht, ein Autor, der ein Buch schreibt, oder ein Professor,
der einen Kurs gibt, es bestanden noch nie mehr Möglichkeiten für Menschen, um ihre Ideen
mit anderen zu teilen.
 
Meiner Meinung nach gibt es keine andere Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, als dass
sich die Leute, die man bewegt hat, an einen erinnern, daran, was jemand gemacht hat,
und an die Ideen, die jemand hatte.
Doch man muß keine Berühmtheit, oder auch keine Person des öffentlichen Lebens sein,
um diese Art des Fortlebens nach dem Tod zu gewährleisten. Dazu reicht es, die Beziehungen
zu verbessern, die jemand bereits hat. Wer dies tut, kann zuversichtlich sein, das er Teil
von etwas wird, das größer ist als er.
 
 
Und nach seinem Tod werden die Leute sich an ihn
erinnern, über ihn reden und so die Wirkung auf zukünftige Generationen verstärken.
Kreativität ist eine Herausforderung. Sie verlangt von uns, dass wir vollkommen Mensch
sind - selbstständig, aber doch eingebunden, unabhängig, aber doch voneinander abhängig.
Kreativität schlägt die Brücke über den Konflikt zwischen unserer Individualität und 
unserer Geselligkeit. Sie ist das verbindende Element unserer Spezies, während sie uns
gleichzeitig als einzigartige Individuen kennzeichnet. Wir üben unsere Fähigkeit,
soziale Netzwerke zu verändern, während wir die Netzwerke verstärken und aufwerten.
Das Leben ist ein Akt endloser Kreativität. Mit all seinen schwelenden Tragödien
und gelegentlichen Katastrophen ist das menschliche Leben, wenn man darüber nachdenkt
und es erlebt, eine erstaunliche Sache. Für keinen von uns lag ein besonderer Plan vor,
als wir geboren wurden. Wenn wir die Vorstellung von einem intelligenten Schöpfer,
der uns erschaffen hat, aufgeben, dann können wir jeden Morgen aufwachen und sagen:
Was vorbei ist, ist vorbei.
Wie kann ich heute das Beste aus dem Hier und Jetzt machen?
Das Leben steht niemals still. Trotz aller katastrophalen Tragödien hat das Leben
unermüdlich neue, unvorhersehbare Varianten hervorgebracht. Ich empfinde die Erzählmuster
der Geschichte der Evolution als beruhigend.
Wenn ich etwas erschaffe, dann fühle ich, dass ich Teilnehmer in dem großartigen Schauspiel
des Lebens bin, ein Teil des fortlaufenden kreativen Prozesses des Universums.
Ich weiß nicht, ob dieses Gefühl für die meisten Leute ausreicht, um den Trost, den ihnen
die Religion in ihrem Leben spendet, zu ersetzen, aber für mich reicht es.

Von BAD RELIGION-Sänger und Evolutionsforscher Gregg  Graffin aus seinem Buch ANARCHIE und
EVOLUTION.

 ...das es auf der Welt immer einen Menschen gibt, der auf einen wartet, sei es inmitten
der Wüste oder mitten in einer Großstadt. Und wenn diese Menschen einander begegnen
und ihre Augen sich finden, dann verliert die ganze Vergangenheit und die ganze Zukunft
an Gewicht, und es gibt nur noch diesen Augenblick und diese absolute Gewißheit, daß
alle Dinge unter der Sonne von ein und derselben Hand geschrieben wurden, von der
Hand, welche die Liebe erweckt und die eine Zwillingsseele für jeden Menschen vorgesehen
hat, der unter der Sonne arbeitet, ausruht und Schätze sucht. Denn sonst hätten die Träume
der Menschen nicht den geringsten Sinn.
Paulo Coelho
 
 

  Liebe. - Sie ist wohl das stärkste Gefühl, das wir empfinden können: Liebe motiviert unser Handeln, bestimmt unser Miteinander, gibt unserem Leben Sinn- und lässt uns körperlich wie geistig mit einem anderen Menschen verschmelzen. Die Liebe lässt aus Fremden Familie werden. Und erst durch die innige Bindung zu einem anderen Menschen erfüllen wir den vielleicht tiefsten all unserer Wünsche unsere Einsamkeit zu überwinden.

Ich fasse den Be griff Tragödie weiter als die meisten Menschen.
Denn ich verstehe darunter eine plötzliche Veränderung von Dingen,
die wir als gegeben betrachten. Diese Veränderung zerstört Leben und
Beziehungen, von denen wir annahmen, dass sie unzerstörbar seien.
Tragische Ereignisse sind überraschende, unvorhergesehene Umbrü-
che, die wir oft nicht verstehen können. Es gibt keine Gewinner bei
Tragödien, nur furchtbaren und unerbittlichen Verlust.
Die Quelle für viele persönliche Tragödien sind soziale Beziehun-
gen. Die universellen Gesetze, die Menschen emotional aneinanderbin-
den, dienen dazu, unseren Glauben in unsere zwischenmenschlichen
Beziehungen zu verstärken. Wir untersuchen beispielsweise selten die
unausgesprochenen Regeln der Liebe. Aber wenn die Liebe stirbt,
eine Ehe endet oder ein Kind mit einem Elternteil zerstritten ist, haben
wir das Gefühl, dass die Gesetze verletzt wurden, und wir empfinden
dies als etwas zutiefst Tragisches.
Ich hatte durchaus einige Beziehungen, die tragisch endeten, und
ich gebe dafür teilweise meinem mangelnden Verständnis die Schuld.
Meine Punker-Freunde und ich konnten zwar tolerant
sein, aber nicht wirklich verständnisvoll. Leider führte dies auch dazu,
dass wir die unterschiedlichen Bedürfnisse und Blickwinkel von Män-
nern und Frauen nicht thematisierten. Auch heute noch kann ich die
speziellen Bedürfnisse von Frauen problemlos tolerieren, ohne diese
Bedürfnisse völlig zu verstehen. Das beeinträchtigte auch meine Fä-
higkeit, ein guter Ehemann zu sein. Mir waren meine Musik, meine
Ausbildung und meine Forschung wichtiger als die Angelegenheiten
meiner Familie. Das Ende meiner ersten Ehe brach mir so richtig das
Herz. Es führte mir zum ersten Mal das Leid vor Augen, das meine
Eltern durchlebt hatten, als sie sich scheiden ließen. An diesem Punkt
nahm ich mir auch ganz fest vor, es unbedingt besser zu machen, wenn
sich wieder einmal die Gelegenheit zu Liebe und Ehe ergeben würde.
Viele Leute betreiben einen enormen emotionalen Aufwand, um
sich selbst einzureden, dass ihnen nichts Tragisches widerfahren ist. Sie
fürchten sich davor, sich ihre Traurigkeit einzugestehen, weil sie sehr
belastend sein und die normalen sozialen Beziehungen stören kann. Es
wird von uns erwartet, dass wir in der Öffentlichkeit unsere Traurigkeit
verbergen. Wir versuchen daher, nicht zu weinen oder unsere Gefühle
zu deutlich zu zeigen. Das ist Teil einer großen Verschwörung. Wenn
jeder die Existenz von tragischen Ereignissen anerkennen würde, dann
würden alle begreifen, wie schmerzhaft das Leben wirklich ist.
Ich habe mir noch nie einreden können, das Schmerz nicht so
schlimm ist. Wenn ich einen großen Verlust erleide, dann tröstet es
mich auch nicht zu wissen, dass andere noch mehr verloren haben,
verwirrter sind oder ihnen schlimmere Dinge widerfahren sind. Meine
Gefühle sind allein meine, und ich kann sie mit den Gefüh-
len anderer vergleichen. Mein Schmerz und der eines anderen werden
immer unterschiedlich sein. Es ist auch möglich, sein Ausmaß zu
messen. Aber den Schmerz zu ignorieren ist völlig irrsinnig.
Manche Menschen denken, dass zu viel öffentlich zur Schau ge-
stellte Empfindsamkeit andere daran hindert, ihre eigene Traurigkeit
zu überwinden. das würde aber ja bedeuten, dass von uns erwartet
wird, anderen dabei zu helfen, ihre Emotionen in den Griff zu bekom-
men, während wir gleichzeitig unser eigenes Bedürfnis nach Mitgefühl
unterdrücken sollen. Das ist nur eine andere Art, die Unmittelbarkeit
von Tragödien zu leugnen. Wir müssen einsehen, dass es keinen Weg
gibt Schmerz zu klassifizieren, wir können ihn nur als allgegenwärti-
gen Bestandteil unseres Lebens ansehen, mit dem wir uns permanent
auseinandersetzen müssen.
 

Tragödien  sind ebenso ein wesentlicher Bestandteil der Natur und
der Evolution. Niemand kann Naturalist sein und seine Augen vor dem
enormen Ausmaß an Verschwendung, Angst und Tod in der biologi-
schen Welt verschließen. Kann uns aber ein tieferes Verständnis der
Tragödien, die sich in der Natur abspielen, dabei helfen, mit den tragi-
schen Ereignissen in unserem Leben besser umzugehen? Ich habe mir
diese Frage oft gestellt. Das Studium von Fossilien hilft sicherlich we-
nig dabei, Tragödien in Zukunft zu vermeiden. Andererseits kann
das Studium der Geschichte - zum Beispiel das Sammeln von Daten
über vergangene Zivilisationen und deren Zusammenspiel mit der Um-
gebung - wichtig sein, wenn es darum geht, Probleme zu lösen, die
mit gegenwärtigen ökologischen Herausforderungen zu tun haben.
Wenn wir uns einig sind, dass die ökologischen Fehler unserer Vor-
fahren vermieden werden können, dann müssen wir zu dem Schluss
kommen, dass das Wissen über die Geschichte hierbei einen prakti-
schen Nutzen bringt. Kann diese praktische Anwendbarkeit bis in den
Bereich der Naturgeschichte ausgeweitet werden? Ich bin noch nicht
zu einer völlig zufriedenstellenden Antwort gelangt. Aber ich habe ver-
sucht, die Frage zu bejahen. Ich habe die Geschichte des Lebens nicht
nur aus akademischen Interesse untersucht. Für mich hat das Studium
der Vergangenheit auch eine emotionale Komponente.
Ungeeignete Verhaltensweisen kommen im Leben häufig vor, auch
in unserem eigenen. Tragödien dienen keinem höheren Zweck, indem
sie den Weg für Individuen mit größerer Fitness ebnen. Sie treten viel
zufälliger, sinnloser und anarchischer auf, als die meisten Biologen an-
nehmen.
 

Eine andere Beobachtung ist eine viel bessere Erkärung für den
Tod. Das Leben auf der Erde ist begrenzt. Über sehr lange Zeitspannen
hinweg muss die biologische Kreativität durch biologische Zerstörung
ausgeglichen werden. Wenn dieses Gleichgewicht nicht aufrechter-
halten wird, würde die Welt an ihrem eigenen biologischen Überfluss
ersticken, oder alles Leben würde sehr schnell von ihr verschwinden.
Zu verschiedensten Zeiten in der Vergangenheit überwogen die Mäch-
te der Zerstörung. Doch nach diesen Phasen wurde das Gleichgewicht
schnell wiederhergestellt. Vom Standpunkt der Evolution aus betrach-
tet, benötigen und erhalten Tragödien keine Rechtfertigung. Der Tod
ist nichts anderes als die notwendige Ergänzung zum Leben.
Die fossilen Funde sind ein klarer Beweis für die unausweichliche
Existenz des Todes. Die ganze Geschichte des Lebens auf der Erde
wird dokumentiert durch die Momente des Todes, die als Fossilien für
immer festgehalten werden. Jedes entdeckte Fossil stellt einen einzig-
artigen Schnappschuss in einem Kontinuum biologischer Ereignisse
dar, und dabei liefert der Tod die Schnappschüsse der Vergangenheit
für die zukünftigen Entdecker.
(GREGG GRAFFIN - ANARCHIE UND EVOLUTION - Seiten 126-127-128-129-130
nicht vollständig zitiert.)

Schwierig ist aber offensichtlich das Freisein nach der Befreiung! - Liebe ist doch nur ein Scheinbegriff für Handlungsinkompetenz, Selbsttäuschung & ein riesiges Simulationsszenario. - Liebe das fehlgedeuteste Wort der Geschichte. Liebe ist identisch mit Sex. - Und Sex bedeutet nur Bewußtlosigkeit, Vergessen, nicht Denken müssen, Verkrampfung. Täuschung & die Illusion einer Reduktion von Einsamkeit. Beides sind Simulationsinstanzen durch die versucht werden soll, Leere mit Sinn & Bedeutung zu füllen. - Was unterscheidet eine Freundschaft von einer Partnerschaft? Der Unterschied liegt beim Sex. Sexuelle Attraktivität läßt allerdings schneller oder langsamer nach, aber auf jeden Fall läßt sie nach, mit ihr die sogenannte Liebe - d.h. Liebe als Kompsoition aus Freundschaft & Sex - & somit auch das - ideale - Partnergeflecht. Das Konzept der freien Liebe bzw. Partnerschaft bleibt zumeist auch nur Selbstbetrug, im Hinblick auf die Wechselseitigkeit der Freiheit & des Umgangs mit der Freiheit. Und zudem noch die ganz unschönen Leichen in Büchern, Bildern, Filmen, die für die Liebe in den Tod gegangen sind - und da sage noch einer, Liebe sei für die Ewigkeit gemacht. DAS ROMANTISCHE LIEBESVERSTÄNDNIS FÜHRT IN EINE SACKGASSE. Die Idealisierung der romatischen Liebe ist ein riesiger Trug, da der vermeintliche Liebende, in der geliebten Person nur nach dem Ideal der Liebe sucht & dieses unabhängig von der konkreten Person ist, die ihrerseits für die Liebenden nur die mögliche Manifestation der Idee darstellt. Also ist die Suche nach der Liebe in der geliebten Person, das unmenschlichste Bestreben, das es gibt, das beständig auf seine Erfüllung warten muß.
 
Also streichen wir das Alphabet der Liebes-Phrasen: Liebe, Romantik, Ewigkeit, Treue, Bei-sich-im-Andern, Einheit, Unbedingtheit, Allgegenwärtigkeit. Es bedarf hierzu einer grundlegenden Reformation des menschlichen Selbstverständnisses.
Heutzutage gibt es einen Liebes- & Beziehungsmarkt.
Seelenstriptease der Talkshows, die Beichte & Therapie zugleich sind. In denen sich vor laufender Kamera GETRENNT; WIEDERZUEINANDERGERFUNDEN, verziehen usw. wird. Zudem wird alles noch vom Moderator (bzw. von der Moderatorin) & den Zuschauern abgesegnet. Das permanente Spiel mit Beziehungs- & Partnerschaftsklischees. Ein anderes, den vorausgehenden Ansätzen entgegenstehendes Beispiel gegenwärtiger Beziehungsstiftung sind die Flirt- & Sexlines, mit denen man allabendlich auf den Bildschirmen gnadenlos penetriert wird. Totale Verfügbarkeit, Unmittelbarkeit, Anonymität, Macht, Versprechen auf (Dauer-)Erfolg (ob Blinde-Date oder Orgasmus am Telefon.
 
Ähnliche Szenarien spielen sich auch im Internet ab: Chats, Sex- & Pornoseiten im Übermaß.
Versprechen der "Ewigkeit von Liebe" oder des wechselseitigen Verschmelzens in der Liebe bedeuten von vornherein den Tod der Phantasie & die Impotenz, Beziehungen erfinderisch zu gestalten & immer wieder neu zu entwerfen.
Die Lösung für diese Beziehungsdramas, die mensch Liebe nennt , wäre DISTANZ. Kritische Distanz. - Die Distanz erlaubt den Genuß von Nähe, die versagt bleibt, wenn man sich dauernd zu nahe kommt.
Eine gewisse Distanz ist erforderlich, denn der Abstand zur Unmittelbarkeit eröffnet den Freiraum des Anderen. Die Distanz ist eine Form von Zuwendung, die den Raum der Freihheit offenhält & die Spannung einer agonalen Beziehung aufrechterhält. Sie schließt nicht aus, sondern schafft erst die Möglichkeit der Begegnung. - So kann jeder in Beziehungen er selbst bleiben & gleichzeitig je im Eigenen (im Selbst) des Anderen frei sein. Die Spannung einer agonalen Beziehung bewahrt davor, sich in uferloser Ausschöpfung von Kraft & Phantasie gegenseitiger Zuwendung auszuzehren bzw. sich darin zu verlieren.
MARVIN CHLADA - (DAS FOUCAULTSCHE LABYRINTH)

 

Früher führte ich ständig die Freiheit im Munde. Beim Frühstück strich ich sie mir auf´s Butterbrot,
Ich lutschte den ganzen Tag an ihr herum und schenkte der Welt einen köstlich mit Freiheit erfrischten
Atem. Mit diesem Schlagwort fiel ich über jeden her, der mir widersprach, ich hatte es in den Dienst
meiner Wünsche und meiner Macht gestellt.
Im Bett flüsterte ich es meinen schlafenden Gefährtinnen ins Ohr, und es half mir, sie abzuhängen.
Ich flocht es in...Doch sachte, ich verliere vor Erregung das Maß. Es kam immerhin auch vor, dass ich
einen selbstloseren Gebrauch von der Freiheit machte, sie sogar - beachten Sie meine Naivität - zwei-
oder dreimal verteidigte, gewiss, ohne für sie zu sterben, doch nicht ohne Gefahren auf mich zu nehmen.
Man muss mir diese Unbesonnenheit nachsehen; ich wusste nicht, was ich tat. Ich wusste nicht, dass
die Freiheit keine Belohnung ist und auch kein Orden, den man mit Sekt feiert.
Auch kein Geschenk übrigens, keine Schachtel voll gaumenkitzelnden Naschwerks. O nein!
Eine Fron ist sie im Gegenteil, ein sehr einsamer und erschöpfender Langlauf.
Kein Sekt, keine Freunde, die ihr Glas erheben und einen liebevoll anblicken. Allein in einem
trübseligen Saal, allein auf der Anklagebank den Richtern gegenüber, und allein, um vor sich selber
oder dem Urteil der anderen seine Entscheidung zu treffen.
Am Ende jeder Freiheit steht ein Urteilsspruch:
Darum ist die Freiheit zu schwer zu tragen, besonders wenn man Fieber oder Kummer oder niemand
liebhat. ALBERT CAMUS - (Der Fall Seite 101-102)

Chaotische Bemühungen

Das Chaos ist ein Tanz, ein fliessender Tanz des Lebens,
und dieser Tanz ist erotisch.
Die Zivilisation hasst das Chaos und hasst folglich auch Eros.
Sogar in dieser angeblich sexuell freizüglichen Zeit unterdrückt
die Zivilisation die Erotik. Sie lehrt uns, dass Orgasmen
Ereignisse sind, die nur in wenigen Teilen unserer Körper und
nur durch die richtige Handhabung dieser Körperteile ablaufen.
Sie drängt Eros in Mars´Rüstung und macht dadurch Sex zu einer
auf Konkurrenz beruhenden leistungsorientierten Arbeit,
statt eines freudigen, unschuldigen Spiels.

Doch selbst inmitten solcher Repression weigert sich Eros,
diese Form zu akzeptieren. Seine freudige, tänzerische Form
durchbricht Mars´Rüstung hie und da.
Egal wie erblindet wir durch unsere zivilisierte Existenz
geworden sind, sickert der Tanz des Lebens im Kleinen in unser
Bewusstsein.
Wir sehen einem Sonnenuntergang zu, stehen inmitten eines Waldes,
erklimmen einen Berg, hören einen Vogel singen, laufen barfuss
am Strand und beginnen, ein gewisses Hochgefühl zu empfinden,
ein Gefühl der Ehrfurcht und Freude.
Dies ist der Beginn eines Orgasmus des gesamten Körpers,
eines Orgasmus, der nicht auf die, von der Zivilisation so ge-
nannten "erogenen Zonen" beschränkt bleibt, doch die Zivilisation
lässt das Gefühl niemals sich selbst gerecht werden.
Ansonsten würden wir erkennen, dass alles, was nicht ein Produkt
der Zivilisation ist, lebendig und erotisch ist.

Doch ein paar von uns erwachen aus der Betäubung der Zivilisation.
Uns wird bewusst, dass jeder Stein, jeder Baum, jeder Fluss,
jedes Tier, jedes Lebewesen im Universum nicht nur genauso lebendig,
sondern momentan sogar lebendiger ist als wir, die wir zivilisierte
Lebewesen sind.
Dieses Bewusstsein ist nicht nur intellektueller Natur.
Es kann es nicht sein oder die Zivilisation verkommt nur zu einer
weiteren akademischen Theorie. Wir fühlen es.
Wir haben die Liebeslieder von Flüssen und Bergen gehört und haben
die Tänze von Bäumen gesehen.
Wir wollen sie nicht länger als tote Dinge benutzen, weil sie sehr
lebendig sind. Wir wollen ihre Geliebten sein, sie in ihrem wunder-
schönen, erotischen Tanz begleiten.
Es erschreckt uns.
Der Todestanz der Zivilisation gefriert jede Zelle, jeden Muskel
in uns. Wir wissen, wir werden unbeholfene Tänzer und unbeholfene
Geliebte sein. Wir werden Idioten sein. Aber unsere Freiheit liegt
in unserer Idiotie. Wenn wir Idioten sein können, haben wir begon-
nen, die Ketten der Zivilisation zu zerreissen, haben wir begonnen,
ihren Leistungszwang abzulegen.
Ohne Leistungszwang haben wir Zeit, den Tanz des Lebens zu lernen;
haben wir Zeit, Geliebte der Bäume und Steine und Flüsse zu werden.
Oder, genauer gesagt, die Zeit hörte für uns auf, zu existieren;
der Tanz würde zu unseren Leben, während wir lernten, das Lebendige
zu lieben.
Und wenn wir den Tanz des Lebens nicht zu tanzen lernen, wird all
unser Widerstand gegen die Zivilisation nutzlos sein.
Da es in unserem Innern weiter regieren wird, werden wir es nur wie-
der erschaffen.

So lasst uns den Tanz des Lebens tanzen. Lasst uns ohne Scham unbe-
holfen tanzen, denn wer von uns Zivilisierten ist nicht unbeholfen?
Lasst uns Flüsse, Bäume, Berge lieben mit unseren Augen, unseren
Zehen, unseren Händen, unseren Ohren.
Lasst jeden Teil unserer Körper für die erotische Ekstase des Tanzes
des Lebens erwachen. Wir werden fliegen. Wir werden tanzen.
Wir werden heilen. Wir werden herausfinden, dass unsere Vorstellungen
stark sind, dass sie Teil des erotischen Tanzes sind, der die Welt
erschaffen kann, die wir begehren.
Panerotizismus: Der Tanz des Lebens.
aus dem Flugblatt "Rants, Essays and Polemics of Feral Fauns.
(Chaotic Endeavors, 1987)
Aus "Die Farben der Wirklichkeit" - Ein Maerchenbuch -
(Lucy Koerner Verlag)

»Es sind nur wenige, die mit ihren eigenen Augen sehen und mit ihrem eigenen Herzen fühlen.«
Albert Einstein

 

Nimm Teil am Widerstand – Verliebe Dich!


Sich zu verlieben ist ein Akt der Revolte – ein Akt des Widerstands gegen eine langweilige, in sozialer und kultureller Hinsicht repressive und für die Menschen immer bedeutungsloser werdenden Gesellschaft. Liebe verändert das Gesicht der Welt. Empfanden die Liebenden vorher Langeweile, erfüllt sie nun Leidenschaft. Haben die Liebenden vorher nur auf sich selbst bezogen gelebt, so bemerken sie auf einmal ihre wahre Stärke darin, sich nicht mehr nur auf sich selbst, sondern auch aufeinander zu beziehen. Die Welt, die einst so leer, sinnlos und zerstörerisch erschien bekommt jetzt Bedeutung und bietet Risiken, Belohnungen, Schätze und Gefahren. Für die Liebenden ist das Leben nun ein Geschenk, die Belohnung für das größte aller Abenteuer. Jeder Moment wird unvergesslich und so unglaublich wunderbar, dass sie nur noch staunen können. Die Verliebten, die sich zuvor orientierungslos, entfremdet und verwirrt fühlten, werden auf einmal genau wissen was sie wollen. Ihr Dasein wird auf einmal einen Sinn bekommen. Es wird mit einem Mal wertvoll, ja sogar glorreich und herausragend für sie werden. Brennende Leidenschaft ist das Gegenmittel für die schlimmsten Fälle von Verzweiflung und resignierendem Gehorsam.

Liebe macht es für die Einzelnen möglich sich miteinander auf eine bedeutungsvolle Art und Weise zu verbinden. Sie führt dazu, dass sie es riskieren, ihre Schneckenhäuser zu verlassen, gemeinsam ein aufrichtiges und spontanes Leben zu führen und sich so grundlegend kennenzulernen. So reißt die Liebe die Liebenden aus den Routinen des Alltags heraus und lässt sie aus der Masse der Anderen um sie herum heraus scheinen. Die Liebenden werden sich fühlen, als ob sie in einer völlig anderen Welt lebten. Daher ist Liebe auch subversiv. Sie stellt nämlich einen Angriff auf die herrschende Ordnung unseres modernen Lebens dar. Die langweiligen Rituale des Arbeitslebens, die Verwertung und die Moral, bedeuten nichts für Mensch, die sich verliebt hat, denn es gibt größere und mächtigere Kräfte die sie nun vorwärts treiben als nur die Disziplinierung und der Gehorsam gegenüber den Gesetzen, der Moral und den Traditionen. Marketingstrategien, die auf die Unsicherheit und Apathie der Menschen abzielen, um Produkte verkaufen zu können, haben keinen Einfluss mehr auf die Liebenden. Unterhaltung zum passiven Konsum, die auf die Leere und den Zynismus der ZuschauerInnen ausgelegt ist, wird sie nicht mehr interessieren.

Es gibt keinen Platz für die romantischen, leidenschaftlichen Liebenden in dieser Welt, weder in der Arbeitszeit noch in der Freizeit. Sie werden erkennen, dass es sich mehr lohnt gemeinsam durch die Welt zu reisen oder einfach nur im Park zu sitzen und die Wolken zu zählen als alleine für die Mathematik-Prüfung zu lernen oder Immobilien zu verkaufen. Und wenn sie es merken, werden sie auch den Mut haben diesen Weg zu gehen, anstatt von ihrem unbefriedigtem Verlangen gequält zu sein. Sie wissen, dass in den Friedhof einzubrechen und unter den Sternen Liebe zu machen eine unvergesslichere Nacht sein wird, als eine Nacht vor der Glotze. So übt die Liebe einen Angriff auf unsere konsumorientierte Wirtschaft aus, die auf dem Verbrauch von (hauptsächlich nutzlosen) Dingen und der Arbeit beruht, die dieser Konsum erforderlich macht, um sich selbst aufrecht zu erhalten.

Gleichzeitig stellt die Liebe einen Angriff auf unser politisches System dar. Es ist schwer einen Mann, der genug an persönlichen Beziehungen hat für die er lebt, davon zu überzeugen für so etwas abstraktes wie einen Staat zu kämpfen und zu sterben. Es wird sogar schwer sein, ihn davon zu überzeugen Steuern zu zahlen. Die Liebe stellt einen Angriff auf Kulturen jeglicher Art dar. Wenn Menschen Weisheit und Mut durch wahre Liebe erhalten, dann halten Traditionen und Zwänge sie nicht zurück, wenn sie bedeutungslos für die Gefühle sind, die sie leiten. Die Liebe stellt sogar einen Angriff auf die Gesellschaft als solche dar.

Leidenschaftliche Liebe wird von der Bourgeoisie ignoriert und gefürchtet, weil sie eine große Gefahr darstellt für die Stabilität und den Anspruch den sie begehren. Liebe erlaubt keine Lügen und Falschheiten, ja nicht einmal höfliche Halbwahrheiten. Sie legt alle Emotionen frei und enthüllt unsere tiefsten Geheimnisse. Du kannst deine Gefühle und deine Sexualität nicht verleugnen. Bestimmte Situationen oder Ideen werden dich erregen und andere werden Dich abstoßen, ganz gleich ob dir das gefällt oder nicht, ganz gleich ob es moralisch ist oder nicht, ob es sich so gehört oder nicht. Man kann nicht zugleich LiebendEr und durch und durch verantwortungsvolles und respektiertes Mitglied dieser Gesellschaft sein. Denn die Liebe wird dich Dinge tun lassen, die verantwortungslos und unmoralisch sind. Wahre Liebe schert sich einen Dreck um Verantwortung. Sie ist unerschütterlich, rebellisch, verächtlich gegenüber der Feigheit, gefährlich für die Liebenden und alle um sie herum, weil sie nur einem Herrn dient: Der Leidenschaft die das menschliche Herz schneller schlagen lässt. Sie verachtet alles andere, sei es Selbsterhaltung, Gehorsam oder Scham. Liebe macht aus Menschen HeldInnen und Anti-HeldInnen. Die Liebenden sprechen eine andere moralische und emotionale Sprache als es der bürgerliche Mensch tut. Die typischen BürgerInnen besitzen kein überwältigendes flammendes Verlangen. Leider ist alles was sie kennen die stille Verzweiflung. Verzweiflung, die das Resultat eines Lebens ist, in dem sie den Zielen nachjagen, die ihnen von ihrer Familie, ihren ErzieherInnen, ihren ArbeitgeberInnen, ihrer Nation und ihrer Kultur vorgegeben werden. Ohne jemals fähig zu sein darüber nachzudenken, was sie allein wollen und brauchen. Ohne das brennende Verlangen in ihnen, haben sie keine Voraussetzungen dafür, um zu entscheiden was richtig oder falsch für sie ist. Also sind sie gezwungen sich ständig irgendeinem Dogma oder einer Doktrin zu unterwerfen, um durch das Leben zu kommen. Es gibt eine große Auswahl an Moralvorstellungen auf dem Markt der Meinungen. Aber für welche sie sich auch immer entscheiden, sie ist unwesentlich solange sie sich dieser Moral unterstellen, weil sie nicht wissen, was sie sonst mit ihrem Leben anfangen soll. Wie viele Menschen gibt es, die niemals bemerkt haben, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können? Menschen die wie in einem Nebel durchs Leben wandern, nach dem Takt der Gesetze und Normen, die Ihnen beigebracht und gelehrt wurden, einzig und allein aus dem Grund, weil sie keine Ahnung haben, was sie sonst tun könnten. Im Gegensatz dazu brauchen die Liebenden kein vorgefertigtes Regelwerk, das sie durch ihr Leben führt. Ihre Lüste entscheiden was richtig und was falsch ist und ihr Herz führt sie durch ihr Leben. Sie sehen Schönheit und einen Sinn in der Welt, weil ihre Lüste die Welt in diesen Farben malen. Sie brauchen keine Dogmen, Moralvorstellungen, Befehle oder Anordnungen, denn sie wissen selbst was sie tun müssen ohne irgendeine Anleitung.

In diesem Sinne greift die Liebe tatsächlich auch unsere Gesellschaftsform an. Was wäre, wenn alle für sich entscheiden würden, was richtig und falsch für sie wäre, ohne Hinblick auf die konventionelle Moral? Was wäre, wenn alle machen, was sie wollen und sich voller Mut auch den Konsequenzen stellen, die daraus folgen? Was wäre, wenn alle die lieblose und leblose Monotonie des Alltags mehr fürchten würde als irgendwelche Risiken, mehr als den Hunger und die Kälte? Was wäre, wenn alle ihr Verantwortungsbewusstsein und ihren sog. „gesunden“ Menschenverstand einmal ablegen würden und den Mut hätten nach ihren wildesten Träumen zu greifen, nach den größten Schätzen der Welt und jeden Tag wie ihren letzten leben würden. Was für ein Ort wäre die Erde dann! Auf jeden Fall wäre sie anders als im Moment. Und wir sollten uns auch nichts vormachen. Die größte Angst der bürgerlichen Menschen ist die Angst vor der Veränderung.

Wir werden von der wirklichen leidenschaftlichen Liebe von unserer Kultur abgehalten. Lediglich ihre klischeehaften Abbilder haben wir verinnerlicht, die von den Medien benutzt werden, um damit Zahncremes und Flitterwochen-Suites zu verkaufen. Uns „von den Gefühlen leiten zu lassen“ erzeugt unter uns nur Stirnrunzeln. Stattdessen werden wir dazu erzogen immer Herr unserer Gefühle zu sein, denn wenn wir nur auf unsere Herzen hören würden, kämen wir angeblich vom rechten Weg ab. Anstatt ermutigt zu werden, die Konsequenzen dafür ohne Ängste selbst zu tragen, werden wir dazu gebracht am besten gar keine Risiken einzugehen um verantwortungsbewusst zu bleiben. So wird die Liebe reguliert. Männer dürfen sich nicht in andere Männer verlieben, Frauen nicht in andere Frauen oder nicht Menschen aus unterschiedlichen ethnischen Lebenshintergründen. Und wenn sie es doch tun, dann treten die üblichen MoralistInnen einen Schritt vor zur Verteidigung der modernen westlichen Kultur gegen das sich nicht beugen wollende Individuum. Menschen, die bereits in einem legalen/ religiösen Vertrag gebunden sind, dürfen sich nicht in andere Menschen verlieben, selbst wenn sie keine Leidenschaft mehr bei ihren EhepartnerInnen empfinden. Liebe, wie die meisten von uns sie kennen ist ein genau vorgefertigtes und vorherbestimmtes Ritual. Etwas was an Freitag Abenden in teuren Kinos, Theatern und Restaurants stattfindet, also den Profit der Unterhaltungsindustrie erhöht und die ArbeiterInnen am nächsten Arbeitstag wieder pünktlich im Büro erscheinen lässt, um dann den ganzen Tag wieder perfektEr LohnsklavIn zu sein. Diese geregelte und wirtschaftliche Liebe ist anders als die lustvolle und leidenschaftliche Liebe, die von den wirklichen Liebenden Besitz ergreift. Diese Begrenzungen, Erwartungen und Regulierungen ersticken die wirkliche Liebe, denn im Grunde ist sie eine wilde Blume, die niemals in dem für sie vorgefertigten Beet blühen kann, sondern gerade dort den Alltag durchbricht, wo man es am wenigsten erwartet. Wir müssen gegen diese kulturelle Beherrschung kämpfen, die unsere tatsächlichen Leidenschaften erstickt und verkrüppelt. Denn die Liebe ist es erst, die dem Leben einen Sinn gibt und die Lüste, die uns dazu bringen unserer Existenz diesen Sinn zu verleihen. Ohne diese Dinge, bleibt es für uns unmöglich selbst zu bestimmen, wie wir unser Leben leben wollen. Genau dann bleibt uns nur noch eins: Uns einer Autorität zu unterwerfen, einem Gott, einem Herrn, einer Sache oder einer Doktrin, die uns sagt was zu tun ist, ohne jemals den süßen und bitteren Geschmack der Selbstbestimmung gekostet zu haben. Also nutze deine Zeit im Hier und Jetzt. Verliebe dich noch heute… In Männer, in Frauen, in die Musik, in deinen Ehrgeiz, in dich selbst… in das Leben!

(Übersetzt von dromanticESPERANZA)


 Nicht-monogame Beziehungen

Aus «Recipes for disaster – an anarchist cookbook»

So, du willst also eine nicht-monogame Beziehung haben…

…oder zwei! Nun, erwarte nicht, dass dir dieser Text viel dabei hilft – jede Beziehung ist anders und es gibt kein System, kein perfektes Prozedere, das dir garantiert, dass irgendeine ‹funktioniert›. Ausserdem – man könnte sagen, nicht-monogam zu sein, ist der Versuch, sich nicht mit einer Etikette abzugeben und nicht, Beziehungen nach irgendeinem Standard zum ‹Funktionieren› zu bringen: sie zu akzeptieren, wie sie sind und wie sie sich verändern. Nichtsdestotrotz kann man nicht abstreiten, dass gewisse Verhaltensweisen eher gesunde Dynamik hervorbringen und andere weniger; und da die meisten von uns nicht mit vielen guten Beispielen nicht-monogamer Beziehungen aufgewachsen sind, von denen sie lernen könnten, werden wir umso besser dafür ausgerüstet sein, dieses unbekannte Territorium gemeinsam aufzuzeichnen, je mehr wir darüber diskutieren und unsere Erfahrungen vergleichen. Konventionelle Pärchenprogrammierung abzuschütteln ist nichts anderes, als ein erster Schritt, gut für andere zu sein und ihnen zu helfen, gut für dich zu sein.

Zutaten

Mindestens drei Menschen

Anleitung

Ehrlich sein in einer unehrlichen Welt

Das erste, was es zu betonen gilt, ist, dass nicht-monogam zu sein kein Weg ist, die Notwendigkeit von Ehrlichkeit in einer Beziehung zu umgehen. Wenn überhaupt, ist es ein Weg, Ehrlichkeit noch zu fördern. Monogamie, nicht in individuellen Fällen, sondern als monolithische Erwartung einer zwanghaften Kultur, decouragiert Ehrlichkeit, indem sie jegliche Bedürfnisse bestraft, die aus dem traditionellen romantischen Modell fallen. Nicht-Monogamie soll einen Raum öffnen, indem Ehrlichkeit möglich ist, doch es ist auch abhängig von Ehrlichkeit, einen solchen Raum überhaupt zu ermöglichen. Es geht nicht darum, eine neue Regel zu erschaffen, die besagt, dass Liebende einander alles Detail für Detail mitteilen müssen; doch teilt mit, was auch immer ihr vereinbart, mitzuteilen und seid auch unmissverständlich was eure Bedürfnisse angeht, inklusive dem, was ihr braucht, um ehrlich sein zu können. Bei der ganzen Idee, seinen Beziehungen keine Muster aufzuzwingen, geht es darum, sein zu können, wer du bist, ohne Lügen, Schuld oder Heuchelei. Trotzdem behalten viele von uns, die innerhalb des monogamen Modells kämpfend aufgewachsen sind, all die schlechten Angewohnheiten bei, die wir davon gelernt haben: Unehrlichkeit, Scham, Abwendung, Angst. Selbst wenn wir in einer Beziehung sind, die Raum lässt, für unsere ‹gefährlichen Gelüste›, tendieren wir dazu, uns diesen Raum zu zerstören, indem wir ihm nicht vertrauen und so das Vertrauen verlieren, das ihn stützt. Treib dich selbst dazu an, ehrlich zu sein, immer – mit Ehrlichkeit kannst du alles haben, was du von dieser Welt haben willst oder wenigstens das, was dir die Welt tatsächlich zu bieten hat. Wenn du nicht ehrlich sein kannst, versuche daran zu arbeiten, bevor du tiefere Beziehungen mit anderen eingehst. Niemand sollte mit jemandem zusammen sein, bei dem man sich nicht darauf verlassen kann, dass er wichtige Wahrheiten mitteilt – besonders die beängstigenden.

Erwartungen aufstellen

Versucht am Anfang einer Beziehung oder einer Handlung, (wie beispielsweise das erste Mal Sex zu haben) die die Beziehung auf eine neue Ebene befördert, zu spüren, was eure individuellen Bedürfnisse und Erwartungen und Grenzen sind und versichert euch, dass ihr für ein gemeinsames Verständnis davon gesorgt habt, bevor ihr fortfahrt. Dies wird viel späteren Kopfschmerzen vorbeugen! Wenn eure Bedürfnisse sich verändern oder ihr euch in einer Situation anders fühlt, als erwartet, ist das kein Grund, sich schuldig zu fühlen – aber es wäre eine gute Idee, es eure Liebhaber_Innen wissen zu lassen. Tatsächlich wäre es wahrscheinlich am Besten, wenn ihr regelmässig unbekümmert mit euren Liebhaber_Innen auf Tuchfühlung gehen würdet, nur um sicherzugehen, dass sich ihre Gefühle nicht geändert haben, ohne, dass sie es anerkannt oder artikuliert haben.
Es ist wahrscheinlich genauso gewöhnlich für Liebende in einer nicht-monogamen Beziehung, sich unsicher dabei zu fühlen, sich nach Monogamie oder wenigstens nach manchen der Versicherungen, die sie anzubieten behauptet, zu sehnen, wie es für die anderen üblich ist, sich für ihr Verlangen nach anderen zu schämen. Es ist wichtig, dass wir es vermeiden, eine konkurrierende Kultur der Nicht-Monogamie zu entwickeln, in welcher sich Leute dafür schämen müssen, irgendetwas ‹bourgeoises› oder ‹traditionelles› zu wollen. Alles, jedes Bedürfnis und jeder Wunsch, sollte respektiert werden, ansonsten ist das überhaupt keine Revolution, sondern nur das Errichten einer anderen Norm. Wenn es für dich wichtig ist, dass du nicht-monogam bist, kann es gut sein, dass du im Angesicht dieser ausgrenzenden Gesellschaft eine beharrliche oder gar streitlustige Haltung dazu eingenommen hast; versichere dich, dass es nicht darin mündet, den Menschen um dich herum das Gefühl zu geben, sie müssten dir gegenüber gewisse Erwartungen erfüllen. Akzeptiere verständnisvoll, was auch immer dir andere über ihre Bedürfnisse erzählen – sie tun dir einen Gefallen, indem sie direkt zu dir sind. Vielleicht bedeuten die Unterschiede in euren Bedürfnissen, dass ihr auf gewisse Arten nicht miteinander in Beziehung treten könnt, zumindest zum gegebenen Zeitpunkt. Das ist immer noch besser, als einander unglücklich zu machen, dafür zu kämpfen, einander ändern zu können oder seine Bedürfnisse für einander zu verneinen. Die Bestimmungen, unter denen eure Beziehung startet, werden sehr wahrscheinlich für eine lange Zeit den Ton angeben. Liebende, die unter gemeinsamen nicht-monogamen Bestimmungen anfangen und erfolgreich Vertrauen ineinander aufbauen, werden wahrscheinlich wenig Probleme damit haben, eine gesunde nicht-monogame Beziehung aufrechtzuerhalten, so lange sie beide es wünschen. Liebende, die in einer monogamen Beziehung anfangen und sich dann entscheiden, nach nicht-monogamen Bestimmungen zu leben, könnten jedenfalls bald mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, weil ihre Erwartungen und Arten, sich sicher und geliebt zu fühlen, bereits mit der Frage nach der ‹Treue› des anderen verbunden sein könnten. Nun, wenn du eine Beziehung wirklich zerstören willst, beginne sie nach monogamen Bestimmungen (oder lasse das Thema einfach offen, sodass Vermutungen sich entwickeln können, ohne mit der Realität abgeglichen zu werden), schlafe dann mit jemand anderem und erzähle deinem Partner im Nachhinein, dass du nicht-monogam leben möchtest; für maximale Zerstörung, enthülle deinem Partner nicht, dass du mit jemand anderem geschlafen hast oder schläfst – lass es deinen Partner als Überraschung herausfinden. Dies ist offensichtlich nicht der richtige Weg, eine gesunde Liebesbeziehung zu führen.

Du kannst ein erstes Date dadurch aufpeppen, dass du dafür sorgst, am Ende der Nacht Ärger mit der Staatsgewalt für etwas fürchterlich peinliches zu kriegen; du erzählst deinem Date natürlich nichts von deinem Plan.

Mit Eifersucht umgehen

Gebt euren Liebhaber_Innen niemals Anlass, sich durch den Platz eines anderen in euren Leben oder Herzen bedroht zu fühlen. In dieser Gesellschaft wird uns ständig das Gefühl gegeben, in Konkurrenz zu einander zu stehen, deswegen fühlen wir uns durch andere bedroht. Gesunde Nicht-Monogamie sollte diese Konditionierung widerlegen, nicht bestärken. Macht deutlich, in Taten, wie auch in Worten, dass eure Beziehungen mit allen Menschen (liebend oder nicht!) nur von sich selbst abhängen und nicht davon, wie sie mit anderen Beziehungen vergleichbar sind. Hoffentlich wandert ihr nicht auf der Suche nach der perfekten Ehefrau oder dem perfekten Ehemann oder einer Trophäe eines_r Liebhabers_In herum und reisst Menschen auf und lasst sie fallen, während ihr die ultimative Ware auf dem Partnermarkt jagt; stattdessen kultiviert ihr lebenslange, anpassungsfähige Beziehungen mit Individuen, die ihr liebt und mit Respekt behandelt, in denen ihr euch einvernehmlich miteinander vergnügt und einander vielleicht sogar bei Lebensprojekten unterstützt.1 Liebende in einem solchen Szenario sollten nicht mehr Grund haben, sich zu fürchten oder eifersüchtig aufeinander zu sein, als Freunde – tatsächlich ist ein guter Grund, nicht-monogam zu sein, die Qualitäten, die Freundschaften funktionieren lassen, in einer Liebesbeziehung zu pflegen oder, noch besser, die Trennlinien zwischen beiden zu verwischen.
Dennoch wird es, da ihr in dieser Gesellschaft aufgewachsen seid, Situationen geben, in denen einer oder beide eifersüchtig sein werden. Es gibt viele Dinge, die ihr tun könnt, um damit umzugehen, wenn ihr es selbst spürt. Zunächst, versucht eure verschiedenen Gefühle auseinander zu bringen und zu identifizieren, damit ihr wisst, worauf ihr reagiert und wonach ihr agiert. Der vorherrschende Grund für Eifersucht ist Unsicherheit: um in irgendeiner erfolgreichen Beziehung zu sein, nicht-monogam oder nicht, müsst ihr geerdet sein, euch selbst gut fühlen und einen Sinn für euren eigenen Wert und eure Attraktivität haben. In diesem Sinne ist ein Leben zu führen, dass euch hilft, euch selbst zu respektieren, eine Voraussetzung für jegliche Intimität mit anderen. Gleichzeitig solltet ihr in der Lage sein, eure Liebhaber_Innen um Bestätigung zu bitten, wann immer ihr sie braucht – seid nicht schüchtern: wenn eure Liebhaber_Innen euch lieben, werden sie es euch wissen lassen wollen und es ist viel besser, es auszusprechen, wenn ihr es braucht, als sich zurückzuhalten, ‹Druck› auf den anderen auszuüben, nur, um später zu explodieren oder zu implodieren. Um auf das Thema des Selbstbewusstseins zurückzukommen, euch selbst zu lieben wird es viel einfacher machen, die Bestätigungen anderer zu glauben.

Unsicherheit kann sich in Projektion manifestieren: es mag einfach sein, sich vorzustellen, dass die anderen Liebhaber_Innen eurer Liebhaber_Innen oder ein Schwarm oder ein potentieller Schwarm absolut perfekt seien. Versucht, ein wenig Perspektive zu gewinnen; es kann gut sein, dass ihr mehr Zeit darauf verwendet, über die anderen Liebhaber_Innen nachzudenken, als eure Liebhaber_innen selbst. Es ist sowieso niemand perfekt, nicht einmal die Andere; und dadurch, dass ihr in einer nicht-monogamen Beziehung seid, habt ihr weniger zu befürchten, als wenn ihr ein monogames Pärchen wärt: eure Liebhaber_Innen können mit anderen experimentieren und es geniessen, mit ihnen zusammenzusein, ohne das Gefühl, euch verlassen zu müssen. Ausserhalb des Pärchen-Paradigmas kann niemand Liebhaber_Innen von euch stehlen – das Ausmass, in dem ihr gut für einen Menschen seid, bestimmt, wie viel Zeit dieser mit euch verbringt. Wenn ihr eine langjährige oder starke Liebe habt, kann keine Affäre und kein Flirt sie bedrohen.

Unsicherheit kann auch nicht das einzige sein, das ihr fühlt. Es kann auch sein, dass ihr eure Liebhaber_Innen verurteilt – so könnt ihr enttäuscht von ihnen sein, dass sie sich zu anderen hingezogen fühlen, die ihr als unwürdig erachtet oder ihr könnt euch aus ähnlichen Gründen beschützerisch fühlen. So oder so müsst ihr euren Liebhaber_Innen vertrauen, zu wissen, was gut für sie ist – es gibt keinen Weg darum herum. Eure Partner_Innen können wahrscheinlich viel besser spüren, was sie brauchen als ihr und es ist sowieso nicht eure Entscheidung.

Eifersucht kann auch aus Konkurrenzgefühlen gegenüber anderen Liebhaber_Innen hervorgehen, besonders Mitgliedern des eigenen Geschlechts gegenüber – diese Gefühle werden in unserer Gesellschaft aufrechterhalten und dienen meist dazu, uns von potentiellen Mitstreitern zu isolieren. Wieder vertraut ihr hoffentlich darauf, dass wer immer das Vertrauen eurer Liebhaber_Innen gewonnen hat, Respekt verdient; erinnert euch daran, dass was auch immer gut für eure Liebhaber_Innen ist, auch, in irgendeiner Art zumindest, gut für euch ist. Fähig zu sein, die Liebhaber_Innen eurer Liebhaber_Innen als Freunde oder zumindest Verbündete zu sehen, kann revolutionär sein in einer Gesellschaft, die uns mit Romantik gegeneinander ausspielen möchte.

Es kann auch sein, dass eure Eifersucht durch Instabilitäten oder Inkongruenzen in der Beziehung selbst verursacht wird, was ausgesprochen werden sollte. Eifersucht ist nicht immer bloss irrationales, destruktives Empfinden; häufig kann sie ein nützliches Barometer sein, um zu kalibrieren, was zwischen und unter Menschen vorgeht.

Wenn ihr euch eifersüchtig oder unsicher fühlt, könnte es hilfreich sein, sich daran zu erinnern, dass der Grad an Freiheit, den eure Liebhaber_Innen geniessen, auch auf euch übergreift. Wenn ihr nicht eingeengt werden wollt, seid froh, dass ihr beiden euch nicht einengt. Wenn ihr Beziehung mit anderen ausser euren Liebhaber_Innen gehabt habt oder ihr euch von jemandem angezogen gefühlt habt, zieht diese Erfahrungen in Erwägung, um Perspektive zu gewinnen, wie sich eure Liebhaber_Innen fühlen; wenn diese Spielereien die Wichtigkeit eurer Liebhaber_Innen für euch nicht gemindert haben, werden sie dieses Mal wahrscheinlich auch nicht zwischen euch kommen.

Wenn eure Liebhaber_Innen eifersüchtig sind, versucht, euch nicht beschuldigt oder angegriffen zu fühlen. Versucht nicht ins Standardmuster aus Anschuldigungen, Angriffen, Verteidigungen, Verdächtigungen, Schuldzuweisungen und Selbstbeschuldigungen zu verfallen. Macht einen Schritt zurück und versichert euch, dass es klar ist, wie wichtig euch eure Liebhaber_Innen sind; betont, dass keine andere Affinität oder Beziehung die eurige bedrohen kann. (Sagt das andererseits natürlich niemals, wenn es nicht stimmt!) Wenn die Bestimmungen eurer Beziehung oder die gegenseitigen Erwartungen neu verhandelt werden müssen, schiebt es nicht auf oder redet um den heissen Brei herum.

Hier ein weiteres Worst-case-Szenario: ihr seid in einer Beziehung mit zwei Menschen und sie entwickeln eine intensive Abneigung gegeneinander. Das kann sehr unangenehm für alle sein. Es gibt dennoch einige Dinge, die ihr tun könnt, um die Sache so reibungslos wie möglich hinzukriegen. Seid nicht parteiisch – weigert euch, Richter zu spielen, während der eine euch vom Fehlverhalten des anderen überzeugen möchte. Ihr könnt eure Meinung darüber, wie sie sich verhalten, natürlich behalten, doch betont, dass ihr nicht daran interessiert seid, zur Parteinahme überzeugt zu werden. Bringt gegenüber beiden zum Ausdruck, dass sie euch beide wichtig sind – macht deutlich, dass es keine Entscheidung für einen geben wird und dass, sollte es dazu kommen, dass eine Beziehung beendet wird, nur interne, nicht externe Faktoren dafür verantwortlich sind. Ermutigt die beiden, die Sache zu klären, wie Erwachsene, falls möglich. Befördert keine Nachrichten zwischen den beiden. Fällt definitiv keine Entscheidungen, um einen von beiden zu beschwichtigen, auch nicht unbewusst – dies wird nur dazu führen, dass du sie vergraulst und dich selbst enttäuscht, auf kurz oder lang.

Sich Hierarchien widersetzen

Vielleicht habt ihr vom «Primary Partner»-Modell gehört, einem der meistdiskutierten Schemata der Nicht-Monogamie. Manche finden, dass solche Schemata Hierarchien oder Verhaltensvorschriften suggerieren: sie finden, dass jeder Mensch sein eigener Primary und bestrebt sein sollte, sich allen Partnern, mit denen er sein Leben teilt, gleichermassen hinzugeben, welche Rollen auch immer sie spielen. Tatsächlich riskieren wir einiges, wenn wir diese Rollen nicht flexibel genug auslegen, um sich den Veränderungen, die Beziehungen, Bedürfnisse und Erwartungen immer durchlaufen, anzupassen. Es ist wichtig, dass Menschen in einer Beziehung wissen, was sie voneinander erwarten können, doch formale Titel sollten dafür nicht nötig sein.

Wo wir gerade von Hierarchien unter Partnern sprechen – zusätzlich zu atavistischer Unehrlichkeit und Scham, könnte ein weiteres Verhaltensüberbleibsel, das ihr aus dem Monogamieghetto fortgetragen habt, die Tendenz sein, Liebhaber_Innen neben eurem Primary mit weniger Respekt oder Sensibilität zu behandeln. Dies ist etwas, das Menschen, die betrügen, insbesondere Männer, tun, wenn sie in monogamen Beziehungen betrügen: angetrieben von Schuld, misshandeln sie ihre Ehebrecher-Kameraden, als wollten sie zeigen, dass sie ihren Partner höher schätzen als andere, auch wenn sie ihn betrügen. Nicht-Monogamie sollte heissen, dass jeder in jeder Beziehung respektvoll behandelt wird: jede Pflanze und jedes Tier eines Ökosystems ist gleich wichtig, unabhängig von der kleinen oder grossen Rolle, die sie vielleicht spielen.

Die Dinge in den Griff bekommen

Niemand sollte andere in ein Beziehungsmodell zwingen, in dem sie sich unwohl fühlen. Dies kann nur beide Parteien unglücklich machen. Andererseits zwingt ihr niemanden zu irgendetwas, wenn ihr eure eigenen Entscheidungen darüber trefft, was richtig für euch ist. Ihr macht eure Entscheidungen und lasst andere die ihren machen; wo es Gemeinsamkeiten gibt, könnt ihr euch treffen. Idealerweise sollte jedes Paar die selbe Idee davon haben, wie ihre Beziehung aussehen sollte; realistischerweise müssen Menschen Kompromisse eingehen – versucht einfach, sicherzugehen, dass sie für beide Seiten von Vorteil sind. Noch einmal, es gibt kein perfektes Modell: jedes Paar, Dreieck und jede Gemeinschaft muss selbst in den Griff bekommen, wie miteinander auskommen und wie glücklich sein miteinander. Was für die einen funktioniert, mag für die anderen nicht funktionieren – vielleicht sieht es für andere nicht einmal gesund oder vernünftig aus, aber so ist es nun einmal.

«Ich habe eine letzte Frage. Wenn ich mehr als eineN Liebhaber_In auf ein Mal habe, werde ich sie am Ende nicht noch im Bett verwechseln und mit allen Streit anfangen?»

Meine tatsächliche Erfahrung ist das Gegenteil: wenn du dich daran gewöhnst, sexuell mit mehr als einer Person aktiv zu sein, hört der Name dieses Menschen auf, ein Geräusch zu sein, das du aus Gewohnheit machst, wann immer du erregt bist, und bezieht sich mehr auf das tatsächliche Individuum. Wenn du nicht-monogam bist, wirst du vielleicht entdecken, dass du, wenn du mit jemandem im Bett bist, mit dieser Person als Individuum präsent bist, statt mit einer Rolle in deinem Leben, mehr als du es mit Freund oder Freundin wärst. Wenn sich herausstellt, dass dies bei dir nicht der Fall ist, gibt es keinen Grund, warum du mit mehr als einer Person auf ein Mal ins Bett gehen solltest, um nicht-monogam zu sein – oder eigentlich mit überhaupt jemandem. Nicht-monogam und abstinent, das ist auch eine legitime Option mit einem Haufen Vorteilen.

1Dies ist nicht ein Versuch, denjenigen Vorschriften zu machen, die anonyme, promiskuitöse Begegnungen in Toiletten und Raststätten bevorzugen – macht, was ihr wollt, solange ihr aufeinander aufpasst!

Übersetzt von Anticiv – antizivilisatorische textsammlung & distro

 

 

Eigene Gedanken für die Liebe!

...und was macht eigentlich die liebe Liebe?
http://anarchypeaceangel.jimdo.com/…/133-blog-3-eigene-ged…/

Gerold Flocks Foto.