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Alles Verändern, ein anarchistischer aufruf / …

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1978: "Der Staat kann heute weder vor noch zurück, er kann sich vom zentralen Kern der Ökonomie nicht fernhalten, er kann ihn aber auch nicht kontrollieren. Er muss gleichzeitig sowohl zuviel (Interventionen, die die Krise produzieren) und zuwenig tun (er kann an die tiefen Ursachen der Krise nicht herankommen). So schwankt der gegenwärtige Staat andauernd zwischen dem Rückzug und dem verstärktem Engagement. Er ist also weniger ein allmächtiger Staat, als vielmehr ein Staat, der mit dem Rücken an der Wand und vor einem Abgrund steht" (Poulantzas 2002, 222).

"Das Auftreten des autoritären Etatismus kann also weder mit einem neuen Faschismus noch mit einem Faschisierungsprozess gleichgesetzt werden. Dieser Staat ist weder die neue Form eines echten Ausnahmestaats, noch ist er selbst die Übergangsform zu einem solchen Staat: er repräsentiert die neue 'demokratische' Form der bürgerlichen Republik in der gegenwärtigen Phase" (Poulantzas 2002, 237).

"Der autoritäre Etatismus ist mit der politischen Krise und der Krise des Staates artikuliert. Er ist zugleich eine Antwort auf Elemente dieser Krise, einschließlich seiner eigenen Krise. Deshalb ist der Etatismus keine eindeutige Verstärkung des Staates. Er resultiert vielmehr aus einer Tendenz, deren Pole sich ungleichmäßig auf eine Stärkung und Schwächung des Staates hin entwickeln" (Poulantzas 2002, 233 f.).


"Man müsste blind sein [...], wollte man nicht wahrhaben, dass sich allmählich eine neue Staatsform durchsetzt. Eine Staatsform, die ich in Ermangelung eines besseren Terminus, als autoritären Etatismus bezeichnen werde, ein Terminus, der die allgemeine Tendenz dieser Transformation anzuzeigen vermag: ein gesteigertes Ansichreißen sämtlicher Bereiche des ökonomisch-gesellschaftlichen Lebens durch den Staat artikuliert sich mit dem einschneidenden Verfall der Institutionen der politischen Demokratie sowie mit drakonischen und vielfältigen Einschränkungen der sogenannten 'formalen' Freiheiten, die man erst wirklich schätzen lernt, wenn sie einem genommen werden. Obwohl einige dieser Veränderungen seit langem im Gange sind, stellt der gegenwärtige Staat verglichen mit seinen früheren Formen, einen eindeutigen Wendepunkt dar" (Poulantzas 2002, 231 f.).

"Der moderne Totalitarismus in faschistischer oder anderer Form ist kein einfaches 'Phänomen', das nur von (dieser oder jener) Konjunktur des Klassenkampfes abhängt. Solche Konjunkturen können nur zur Entstehung der Staatsformen der modernen Totalitarismen führen, weil die Wurzeln des Übels viel tiefer liegen, nämlich mitten in den Produktionsverhältnissen, der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und dem materiellen Aufbau des Staates" (Poulantzas 2002, 101).

Nicos Poulantzas
Philosoph
Nicos Poulantzas war ein griechisch-französischer Politologe und Philosoph. Poulantzas lehrte und forschte hauptsächlich in Frankreich, vorübergehend auch an der Goethe-Universität in Frankfurt. Wikipedia

"der Staat muss die individualisierten Agenten auf die Klassen verteilen, er muss die Agenten so formieren und abrichten, qualifizieren und unterwerfen, dass sie diese oder jene Klassenstelle einnehmen können, an die sie nicht von Natur oder durch Geburt gebunden sind; darin liegt die Rolle der Schule, aber auch der Armee, des Gefängnisses und der Verwaltung" (Poulantzas 2002, 103).

"Jede kapitalistische demokratische Staatsform enthält totalitäre Tendenzen" (Poulantzas 2002, 238).