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Commonien, Permakultur, Nachhaltigkeit & Selbstorganisation

Die !Kung aus der Kalahari Südafrikas, die vom Anthropologen Richard Lee studiert wurden. Er folgte ihnen etwa vier Wochen lang, führte Tagebuch über ihre Aktivitäten und errechnete eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit für ihren Lebensunterhalt von etwa 20 Stunden. Diese Zahl wurde durch Folgestudien in der gleichen Region von Lee und anderen Forschern bestätigt. In einem unwirtlichen Klima genossen die !Kung ein freizeitorientiertes Leben mit einer hochgradig vollwertigen Ernährung. Dies kann man mit dem modernen Standard einer Vierzigstundenwoche vergleichen.
Wenn wir Pendelzeiten, Einkaufen, Hausarbeit, Kochen etc. dazurechnen, verbringt der typische US-Amerikaner etwa 80 Stunden pro Woche nicht mit Freizeit, Essen und Schlaf.
Zum Vergleich: Die !Kung widmen sich nur etwa 40 Stunden der Arbeit, wenn man nötige Aktivitäten wie die Herstellung von Werkzeugen und Kleidung hinzurechnet.
Andere weltweite Studien und auch der gesunde Menschenverstand legen nahe, dass die !Kung keine Ausnahme sind. In Gegenden mit üppigerem Pflanzenwuchs war das Leben wahrscheinlich noch leichter. Darüber hinaus waren große Anteile der "Arbeitszeit" in diesen 20 Stunden der Aktivität für den Lebensunterhalt alles andere als anstrengend oder belastend. Die meisten Stunden, welche  die Männer zur Sicherung des Unterhalts aufwandten, bestanden aus Jagd - eine Tätigkeit, die viele bei uns zur Entspannung in ihrer Freizeit machen -, während die Arbeit beim Sammeln Gelegenheit für Unterhaltungen, Späße und häufige Pausen bot.
Primitive Kleinbauern genossen ein ähnlich gleichförmiges Lebenstempo. Nehmen wir einmal Helena Norberg-Hodges Beschreibung des vormodernen Ladakh, einer Region im indischen Teil der Tibetischen Hochebene. Trotz einer nur viermonatigen Wachstumsperiode waren in Ladakh regelmäßig Nahrungsüberschüsse, lange und häufige Festivitäten und Feiern und reichlich Freizeit an der Tagesordnung - vor allem im Winter, wenn es auf dem Felde wenig zu tun gab. All dies trotz des unwirtlichen Klimas und einer verhältnismäßig großen, nicht arbeitenden Mönchsgemeinde in den zahlreichen buddhistischen Klöstern des Landes!
Sehr viel eindrucksvoller als durch irgendeine Statistik gibt einem Norberg-Hodges Filmdokumentation "Ancient Futures" einen Eindruck vom gemächlichen Leben dort: Dörfler schwatzen oder singen bei der Arbeit und gönnen sich viele und lange Pausen, selbst in der arbeitsreichsten Zeit des Jahres. Wie die Erzählerin sagt: "Arbeit und Muße sind eins."
Ein Leben in der heutigen, erschöpften Welt erschwert die Vorstellung vom vormaligen Übefluss.
CHARLES EISENSTEIN - DIE RENAISSANCE DER MENSCHHEIT - Seite 62-63

 

 

 

 Mit alleine leben, ist ja mitnichten das autarke Leben in den Wäldern gemeint,
 sondern die Vereinzelung in den Städten. Alleine Leben ist eine Illusion,
die der Kapitalismus uns bietet. Wir regeln die meisten unserer
 Alltagsabhängigkeiten über Geld, kaufen uns die Befriedigung unserer
Bedürfnisse oder einen Ersatz dafür. Das ist weit weniger anstrengend,
 als in Kommunikaton und emotionale Beziehung treten zu müssen und geht
 solange gut, wie alles, was uns wichtig ist (oder ein Ersatz) käuflich ist.
Im Grunde ist der Mensch der Großstadt viel hilfloser abhängiger als ein Mensch
 es jemals zuvor war. Nur geringfügige Störungen (STromausfall als Beispiel)
 lassen plötzlich Zigtausende leiden. Und das Leiden dann ist echt und
indivdiuell nicht lösbaR.
Was all unsere  Versuche der Selbstorganisation so unerträglich macht,
 ist daß es keine Kultur gibt, auf die wir zurückgreifen könnten.
Unsere Sozialisation baut auf Beziehungs- und Kommunikationsunfähigkeit auf.
Wir müssen viel zu viel neu erarbeiten und uns fehlen die Werkzeuge dazu.
Und die meisten von uns, die nach gemeinschaftlichen Lebensformen suchen,
sind gerade empfindlich gegen die Vereinnahmung, den scheinbaren Konsens.
Sonst wären wir ja nicht herausgefallen aus der herrschenden Unkultur.
Zu so lächerlich gemachten Sehnsüchten wie denen nach Geborgenheit, Vertrauen,
Freundschaft oder Beziehung über Arbeit gehören aber Gemeinsamkeiten, gehört
 eine gemeinsame Kultur. Und es ist egal, ob diese Widersprüche lösbar sind,
weil es keine Alternative dazu gibt, unser Leben, soweit es für uns immer
möglich ist, selbst zu organisieren.
Und dafür brauchen wir die Theorie, wir brauchen die Praxis;
wir brauchen unseren Verstand und wir brauchen unser Gefühl;
wir brauchen konstruktive Versuche (so unbeholfen) sie auch ausfallen mögen),
wir brauchen Sabotage (so wirkunglos sie auch manchmal scheinen mag)
 und wir brauchen die Verweigerung, das NEIN!
Vor allem brauchen wir in dieser bitteren Todessehnsucht unsere Sehnsucht
nach einem menschenwürdigen Leben.
Um politisch wirksam zu sein, schließe ich mich mit anderen zusammen.
Und das bedeutet immer, daß ich von meiner Privatheit ein Stück lasse.
Ich meine in der Kommune sogar bisher ganz.
Wir sind mit der bürgerlichen Sozialisation aufgewachsen und tragen
natürlich unsere Bürgerlichkeit in das Germeinschaftsleben mit hinein,
 von dem wir zudem noch gar nicht wissen, wie es denn Funktionieren könnte.
 Bürgerliche Sozalisation ist aber immer neurotisch und führt zwangsweise
 zur Sucht. Die bürgerliche Gesellschaft ist deshalb eine Suchtgesellschaft.
In der Gemeinschaft lässt sich aber auf die Dauer mit diesem neurotischen Gepäck
 nicht leben.
Wir müssen uns also mit unseren Neurosen auseinandersetzen.
In diesem Zusammenhang würde in der Gemeinschaft der private Bereich
auch eine Funktion übernehmen, nämlich die des Rückzugs, der Flucht
vor Auseinandersetzung, Flucht vor der Angst der eigenen Veränderung.
Also ist der private Bereich aus dieser Sicht in der Gemeinschaft ebenfalls
 eine kontra-produktive Einrichtung. Die Antwort darauf kann auch nur die sein,
 diesen Rückzugsbereich ebenfalls zu öffnen. Nur dadurch kann Veränderung stattfinden.
Die gesellschaftliche Tendenz geht weiter zur Vereinzelung, zur Isolation.
Ich brauche hier nicht weiter die gesellschaftliche Funktion der Ehe,
der Kleinfamilie, und deren Auswirkungen hinsichtlich der Gewalt, Unterdrückung,
Mißbrauch aufzuzeigen. Sie sind allgemein bekannt.
Wenn sich also gesellschaftlich etwas ändern soll, dann könnte das ein Ansatz
sein, diese gesellschaftliche Funktion des Privaten öffentlich zu machen und damit
auch die Funktion zu kippen.
Das wäre auch meine Motivation in einer Kommune zu leben.
Ausgewählte Zitate zum Thema aus dem anarchistischen Magazin - SCHWARZER FADEN
 vom Februar 1997. (Seite 40-42)
Datei:Sf head.jpg

 

Wenn jemand hungrig am Tisch sitzt, während sich andere am gleichen Tisch den Bauch vollschlagen, ist das kein gutes Haushalten. Der Kapitalismus erhebt den Anspruch, die »wirtschaftlichste Organisationsform« für einen Haushalt zu sein. Dennoch schafft er es nicht, obwohl genug Nahrung vorhanden ist, die Menschen zu ernähren. Solange dies so ist, handelt es sich nicht um Wirtschaft, sondern um eine Ideologie. Solange wir uns in diesem System bewegen, werden unsere Fähigkeiten zu Waren. In diesen Waren drückt sich die Haltung der Menschen aus, die sie erzeugen. Sie zirkulieren heute um den ganzen Globus, und mit ihnen die Funktionalisierung der Konsumbedürfnisse ebenso wie der spirituellen Bedürfnisse, da ja mit Hilfe der Werbung die Produkte spirituell aufgeladen werden und man so den Mangel an Sinn in der Arbeit durch den Konsum ihrer Ergebnisse zu kompensieren sucht. Ich glaube, es geht nicht um einen »Kapitalismus 3.0«, sondern um ein ganz anderes Menschenbild. Die Urfrage der Produktion ist doch: Was brauche ich überhaupt? Am wirtschaftlichsten ist eigentlich, möglichst wenig zu verbrauchen. Je weniger ich konsumiere, je weniger Zeit und Kraft ich darauf verwenden muss, Konsumgüter für meinen Lebens­unterhalt herzustellen, desto mehr Zeit bleibt, sich der Frage nach dem Lebenssinn zuzuwenden. Ich denke, wir können nur aus einer solchen Perspektive zu neuen Formen des Wirtschaftens finden.
 (Quelle Oya-Magazin - Frank Wilhelmi)

 

Es dient der Welt nicht, wenn Du Dich klein machst!

 

  "Dialogue or die"


Von der Entdeckung des Selbstverständlichen (Von Moreau. Zuerst erschienen in: Brennstoff Nr. 4, Wien, Mai 2006) Nimm einen lebenden Frosch und setze ihn in einen Topf mit etwas kochendem Wasser. Der Frosch wird versuchen, sofort wieder heraus zu springen.


Nächster Versuch. Nimm einen lebenden Frosch und setze ihn in einen Topf mit kaltem Wasser. Jetzt bleibt der Frosch sitzen. Nun dreh am Herd und erwärme das Wasser langsam. Beobachte den Frosch und sieh, wie wohl er sich fühlt. Die Temperatur steigt und steigt. Der Frosch wird schlapp und schlapper. Bald ist er zu schwach, um noch herausspringen zu können. Obwohl er durch nichts daran gehindert wird, sich zu retten, bleibt der Frosch sitzen, bis er kocht.


Das ist so, weil der innere Wahrnehmungsapparat des Frosches auf plötzliche Veränderungen in seiner Umwelt eingestellt ist – und nicht auf langsam wachsende Bedrohungen. Lebewesen sind strukturdeterminiert. Sie können nur wahrnehmen, wofür sie ein Wahrnehmungsorgan besitzen.


Vergegenwärtigen wir uns für einen Augenblick einige der Gefahren, mit denen wir Menschen heute konfrontiert sind, etwa den Klimawandel, das Ozonloch, die Ausbreitung der Wüsten, das Abholzen der Regenwälder, das dramatische Artensterben, die Vergiftung der Umwelt und unserer Lebensmittel durch Chemikalien, Luftverschmutzung, Gentechnik oder Radioaktivität ... Sie können die Liste beliebig fortsetzen. Ein gemeinsamer Nenner dieser Entwicklungen ist, dass sie uns zwar Schaden zufügen (werden), wir sie aber nicht unmittelbar wahrnehmen können. Sie sind zu langsam. Sie sind unsichtbar. Ursache und Wirkung liegen oft weit auseinander, sowohl zeitlich als auch räumlich, sodass wir die Veränderungen nicht oder eben erst zu spät bemerken.


Wir wissen vielleicht einiges davon aus Zeitungen, aus Büchern oder aus dem Fernsehen, aber das ist nicht dasselbe wie eine eigene, sinnliche Erfahrung. Es berührt uns nicht so, wie es uns berühren müsste, damit wir unser Verhalten entsprechend ändern. Wir leiden nicht unter der ökologischen Krise. Von ein paar gelegentlichen Wehwehchen abgesehen, geht es uns so gut wie dem Frosch bei 30 Grad. Also machen wir weiter wie bisher, selbst wenn wir intellektuell wissen, dass es möglicherweise selbstmörderisch ist. Wir haben einen blinden Fleck und sind uns dessen kaum bewusst. Die Krise, in der wir uns heute befinden, ist daher in erster Linie eine Krise der Wahrnehmungsfähigkeit.


Die Prozesse, die wir durch unsere machtvolle Wissenschaft und Technik sowie durch unsere Art zu wirtschaften in Gang gesetzt haben und die heute das ökologische Gleichgewicht

durcheinanderbringen, haben einen weiteren, höchst merkwürdigen gemeinsamen Nenner: sie alle haben ihren Ursprung im Denken. Und nicht nur die zerstörerischen Wirkungen, schlichtweg alle unsere Schöpfungen und kulturellen Errungenschaften inklusive unsere Wertvorstellungen, unser Verhalten und unser Identitätsgefühl, das Gefühl, ein abgetrenntes, eigenständiges Ich zu sein, werden von Denkprozessen organisiert. Alles, was uns als Menschen und als menschliche Gesellschaften ausmacht, vom Mittagessen bis zum Krieg und selbst Gott, ist ohne Denken undenkbar. Das klingt zunächst banal. Aber vielleicht ist es an der Zeit, das scheinbar so Selbstverständliche neu zu entdecken.


Albert Einstein hat darauf hingewiesen, »dass die Probleme, die es in der Welt gibt, nicht mit der gleichen Denkweise zu lösen sind, die sie erzeugt hat« und »dass es Wahnsinn [sei], immer in der gleichen Weise zu verfahren und dabei auf neue Ergebnisse zu hoffen«. Wenn das Denken als Ursprung unseres Handelns nicht nur daran beteiligt ist, sich nach Liebe zu sehnen, Häuser zu bauen, Kunstwerke zu schaffen, Bücher zu schreiben oder Kinder zu erziehen, sondern auch daran mitwirkt, Nationen zu bilden, Waffen zu bauen, Kriege zu führen oder Löcher in die Atmosphäre zu reißen und die Umwelt zu zerstören, könnte es lohnend sein, sich die Sache genauer anzuschauen, anstatt weiter blind darauf zu vertrauen, dass wir unsere vielen Schwierigkeiten durch dasselbe Denken, das diese Schwierigkeiten hervorbringt, eines Tages doch noch werden lösen können. Tatsächlich gab es noch nie so viel Wissen wie heute, und es wurde auch noch nie so viel gedacht. Zugleich ist nicht von der Hand zu weisen, dass es noch nie so viele und so schwerwiegende Probleme gab, sowohl ökologische als auch solche des Zusammenlebens.


Gewöhnlich konzentrieren wir uns auf die Inhalte des Denkens, nicht auf seine strukturelle Beschaffenheit und Arbeitsweise. Die Inhalte können sehr widersprüchlich sein und bilden Anlass zu endlosen Konflikten wie etwa jenen zwischen Linken und Rechten, zwischen Juden und Arabern oder zwischen Profit- und Umweltschutzinteressen, aber hinter all den unterschiedlichen Denkinhalten, die unsere Aufmerksamkeit fesseln, wirken bei jedem denkenden Menschen dieselben grundlegenden Muster, deren wir uns allerdings kaum bewusst sind und die genau jene Probleme erzeugen, die wir tatsächlich haben. Das Denken ist ununterbrochen aktiv, aber es weiß nicht, was es tut. Es ist sich weder seines Ursprungs und seiner Begrenztheit noch der Folgen seiner Wirkungsweise bewusst. Es fehlt ihm an »Propriozeption« – Eigenwahrnehmung, wie sie etwa unser Körper durchaus kennt, wenn er selbst in der Dunkelheit genau weiß, wo sich seine Arme und Beine im Raum befinden. Um diese Eigenwahrnehmung im Denken zu entwickeln, braucht es Verlangsamung, passives Gewahrsein und eine dialogische, lernende, auf Erkenntnis gerichtete Haltung.


Normalerweise nehmen wir an, dass uns unsere Sinne und unser Denken die Wirklichkeit so präsentieren, wie sie eben ist. Wie wir jedoch am Beispiel des gekochten Frosches sehen können, teilen uns unsere Sinne nicht alles mit, sondern nur das, wozu sie ihrer inneren Struktur nach in der Lage sind. Die verbreitete Vorstellung, dass uns unsere Sinne ein getreues Abbild der äußeren Wirklichkeit liefern, ist so falsch wie beliebt. Richtiger wäre es, mit Francisco Varela, Kognition als Hervorbringen einer Welt aufzufassen. Wie die Welt unseren Sinnen erscheint, ist demnach eine Ko-Konstruktion von Organismus und Welt. Dabei haben sich über lange evolutionäre Zeiträume relativ stabile Muster – Invarianten – entwickelt, die wir dann für eine Eigenschaft einer vermeintlich von uns unabhängigen Welt halten. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme enthüllt die sorgfältige Untersuchung einer Beobachtung daher niemals eine unabhängige, objektive Realität, sondern die Eigenschaften des Beobachters. Welt- und Selbsterkenntnis fallen somit in eins. Varelas Sichtweise »einer Ko-Konstruktion von Subjekt und Objekt, welche die tradierte logische Geographie einer klaren Trennung von Erkennendem und Erkanntem, Innen- und Außenwelt hinter sich lässt«, lässt sich ohne weiteres in Deckung bringen mit der Sicht der Physik seit Heisenbergs Unschärferelation: was wir beobachten, hängt jeweils ab von der Beschaffenheit und von der Intention des Beobachters. Die Wirklichkeit ist nur scheinbar feststehend. Sie gleicht viel eher einem kosmischen Tanz.


Eine der ausgefeiltesten Erkenntnistheorien, die buddhistische nämlich, wusste dasselbe schon lange vor den Physikern und einigen Kognitionsforschern: dass es keine unabhängige Existenz gibt, sich vielmehr alles wechselseitig bedingt und durchdringt. Im Gegensatz zur theoriebeladenen westlichen Philosophie, die immer noch eigenartig praxislos ist, gab und gibt es im Buddhismus allerdings eine umfassende Praxis, mit der diese grundlegende Verbundenheit und Einheit allen Seins auch erfahren werden kann.


So ganz allgemein gesagt, ist es die Verhaftung im und die Identifikation mit dem begrifflichen Denken, die der – nach buddhistischen, aber auch nach Kriterien etwa der neuen Physik illusionären – Dualität, sprich Trennung von Subjekt und Objekt, von Ich und Welt zugrundeliegt. Es ist das Denken, das die Welt fragmentiert, alles aufspaltet und die ursprüngliche Ganzheit zerteilt, wie der Quantenphysiker und Entwickler der modernen Dialogtheorie, David Bohm, sagte. Auch Goethe wusste davon und ließ seinen – als Gelehrten (!) verkleideten – Mephisto darüber spotten, wenn er zum Schüler sagt: »Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben, / Sucht erst den Geist herauszutreiben, / Dann hat er die Teile in seiner Hand, / Fehlt, leider! nur das geistige Band.«


Das Denken löst Dinge aus ihrem Zusammenhang und hält dann die so geschaffenen Grenzen für eine Eigenschaft der Welt. Die Sprache weiß noch einiges davon. Im Wort »Definition« etwa steckt lat. finis, Grenze. Nicht minder interessant ist das Wort »Realität«, das von den Wurzeln »Ding« (res) und »denken« (revi) abgeleitet wird. »Realität« bedeutet »alles, woran du denken kannst«, bezieht sich also auf eine Grenzziehung und beschreibt keine beobachterunabhängige Außenwelt. Aber – natürlich müssen wir Begriffe verwenden und definieren. Das Herauslösen aus dem Zusammenhang und das Zerlegen in Einzelteile besitzt echten praktischen Wert. Es macht die Dinge leichter handhabbar und nützt der Verständigung. Andernfalls würden wir möglicherweise von ungeordneten Eindrücken überschwemmt und könnten vielleicht gar nichts mehr tun, jedenfalls nicht darüber reden. Das Problem ist auch nicht, dass wir Trennungen erschaffen, sondern dass wir uns dessen nicht bewusst sind und die vom Denken gezogenen Grenzen für wirklich halten.


»Der Denkprozess denkt, dass er gar nichts tut, sondern einem nur mitteilt, wie die Dinge eben sind«, sagt David Bohm, und dahinter steht die Annahme, dass das Denken die Erfahrungen so beschreibt, wie sie sind, »als gäbe es ein Fenster für eine ungefilterte Wirklichkeit, die außerhalb einer Person stattfindet«. Dieser folgenschwere Irrtum, den ich für den eigentlichen Kern unserer Probleme halte, bedingt ein Denken, das die Verbindung zur ungeteilten Ganzheit nicht mehr kennt. Daher kann es achtlos und ohne Skrupel die Natur und andere Menschen zerstören oder ausbeuten. Es ist kaum mehr in der Lage zu erkennen, dass Selbst und Welt verbunden sind und jede Handlung Folgen hat, die früher oder später auf den Handelnden zurückwirken. Wird erst einmal die tiefe, also nicht bloß intellektuelle, Einsicht wirksam, dass das, was ich vermeintlich außen sehe, in Wirklichkeit ich selbst bin, erwacht damit zugleich jenes umfassende Mitgefühl, das nötig ist, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nur Frösche denken anders.

 

 

 

Buchrückseite

»Es gibt nur eine Pflanze, die als nachwachsender Rohstoff in der Lage ist, den größten Teil an Papier, Textilien und Nahrungsmitteln sowie des Energieverbrauchs zu liefern und die zugleich die Umweltverschmutzung eindämmt, die Böden verbessert und unsere Luft reinigt: es ist eine alte Gefährtin, die dies schon immer getan hat: Cannabis, Hanf, Marihuana.« Jack Herer

Aufrüttelnd wie ein Enthüllungsbuch, spannend wie ein Krimi, faktenreich wie eine Enzyklopädie: Jack Herers Hanfbuch wurde zum Auslöser einer weltweiten Wiederentdeckung von Hanf als Bio-Rohstoff. Heilmittel, Kleidung, Baustoffe, Farben, Lacke, Speiseöle, Papier - am Hanf kommen Medizin, Industrie und Politik langfristig nicht mehr vorbei. Kaum ein anderer Stoff hat ein ökologisch so wertvolles Potential.

»Das Standardwerk für die grüne Ökonomie von morgen.« taz -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

 

Über den Autor

Mathias Bröckers war Redakteur der taz, Kolumnist der ZEIT und der WOCHE und veröffentlichte zahlreiche Bücher.

Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf [Gebundene Ausgabe]

Jack Herer , Mathias Bröckers

 

 Das Spektakel hält uns gefangen.

Was ist das Spektakel? Es ist die Welt der Herrschenden,

 derjenigen, die uns sagen,

wo es lang gehen soll, jener, die behaupten zu wissen,

was uns gut tut, derjenigen,

die Recht und Ordnung vor das Leben stellen,

 die uns regulieren, die uns regieren wollen.

Das Spektakel ist die Inszenierung von Wohlstand

 und guter Laune angesichts von Armut

und Hunger weltweit, es ist die Illusion alles kaufen,

 ja alles haben zu können selbst dann,

wenn man es gar nicht benötigt. Es ist das Schaffen von

Bedürfnissen, die keiner wirklich

hat, die uns aber per Dauerbeschallung nahe gelegt werden.

Das Spektakel ist aber auch das stete Konsumieren

 eben dieser Waren.

Es ist die Hölle materieller Abhängigkeiten.

"Dieses" Gespenst hält weltweit die Menschen

gefangen, es hat sie wahnsinnig gemacht und blind.

Sie sehen nicht, daß die Welt auf dem Kopf steht,

die Vorzeichen ausgetauscht, Gutes mit

Bösem verwechselt wird, Terror wird zur Friedensmission

 und Glück nur noch im Leid

erfahrbar. Das Spektakel ist die totale Unterwerfung

der Menschen unter die kapitalistische

Warenproduktion, unter Mehrwert und immer mehr,

 unter Wachstum und dem Zwang sich

einzufügen in das Spektakel. Das Spektakel ist das

gegenwärtige Modell des gesellschaftlich

herrschenden Lebens. Es ist die allgegenwärtige Behauptung

der bereits getroffenen Wahl

in der Produktion und der von ihr untrennbaren Konsumtion.

Form und Inhalt des Spektakels

sind identisch. Das Spektakel nimmt uns alle gefangen und

es stellt sich zugleich als

Wohltäter dar. Es erscheint uns in glorreicher Positivität,

 da es das, was produziert wird,

als Notwendigkeit, als Segen, als Heilsversprechen propagiert,

 und zugleich all diese

 Versprechen nicht einzu-

lösen in der Lage ist. Es frustriert, weil es uns vorgaukeln kann,

 glücklich zu sein angesichts

unseres Wohlstands, den andere bezahlen.

Das Spektakel ist eine große Illusion, ein gedachter,

 kopflastiger Schwachsinn, eine Welt,

der jegliche Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Vergeistigt und

ohne Bodenhaftung folgen

wir dem Gespenst des Kapitalismus, hüllen wir es in schöne Kleider,

 um das Häßliche an ihm

nicht zu sehen. Halbtot, wie wir sind, stellen wir fest,

 daß das Abenteuer der Konsumtion, der

Einverleibung der Welt, vorbei ist. Denn in der totalen Banalität

des Marktes gibt es nichts mehr

zu entdecken und nichts zu erleben. So ist es umso gewisser was wir

 gegenwärtig zu voll-

bringen haben: die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden.

Rücksichtslos in dem Sinne, daß

sie sich weder vor dem Konflikt mit dem Bestehenden noch vor ihren

Resultaten fürchtet.

Seid mutig und nehmt euch das Recht, euch selber zu leben

 - euer Leben in der Achtung

für das Leben aller und das Recht auf Selbstentfaltung eines jeden Menschen.

Seid Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.

Stellt das Leben auf die Füße, laßt es wachsen durch das,

 was in euch selber drängt gelebt

zu werden. Laßt euch nicht lenken und verzichtet auf jede Leitung,

 es sei denn, ihr lenkt selber

und leitet euer Tun. Dafür aber müßt ihr radikal anders denken und handeln;

 ermächtigt euch

und tretet den Lehrherren und Regulierwütigen,

den Bürokraten und Verfechtern der alten

Ordnung mutig entgegen, ohne Waffen,

 allein mit eurem Recht selbstständig zu leben.

Und nehmt euch das Recht, die Spielregeln des Lebens neu auszuhandeln,

  Spielregeln

eines Mit-Menschlichen Seins und einer solidarischen Welt des Allgemeinwohls.

Tretet mutig an gegen all jene, die euch als isolierte Wesen haben wollen.

Nehmt euch an die Hand und verbündet euch zu Menschengruppen, die ihr Recht

auf Lebensgestaltung einfordern.

Merkt ihr nicht, wie verblödet ihr seid, wie ihr auf Trab gebracht,

 wie ihr auf Empfang gestellt

werdet? Was lässt euch so hörig einer Bildungsidologie folgen,

 die auf individuelle Leistungs-

fähigkeit, auf Befolgen und Gehorchen derer abzielt, die wissen wollen,

 was richtig und falsch,

was lebenswert ist und was nicht. Welche Trottel seid ihr,

 daß ihr Euren Lehrern mehr folgt

als eurem gesunden Menschenverstand? Und ihr Besserwisser,

 wie kommt es, daß ihr

euch mit der Fahne der Aufklärung schmückt und doch nichts Besseres

 zu tun habt, als die

euch Anvertrauten auf eine Leistungs- und Konsumwelt vorzubereiten,

 die der Grund vielen

gesellschaftlichen Leidens ist. Warum laßt ihr die Heranwachsenden

nicht ihre eigene Welt

erfinden, ihre Vorstellungen davon entwickeln, wie sie leben wollen,

 ihre Erfahrungen sammeln

im mitmenschlichen Miteinander - und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen?

Ihr seid die Handlanger des Spektakels, die ersten Vertreter eines Systems,

 das nicht der Ent-

faltung unserer Person, unseres Lebens und nicht an einer freien Gestaltung

 desselben

interessiert ist. Ihr wollt Gehorsam,

ja Nachahmung und dafür vergebt ihr Preise und gute

Noten. Ihr reduziert Bildung auf ein Wissen von der Welt,

wie sie ist, ein Wissen um das Spektakel

um euch herum.

Ihr fördert das Nachahmen des sich scheinbar Bewährten

 und unterdrückt

jegliche Regung, sich selber und die Welt gestalten zu wollen.

 Ihr erhebt Bildung zu einem

Kulturgut und benutzt sie zugleich als Disziplinierungsmaßnahme

 für all jene, die nicht so

funktionieren, wie ihr es gerne hättet.

 Das Spektakel nutz eure Schulen, die den Kindern

gut tun sollen, als Zwangsanstalten und Prägeapparate,

in denen die Menschen jene Stempel

aufgeprägt bekommen, die ihren Lebensweg vorzeichnen.

 Ihr fordert uns auf, wach und doch

zugleich passiv zu sein, mitzumachen aber nicht aufzubegehren,

 kreativ zu sein aber nicht

produktiv. Eure Legitimationen des status quo als

 "Krönung der Schöpfung" verdeckt die Lüge

 und Bosartigkeit, das Unmenschliche des Spektakels.

 Es erscheint als himmlisch, ist aber doch

die Hölle für all jene, die zusehen müssen und auf den hinteren

Rängen stehen und froh

sind, einen Blick auf das große Welttheater erheischen zu können,

 wohl wissend, daß hier

nicht für sie gespielt wird.

Zitat aus dem Buch: GEMEINSAM! Eine reale Utopie - Wenningen 2025

von Steffen Andreae & Matthias Grundmann

 

 Was wir wirklich nötig hätten...Wäre ein System das nur das produziert was die Menschheit wirklich braucht. G.F.

Aktuelle Ausgabe

Cover

 »Niemand lebt vom Geld. Stattdessen ­leben wir von den Lebens-Mitteln, die von der Erde kommen, und wir leben durch gute Beziehungen. (Quelle Oya-Magazin - Heide Göttner-Abendroth)

 

Infos zum Thema Nachhaltigkeit!

 

 Brauchen wir Internet, Fernwärme, massenhaft Autos,
Atomkraftwerke, Gentechnologie, Satelitenforschung
und vor allem das Geld als hohes Gut?
Und müssen wir auf Lebensjahre verzichten, wenn wir
das alles nicht haben?
Hierauf gibt es eine klare Antwort:
Wir brauchen es nicht, gerade weil uns diese soge-
nannten Güter durch ihre Unverträglichkeit und Giftig-
keit Lebensjahre kosten!
Schon längst wirken heute Menschen daran, diese Art
von Hochtechnologie durch eine umweltfreundliche zu
ersetzen, indem sie Solarstrom, Brunnensysteme und
Tauschringe erfinden.
Die Frage ist doch nicht:
Technologie Ja oder Nein?
Sondern die Frage ist:
lebenszerstörerische oder lebensfreundliche Technologie?
Nicht die Höhe einer Technologie ist entscheidend
bei dieser Frage, und schon gar nicht spiegelt sie
die Höhe einer Kultur.
Sondern ihre Verträglichkeit stellt unsere Hochtechno-
logie, deren Ideal die immer perfektere Maschine ist,
die mehr und mehr den "fehlerhaften" Menschen ersetzen
soll, die pure Brutalität und eine Barbarei ohne-
gleichen dar. Sie ist überentwickelt und dient keines-
wegs allen Menschen, sondern in erster Linie dem
Geldbeutel der globalen Konzerne.
Heide Göttner-Abendroth - Aus dem Buch:
Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft.
Prinzipien und Paxis der Matriarchatspolitik
Seite 90.

 

Bedingungsloses Grundeinkommen – Mut zur Transformation

mutzurtransformation.com/
Im Sommer 2014 erscheint das Heft: Das Thema ist komplex und dennoch ist der Grundgedanke simpel: Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.

 

 

"Wenn die Erde krank ist und in Agonie liegt und die wilden Tiere aussterben, wird ein neuer Stamm auferstehen, aus Menschen aller Farben, Klassen und Nationen. Dieser Stamm wird mit der ganzen Kraft und Energie seiner Taten die Erde wieder natürlich und grün machen. Er wird als Stamm der Regenbogenkrieger bekannt werden."

(Aus den Prophezeiungen der Hopi-Indianer)

 

 

  • 1,1 Milliarden Menschen leben in absouter Armut.
  • Das Vermögen der 225 reichsten Personen könnte die ganze Welt ernähren. (Jean Ziegler)
  • „Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 37.000 Menschen sterben am Hunger jeden Tag. Und eine Milliarde ist permanent unterernährt. Gleichzeitig könnte die Landwirtschaft zwölf Milliarden Menschen, also das Doppelte der Weltbevölkerung, normal ernähren. Das ist nicht Schicksal. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ (Jean Ziegler).
  • mehr als 1 Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
  • 138 Mio. Tonnen Mais und hunderte Millionen Tonnen Getreide werden allein schon in den USA zur Herstellung von Biodiesel verbraucht. In den Ländern der Dritten Welt, wo hierfür große Flächen gerodet wurden, leiden die Menschen an Hunger.
  • Täglich werden weltweit 1,3 Millionen Tonnen Nahrungsmitel weggeworfen. Alleine von den Lebensmittelabfällen könnte schon 2/3 der Weltbevölkerung leben
  • In den letzten 7 Jahren (2003-2011) ist die Spekulation auf Agrarrohstoffe und Lebensmittel von 13 auf 600 Milliarden Dollar angewachsen und erbringt bis zu 55 % Renditen für die Anleger (vor allem Banken und Sparkassen), Hunger und Tod für die betroffene Bevölkerung, für welche die Lebensmittel unerschwinglich teuer werden. 
  • Auch in Deutschland, einem der wohlständigsten Länder der Welt, ist schon fast jeder Fünfte von Armut betroffen.

 

 FREUNDE HELFEN FREUNDEN

Einführung - was braucht Gemeinschaft?
"Eine Tages setze ich mich an meinen Schreibtisch, öffnete meine Bewusstsein und fragte: "Was würde der Welt helfen?"
Die innere Stimme war kraftvoll und klar. Sie sagte:
"EINE IDEE"
Ich fragte, welche Idee stark genug wäre, um der Welt zu helfen, und die Stimme sagte: "Eine Idee, hinter der jeder Mensch stehen könnte."
Ich fragte weiter: "Hinter welcher Idee könnte jeder Mensch stehen?" Die Antwort, die ich erhielt, lautete: "Freunde, die Freunden helfen".
Ich dachte ein paar Minuten lang über die Idee nach und konnte erkennen, das sie tatsächlich eine wunderbare Macht der Inpiration besitzt. Fast alle Menschen wollen der ganzen Welt helfen, wissen aber nicht, wie. Fast alle Menschen bleiben passiv, weil es ihnen scheinbar zu große Angst einflößt, die Führung zu übernehmen. Aber jeder will ein guter Freund sein.
Ein Freund, der Freunden hilft, wäre ein Freund aller Menschen und würde Fremde als Verbündete behandeln. Ein Fremder ist ganz einfach ein Freund,, dem du noch nicht begegnet bist. Was würdest du für einen Freund nicht alles tun?! Nimm alle Menschen in dein Herz auf.

Wenn Du lernen könntest, allen Mensschen - allem zum Trotz - ein Freund zu ein, dann würde sich dein Leben verwandeln. Wenn du allen Menschen ein Freund wärst, dann würde dein Bewusstsein sich für Möglichkeiten öffnen, wie du der ganzen Welt helfen kannst.
Erfüllung erwartet dich. Würdet du ein Freund sein, er Freunden hilft? Würdest du ein Freund des Lebens sein? Würdest du ein Freund der ganzen Welt sein? Würdest du ein Freund des Lebens, ein Freund der Welt sein? Die Welt braucht dich. Würdest du allen Menschen ein Freund sein, denen du heute begegnest?
Würdest du allen Menschen ein Freund sein durch das, was du von dir selbst gibst.
Wenn du dein Herz öffnest, wirst du ein Freund der ganzen Welt. Freunde, die Freunden helfen, werden die Welt verändern. In dem Maße, in dem du deinen Freunden hilfst, trägst du zur Veränderung bei. IN dem Maße, in dem alle Menschen zu Freunden werden, bekommt die Welt ein anderes Gesicht." CHUCK SPEZZANO in BRÜCKEN ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE!

Liebe Gemeinschafts- Interessierte und - Freunde,
Ich weiß ganz tief innen, wenn wir alle diese Freunde für einander sind und unseren Geist und unsere Herzen für unsere stärksten Visionen öffnen, dann können wir es gemeinsam alles schaffen... dann könnnen Wunder geschehen.. Bereit?
Hunderte und Tausende Menschen in ganz Europa wünschen sich eine Alternative zum isolierten Leben in der Klein- oder Großstadt...
Eine neue Gemeinschafts-Bewegung formiert sich angesichts drängender globaler Fragen... und macht Wellen von Findungs- und Klärungs-Strukturen durch.
Wir freuen uns über rege Beteiligung  und freudige Leichtigkeit,
auf viele neue Freundschaften und Wunder, Namasté.

 

 

 .

 Die Landwirtschaft hört auf, ein ausbeuterischer Industriezweig zu sein,
der kurzsichtig Erträge optimiert, sondern wird wieder ausgebaut zur Er-
zeugung der Lebensvoraussetzungen. Extensivierung tritt an die Stelle
von Intensivierung, Vielfalt an die Stelle von Monokulturen,
Beachten natürlicher Kreisläufe und Voraussetzungen an die Stelle der
Ausbeutung von Böden und des Einsatzes von Pestiziden und Insektiziden.
Jagd und Tierschutz gehören zusammen wie Landwirtschaft und Naturschutz.
Die Erhaltung von Leben und Umwelt ist ihre Aufgabe. Langfristiges
Denken über mehrere Generationen ist wichtig.
Ziel muß für jede Gesellschaft sein, dass sie ihre Lebensgrundlagen
selbst erwirtschaftet. Sie erlangt damit nicht nur so viel Autarkie
wie möglich, sondern verringert auch die Ausbeutung der "Dritten Welt",
des Südens und die Transportkosten.
Außerdem wird die Landwirtschaft als Lebensgrundlage wieder in ihr Recht
gesetzt und der Exodus umgekehrt.
Gerd Stange:

 


Die libertäre Gesellschaft

„Die Utopie ist die Wahrheit von morgen“ (Victor Hugo) - Gerhard Stange
macht sich in diesem Manifest Gedanken darüber, wie eine freiheitliche
und solidarische Gesellschaft auf den wesentlichen Feldern des gesell-
schaftlichen Lebens organisiert sein könnte, um eine tragfähige Alternative
zum Kapitalismus hervorzubringen. Die Thesen des Autors brechen mit einem
 unseligen Dogma im marxistischen Denken, die an die religiöse Tradition
des „Bilderverbots“ erinnert. Denn so verrückt es wäre, eine herrschafts-
freie Gesellschaft bis ins Detail auf dem Reißbrett zu entwerfen, so
verrückt ist es, sich vozustellen, man könne dorthin gelangen, ohne das
für die wichtigsten Veränderungen vorher gesellschaftliche Mehrheiten
gewonnen zu haben. Auf diese Anstrengung zu verzichten heißt auf die
Utopie zu verzichten. Gerhard Stange begreift sein Manifest als Vorschlag
 zu einer offenen Diskussion.

76 Seiten
http://www.diebuchmacherei.de/verlagstitel/utopien/bisher_erschienen.htm

 

 

 Richtig verstandener Kommunismus ist die Abschaffung nicht nur  des
Privateigentums, sondern des Eigentums schlechthin.
Das Privaeigentum hat uns so dumm gemacht, daß ein Gegenstand erst
der unsrige ist, wenn wir ihn haben.
Was würde es bedeuten, dass etwas unser ist, wenn wir es nicht be-
sitzen?
Was würde es bedeuten, uns selbst und unsere Welt nicht als Eigentum
zu sehen?
Hat das Privateigentum uns so dumm gemacht, das wir es nicht sehen
können?
Der offene Zugang  und das Teilen, das den Gebrauch des Gemeinguts
charakterisiert, befinden sich außerhalb von Eigentumsbeziehungen
und sind diesen gegenüber feindlich.
Wir sind so dumm gemacht worden, dass wir die Welt nur als privat
oder öffentlich wahrnehmen können.
Wir sind blind geworden gegenüber dem Gemeingut.
Michael Hardt

 

 Dies ist ein offenes Experiment.

Ein in Worte fassen von dem, was bereits in der Luft liegt.

Je häufiger diese Erklärung gelesen, gedacht oder ausgesprochen wird, umso mehr wird ihre Energie sich in unserer Welt und Gesellschaft manifestieren.

Wenn du das Gefühl hast, was du hier liest, in dir wiederzufinden, mach es zu deinem Statement.

Finde Wege, die Erklärung zu lesen, sie zu teilen und in Aktion umzuwandeln.

 

ERKLÄRUNG KULTURELLER REVOLUTIONÄRE 2009


Kulturelle Revolutionäre in 2009…


_leben, handeln und arbeiten mit und nicht gegen die Natur

_wissen, dass Leben zu komplex ist, um es zu intellektuell zu verstehen

_schaffen und unterstützen lokale, autonome Ökonomien

_wertschätzen und bewahren Vielfalt aller Art

_wertschätzen und praktizieren gegenseitige Abhängigkeit, da sie wissen, dass nichts getrennt existiert

_betrachten sich als gleichwertig zu allen Lebensformen

_beschützen und unterstützen Leben

_lieben und unterstützen Kinder bedingungslos

_arbeiten an sich selbst, hin zu grösserer Bewusstheit

_kennen ökologische Prinzipien und integrieren sie in ihr Leben

_sehen Musik und Tanz als integrale Bestandteile ihres Ausdrucks und ihrer Kommunikation

_leben auf einer lebendigen Erde und betrachten sie als heilig

_wissen wie sie ihre Nahrung anbauen

_wissen ihr sinnliche Bewusstheit zu schätzen

_feiern das Leben

_kooperieren

_verlagern ihr Denken von ‘Entweder oder’ zu ‘Sowohl als auch’

_teilen ihr Wissen

_verstehen und integrieren Prozess als eine Art und Weise zu sein

_sind nicht mit ihrem Körper, ihren Gedanken oder Emotionen identifiziert

_sehen den Verstand als Werkzeug

_erkennen, dass es kein richtig oder falsch gibt

_sind nicht mit einem sozialen Etikett, ihrer Vergangenheit oder Zukunft identifiziert

_sind sich bewusst, dass die Essenz dessen was sie sind das Leben selbst ist

_übernehmen Verantwortung für ihre Emotionen

_sind sich ihrer Beziehungen zu ihrer lebendigen und scheinbar nicht-lebendigen Umgebung bewusst und wertschätzen diese

_wertschätzen und integrieren die Weisheit von Frauen

_wertschätzen und integrieren die Weisheit von indigenen Kulturen

_wertschätzen das Wissen von Generalisten

_sind sich über Wandel und Veränderung als eines der Kernprinzipien der Evolution bewusst

_arbeiten in Richtung Diversifikation und Dezentralisierung

_nehmen an dem Ort, an dem sie leben, Anteil und bauen Beziehungen zu ihm auf

_werden von abhängigen Konsumenten zu verantwortungsvollen Produzenten

_suchen nach Wegen, dass ihre Interessen und Talente sich entfalten können

_haben den Mut sich Gesetzen, die Selbstregierung, Selbstversorgung und Selbstbestimmung illegal machen, zu widersetzen und ihnen nicht zu folgen

_sind über das derzeitige Geldsystem informiert und identifizieren es als kontemporäre Form der Versklavung

_identifizieren und boykottieren biologische, kulturelle, soziale und philosophische Monokulturen

_boykottieren Monopole jeglicher Art

_stellen jeden in Frage, der eine einzelne Lösung vorschlägt

_wertschätzen Umwelt- und menschliche Ethik mehr als Profit Maximierung

_boykottieren Konzerne und Banken, die auf Profit Maximierung hinarbeiten

_fordern Land und Wälder als Gemeingut zurück

_fordern Wasser als Gemeingut zurück

_fordern biologische Vielfalt und Wissen als Gemeingut zurück

_sind sich bewusst, dass sie zu jeder Zeit am Prozess der Ko-Kreation teilnehmen

_erlauben dem Leben sich durch sie zu entfalten


Berlin, 03/2009

 

 

Abrichtung/Domestizierung des Lebens

Abrichtung/Domestizierung ist das Verfahren, das die Zivilisation gebraucht um das Leben seiner Logik entsprechend zu indoktrinieren und zu kontrollieren. Diese mit der Zeit ausgefeilten Unterwerfungsmechanismen beinhalten u.a.: Bändigung/Zähmung, Aufzucht und Anbau, genetische Veränderungen, Schulpflicht, Käfige, Einschüchterungen, Zwang, Erpressung, Versprechen, Regierung, Versklavung, Terror, Mord…, diese Liste ist noch viel länger und beinhaltet mindestens jede zivilisierte soziale Interaktion.

 
Weitgehend gab es vor der Zivilisation sehr viel Freizeit, eine kräftige körperliche Konstitution und Gesundheit, eine beträchtliche Gleichheit und Autonomie der Geschlechter, ein nicht zerstörerisches Verhalten gegenüber der natürlichen Welt, keine organisierte Gewalt und keine formale Vermittlung und Institutionen.

 Die Zivilisation führte den Krieg, die Unterwerfung der Frau, das Bevölkerungswachstum, die Ausbeutung der Arbeit, den Begriff Besitz, die tief verwurzelten Hierarchien und eigentlich jegliche heute bekannte Krankheit ein, bloss um einige ihrer verheerenden Ergebnisse aufzuzählen.

Die Grundlage und Anfänge der Zivilisation bestehen im zwangsmässigen Verzicht auf instinktive Freiheit. Sie ist nicht reformierbar und daher unser Feind.

 Industrialismus kann ohne Genozid, Ökozid und Kolonialismus nicht leben. Es aufrecht zu erhalten bedeutet Dinge wie Zwang, Ausraubung der Erde, Zwangsarbeit, kulturelle Vernichtung, Assimilierung, ökologische Verwüstung und globalen Handel als notwendig oder sogar willkommen zu akzeptieren.

Indem sie jegliches Leben standardisiert, verdinglicht und kommerzialisiert, betrachtet die Industrialisierung alles Leben als potentielle Ressource.

Eine Kritik des Industrialismus ist eine natürliche Fortführung der anarchistischen Kritik des Staates, weil Industrialismus inhärent autoritär ist. Um eine industrielle Gesellschaft zu erhalten, müssen Ländereien erobert und kolonisiert werden um (im allgemeinen) nicht erneuerbare Ressourcen zur Schmierung und Brennstoffversorgung der Maschinen zur beschaffen.

Diese Kolonisierung wird durch Rassismus, Sexismus und kulturellen Chauvinismus rationalisiert. Im Vorgang der Beschaffung von Ressourcen müssen die Leute vom eigenen Land vertrieben werden. Und um die Menschen dazu zu zwingen in den maschinenproduzierenden Fabriken zu arbeiten, müssen sie versklavt, abhängig gemacht oder auf andere Weise dem zerstörerischen, toxischen und erniedrigenden industriellen System unterworfen werden.

Industrialismus kann ohne massive Zentralisierung und Spezialisierung nicht existieren: Klassenherrschaft ist ein Instrument des industriellen Systems, das den Personen den Zugang zu den Ressourcen und zum Wissen verwehrt, um sie so machtlos und leicht ausbeutbar zu machen.

Dazu, um die eigene Existenz zu verewigen, erfordert der Industrialismus die Einschiffung der Ressourcen von allen Himmelsrichtungen her und diese Globalisierung korrumpiert jegliche lokale Selbstversorgung und Autonomie. Es ist die dem Industrialismus darunterliegende mechanizistische Anschauung. Es ist die gleiche Weltanschauung, die Sklaverei, Ausrottungen und Unterjochung der Frau gerechtfertigt hat.

Es sollte wohl sonnenklar sein, dass Industrialismus nicht bloss für die Menschheit unterdrückerisch ist, sondern dass seine ökologische Zerstörungskraft ebenso grundlegend ist.

(Green Anarchy Collective)

 

 

 

Man kann eine Wirtschaft der Massenproduktion weder erschaffen

noch erhalten ohne angepasste Bevölkerung; eine, die zu Massen-

gepflogenheiten, Massengeschmack, Massenbegeisterung konditioniert

wurde, zu vorhersagbarem Massenverhalten.

Die moderne Institution Schule hilft bei der Erschaffung genau jener

"menschlichen Natur", die von der liberalen Wirtschaftstheorie

unterstellt wird und deren Verhalten entsprechend deterministischer

Gesetze vorhersagbar ist, genau wie bei den Massen der klassischen

Physik.

Charles Eisenstein

 

 indyme

Charles Eisenstein: Geld & Zeitenwende - YouTube

www.youtube.com/watch?v=5AZzBM8FVqo
15.01.2012 - Hochgeladen von matrixwissen .
In diesem Vortrag spricht Autor Charles Eisenstein über Aspekte von Geld, die den meisten Menschen ...
 

 

 

(R)Evolutionäre Projekte

Die Zeitschrift Oya bietet einen hervorragenden Überblick über die sozialen Bewegungen, die auf einen gesellschaftlichen Wandel hin zu einer lebensfördernden Kultur zielen. Dort heißt es:
"Uns interessieren dabei besonders solche Netzwerke, Organisationen und Initiativen, von denen ein transformierender Impuls ausgeht, die also nicht bei Kosmetik und Reparatur am Bestehenden stehenbleiben."

 

 Das Volk von Fremden, in dessen Mitte wir leben, Gesellschaft
zu nennen, ist eine solche Anmaßung, dass selbst die Soziologen
erwägen, ein Konzept aufzugeben, das ein Jahrhundert lang ihr
Broterwerb war.
Sie bevorzugen jetzt die Metapher des Netzes, um die Art zu beschreiben.
wie sich die Kybernetischen Einsamkeiten verbinden,
wie sich die schwachen Interaktionen verknüpfen,
Die unter den Namen, Kontakt, Kumpel, Beziehung oder Abenteuer bekannt sind.
Es kommt dennoch vor, dass diese Netze sich zu einem Milieu verdichten,
wo man nichts teilt als Codes und wo sich nichts abspielt außer der
unaufhörlichen Wiederzusammensetzung einer Identität.
Unsichtbares Komitee

    
  Eines Tages allerdings formierte sich Zweifel.
Viele behaupteten, es sei das Umweltbewußtsein gewesen,
das diese goldene Zeit des MEHR beendete. Andere sagen,
Sterne hätten in ungünstiger Konstellation den Gott MEHR
vertrieben. Wieder andere sagten, es seien die Ungläubigen
gewesen, die zwar in geringer Anzahl, aber doch in unnach-
giebiger Weise die Segnungen des MEHR angezweifelt hätten,
bis es zu Fall kam.
Tatsache aber ist: Als das MEHR nicht mehr ständig mehr
wurde, versank die Welt in einer schweren Sinnkrise, und
Kummer und Sorgen verbreiteten sich.
Lange noch versuchten staatliche Instutionen mit Durchhalte-
parolen und Stützkäufen das MEHR künstlich zu erhalten.
Denn das MEHR, das war allen klar, war ja nur eine Glaubens-
sache, eine Gottheit, eine Einbildung ohne realen Bezug, die
man auch wieder beleben könnte, wenn man nur daran
glauben würde. Oder wie es gewiefte Werber formulierten:
"Das MEHR beginnt im Kopf."
Die letzten Erdölreserven wurden ausgeschöpft, die armen
Länder noch ein letztes Mal ausgebeutet und die Natur
geschunden, um das MEHR zu bewegen, wieder zurück
zu kommen. Doch es kam nicht mehr. Das MEHR war vorbei.
Es war GENUG.
Zeitpunkt.ch: Aktuell ISBN 978-3-89401-764-4

Erschienen August 2012
    Inhalt | Autor | Pressestimmen | Leseprobe Anarchistische Welten Auch als epub oder pdf in
Ihrem eBook-Shop erhältlich. Ilija Trojanow (Hg.) Anarchistische Welten
Originalveröffentlichung
Broschur, 224 Seiten
€ (D) 16,–
€ (A) 16,50   Inhalt »Innerhalb der libertären Traditionen existieren genügend Anregungen, die Welt anders zu organisieren, den Kapitalismus kritisch zu analysieren, um ihn zu überwinden. Utopisch-revolutionär und konkret-pragmatisch, naturnah und technikversiert, Kopfarbeit und Handarbeit schließen einander dabei nicht aus.« Ilija Trojanow Je größer die Katastrophe wird, desto kleiner erscheinen die Alternativen – so könnte man die gegenwärtige Lage zusammenfassen. Trotz der gewaltigen ungelösten sozialen und ökologischen Probleme werden Marktwirktschaft und parlamentarische Demokratie weiterhin als die einzigen effizienten und zukunftsträchtigen Modelle menschlichen Zusammenlebens präsentiert. Während die sozialen Widersprüche zunehmen, wachsen das Leiden und das Unbehagen an dieser Aussichtslosigkeit. Es ist an der Zeit, eine widerständige Alternative in Erinnerung zu rufen, in der Kritisches und Visionäres, Analytisches und Programmatisches zusammenkommen, um die herrschenden Verhältnisse in Frage zu stellen. Eine undogmatische und anti-ideologische Tradition, die alternative Visionen menschlichen Zusammenlebens und -wirkens anbietet: Anarchismus 2.0! U. a. schreibt Vandana Shiva über Ökologische Nachhaltigkeit, Osvaldo Bayer von Geschichte und Widerstand in Lateinamerika, David Graeber gegen den Kamikaze-Kapitalismus, Niels Boeing über neue Technologien und soziale Transformationen, Gerhard Senft über Ökonomie, Herrschaft und Anarchie…    

Noch ist die Welt nicht bereit, von der Droge »Wachstum« zu lassen. Aber die Diskussion u?ber das Ende der Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf. Der Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech liefert dazu die passende Streitschrift, die ein »gru?nes« Wachstum als Mythos entlarvt. Dabei gelten »gru?nes« Wachstum und »nachhaltiger« Konsum als neue Königswege. Doch den feinen Unterschied – hier »gutes«, dort »schlechtes« Wachstum – hält Paech fu?r Augenwischerei.

In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Diese Art zu wirtschaften wäre genu?gsamer, aber auch stabiler und ökologisch verträglicher. Und sie wu?rde viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird. 

 

 

 

Die Legende vom nachhaltigen Wachstum Ein Plädoyer für den Verzicht von Niko Paech Würden wir eine Welt vermissen, in der man sich zwischen drei Dutzend Fernsehprogrammen, Internet, DVD, Kino und anderen Zerstreuungen glaubt entscheiden zu müssen und in der Spaß zum Freizeitstress wird? Wäre es nicht schöner, wieder mehr selbst zu gestalten? Mehr Zeit für die Kinder zu haben. Endlich mal wieder selbst Musik zu machen oder zu kochen, dem Nachbarn zu helfen oder sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber wie soll das gehen bei 40 Stunden Arbeit pro Woche, manchmal auch mehr? Wer so viel arbeitet, möchte sich auch mal etwas gönnen: ein neues Auto, ein iPad, einen neuen Flachbildfernseher - die Playstation für die Kinder nicht zu vergessen. Und schon steckt man fest im Teufelskreis aus Konsumbedürfnissen und Zeitmangel. Tagtäglich muss sich der zeitgenössische Konsument seinen Weg durch ein dichtes Gestrüpp käuflicher Selbstverwirklichungsangebote bahnen. Auf dem Rummelplatz der glitzernden Verführungen den Überblick zu behalten, kostet vor allem eines: Zeit. Alles will zur Kenntnis genommen, betrachtet, geprüft, abgewogen, verglichen, zum Gegenstand einer Kaufentscheidung und eines Kaufakts werden und schließlich auch noch genutzt werden. Dabei wird auch die Zeit immer knapper, die den vielen Konsumobjekten gewidmet werden muss, damit sie überhaupt Genuss stiften können. Dies liegt sowohl an der Reizüberflutung, die unsere Aufmerksamkeit und Zeit stiehlt, als auch daran, dass wir uns immer mehr Dinge leisten können, auf die wir unsere Zeit verteilen müssen. Inzwischen braucht man schon einen gewissen Selbstschutz, um in diesem Hamsterrad nicht die Orientierung zu verlieren. Ein möglicher Ausweg bestünde in einem entschleunigten Lebensstil, angefangen mit einer Entrümpelung: Von welchen Energiesklaven, Konsumkrücken und Komfort verheißenden Infrastrukturen könnte sich die Gesellschaft und jeder Einzelne freimachen? Der Abwurf von Wohlstandsballast wirkt befreiend. Es gilt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt sich in einer frustrierenden Vielfalt von Glücksversprechen zu verlieren. Prinzipiell wäre es ganz einfach, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Zumindest für die Besserverdienenden in den Industrieländern: Wer nur 20 Stunden pro Woche dem Gelderwerb nachgeht, kann die verbleibende Zeit dem selbst bestimmten Leben widmen. Diese Menschen könnten zu einer vorteilhaften Balance aus Selbst- und Fremdversorgung finden, zu einer neuen "urbanen Subsistenz". Sie bedeutet weniger materiellen Konsum und mehr Souveränität über die eigene Zeit, weniger Abhängigkeit von globaler Fremdversorgung. Doch zurück zur Wirklichkeit, die geprägt ist von einer märchenhaften Expansion der Dinge, die man zu brauchen glaubt, um frei und glücklich zu sein, und in der nichts geht ohne den Glauben an das unbegrenzte Wachstum. Von ihm hängt angeblich nicht nur der Wohlstand ab, sondern auch Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, die nur garantiert werden können, wenn alles immer mehr wird. Diese Vision hat lange funktioniert. Mit der Verzahnung von wirtschaftlichem Wachstum und technischem Fortschritt schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis alle Engpässe und Hindernisse beseitigt wären, die der gebotenen Selbstverwirklichung noch im Wege stehen. Dabei galt es nicht nur, die Instrumente der individuellen Glückssuche fortwährend zu verbessern, sondern diese über quantitatives Wachstum einer immer größeren Anzahl von Erdbewohnern zugänglich zu machen - um so dem historischen Großvorhaben einer befriedeten Menschheit näher zu kommen. Dabei wissen wir schon lange, dass unbegrenztes Wachstum ein Mythos ist. Anfang der 1970er Jahre störte ein Zwischenruf die allgemeine Wachstumsparty. Der Club of Rome veröffentlichte 1972 seinen Bericht "Die Grenzen des Wachstums", der einen Wendepunkt markierte: Danach ließ sich gesellschaftlicher Fortschritt nicht mehr umstandslos in einen bedingungslosen Wachstumsimperativ übersetzen. Mit den "Grenzen des Wachstums" trat ein Phänomen zutage, welches fortan ökologische Lebensgrundlagen genannt wurde. Es war der Anstoß zu kritischen Reflexionen, die den modernen Industrie- und Konsumkomplex zwar als Verursacher neuer Knappheiten entlarven konnten, den Glauben an die Allmacht von Technik, Wissenschaft und Wachstum aber nicht wirklich erschüttert haben. Damals wurde das unhaltbare Modell des unbegrenzten materiellen Wachstums durch eine vermeintlich geläuterte Fortschrittszuversicht verdrängt, die eng mit den Vorstellungen von einer nachhaltigen Entwicklung verwoben ist. Doch was hier als ökologische Aufklärung daherkam, verleitete im Grunde nur zu einer weiteren Verschärfung des ökonomischen und technischen Machbarkeitswahns. Denn fortan begnügten sich die Fortschrittsideologen nicht mehr damit, die materialisierten Symbole für Freiheit und Wohlergehen immer weiter zu mehren, sondern behaupteten allen Ernstes, dies obendrein auf ökologisch unschädliche Weise vollbringen zu können. Damit begann der große Selbstbetrug des "nachhaltigen", des "grünen" Wirtschaftens, das als "qualitatives" und "kohlenstofffreies" Wachstum schöngeredet wird. Der Traum vom dematerialisierten Wachstum ist aber nicht mehr als eine Travestie der Irrlehre vom unbegrenzten Wachstum. Frei nach dem Motto: Der in Geld transferierte Output einer weltweit arbeitsteiligen Industrie kann weiterhin unbegrenzt wachsen, während gleichzeitig die geschundene Biosphäre entlastet wird. Um die Vision vom nachhaltigen Wirtschaften glaubwürdig erscheinen zu lassen, wird jedoch der Zielkonflikt zwischen ökonomischen Wachstum und ökologischer Nachhaltigkeit verleugnet beziehungsweise durch eine Scheinargumentation vermeintlich entkräftet. Ausgangspunkt für das Greenwashing des "nachhaltigen" Wachstums ist die Unterscheidung zwischen qualitativem und quantitativem Wachstum. Dies suggeriert, dass sich industrielle Wertschöpfung in zwei Dimensionen aufspalten lässt: Man unterscheidet kurzerhand zwischen den rein qualitativen Werten - das sind die nutzbringenden Funktionen, um derentwillen die Güter überhaupt produziert werden - und einer materiellen Dimension des Outputs, die allein als ökologisch problematisch erscheint. Immer mehr haben heißt immer mehr verbrauchen Die solchermaßen sauber herausgelöste Qualität soll weiter wachsen, da sie ja ökologisch unbedenklich ist, den angestrebten Konsumnutzen erhöht und zugleich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigert. Der Nachhaltigkeitsdiskurs hat zwei Entkopplungsmythen hervorgebracht. Beide erheben den Anspruch, die qualitativen (wünschenswerten) von den quantitativen (unerwünschten) Bestandteilen der industriellen Maschinerie trennen zu können. Der erste Mythos zielt darauf, die Ressourcen effizienter zu nutzen. Der zweite ist das nahezu unbegrenzte Recycling, also die Idee, materielle Stoffkreisläufe durch Wiederverwertung ökologisch transformieren zu können. Die angeblich gesteigerte Ressourceneffizienz kann man sich am Beispiel Passivhaus klarmachen. Solche Häuser bieten ihren Bewohnern dieselben Annehmlichkeiten wie konventionelle Wohnhäuser, verbrauchen aber nur einen Bruchteil der Wärmeenergie. Ähnliches gilt für Energiesparlampen, Dreiliterautos oder Kühlschränke, deren Energiebedarf sich - unter Beibehaltung der gewohnten Wohlstandsmerkmale - reduzieren lässt. Neben dem technischen Fortschritt sorgen auch veränderte Arrangements von Verfügungsrechten dafür, dass eine Entkopplung theoretisch möglich erscheint. So versinnbildlicht das oft zitierte Beispiel des Carsharings ein alternatives Mobilitätssystem, in dem die Teilnehmer auf das Eigentum eines Autos verzichten und stattdessen ein befristetes Verfügungsrecht konsumieren, also den angestrebten Nutzen (Fortbewegung per Auto) in Reinform abrufen. An gefahrenen Kilometern soll indes nicht gespart werden, denn das würde dem zentralen Versprechen dieser Dienstleistungsstrategie zuwiderlaufen: Entlastung der Ökologie ohne Wohlstandsverlust. Ein ähnliches Versprechen enthält der zweite Aspekt des Entkopplungsszenarios, der auf der - behaupteten - ökologischen Konsistenz beruht. Hier geht es, anders als bei der Effizienz, nicht um die quantitative Verringerung des materiellen Inputs, sondern um einen qualitativ veränderten industriellen Stoffwechsel. Nach dem Vorbild der Natur sollen alle materiellen Kreisläufe geschlossen, insbesondere die verwendeten Substanzen, Energieträger und Umwandlungsprozesse perfekt in die Ökologie eingebettet werden. Was biologisch abbaubar ist, zerfällt nach seiner Nutzung buchstäblich zu neuer Nahrung für die Ökologie. Auch jenseits organischer Systeme soll dieses Prinzip angewandt werden, nämlich als technische Wiederverwertbarkeit. Wenn das Design aller Produkte, Technologien und Infrastrukturen deren restlose Demontage und Wiederverwendung zuließe, entfiele nicht nur jede ökologische Belastung, sondern es entstünde sogar industrielle Nahrung für neue Wertschöpfung. Ein derart futuristisches Ressourcenkarussell, das sich schnell genug drehen müsste, weil sonst kein Wirtschaftswachstum denkbar wäre, verbraucht allerdings viel Energie. Kein Problem, sagen seine Protagonisten, denn Wind, Sonne, Biomasse und Geothermie sind reichlich vorhanden und ökologisch konsistent, weil emissionsfrei. Doch die Gesetze der Thermodynamik lassen sich auch in einer ausgeklügelten Dienstleistungs- oder Kreislaufwirtschaft nicht austricksen. So wie das effiziente Carsharing weiterhin Autos als "Dienstleistungserfüllungsmaschinen" benötigt, kommt die Konsistenzstrategie nicht ohne Windkraft- und Solaranlagen aus, deren Produktion und räumliche Ausbreitung alles andere als immateriell ist. Entlastung gelingt also höchstens graduell. Der pro Wertschöpfungseinheit anfallende ökologische Verschleiß - gemessen etwa in Emissionen, Abfällen, Materialen, Wasser, Flächen und Biodiversität - mag zwar sinken, jedoch niemals auf den Wert null. Die ökologische Gesamtbilanz des Systems verbessert sich nicht, wenn ressourcenverbrauchende Neuerungen lediglich Vorhandenes ergänzen. Anders formuliert: Nachhaltiges Carsharing würde erfordern, dass Pkw-Besitzer ihr Fahrzeug ausrangieren, um zu Nutzern einer Dienstleistung zu werden. Unterm Strich muss sowohl die Autoproduktion als auch die Zahl der gefahrenen Kilometer sinken, um einen positiven Umwelteffekt zu haben. Wie aber soll dann das Bruttoinlandsprodukt wachsen? Für die Bauwirtschaft würde das heißen, dass für jedes zusätzliche Passivhaus ein weniger energieeffizientes Haus abzureißen wäre. Andernfalls nähme lediglich die zu beheizende Wohnfläche zu. Doch selbst wenn ein solcher Austausch des Gebäudebestands gelingen würde, stünde dem verminderten Wachstum an neuen Gebäuden eine Zunahme an Entsorgungsfällen gegenüber. Wohin aber mit der ausrangierten Materie in einer immer engeren Welt? Wie viel Energie wäre nötig, um Materie verschwinden zu lassen oder einer Wiederverwertung zuzuführen, zumal viele der Abfälle gar nicht kreislauffähig sind? Zudem müsste das Ausrangieren oder "Abwracken" einen ausreichend hohen Zyklus der Neuschöpfung speisen, damit die entstehenden Umsatzerlöse für das nötige Wirtschaftswachstum sorgen - ein "Wegwerfmodus", der wiederum zu Lasten einer ökologisch effizienten Nutzungsdauer ginge und außerdem die Rentabilität der Immobilien verringern würde. Betrachtet man den gesamten Energieaufwand, wird deutlich, dass nur die energetische Optimierung vorhandener Gebäude - anstelle von Neubauten - die CO(2)-Belastung senken kann. Aber selbst eine groß angelegte Sanierungsoffensive würde nur ein begrenztes Wertschöpfungspotenzial erzielen und bestenfalls einen vorübergehenden Konjunkturimpuls auslösen. Wenn schließlich alle geeigneten Gebäude saniert sind, wird ein Bausektor in heutiger Dimension nicht mehr gebraucht. Es gäbe nur noch Bedarf für Instandhaltungsmaßnahmen, gelegentliche Renovierungen und den sporadischen Ersatz einzelner Gebäude. Dieses Szenario würde zwar eine beträchtliche CO(2)-Minderung bringen, aber kein Wirtschaftswachstum, sondern einen konstant niedrigen Wertschöpfungsstrom. Noch eklatanter zeigt sich der Widerspruch zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit bei den erneuerbaren Energien: Wenn der flächendeckende Ausbau von Bio-, Solar- und Windenergieanlagen nicht mit einem gleichzeitigen Rückbau fossiler und atomarer Kraftwerke einhergeht, werden die Umweltbelastungen sogar zunehmen, weil die Produktions- und Logistikketten der neuen Anlagen zusätzlich zu Buche schlagen. Aber selbst wenn die Erneuerbaren tatsächlich zu einer absoluten CO(2)-Reduktion beitragen könnten, würden sie doch noch immer unversiegelte Flächen verbrauchen. Und die gehören inzwischen zu den knappsten Ressourcen überhaupt. Ihr massiver Verbrauch ist mit einer wirklich nachhaltigen Wirtschaft nicht vereinbar. Oft wird behauptet, die gegenwärtige parallele Nutzung fossiler, atomarer und erneuerbarer Kapazitäten sei nur eine vorübergehende Phase. Das könnte sich jedoch als Irrtum erweisen. Denn durch die Erneuerbaren steigt das Elektrizitätsangebot insgesamt. In der Folge sinkt der Marktpreis für Strom, und die Nachfrage nimmt zu. Da die moderne Konsumgesellschaft darauf ausgelegt ist, immer mehr Funktionen und Gerätschaften zu mechanisieren, zu automatisieren, zu digitalisieren und damit unweigerlich zu elektrifizieren, werden sich noch mehr Menschen an einen noch energieintensiveren Lebensstil gewöhnen. Eine spätere Rückkehr auf das Verbrauchsniveau vor Einführung der Erneuerbaren würde ihnen einen Verzicht auf Konsumansprüche abverlangen. Aber dazu wird es nicht kommen, denn derlei Lebensstildebatten sind unbequem, wer dem Credo der ökologischen Modernisierung folgt, vermeidet oder verdrängt sie besser von vornherein. Einer solchen unumkehrbaren Entwicklung wäre vorzubeugen, indem der Aufbau neuer Kapazitäten an den sofortigen - oder sogar vorherigen - Rückbau alter Energieanlagen gebunden wird. Der resultierende Wertschöpfungssaldo aus Rück- und Neubau dürfte sich kaum mit ökonomischem Wachstum vereinbaren lassen. Es kann sogar insgesamt zur Schrumpfung kommen, wenn der fossile Sektor mehr Wertschöpfung verliert als im regenerativen Sektor langfristig entstehen kann. Es ist also falsch, anzunehmen, dass sich ökonomisches Wachstum und Ressourcenverbrauch durch Effizienz- und Konsistenzmaßnahmen entkoppeln ließe. Ganz im Gegenteil gilt, dass Effizienz und Konsistenz die Umweltbelastung nur dann senken werden, wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst. "Entkopplung" kann es nach dieser Logik nicht geben. Abschied von der Vorstellung, das Neue wäre sicher besser Gerade weil die sogenannte Exnovation (Beseitigung) alter Technologien und Produkte eine Voraussetzung für Nachhaltigkeit ist, lässt sich die ökologische Vorteilhaftigkeit des Wandels nicht leicht ermitteln. So wäre von den Vorteilen des Passivhauses im Vergleich zum Altbau der Ressourcenaufwand sowohl für die Entsorgung als auch für den Neubau zu subtrahieren. Noch schwieriger wird die Abwägung, weil auch alle möglichen Neben- und Spätfolgen der neuen Lösung einzukalkulieren sind. Wie soll die Verringerung von Emissionen gegen den Verbrauch von Fläche bilanziert werden? Dass dieses Dickicht aus Unwägbarkeiten unweigerlich zur Achillesferse der ökologischen Modernisierung wird, liegt an deren bedingungsloser Innovationsfixierung. Ohne Innovation kein technischer Fortschritt. Innovation bedeutet, dass der Bestand an vorhandenen Optionen um neue Lösungen erweitert wird. Wann immer aber neue, bislang unbekannte Lösungen für den Fortschritt nutzbar gemacht werden, handelt es sich zunächst um reine Addition. Die Innovationsorientierung stemmt sich gegen jede Genügsamkeit oder Zurückhaltung, die den Selbstverwirklichungsansprüchen quantitative Grenzen setzen könnte. Innovation verspricht unbegrenzte Elektromobilität, statt den motorisierten Individualverkehr zu verringern. Sie stellt Passivhäuser in Aussicht, statt die Menschen darauf einzustimmen, dass sie mit weniger oder demselben Wohnraum auskommen können. Sie beschwört das gigantische Wüstenstromprojekt Desertec, träumt von der Einlagerung schädlicher Treibhausgase in unterirdischen Gesteinsschichten und treibt sowohl Kernfusion als auch den Ausbau von Bioenergie und Offshore-Windparks voran, statt zu kreativem Stromsparen einzuladen - und die Hälfte aller Kohlekraftwerke einfach ersatzlos stillzulegen. Nur auf der Grundlage eines solchen expansiven Verständnisses von Innovation lässt sich eine nachhaltige Entwicklung überhaupt als wachsende Wirtschaft vorstellen. Statt ursachenadäquat all jene Praktiken zu unterlassen, die ökologische Probleme hervorrufen, wird Nachhaltigkeit in ein Projekt des zusätzlichen Bewirkens umfunktioniert. Damit ist das Festhalten am Wachstumsdogma - in der vermeintlich ökologieverträglichen Variante - legitimiert und ein maßlos gewordenes Wohlstandsmodell gegen kulturellen Wandel geschützt. Die überfällige Diskussion über niedrigere Ansprüche und den Lebensstil erscheint obsolet. Innovation braucht den Vorstoß ins Ungewisse. Sie sucht die unstetige, nicht lineare Veränderung und damit nachgerade den Bruch mit allem Vorhandenen und Bekannten. Weil sie neue Zusammenhänge aufdecken und nutzen wollen, entziehen sich Innovationsprozesse der genauen Prognose und Steuerung. Dabei werden - der Fortschritt hat seinen Preis - Risiken bewusst in Kauf genommen. Die unbeabsichtigten Nebenfolgen einer Innovation zeigen sich erst, wenn ihre Verbreitung und Anwendung vollzogen ist, so dass es für vorbeugende Gegenmaßnahmen zu spät ist. Aus dem Versuch, ein Problem zu lösen, erwachsen neue Probleme an einem anderen Ort, zu einer späteren Zeit oder in einem anderen ökologischen Kontext. Dies erfordert neue innovative Gegenmaßnahmen, die ihrerseits neue Probleme schaffen, ohne die Ausgangsprobleme vollständig zu beseitigen. So entsteht ein Teufelskreis, der die Probleme systematisch von der Gegenwart in die Zukunft verschiebt. Auch die ökologische Modernisierung krankt daran, dass zwischen der Reichweite innovativer Vorstöße und dem Wissen über mögliche Spätfolgen ein immer tiefer werdender, unüberbrückbarer Graben klafft. Dies lehrt etwa das Desaster der Biotreibstoffe, deren Anbau der Umwelt mehr schadet als nützt und in vielen Ländern den auf Subsistenzlandwirtschaft angewiesenen Kleinbauern ihre Existenzgrundlage raubt. Ähnliches gilt für die Informations- und Kommunikationstechnologien, wo nach all den digitalen Verheißungen schon bald ein böses Erwachen droht: Gigantische Mengen von Elektroschrott, neue Energiefresser, steigende Strahlenbelastungen sowie Kriege um afrikanisches Coltan sind die sichtbarsten Folgen. Der innovationsgetriebene Fortschritt - auch der zwecks Nachhaltigkeit forcierte - löst soziale und kulturelle Veränderungen aus, die im vorhinein schwer einzuschätzen, oft kontraproduktiv und außerdem unkorrigierbar sind. Vor allem aber ist die Innovationsorientierung im Kern strukturkonservativ. Umweltfreundliche Produkte und Technologien wie der Dreiwegekatalysator, der Hybridantrieb, der Brennstoffzellenantrieb oder die Elektromobilität immunisieren maßlose Mobilitätsansprüche gegen jede Kritik. Passivhäuser legitimieren das unausgesprochene "Menschenrecht", nach Lust und Laune Einfamilienhäuser in die Landschaft zu bauen. Und dass die Erneuerbaren emissionsfrei sind, wird als Rechtfertigung herangezogen, um unbequemes Energiesparen zu vermeiden. Angenommen, es würde sich herausstellen, dass Mobilfunk als Teil jener digitalen Revolution, der einst hohe Dematerialisierungspotenziale zugetraut wurden, doch krebserregend ist. Wie könnte dann die Handykommunikation, von der sich die Menschheit inzwischen vollständig abhängig gemacht hat, unterbunden werden? Das mobile Telefon ist längst Teil der Alltagskultur, keine Macht der Welt könnte es per Rückrufaktion wieder aus dem Verkehr ziehen. Es bliebe nur eine nächste Innovationswelle, die wie ein Gegengift die negativen Folgen der vorherigen Technologie neutralisieren würde - ohne diese zu entfernen. "Unter dem Imperativ der Innovation werden Gegenwartskrisen niemals aus begangenen Irrtümern oder Fehlentscheidungen erklärt. Krisen sind in dieser Lesart immer und ausschließlich Resultat eines Novitätsmankos. Wer in der Krise steckt, ist nicht modern genug. Punktum. Für die Innovateure liegt die Rettung in der Zukunft des Nie-Dagewesenen. Jede Besinnung, jedes Innehalten, jedes Zögern ist darum verlorene Zeit, geradezu Sabotage gegen die vorwärts weisenden Rettungsbemühungen", so Marianne Gronemeyer in ihrem Buch "Immer wieder neu oder ewig das Gleiche".(1 ) Diese Argumentationsfigur macht es möglich, am Mythos von der Entkopplung trotz seines nicht zufälligen, sondern systematischen Scheiterns unbeirrt festzuhalten. In dieser Logik ist jede fehlgeschlagene Modernisierungsphase nur ein weiterer Beweis dafür, dass die richtigen Innovationen eben noch nicht entwickelt wurden oder dass die bisherigen Innovationsanstrengungen nicht stark genug waren. Mit Nachhaltigkeitszielen lässt sich der zunehmende Konsum- und Mobilitätswohlstand inzwischen kaum noch vereinbaren. Folglich müssen immer dramatischere Effizienz- oder Konsistenzvisionen herbeikonstruiert werden, um wenigstens die theoretische Möglichkeit einer Entkopplung aufrechtzuerhalten. Sogenannte Zukunftsprojekte wie etwa Desertec oder eine Steigerung der Ressourcenproduktivität um den Faktor 10 muten da wie Science-Fiction an. Sie rechtfertigen das Festhalten am Entkopplungs- und Wachstumsparadigma - und überantworten das Schicksal unseres Planeten samt der auf ihm lebenden Menschheit einem technologischen Fortschritt, der noch gar nicht eingetreten ist und dessen künftiges Eintreten nur erhofft, beschworen oder geglaubt werden kann. Na dann: halleluja! Nachhaltige Entwicklung kann indes nur eine Kunst der Reduktion sein. Deshalb zielt eine Postwachstumsökonomie darauf, Expansionszwänge zu überwinden. Der wichtigste besteht in einem Lebensstil, der vollständig von geldvermittelter und global arbeitsteiliger Fremdversorgung abhängig ist. Wenn Bedürfnisse, die einst durch Handwerk, Eigenarbeit, Subsistenz, lokale Versorgung und soziale Netzwerke befriedigt wurden - oder auf deren Befriedigung man schlicht verzichtete -, durch käufliche Produkte, Dienstleistungen und eine komfortable Automatisierung/Mechanisierung erfüllt werden, ist die Existenzsicherung einer Geld speienden Wachstumsmaschine ausgeliefert. Mit zunehmender Spezialisierung, die eine immer größere Distanz zwischen Verbrauch und Produktion schafft, steigt die Anzahl der Wertschöpfungsstufen, deren Investitions- und Kapitalbedarf zur Notwendigkeit ökonomischen Wachstums beiträgt. Eine Postwachstumsökonomie beginnt daher mit einer Genügsamkeitsstrategie. Sie konfrontiert die verzweifelte Suche nach weiteren Steigerungen von Güterwohlstand mit einer Gegenfrage: Welcher Plunder, der nur wachstumsabhängig macht, ließe sich über Bord werfen? Der zweite Schritt bestünde in einer Reaktivierung nichtkommerzieller Versorgung: Eigenarbeit, handwerkliche Fähigkeiten, (urbane) Subsistenz, Community-Gärten, Tauschringe, Netzwerke der Nachbarschaftshilfe, Verschenkmärkte, gemeinschaftliche Nutzung von Geräten sowie regionale Kreisläufe auf Basis zinslos umlaufgesicherter Komplementärwährungen würden zu einer graduellen Deglobalisierung verhelfen. Würden diese Strategien mit einer Halbierung der durchschnittlichen Erwerbsarbeit kombiniert, bräuchte der auf Geldwirtschaft und industrieller Arbeitsteilung basierende Komplex nur noch halb so groß zu sein. Zudem wäre er so umzugestalten, dass die Neuproduktion von Gütern eine eher untergeordnete Rolle spielte. Der Fokus läge auf dem Erhalt, der Um- und Aufwertung vorhandener Produktbestände und Infrastrukturen und auf der längeren und intensiveren Nutzung von Gegenständen. Zudem wären Elemente einer Geld- und Bodenreform sowie die Einführung individueller Kohlendioxidbilanzen notwendig. Eine derartige Postwachstumsökonomie wäre genügsamer, aber auch stabiler und ökologisch weitaus verträglicher. Und sie würde auch die vielen Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird. Niko Paech

 

 


»Die Frage ist nicht mehr, ob der Zusammenbruch kommt – sondern, wie wir danach leben werden.« Johannes Heimrath Die Welt befindet sich in einer Krise, die massive Umwälzungen mit sich bringt. Johannes Heimrath entwirft ein plastisches Bild davon, wie die Gesellschaft nach dem Zusammenbruch aussehen könnte: Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung, grüne Energien und eine freiwillige Konsumbeschränkung sind die Eckpfeiler dieses Modells, das von Pionieren in aller Welt bereits vorgelebt wird. Eine kraftvolle Vision, die Mut macht, an der neuen Epoche nach dem Ende der industriellen Globalkultur mitzuwirken. Aktuelle Studien zu praktisch allen Lebensbereichen legen den Schluss nahe, dass ein Kollaps der gegenwärtigen Zivilisation nicht mehr aufzuhalten ist. Doch im Niedergang der alten Systeme liegt auch eine ungeheure Chance – für einen gründlichen Neubeginn und eine neue Weltordnung. Johannes Heimrath beleuchtet die wesentlichen Bereiche sozialer, ökonomischer, technischer und kultureller Veränderung. Die Post-Kollaps-Welt wird in vielen Bereichen radikal anders sein als die Welt, die wir heute kennen. Es wird eine Welt sein, in der Communitys eine zentrale Bedeutung bekommen, in der Ressourcen respektvoll genutzt werden und in der die Weichen für eine zukunftsfähigere Gesellschaft gestellt werden. Dabei gründet Heimraths Vision auf festem Boden: Für jedes vorgestellte Szenario gibt es bereits bewährte Modelle, die in Gemeinschaften weltweit erfolgreich praktiziert werden.

 

 

 

Umweltzerstörung setzt voraus, daß der Mensch sich als getrennt erlebt von der Natur -
wenn er nichts mehr mit ihr zu tun hat, dann kann er mit ihr machen, was er will. In
der westlichen Zivilisation erlebt der Mensch auch seinen Körper als getrennt von sich
selbst. Entweder ist der Körper ein Objekt, mit dem man sich aufgrund von Attraktivität
und Schönheit gesellschaftliche Vorteile verschaffen kann, oder er wird durch
Genußgifte nach Belieben mißbraucht. Der Mensch erlebt sich nicht als Einheit mit
seinem Körper, und ebenso erlebt er sich in der Regel nicht als Einheit mit dem
Universum.-  Heinz-Peter Röhr  

 

 


    (…) Doch scheint es, als täten wir nun das Gegenteil dessen, was wir eigentlich wollten: Wir buchen Flüge zu Preisen, von denen wir wissen, dass sie auf Niedriglöhnen und Stellenabbau beruhen. Wir kaufen ein in Supermärkten, deren Preise angemessene Gewinne für die Produzenten ausschließen – ebenso wie eine umwelt- und tiergerechte Produktion. Wir haben gelesen, dass den Angestellten hinter der Kasse landesübliche Rechte vorenthalten werden. Wir wissen, dass Hosen und Pullover, Computer und DVD-Player, die wir zu Spottpreisen kaufen, nicht in Deutschland, sondern im Ausland gefertigt werden, in so genannten Niedriglohnländern.

    Sozialdumping, Stellenabbau, Verlagerung der Produktion ins Ausland – als Kunde fördern wir alles, was uns als Bürger empört. Wir tun genau das, was wir Politikern und Managern vorwerfen. Wie die Manager an der Spitze der Konzerne treiben wir Globalisierung und Deregulierung voran. Die Manager schauen auf jeden Cent und nehmen nur das Billigste? Genau das tun wir, als fortwährend rechnende und vergleichende Kunden, als knallharte Manager unserer Lebenshaltung. Wir drücken die Preise, bis als Produktionsstandort unserer Waren nur noch Fernost infrage kommt. Wir selbst sind die globalen Heuschrecken. Volk und Elite sind sich einig in ihrem radikalen Ökonomismus. Und wie die Elite sind wir teils getrieben, teils Treibende. Arbeitslose und Geringverdiener müssen auf jeden Cent schauen. Der Rest hat aus seinem Portemonnaie einen Fetisch gemacht wie die Manager aus dem Shareholder-Value.
    (…) Wir sind Schizophrene. Die Diagnose trifft die Völker aller westlichen Demokratien. Als Bürger sind wir Sozialisten – Verfechter der alten sozialen Errungenschaften. Als Kunden sind wir Neoliberale. Marktradikale. Uns ist Recht, was billig ist. »Für 19 Euro nach Barcelona.« Noch nie war Doppelmoral so preiswert. (…)

    (…) Einen einfachen Weg gibt es nicht. Einerseits brauchen wir eine globale Bewegung für eine globale Zivilisierung des Kapitalismus. Andererseits sollte man das Licht in der Küche ausmachen, wenn man nicht in der Küche sitzt. Wir müssen einen anderen, einfacheren Lebensstil entwickeln. Doch geht es nicht um die quasireligiöse Wandlung des Einzelnen zum guten Konsumenten, zum Rad fahrenden Vegetarier mit Heiligenschein. So, wie im 19. Jahrhundert keine private Hilfsbereitschaft die Bismarcksche Sozialgesetzgebung überflüssig gemacht hätte, macht heute kein Konsumverhalten eine globale Umwelt- und Sozialgesetzgebung überflüssig. Ein Einkaufszettel ersetzt kein Regierungsprogramm.
    Weiterlesen! - Konsumpf – Forum für kreative Konsumkritik – Culture Jamming ...

 

 

 

 ...und unsere Kinder und deren Kinder werden entsetzt auf unsere Zeit zurückblicken, auf eine Zeit der Verschwendung und des Mülls, die den Planeten für 1000 Jahre aus dem Gleichgewicht brachte. Wir brauchen keine Millionen Aktivisten, um diese Revolution zu beginnen. Wir brauchen nur eine einflussreiche Minderheit, die im geeigneten Moment eine Reihe von gut koordinierten sozialen Demarketing-Strategien auslöst. Was wir brauchen, ist ein bestimmtes Niveau an kollektiver Desillusionierung (ein Punkt, den wir bereits erreicht haben) und anschließend eine Weltkrise, wie beispielsweise einen Zusammenbruch der Aktienmärkte oder ein Missmanagement bei einer Umweltkrise wie etwa die Klimaveränderung, an der die Führer der Überflussgesellschaften der "Ersten Welt" ihren Anteil haben. Wenn  man den richtigen Augenblick abpasst und die Culture Jammer synchron zuschlagen, kann ein weltweites Netzwerk aus ein paar Hundert Aktivisten ausreichen. Wie J.K.Galbraiths Prototyp des Revolutionärs werden wir die morschen Türen eintreten und das Vakuum füllen. Wir werden einen plötzlichen, unerwarteten Augenblick der Erkenntnis erzeugen, eine globale Veränderung des Denkens, von der sich die Truppen  der Konzerne und des Kommerz nicht mehr ganz erholen werden. (K.L.)

 

 

  Libertärer Kommunalismus . - Ökologie als zentrales revolutionäres Thema? (Murray Bookchin) Nein, obwohl Ökologie grundlegend ist. Es geht vor allem auch um eine andere Politik, womit ich nicht den Parlamentarismus meine, sondern eine Politik, die für Demokratie kämpft und gegen den Nationalstaat, jenen Staat, den Chomsky favorisiert. Benötigt werden keine Alternativbetriebe, sondern der Aufbau einer alternativen öffentlichen Sphäre, eine Neudefintion von Poltik auf der Ebene, die dem Leben einfacher Leute am nächs- ten ist - nämlich in ihren Nachbarschaften und Kommunen. Die Bourgeoisie gab uns beschränkte kommunale Rechte nicht aus Liebe, sondern weil sie gezwungen wurde. Seitdem versuchen sie wie wild, diese Rechte zurückzuschrauben, notfalls auf den Barrikaden der Pariser Commune von 1871. Ich denke, wir müssen die Macht der kommunalen Institutionen ausweiten, weil sie immer noch etwas darstellen, was eventuell zu einer Doppelherrschaft gegen den Nationalstaat ausgebaut werden könnte. Diese kommunalen Institutionen müssen soweit möglich auf Vollversammlungen in jedem Wahlbezirk, in der Nachbarschaft, im Dorf oder in der Stadt beruhen, einschließlich einer Konförderation dieser Versammlungen und zwischen den Kommunen quer durch bestimmte Regionen. Kann das morgen erreicht werden? Nein! Nächstes Jahr? Nein! Ich weiß nicht wann, aber er ist die einzige demokratische Politik, die ich mir vorstellen kann, die nicht einer Nationali- sierung sondern der Kommunalisierung der Wirtschaft folgt. In dem Buch "from Urbanization to Cities" habe ich dies de- tailiert vorgestellt, mit historischen Beispielen und Vorschlägen für die Zukunft. Niemand sollte diese Idee ablehnen, ohne sich genauer damit auseinandergesetzt zu haben, weil viele sonst gar nicht wissen, worüber sie sprechen. Eine solche neue kommuna- listische Gesellschaft wird nicht fundktionieren ohne ein grundle- gendes System von Regeln, in denen die Rechte und Pflichten der Bürgerinnen klar formuliert sind. In der US-Anti-Atom- Bewegung habe ich miterlebt, wie das Konsens-Prinzip wirkt, wie eine große Zahl von uninformierten Leuten von einer Min- derheit im Namen des Konsens manipuliert werden kann. Wenn die Menschen eine demokratische Verfassung wollen anstelle eines Staates, dann müssen sie klären, dass es grundle- gender verbriefter Garantien bedarf, um eine solche Demokratie zu ermöglichen. Wir müssen nicht die bourgeoisen Verfassungs- geber imitieren, aber die Idee des "Rechts", des Nomos, wie die alten Athener sagten, war ein entscheidender Fortschritt der menschlichen Gesellschaft. Es ermöglichte die Befreiung von den alten Gesetzen der Blutrache, irrationalem Verhalten und blinder Loyalität. Die Idee des Nomos war einer der entscheidenden Schritte der Menschen weg vom Tierreich, sie basiert auf rationalen anstelle von religiösen Vorstellungen. Ähnlich verhält es sich mit der Stadt, die langsam den Raum schuf für den unsicheren Status des "Fremden", der keinen schützenden Stamm durch Blutsban- de angehörte. Die Stadt oder Polis ist, in diesem Sinn, die ge- sellschaftliche Erfüllung, wie heruntergewirtschaftet die heuti- gen Metropolen auch immer seinn mögen. Und auf Nomoi oder grundlegenden Regeln der Verantwortlichkeit - unterstellt sie sind rational - kann die öffentliche Sphäre errichtet werden. Andernfalls haben wir keine Politik im griechischen Sinn, son- dern nur Chaos. Natürlich weiß ich nicht, ob meine kommunalistische Vision verwirklicht werden kann und niemand wird es wissen, solange es nicht wenigstens anhaltend versucht wird. Sollte der Versuch jedoch fehlschlagen, wird die Erde für lange Zeit ein finsterer Platz sein. Es versuchen nicht genug Leute, diese kommunalistische Vision zu verwirklichen und das beun- ruhigt mich. Fast jeder sagt mir, unter den gegebenen Umstän- den ist es unmöglich, zu dezentralisieren. Unter den gegebe- nen Umständen möchte ich anmerken, hat der Kapitalismus gesiegt und die Verehrer der geschaffenen Tatsachen mögen nach Hause gehen zu ihren Autos, Fernsehern und temporary autonomous zones. (etwa: "zeitweise autonomen Zonen".) Für eine alten Revolutionär wie mich ist der Einwand, ist es möglich? Neu. Meine Großmutter kämpfte gegen den Zarismus in 1870ern und 1880ern, ohne je zu fragen, ob sie die Revolution noch erleben werde. Ich bezweifle, dass sie davon ausging. "unter den gegebenen Umständen" ihres Alltags wäre eine Revo- lution möglich. Aber sie kämpfte für das was rational ist und frei, solange sie in Russland lebte. diese Einstellung brachte sie 1907 oder 1908 mit nach Amerika und gab sie an mich weiter bevor sie 1930 starb. Heutzutage treffe ich Salonlinke, die mir weismachen wollen, "unter den gegebenen Umständen" sei es unmöglich für eine grundlegende soziale Veränderung zu kämpfen. Solche Typen sind doch komplett entfremdet. das ist die bürgerliche Vorstel- lung von "Erfolg" und nicht von Wahrheit und Freiheit. Genau diese Mentalität führt in die große Krise, der wir gegenüberste- hen: Endweder. "Do your thing!" oder "Her damit, ich will es jetzt, für mich. Es ist dieses Gift, das ich so geschmacklos finde und das mir so viele Feinde eingebracht hat, dass ich kaum weiß, was ich mit ihnen anfangen kann. (Murray Bookchin)


Die Stadt, als eine menschengerecht angelgte, sich selbst regierende Gemeinde, die frei und konförderativ mit anderen ebenfalls menschengerechten, sich selbst regierenden Gemeinden im Bündnis steht, löst sich in unübersehbare Stadtlandschaften auf. Der Bürger, der eigentlich Politik aktiv vorgeben soll, wird zum passiven Steuerzahler und zum bloßen Empfänger öffentlicher Leistungen, - bereitgestellt von bürokratischen Gebilden, Bürgerpolitik verkommt zur Politik in einem Staatsapparat, zu einem Beruf für zynische, professionelle Machtakrobaten. - Die gesamte Sache wird wie ein Geschäft betrieben._VOLKSVERSAMMLUNGEN sind das Hirn einer freien Gesellschaft. Murray Bookchin  

 

 Murray Bookchin:
POLITISCHE ÖKOLOGIE
Die Vorstellung, daß der Mensch die Natur beherrschen müsse, steht in einem engen Verhältnis zur Beherrschung des Menschen durch den Menschen selbst. Die patriarchale Familie hat die Saat der Herrschaft in die zentralen Aspekte der menschlichen Beziehungen gesät. Der klassische Bruch in der antiken Welt zwischen Körper und Geist hat die Herrschsucht gefördert und auch die repressiven Positionen des Christentums haben diese Saat wachsen lasen. Aber erst als sich die organische Beziehung zwischen den bäuerlichen Gemeinden in Marktbeziehungen auflösten, wurde der Planet zu einer Rohstoffquelle reduziert, die man ausbeutete. Diese Jahrhunderte lang währende Tendenz findet ihre schlimmste Entwicklung im modernen Kapitalismus. Entsprechend der ihrer Wettbewerbsstruktur stellt die bürgerliche Gesellschaft nicht nur die Menschen einander feindlich gegenüber, sie stellt auch die Masse der Menschheit feindlich der Natur gegenüber. So wie Menschen in Waren verwandelt werden, so wird auch jeder Teil der Natur zur Ware und damit zu einer Rohstoffquelle, die man nach Belieben bearbeiten und verkaufen kann. Begriffe wie ”Wachstum” und ”Industriegesellschaft” dienen dazu diesen Zusammenhang zu verschleiern.
Wenn man die Erde als Zusammenballung von Mineralien versteht, dann kann der Planet die ständige Zunahme von Abfällen sicherlich verkraften - dies ändert sich jedoch, wenn man sie als komplizierte Lebensstruktur auffaßt. Die entscheidende Frage ist die, ob die Erde diesen Raubbau lange genug überstehen kann, bis der Mensch das zerstörende gegenwärtige Gesellschaftssystem durch eine humanere, an ökologische Gesichtspunkten orientierte Gesellschaft ersetzt hat.
ÖkologInnen werden oft ziemlich spöttisch gebeten mit wissenschaftlicher Genauigkeit den Zeitpunkt des ökologischen Kollapses der Natur zu bestimmen, also den Zeitpunkt an dem die Natur über dem Menschen zusammenbrechen wird. Das ist so ähnlich, als wenn man einen Psychiater nach dem genauen Zeitpunkt fragt, an dem aus einem Neurotiker ein unberechenbarer Psychopath wird. Man wird eine derartige Auskunft niemals geben können. Aber die ÖkologInnen können strategische Einsichten darüber vermitteln, in welcher Richtung sich die Menschheit auf Grund ihres Bruchs mit der natürlichen Umwelt weiterentwickeln wird.
Der Prozeß der Ausbeutung der menschlichen Umwelt, der diese immer wüster und rauher macht, hat sowohl eine kulturelle als auch eine physische Dimension. Die Gesellschaft ist trotz ihrer demokratischen Fassade in wesentlichen Teilen totalitär, zentralistisch und gleichgeschaltet. Alles was spontan, kreativ und individualistisch ist, wird von standardisierten Elementen eingeengt. Der Mensch wird wie ein Rädchen im Getriebe behandelt, anstatt seine individuelle und qualitative Eigenschaften zu erkennen, den größten Wert auf die ureigenste Persönlichkeit zu legen, auf freien Ausdruck und kultivierte Vielfalt. Die Bedürfnisse werden von den Massenmedien gelenkt, um ein allgemeines Bedürfnis für vollkommen nutzlose Waren zu erwecken, von denen jede absichtlich so hergestellt ist, daß sie nach einer vorherbestimmten Zeit kaputtgeht. Der Plünderung des menschlichen Verstandes durch den Markt entspricht die Ausbeutung der Erde durch das Kapital.
In einem besonderen Maße findet die rücksichtslose Ausbeutung der Natur in der modernen Landwirtschaft statt. Um Produktivität und Effektivität zu erhöhen, um die Kapitaleinlagen zu maximieren muß die Natur an den Maximen der Verwertung ausgerichtet und die Bodenbepflanzung klar reguliert werden. Im übertragenden Sinne wird sie zu einem Fabrikboden eingeebnet, welcher die natürliche Vielfalt verschwinden läßt. In weiten Landgebieten wird inzwischen nur noch eine einzige Frucht angebaut, was den Boden langfristig unfruchtbar und die Pflanzen wesentlich anfälliger macht. Deshalb werden in großem Umfang chemische Wirkstoffe verwendet, was wiederum weitreichende Folgen nicht nur für die Pflanzenwelt, sondern auch für Tiere und innerhalb der Nahrungskette auch für den Menschen hat.
Riesige Gebiete der Erde werden ausschließlich an speziellen industriellen Aufgaben ausgerichtet oder zu Rohstofflagern degeneriert. Viele Städte und Landstriche spezialisieren sich auf bestimmte Produkte, wodurch das komplizierte Ökosystem, welches auf verschiedenen Zonen basiert, nachhaltig beeinträchtigt wird. Diesem Ansatz entsprechend werden ganze Gebiete und Länder nur noch als ökonomische Einheiten betrachtet; jede auf ihre Weise ein Glied in einer riesigen, zerstörenden Industriekette, die weltweit die Erde umspannt.Der Mensch bewirkt daurch eine Rückentwicklung der Biosphäre, die nur noch einfachere Lebensformen beherbergen kann. Wenn diese elementare Umkehrung des evolutionären Prozesses anhält, ist es keineswegs übertrieben, wenn angenommen wird, daß die Voraussetzungen für höher entwickeltes Leben in irreparabler Weise zerstört werden und die Erde letztlich auch nicht mehr fähig sein wird, menschliches Leben zuzulassen.
Die politische Ökologie leitet ihren Anspruch nicht nur aus der Tatsache ab, daß sie als weitgehend einziger Wissenschaftszweig diese grauenvolle Botschaft verkündet, sondern auch daraus, daß sie diese Botschaft in einem gesellschaftlichen Zusammenhang verkündet. Von einem ökologischen Standpunkt aus ist die derzeitige, äußerst bedrohliche Situation das Resultat der Widersprüche zwischen Staat und Gemeinde, Industrie und Landwirtschaft, Zentralismus und Regionalismus, kapitalistischen und menschlichen Maßstab.
Auszug aus: Murray Bookchin / Ecology and Revolutionary Thought Murray Bookchin Archive
Thanks to Murray Bookchin.

 


Normal ist, dass wir unsere wahre Identität und unsere Träume vergessen und nur noch arbeiten, um zu produzieren, zu reproduzieren und Geld zu verdienen; dass wir Regeln für den Kriegsfall haben (die Genfer Konvention); dass wir jahrelang studieren und später doch keine Arbeit finden; dass wir in Rente gehen und dann herausfinden, dass wir keine Energie mehr haben, um das Leben zu genießen, und wenige Jahre darauf an Langeweile sterben; dass es nichts Besonderes ist, Botox zu verwenden; dass wir nach finanziellem Erfolg anstatt nach Glück streben; dass derjenige lächerlich gemacht wird, der nach Glück strebt, anstatt nach finanziellem Erfolg; dass wir unser Leben über unsere Besitztümer definieren, anstatt herauszubekommen, wozu wir leben; dass es sich nicht gehört, mit Fremden zu sprechen, aber dass jeder schlecht über seinen Nachbarn reden darf; dass derjenige kritisiert wird, der versucht, anders zu sein und aus der Reihe zu tanzen; dass wir uns allmorgendlich von einem hysterischen Wecker auf dem Nachttisch wecken lassen; dass wir alles glauben, was in der Zeitung steht; dass wir nie direkt fragen, auch wenn der Gefragte genau weiß, was wir wissen möchten; dass wir uns zwingen, ein Lächeln auf den Lippen zu tragen, auch wenn wir am liebsten weinen möchten, und auf alle mitleidig herabsehen, die ihre Gefühle zeigen; dass wir glauben, Kunst müsse ein Vermögen kosten, wenn sie etwas wert sein soll; dass wir leicht Errungenes verachten, weil wir glauben, ohne Anstrengung sei es nichts wert; dass wir der Mode folgen, egal wie lächerlich und unbequem sie sein mag; dass wir überzeugt davon sind, jeder berühmte Mensch sei automatisch auch schwerreich; dass wir viel Geld für die äußere Schönheit ausgeben, uns aber wenig um die innere Schönheit kümmern; dass wir alles Erdenkliche tun, um vorzugeben, über allen anderen Menschen zu stehen, obwohl wir doch nur ganz normale Menschen sind; dass wir in öffentlichen Verkehrsmitteln den anderen Fahrgästen nie in die Augen schauen, aus Angst, es könnte uns als Anmachversuch ausgelegt werden; dass wir uns im Fahrstuhl immer mit dem Gesicht zur Tür hinstellen und so tun, als wären wir ganz allein – auch wenn der Fahrstuhl gerammelt voll ist; dass wir in der nördlichen Hemisphäre immer der Jahreszeit entsprechende Kleidung tragen: kurze Ärmel im Frühling (so kalt es auch sein mag) und Wolljacke im Herbst (so warm es auch sein mag); dass wir auf der südlichen Hemisphäre unseren Weihnachtsbaum mit weißer Watte schmücken, auch wenn Christi Geburt nichts mit Winter und Schnee zu tun hat; dass wir mit fortschreitendem Alter automatisch davon ausgehen, weise zu sein, auch wenn wir noch längst nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden können; dass man denkt, mit dem Besuch eines Wohltätigkeits-Tees genug für die Beseitigung der Ungerechtigkeit in der Welt getan zu haben; dass wir dreimal am Tag essen – auch wenn wir keinen Hunger haben; dass wir davon ausgehen, dass die anderen in allem immer besser sind als wir: Sie sehen besser aus, sind fähiger, reicher, intelligenter, und dass es riskant ist, über seine eigenen Grenzen hinauszugehen, und man daher am besten überhaupt nichts tut; dass unser Auto ein Symbol für unsere Macht ist und ein Mittel, andere zu beherrschen; dass wir beim Autofahren fluchen; dass wir denken, wenn unser Kind Fehler macht, liege das einzig an der schlechten Gesellschaft, die es sich gesucht hat; dass wir immer sagen, wir hätten etwas versucht, dabei haben wir nichts getan; dass wir Interessantes, was wir erleben könnten, immer auf später verschieben – so lange, bis wir nicht mehr die Kraft dafür haben; dass wir denken, gegen Depression helfe eine tägliche hohe Dosis Fernsehen; dass wir glauben, dass alles, was wir erlangt haben, und auf ewig sicher ist; dass wir davon ausgehen, dass Frauen keinen Fußball mögen und Männer ungern kochen und Wohnungen einrichten; dass wir immer die Regierung für alles Negative, was geschieht, verantwortlich machen; dass wir davon überzeugt sind, dass man als guter, anständiger, respektvoller Mensch automatisch als schwach, verletzlich und leicht beeinflussbar gilt; dass wir Aggressivität und Unhöflichkeit im Umgang mit anderen als Zeichen einer starken Persönlichkeit werten; (Paulo Coelho – Der Sieger bleibt allein)

 

 

Die anarchistische Vision
Anarchistische Wirtschaft beruht auf einer „dezentralen Bedürfnisproduktion“. Was heißt das? ---Zunächst einmal, dass Produzenten und Konsumenten selbst bestimmen, was sie produzieren, wie sie produzieren und wie sie die Produkte verteilen. In staatlich-kapitalistischen Strukturen wäre das kaum durchführbar – in dezentral-anarchischen Strukturen* hingegen bietet es sich geradezu an. Dort wäre ja die Gesellschaft ohnehin dezentral und selbstverwaltet organisiert, dort wären Produzenten und Konsumenten größtenteils identisch und dort bestünden günstige Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, Arbeitsprozessen und der Auswahl dessen, was wirklich gebraucht wird. Da in einer anarchischen Gesellschaft die Arbeiter gleichzeitig auch Besitzer ihrer Produktionsmittel wären, könnte zum Beispiel die Belegschaft eines Konzerns entscheiden, ihren Giganten zurückzubauen und „umzupolen“. Der einzelne Arbeiter baut heutzutage Autos oder Kampfjets ja nicht unbedingt aus innerer Überzeugung, sondern weil er einen Arbeitsplatz braucht, um Geld zu verdienen. In einer Gesellschaft, die in allen Bereichen auf freier, bewusster Entscheidung aufbaut, dürften nach Meinung der Anarchisten gute Chancen bestehen, dass auch im wirtschaftlichen Bereich die Produzenten andere Entscheidungen träfen als heute die Konzerne. Das gleiche gälte natürlich für Landwirtschaft, Konsumgüter und Dienstleistungen. ---Genau betrachtet wäre erst in dieser Bedürfnisproduktion das verwirklicht, was der Liberalismus fälschlich für sich in Anspruch nimmt – dass sich nämlich „der Markt“ frei entfaltet und gemäß den tatsächlichen Bedürfnissen der Verbraucher produziert. ---Durch die dezentrale Vernetzung einer solchen Gesellschaft würden viele Waren, Produkte und Lebensmittel in der näheren Umgebung erzeugt und verbraucht. Das könnte ganz beträchtliche Transport-, Lager- und Logistikkosten einsparen. Es reduzierte den ökologischen Wahnsinn, dass viele Produkte aus reinen Gründen eines Handelsgewinns um die ganze Erde hin- und hertransportiert werden. Gleiches ließe sich für die Weiterverarbeitung von Rohstoffen erreichen, die sich heute – ebenfalls aus Gründen des Profits – überwiegend die reichen Industrieländer gesichert haben. Import und Export wären dann nur noch für Produkte nötig, die etwa nur in bestimmten Klimazonen gedeihen oder an bestimmten Plätzen hergestellt werden können. Daher dezentrale Bedürfnisproduktion. ---Anarchistische Wirtschaftstheoretiker gehen davon aus, dass in einer solchen Ökonomie am Ende nur noch das hergestellt würde, was alle Menschen der Erde zum Leben, zum Vergnügen und zur Bequemlichkeit brauchen. Nicht mehr und nicht weniger. ---Einigen mag das jetzt bedenklich nach 'DDR-Wirtschaft' klingen: grau, phantasielos, einheitlich und immer knapp. In den Augen der Libertären ist das allerdings barer Unsinn: Gerade in einer anarchischen Gesellschaft werde es viel Raum für Individualität, Vielfalt und Phantasie geben, und auch 'Luxus' sei kein Tabu – sofern es sich dabei nicht um Protzerei auf Kosten anderer handelt, sondern um Freude am Schönen und am Genuss. In den verschiedenartigsten autonomen Mikro-Gesellschaften, aus denen die anarchische Gesellschaft besteht, könnten sich verschiedene Menschengruppen auch nach verschiedenen Konsumbedürfnissen und Lebensgewohnheiten zusammenschließen: von bedürfnislos-grau bis genussvoll-schrill. Wer mehr konsumieren wolle, habe durchaus das Recht, sich diesen Mehrkonsum zu erarbeiten. Was jedoch nach anarchistischer Meinung verschwinden soll, ist die Ausbeutung anderer Menschen, denn libertäre Wirtschaft müsse eine Solidarwirtschaft sein, die nicht auf parasitärer Lebensweise aufbauen dürfe. Eine Ökonomie des Verzichts?
Das bedeutet aber auch, dass wir nicht nur an „uns“ denken können, sondern auch an den „Rest der Menschheit“. Eine solche Solidarwirtschaft müsste weltweit wirken, oder sie hätte ethisch versagt. Heute lebt der kleinste Teil der Menschen im Überfluss, während der größte Teil nicht einmal genug zu essen hat. ---Heißt das, dass wir Verzicht üben müssen und verdammt wären, zu verarmen? ---Ja und nein. Verzicht üben müssen wir ganz sicherlich, aber nicht etwa deshalb, weil es nicht möglich wäre, allen Menschen ein lebenswertes Leben zu bieten, und wir darum „unseren“ Reichtum zu verschenken hätten. Wir werden so oder so gezwungen sein, den manischen Konsumgalopp zu bremsen, wie wir ihn in den westlichen Industrienationen pflegen, weil uns nämlich die Verschwendungsorgie, in der wir leben, geradewegs in katastrophale Sackgassen führt. Das hat wirtschaftliche, ökologische und demografische Gründe, und mit Anarchie überhaupt nichts zu tun. Wenn man bedenkt, dass es allein in Nordrhein-Westfalen mehr Kraftfahrzeuge gibt als auf dem ganzen afrikanischen Kontinent, wird klar, dass es nicht um moralische Fragen geht, sondern um Tatsachen: um den Irrsinn unserer verschwenderischen Lebensweise, die unmöglich ein Modell für die Menschheit sein kann. In all den genannten Fällen konsumieren wir nämlich mit ungedecktem Kredit – sowohl dem Geld als auch der Natur gegenüber. ---Auf den hemmungslosen Verbrauch von Energien und Ressourcen, auf Prestige-Luxus und Konsumrausch als Ersatzbefriedigung für wirkliches Leben wird die Menschheit also auf jeden Fall verzichten müssen, weil nämlich viele Reserven, aus denen wir uns bedienen, schon bald erschöpft sein werden. Ob das aber eine Verarmung bedeutet, ist zu bezweifeln. Man könnte auch das Gegenteil vermuten. Die Überwindung der Sinnleere des Alltags, des Trends zu Vereinzelung, Entfremdung und Vermassung, der immer mehr Menschen in eine Art Ersatzbefriedigung treibt. ---Die Frage, vor der wir heute stehen, ist also nicht, ob wir so weiterleben können wie bisher, denn das können wir ganz eindeutig nicht. Die Alternative lautet, ob wir mit unserer Luxusyacht stilvoll in den Fluten eines bescheuerten Systems untergehen, oder ob wir unser Schiff umtakeln und einen neuen Kurs einschlagen. Dieser neue Kurs bedeutet zwar einen Verzicht auf einige Dinge und Gewohnheiten, aber nicht eine Verarmung unseres Lebens. Wir könnten stattdessen eine völlig neue Lebensqualität gewinnen, die man nirgends für Geld kaufen kann, und vermutlich wären bei entsprechender Organisation nicht einmal Abstriche beim Lebensstandard hinzunehmen. ---Wie das? Durch Einsparung und Umverteilung. Eine Ökonomie der Vernunft
Folgen wir der anarchistischen Wirtschaftsvision, so dürfen wir annehmen, dass in einer Gesellschaft der konsequenten Bedürfnisproduktion die Menschen solche Dinge herstellen werden, die sie tatsächlich brauchen und haben wollen. Diese Gesellschaft bräuchte keine Rüstung mehr, keine Raumfahrttechnologie, keine Werbung, keine künstlichen Modetrends, keine gewollt konstruierten Verschleißprodukte, keine Prestigeausgaben, keine Kriege, keinen Superluxus für die Superreichen, keinen unnützen Transport, keine Spekulationsgeschäfte, keine staatliche Repräsentation, keine reichen Sozialparasiten, die auf Kosten anderer ein arbeitsloses Einkommen genießen und so weiter… Ebenso käme sie ohne Bürokratenheere aus, weil sie sich selbst verwalten könnte, ohne Sozialhilfe und Arbeitslosengelder, weil sie ein Solidarsystem kleiner Gruppen wäre, und vermutlich auch ohne den eminent teuren Repressionsapparat von Justiz, Polizei, Strafvollzug. Auch im aufgeblähten Medien- und Kommunikationsbereich würden die Menschen vermutlich gerne auf einiges verzichten wollen. ---All das aber bindet heute unglaubliche Mengen an Arbeitskraft, Kreativität, Ideen, Ressourcen, Werten und Geld. Für die Herstellung und Verteilung von Waren, Lebensmitteln und Dienstleistungen wird schon heute der geringere Teil menschlicher Arbeit aufgewendet – der größere Teil wird verschwendet und verpufft in „Leistungen“, die entweder niemand wirklich braucht, oder die auf andere Weise besser organisiert werden könnten. ---Alle Jahre wieder kursieren Studien amerikanischer und europäischer Universitäten, die ausrechnen, wieviel Arbeitsstunden der Mensch bei einer konsequenten Bedürfnisproduktion noch leisten müsste, um den Bedarf aller Menschen der Erde zu befriedigen. Wohlgemerkt: aller Menschen. Und wir sprechen hier nicht nur von der bloßen Ernährung, sondern von einem anständigen Konsum- und Lebensstandard! Zur Zeit liegen diese Zahlen zwischen drei und fünf Stunden täglich, manche Anarchisten kommen mit ihren Rechenkunststücken sogar auf die phantastische Vision einer Fünf-Stunden-Woche – und nicht mal die ist bei genauerem Hinsehen von der Hand zu weisen… Wie dem auch sei, die Welternährungsexperten der Vereinten Nationen sind sich darin einig, dass allein der weltweite Wegfall der Rüstung genügend Kräfte und Mittel freisetzen würde, um mit dem Hunger in der Welt sofort Schluss zu machen. ---„Warum aber tut man es dann nicht?“, fragt meine naive Tochter. ---Die Antwort ist ebenso einfach wie absurd: Wegen der inneren Logik unseres Wirtschaftssystems. Im Kapitalismus zahlt es sich nicht aus, den Hunger zu besiegen und ist deshalb ökonomisch unvernünftig. Denn hungernde Menschen stellen keinen „Markt“ dar: sie sind zu arm, um zu bezahlen. Rüstung hingegen ist ein vernünftiges Geschäft, und der Supercoup, von dem jeder Rüstungsmanager träumt, ist der Krieg, weil sich dabei nämlich die teuren Waffensysteme selbst vernichten, so dass sie anschließend wieder neu gekauft werden müssen.
---Angesichts dieses Irrsinnssystems zum Schluss noch einmal die Frage: Was ist eigentlich „die Krise“, von der zur Zeit so unendlich viel schwadroniert wird? Irgendwelche Zahlen auf den elektronischen Anzeigetafeln in der Wall Street oder die ganz banale Tatsache, dass solche Zahlen überhaupt existieren und ihre kryptische „Logik“ letztendlich über unser aller Wohl und Wehe bestimmen?
---Zugegeben, diese Frage ist eine rhetorische. Es ist an der Zeit, dass aus ihrer Beantwortung eine neue Realität erwächst.     (Quelle - Horst Stowasser)  

 

 

 

Weltagrarbericht www.weltagrarbericht.de/Diese Webseite präsentiert die wichtigsten Ergebnisse des Weltagrarberichts, macht alle seine Berichte zugänglich und liefert Hintergründe und ...Rio + 20 - ‎Europäische Agrarpolitik - ‎Spenden - ‎Kontakt [PDF] Wege aus der Hungerkrise .pdf - Weltagrarbericht www.weltagrarbericht.de/.../Wege_aus_der_Hungerkrise_2.4MB.pdfWege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes.    

 

 
 

Vorwort von Gunther Tichy

Nachhaltiges Wachstum?

Das Thema dieses Hefts gehört zu den am heftigsten umstrittenen und am kontroversesten diskutierten unserer Zeit. Als Herausgeber haben wir mit den hier versammelten Beiträgen versucht, die Vielfalt der Standpunkte zum Ausdruck zu bringen: Neben den (Wachstums-)Experten und Expertinnen aus dem Feld der Ökonomie kommen auch Disziplinen wie Ökologie, Politologie, Soziologie und Interessenvertreter zu Wort. Die Komplexität und Grenzenlosigkeit des Themas sowie die unterschiedlichen Positionen der Beiträge machen einen einleitenden Problemaufriss erforderlich, in dem das Thema in einen größeren Zusammenhang gestellt und zugleich abgegrenzt wird; dem musste das traditionelle Editorial zum Opfer fallen. Die Charakterisierung der einzelnen Beiträge wurde in die Einleitungen der jeweiligen Abschnitte verlagert.

Das Thema nachhaltiges Wachstum lässt sich aus mindestens fünf Gründen außerordentlich schwer abgrenzen:

 

 

 

 
 

Erstens gibt es keine klare und unumstrittene Definition von Nachhaltigkeit.

Zweitens sind Diskussionen über (Wirtschafts-)Wachstum und Nachhaltigkeit extrem ideologiebehaftet – die unterschiedlichen Standpunkte spiegeln vielfach eher Werturteile als intersubjektiv überprüfbare Fakten. Während für diejenigen am einen Extrem des Spektrums der aus Kapitalismus und Geldwesen resultierende Wachstumszwang die entscheidende Ursache der Probleme ist, sehen jene am anderen Ende des Spektrums gerade in der innovativen Dynamik der Marktwirtschaft die einzige Chance für eine Lösung unserer Probleme. Diskussionen über nachhaltiges Wachstum zeigen daher eine starke Tendenz, rasch und unvermittelt in Grundsatzdebatten über Wirtschaftssysteme überzugehen, in denen Nachhaltigkeit zu einem Nebenaspekt wird.

Drittens kann man bei der Auseinandersetzung mit nachhaltigem Wachstum kaum von der Frage nach den Grenzen des Wachstums absehen. Wie stark der emissionsbedingte Klimawandel ausfallen und welche Folgen er wo haben wird, ob, wie weit und wie rasch der technische Fortschritt Substitute für nicht erneuerbare Ressourcen schaffen kann, inwieweit Märkte und Konsumenten bereits gesättigt sind oder jedenfalls in naher Zukunft sein werden, sodass Bedürfnisse bloß noch „künstlich“ geschaffen werden könnten – all das sind Fragen, die allein schon Bände füllen könnten.

Viertens fehlt es in Europa seit Beginn der Industriellen Revolution an Erfahrung mit Perioden ohne Wachstum, und die Erfahrungen aus den vorhergehenden Perioden der frühen Neuzeit und des Mittelalters – oder aus der Geschichte der asiatischen Länder(1) – sind weder attraktiv noch ohne weiteres auf unsere Welt übertragbar. Das müsste eigentlich Anlass zu einer breiten Diskussion der historischen Erfahrungen mit langsamem Wachstum geben: Unter welchen Voraussetzungen war langsames Wachstum in der Vergangenheit tatsächlich „nachhaltig“? Welche Folgen zog es nach sich? Und wie können seine negativen Begleiterscheinungen vermieden werden?

Fünftens schließlich erfordern diejenigen Voraussetzungen und Folgen nachhaltigen Wachstums, über die im Großen und Ganzen Einigkeit und Gewissheit herrscht – Bevölkerungsstagnation, Arbeitsmarkt- und Verteilungsprobleme – eine breite Diskussion. Wie kann das Erste erreicht und das Zweite überwunden werden?

Die Herausgeber haben sich entschlossen, das erste Abgrenzungsproblem, die nicht unumstrittene Definition von Nachhaltigkeit, schlichtweg zu ignorieren. Problem zwei, die Kapitalismusdebatte, wird an dieser Stelle kurz umrissen, in den Beiträgen aber im Großen und Ganzen tunlichst vermieden, da ansonsten zu befürchten war, dass sie die für dieses Heft zentrale Nachhaltigkeitsdebatte dominieren würde. Problemkomplex drei, die Wachstumsgrenzen, wird als gegeben angenommen; diese Grenzen und ihre Ursachen werden also dargestellt, aber nicht weiter hinterfragt. Die geschichtliche Erfahrung, Problemkomplex vier, muss vernachlässigt werden, würde angesichts des gegenwärtigen Diskussionsstands auch wenig zu unserer Problemstellung beitragen. Problemkomplex fünf, die nötigen Voraussetzungen und zu erwartenden Schwierigkeiten, vor die uns nachhaltiges Wachstum stellen würde, finden in den Einzelbeiträgen hingegen ausreichend Platz. Die Probleme der gegenwärtigen Wirtschaftskrise werden weder hier noch von den Autorinnen und Autoren eingehend behandelt: Es ist nicht zu erwarten, dass die Krise selbst – und noch weniger die Maßnahmen zu ihrer Überwindung – zur Lösung der längerfristigen Wachstumsprobleme beiträgt. Die Schwerpunkte dieses Heft es liegen also darin, die Notwendigkeit und Möglichkeit nachhaltigen Wachstums darzustellen, die Wahrscheinlichkeit seiner Realisierung abzuschätzen und seine Probleme, seine Folgen sowie Instrumente zur Abschwächung seiner negativen Effekte zu diskutieren.

 

 

Kapitalismus und Nachhaltigkeit

Unser Mangel an historischer Erfahrung mit wachstumslosen Perioden führt zwangsläufi g dazu, dass wir einen unmittelbaren Konnex von Wachstum und Marktwirtschaft sehen – in der eurozentristischen Konzentration auf unsere Moderne (Gegenwart und jüngere Vergangenheit) kennen wir gar nichts anderes. Wird Wachstum kritisiert, geht dies daher nicht selten mit einer Kritik an dem uns vertrauten System von Markt- und Geldwirtschaft einher. Unter den Wachstumskritikern sind es vor allem Ökologen, die dazu tendieren, einen Finanzmarkt-getriebenen Kapitalismus als die entscheidende Ursache des Wachstumszwangs zu sehen. So wie ein Fahrrad oder ein Flugzeug bloß in Bewegung stabil gehalten werden kann, sei Wachstum Voraussetzung für die Stabilität des kapitalistischen Systems.

 

Diese Debatte kann in diesem Heft nicht im Detail verfolgt werden: Erstens würde sie, wie schon erwähnt, zu weit führen und die Nachhaltigkeitsdebatte an den Rand drängen. Zweitens ginge sie am eigentlichen Problem vorbei: Zwar waren „kapitalistische“ Marktwirtschaften in der Realisierung des Wachstumsziels und bei der Erreichung von Wohlstand bisher am effizientesten, aber das bedeutet nicht, dass die kommunistischen Planwirtschaften oder die verschiedenen „Dritten Wege“ weniger wachstumsorientiert gewesen wären – sie waren vielfach sogar noch wachstumssüchtiger, allerdings weniger erfolgreich. Und die wenigen Länder, die glauben, auf Wachstum (und Wohlstand der Bevölkerung) verzichten zu können (Kuba, Nordkorea), taten das nicht mit, sondern markant gegen den Willen des überwiegenden Teils der Bevölkerung.

Drittens wird der Einfluss von Finanz- und Geldwesen überschätzt. Zwar ist richtig, dass im angloamerikanischen Modell der Kapitalmarkt und mit ihm eher Fondsmanager als Unternehmer im Zentrum von Entscheidungen stehen, doch gilt das nicht für das europäische Modell.(2) Wenn Systemkritiker behaupten, Wachstum wäre in diesem System eine Notwendigkeit, weil Unternehmen ihre Kredite verzinsen und tilgen müssen, dann übersehen sie, dass diese Kredite bloß aufgenommen wurden, um Wachstum (der Produktion und der Investitionen) zu finanzieren.(3) Schulden sind im Allgemeinen Folge, nicht Ursache des Wachstums. Bei Nullwachstum bestünde kein Bedarf an Kreditfinanzierung der (stagnierenden) Produktion. Überdies mangelt es den systemkritischen Argumenten vielfach an Konsistenz: Manche fordern eine Einschränkung der Geldschöpfung, die das Wachstum sicherlich dämpfen würde, also eine restriktive Wirkung des Geldsystems, andere fordern lokale Währungen vom Schrumpfgeld-Typ, was wohl zu weniger Hortung und höheren Ausgaben, also zu einer expansiven Wirkung des Geldsystems führen würde.

Viertens darf aus der Tatsache, dass Marktwirtschaft und Wachstum bisher stets zugleich beobachtet wurden, nicht zwangsläufig geschlossen werden, dass Marktwirtschaft ohne Wachstum unmöglich wäre; allerdings wird meist übersehen, dass eine Marktwirtschaft ohne Wachstum etwas anders aussehen würde: Einige marktwirtschaftliche Mechanismen würden sich automatisch anpassen, andere müssten durch Maßnahmen der Wirtschaftspolitik angepasst werden. Versuchen wir zur Illustration das folgende Gedankenexperiment: Angenommen, es wäre tatsächlich zu einem Kulturwandel gekommen, die Konsumenten wären zur Überzeugung gelangt, dass ein noch schwereres Drittauto, ein noch größerer Fernsehapparat oder der Ersatz der noch durchaus funktionsfähigen Hifi-Anlage durch eine modernere sinnlos wäre; und sie hätten auch eingesehen, dass es noch sinnloser wäre, für solcherart sinnlose Ausgaben auch noch länger zu arbeiten und Überstunden zu machen. Die aus dieser Einsicht resultierende Kaufzurückhaltung bedeutet natürlich, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt und die Produktion zurückgenommen werden muss. Mit der Kapazitätsauslastung sinken auch Beschäftigung und Gewinne. Der Gewinnrückgang ist insofern unproblematisch, als bei langsamerem Wachstum auch weniger investiert werden muss (und kann); bei Nullwachstum müssen Netto-Investition, Zins, Gewinn und Akkumulation gegen Null tendieren. Problematisch hingegen wird die Lage für die Arbeitnehmer sein, da die Beschäftigung ceteris paribus im Ausmaß von Nachfragerückgang plus Produktivitätsfortschritt sinken muss. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die freiwillige Arbeitszeitreduzierung (etwa durch Verzicht auf Überstunden) der erforderlichen Pro-Kopf-Arbeitszeitreduzierung entspräche. Eher werden manche arbeitslos werden und andere – gezwungen oder freiwillig – unverändert lange arbeiten (müssen). Deswegen und als Folge von Strukturproblemen, die sich aus dem nichtlinearen Verlauf des Entschleunigungsprozesses ergeben – manche Branchen und Berufe werden mehr, andere weniger betroffen sein –, werden auch Verteilungsprobleme entstehen, die durch Arbeitszeit- und Verteilungspolitik kompensiert werden müssen.(4)

Eine nicht wachsende Marktwirtschaft erscheint somit durchaus nicht unmöglich; ohne wirtschaftspolitische Begleitmaßnahmen besteht jedoch die erhebliche Gefahr von Arbeitslosigkeit und von Verteilungsproblemen. Die Widerstände gegen Nullwachstum liegen daher nicht im System an sich, sie liegen in den Präferenzen des überwiegenden Teils der Beteiligten: in den Präferenzen der Konsumenten, die zumindest bisher Einkommenszuwächse vermehrter Freizeit vorgezogen haben; in denen der Gewerkschaften, die bei niedrigerem Wachstum nicht ohne Grund Arbeitslosigkeit befürchten; der Unternehmer, für die Wachstum von Produktion und Gewinnen als das Erfolgskriterium gilt; aber auch in den Präferenzen der reicheren Hälfte der Bevölkerung, der bewusst ist, dass ohne Wachstum Umverteilung nicht mehr aus dem Zuwachs, sondern allein aus der Substanz möglich ist.(5) Diese Präferenzen zu ändern wird nicht leicht fallen; dennoch mögen diejenigen, die den Umbau von Marktwirtschaft und Geldsystem als Voraussetzung für Nullwachstum sehen, bedenken, dass die Lobbyingkräfte, die eine Systemänderung – Abschaffung der Marktwirtschaft – blockieren, wohl mindestens so stark sind wie diejenigen, die Nullwachstum verhindern wollen; denn: Sofern es eine Hegemonie des Kapitals gibt, Nullwachstum tendiert dazu, sie zu unterminieren!

 

 

Grenzen des Wachstums – Grenzen des Wohlstands?

Grenzen des Wachstums, jedenfalls in der verbreiteten Definition als prozentueller Zuwachs des Bruttoinlandprod

 

ukts (BIP), werden seit langem diskutiert. Es begann mit der Erkenntnis, dass exponentielles Wachstum eine „explosive“ Tendenz zunehmend höherer absoluter Zuwächse bedeutet, eine für die meisten, jedenfalls auf lange Sicht, schwer vorstellbare Entwicklung. Als zweite wichtige Grenze trat die Endlichkeit der meisten Ressourcen hinzu; zunächst waren es die fossilen Energieträger, doch zeigte sich bald, dass das Problem viel tiefer reicht: So bedarf es selbst für die Produktion und Nutzung erneuerbarer Ressourcen und Energieträger ausreichend verfügbarer „Natur“ und vielfach auch für jene nicht erneuerbarer Ressourcen, etwa seltener Metalle. Als dritte und heutzutage sorgenvoll beobachtete Grenze des Wachstums erwiesen sich die Emissionen, die zu der von IPCC und anderen erwarteten Klimaerwärmung führen. Alle Versuche, Ressourcenverbrauch und Emissionen vom Wirtschaftswachstum abzukoppeln, waren bisher bloß beschränkt erfolgreich. Eine vierte, ganz andere Wachstumsgrenze wird von vielen in der Sättigung der Bedürfnisse gesehen; käme es auf diesem Weg tatsächlich zu einer markanten Wachstumsverlangsamung, würden sich viele Probleme quasi automatisch lösen. In der europäischen und US-amerikanischen Realität lassen sich solche Tendenzen jedoch bisher keineswegs erkennen, und in Asien und Afrika lässt sich von Sättigung nicht einmal träumen.

Dennoch stellt sich die Frage, ob fortgesetztes BIP-Wachstum, wenn es nicht an andere Grenzen stößt, irgendwann zu einer Sättigung führt; eine vielschichtige Diskussion, bei der es erstens um die Frage geht, ob menschliche Bedürfnisse begrenzt oder unbegrenzt sind – abermals eine Frage, die in diesem Heft nicht einmal andiskutiert werden kann. Die Vertreter der Sättigungsthese meinen, dass ein guter Teil unserer Bedürfnisse nicht ,„echt“, sondern von der Industrie generiert sei; der englische Journalist und Ökonom Fred Hirsch hielt dem schon vor drei Jahrzehnten entgegen, dass es sich bei Bedürfnissen nicht um ein absolutes, sondern um ein relatives Phänomen handle: Man schufte, um mehr und Besseres zu haben als der Nachbar. Doch wenn man es erreicht hat, hat es der Nachbar auch schon, das Spiel geht also weiter und generiert fortlaufend nicht bloß Wachstum, sondern auch Enttäuschungen.

 

Zweitens gilt es zu beachten, dass das BIP für Fragen nach Sättigung und Wohlstand eine ungeeignete Messgröße ist. Wie im ersten Abschnitts dieses Heft s genauer gezeigt wird, misst es bewusst bloß Markttransaktionen – also etwa weder Hausarbeit noch Kindererziehung, häusliche Krankenpfl ege oder Do-ityourself-Aktivitäten –, und es misst bloß Ströme, vernachlässigt also Bestände – der Verbrauch von Umwelt und Ressourcen wirkt daher BIP-steigernd. Das BIP ist somit kein geeigneter Maßstab, um Wohlstand oder Sättigung zu messen, und es war von seinen Erfindern auch nie als solcher gedacht. Weder muss ein steigendes BIP eine Steigerung des Wohlstands bedeuten, noch setzt höherer Wohlstand ein höheres BIP voraus. Das bedeutet drittens, dass eine Entkoppelung von BIP-Wachstum und Wohlstand sehr wohl möglich ist, und darauf beruhen die Hoff nungen auf qualitatives Wachstum: dass mit steigendem Wohlstand allmählich immaterielle Bedürfnisse an die Stelle von materiellen treten. Ob Tempo und Ausmaß dieser Verschiebung allerdings ausreichen werden oder ob es dazu des viel beschworenen, aber kaum je genauer beschriebenen Kulturwandels bedarf und wie dieser zustande kommen soll, muss in diesem Rahmen offen bleiben.

 

 

Qualitatives oder Null-Wachstum?

Der erwartete Wandel von materiellen zu immateriellen Bedürfnissen, die zunehmende Bedeutung von Dienstleistungen und intelligenter technischer Innovationen zur Einsparung von Ressourcen stehen an der Basis des erhofft en Übergangs zu qualitativem Wachstum. Es käme dabei zu einem Wohlstandszuwachs ohne BIP-Wachstum und mit geringerem Ressourcenverbrauch. Vor überzogenen Hoffnungen auf Letzteres wird allerdings anhand des sogenannten Rebound-Effekts gewarnt: Der geringere Verbrauch von Ressourcen lasse deren Preise sinken und führe dadurch zu zusätzlicher Ver(sch)wendung. Der private Personenverkehr etwa habe das deutlich gezeigt: Zwar hätte der spezifische Kraftstoffverbrauch durch den technischen Fortschritt kräftig gesenkt werden können, doch wurde das durch größere, schwerere und allradgetriebene Autos mehr als kompensiert.(6) Qualitatives Wachstum sei daher, nach Ansicht vieler, keine Lösung.

Nullwachstum könnte die Ressourcen-, Emissions- und Klimaprobleme eher lösen, doch werden seine Voraussetzungen und Implikationen zumeist unzureichend diskutiert. Es wird gerne verdrängt, dass es sich um weltweites Nullwachstum handeln müsste, und das setzt zunächst einmal ein Nullwachstum der Weltbevölkerung voraus. Die damit verbundenen Probleme lassen sich leicht aufzeigen: Nach der jüngsten UN-Bevölkerungsprognose wird die Weltbevölkerung von derzeit 6,8 Milliarden bis 2050 auf acht bis zehneinhalb Milliarden Menschen anwachsen und sich erst 2070 stabilisieren; selbst wenn jede Frau in den ärmsten Ländern ab sofort nur noch zwei Kinder bekommen würde, wäre – infolge der großen Zahl der Jugendlichen – ein Anwachsen der Bevölkerung dieser Länder um eine Milliarde nicht zu vermeiden. Nullwachstum also erst ab 2070? Und selbst wenn das noch rechtzeitig käme: Was eine Beschränkung der Kinderzahl in Gesellschaften mit derzeit noch hoher Kinderzahl (und schlechter Altersversorgung) bedeutet, kann man ermessen, wenn man die europäische Debatte um die schrumpfende Kinderzahl, den dadurch angeblich bedingten Bedeutungsverlust Europas und die angeblich gefährdete Altersversorgung verfolgt.

Nullwachstum impliziert aber nicht bloß Null-Bevölkerungswachstum, sondern auch, und vor allem, eine weltweite drastische Einschränkung von Ressourcenverbrauch und Emissionen. Will (und muss) man den armen Ländern einen Aufholprozess und damit einen größeren Anteil am Ressourcenverbrauch ermöglichen(7), muss die Einschränkung in Europa und Amerika umso stärker ausfallen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil eine Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch/Emissionen in den armen aufholenden Ländern in der näheren Zukunft kaum möglich sein wird und der Anteil des besonders problematischen Energieträgers Kohle dort besonders hoch ist. Insofern bedeutet weltweites Nullwachstum eine besondere Herausforderung für Europa im Sinne des Weltwohlstands: Wie kann man in einem (Halb-)Kontinent mit schrumpfender und alternder Gesellschaft Wohlstand und Lebensqualität bei sinkendem Ressourcenverbrauch sichern?

Auf ganz lange Sicht halten manche eher physikalisch orientierte Wissenschaftler selbst Nullwachstum für eine nicht nachhaltige Lösung. Recycling wäre stets bloß teilweise möglich, sodass die Lagerstätten konzentrierter Materialien früher oder später ausgebeutet wären; das Material wäre zwar nicht verschwunden, aber als Folge der Recyclingverluste in diffuser Form verstreut (Dissipation) und daher nicht mehr rückholbar. Nicht Null-Wachstum, sondern weltweite Kontraktion müsste daher, ihnen zufolge, das Ziel sein, jedenfalls auf lange Sicht.

 

Wachstumszwang oder Wachstumsdrang?

Wie bereits oben erwähnt, muss im System der Marktwirtschaft kein absoluter, unüberwindlicher Wachstumszwang liegen. Das Wachstum würde zwangsläufig reduziert werden, schränkten die Konsumenten ihre Nachfrage ein und verzichteten Geld- und Fiskalpolitik auf expansive Maßnahmen. Die mit Nullwachstum verbundenen negativen Folgen für Arbeitsmarkt und Verteilung müssten allerdings durch Verkürzung der Lebensarbeitszeit und entsprechende Umverteilung abgefedert werden. Das bedeutet jedoch, dass ceteris paribus sehr wohl ein relativer Wachstumszwang besteht, solange der Kulturwandel des Nachfrageverzichts der Konsumenten noch nicht eingetreten ist und die Bereitschaft zu verstärkter internationaler und nationaler Umverteilung ebenso fehlt wie Instrumente zur Verkürzung der Lebensarbeitszeit (der folgende Abschnitt wird auf diese Probleme noch zurückkommen). In gleicher Weise ergibt sich natürlich ein Wachstumszwang aus dem vermutlichen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, solange nicht alle Konkurrenten dieselben Maßnahmen ergreifen.

Die Aussage „Kein Wachstumszwang, wenn die Konsumenten auf zusätzliche Nachfrage verzichten und sich das System automatisch anpasst“ weist natürlich auf einen inhärenten Wachstumsdrang hin. Es gehört zu den liebenswerten Wünschen unserer Gesellschaft , dass es die Kinder einmal besser haben sollen, und zu den weniger liebenswerten Eigenschaften, Nachbarn und Freunde im herzeigbaren materiellen Wohlstand übertrumpfen zu wollen. Auch das „bessere Leben der Kinder“ bezieht man zumeist eher auf materielle Güter und eventuell Bildung, und dafür bedarf es höherer Individualeinkommen. Dafür, dass die Zukunft der Kinder nicht durch Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung gefährdet wird, soll der Staat, die Politik oder Kyoto sorgen, aber bitte nicht auf Kosten des eigenen Einkommens und Lebensstandards. Insofern wird auch nicht Nullwachstum als solches von der Bevölkerung abgelehnt als vielmehr die Instrumente zu seiner Realisierung.(8)

Solche Aussagen mögen billig oder sarkastisch erscheinen, doch jeder Ältere möge auf sein Leben zurückblicken; wenn er halbwegs erfolgreich war, auf den Stolz darauf, dass er arm begonnen hat, und es aus eigener Kraft zu etwas gebracht hat. Nicht bloß Personen, auch Länder und Epochen messen ihren Erfolg am jeweiligen Wachstum;(9) anders als etwa die antiken oder asiatischen Kulturen, die die Entwicklung der Weltgeschichte vielfach in Zyklen oder Kreisen sehen,(10) ist die europäische Kultur etwa seit dem 18. Jahrhundert durch lineare Entwicklungsstrukturen und striktes Fortschrittsdenken geprägt. Bedauerlicherweise verbreitet sich dieses „Fortschritts“-Denken immer rascher auch über die übrigen Teile der Welt: Wer wen überholt und wie rasch internationale Einkommensdifferenzen ausgeglichen werden, erscheint wichtiger als das Wohlbefinden als solches.

 

Werden wir den Übergang schaffen?

Eines der größten Probleme der Debatte um nachhaltiges Wachstum ist die tiefe Kluft zwischen der breiten Literatur über die physischen Grenzen des Wachstums und die desaströsen Folgen ihrer Überschreitung einerseits, und der unzureichenden Beschäftigung mit potenziellen Strategien zur Erreichung einer nachhaltigen Wirtschaft andererseits. Sind solche überhaupt möglich, und wenn, wie müssten sie aussehen? Manche Autoren oder Autorinnen flüchten in wohlklingende Forderungen, etwa nach einem Kulturwandel, ohne ernsthaft zu überlegen, wie eine solche Strategie konzipiert und implementiert werden könnte;(11) andere träumen in Utopien: in vergangenheitsorientierten wie der Ersetzung der Massenproduktion durch do-it-yourself oder der Rückkehr zu kleinen lokalen autarken Kreisläufen; oder in blauäugigen kommunitaristischer Prägung oder solchen mit Befreiung vom Arbeitszwang. Die „Realisten“ hoffen, einen Richtungswechsel durch Energie- und Emissionssteuern, Emissionszertifikate und verschiedene Regulierungen einleiten zu können.

Dem Fehlen realisierbarer und wirksamer Ideen zur Erreichung einer nachhaltigen Art und Weise des Wirtschaftens stehen Abstumpfung und Attentismus – Zusehen und Zuwarten – der Öffentlichkeit gegenüber. Letztere resultieren mit einer gewissen Logik aus der seltsamen Mischung von Horrorszenarien und Fatalismus, mit der die Ökologie an die Öffentlichkeit tritt. Schon 1972 hatte Meadows’ erster Club-of-Rome-Bericht gedroht, die Mitglieder der UN hätten noch etwa ein Jahrzehnt Zeit, sonst würde die Bewältigung der Probleme die menschlichen Fähigkeiten übersteigen (UN-Generalsekretär Sithu U Thant in der Einleitung); heute, 37 Jahre später, hört die Öffentlichkeit nach wie vor, Öl werde in dreißig Jahren ausgehen; das angedrohte Waldsterben ist ebenso ausgeblieben wie andere Horrorszenarien, und so ist es nicht allzu sehr verwunderlich, dass sich die Öffentlichkeit durch Meldungen über die drohende Klimakatastrophe bei gleichzeitigem Fatalismus der Experten(12) nicht ernstlich aus der Ruhe bringen lässt.

Es gilt, sehr viel intensiver über realistische Strategien und Instrumente für den Übergang zu Nachhaltigkeit mit oder ohne Wachstum nachzudenken, mehr über das, was man tun kann, und weniger über das, was passieren wird. Ein Kulturwandel im Konsumverhalten der Bevölkerung ist sicherlich eine der unabdingbaren Voraussetzungen für eine Wende, aber ein solcher lässt sich weder durch Fachartikel herbeischreiben noch durch Horrorszenarien erzwingen. Auch wäre es zu einfach, die Schuld auf die Industrie abzuschieben: Die „echten“ Bedürfnisse der Bevölkerung seien längst gedeckt, es gelte nur noch, die Sinnlosigkeit der künstlich geschaffenen bewusst zu machen. Dabei wird die Macht der Industrie erheblich überschätzt: Keineswegs alles, was sie erfindet, anpreist und vermarkten möchte, wird von Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert: Die Misserfolge reichen von Atomkraft über US-Autos bis zu genetisch modifizierten Tieren und Lebensmitteln. Der Beitrag der Konsumenten hingegen wird unterschätzt: SUVs, die Benzin fressenden Geländewagen von Städtern, Villen am Waldrand, Dachgeschosswohnungen, Drittwohnungen, Luxusuhren, Designermode können den Konsumenten bloß deswegen eingeredet und verkauft werden, weil dafür tatsächlich ein Bedürfnis besteht: einerseits die Freude, sich diesen Luxus leisten zu können, vor allem aber das Gefühl, es weiter gebracht zu haben als andere und das auch zeigen zu können;(13) die Glücksforschung hat sehr klar herausgearbeitet, dass die Lebenszufriedenheit in wohlhabenden Ländern nicht vom absoluten, sondern vom relativen Einkommen abhängt, von dem, was man mehr hat als andere. Ein Kulturwandel im Nachfrageverhalten, ein Wandel vom demonstrativen zum „notwendigen“ Konsum, ist unter der Voraussetzung, dass gerade die Mode-generierenden Konsumenten eher Protze als Asketen sind, eine heroische Aufgabe.

Aufklärung und ethische Appelle allein werden wohl nicht ausreichen, aus kindlichen Verbrauchern, die mit ihrem „Infantilismus“ (Benjamin Barber) und ihren SUVs das Klima zerstören, erwachsene, nachhaltigkeitsorientierte Staatsbürger zu machen; Aufklärung und ethische Appelle konnten auch bisher nicht verhindern, dass die Entwicklung in die falsche Richtung lief – zu mehr statt zu weniger Prestigekonsum. Aufklärung wird durch ein breites Spektrum wirtschaftspolitischer Maßnahmen ergänzt werden müssen, die neue Rahmenbedingungen setzen.

Dazu gehört zunächst, dass der Produktivitätsfortschritt in Hinkunft nicht in Einkommen, sondern in Freizeit abgegolten wird. Damit ist aber nicht ein Übergang zur 35- oder 30-Stunden-Woche gemeint; das wäre zu wenig. Es muss um eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit, um mehr Zeit für Kindererziehung und Weiterbildung, um neue Arbeitszeitmodelle wie die Vier-Tage-Woche und ähnliche innovative Ansätze gehen. Die Reduzierung der Arbeitszeit erfordert außerdem einen Umbau des Systems der Sozialversicherung, nämlich eine stärkere Finanzierung über Steuern und eine partielle Entkopplung von Pensionsansprüchen und Arbeitszeit. In Ergänzung zur Reform des Arbeitssystems ist eine (deutlich) höhere Besteuerung von Luxuskonsumgütern einerseits, von energie-, emissions- und ressourcenintensiven Produkten andererseits anzudenken,(14) und zwar zur Nachfragesteuerung, aber auch zur Kompensation von Rebound-Effekten.

Der Versuch eines Kulturwandels zu nachhaltigem Wachstum durch weniger Einkommen, weniger Konsum und mehr Freizeit hat aber bestenfalls dann Erfolgschancen, wenn es gelingt, die negativen Folgen auf Beschäftigung und Verteilung zu kompensieren. Selbst wenn alle Arbeitnehmer zugleich Lohnzuwachs und Zusatzkonsum gegen Freizeit tauschen würden, wären sie von den Folgen des Nachfrageausfalls unterschiedlich betroffen: In einigen Branchen wird die Nachfrage stärker zurückgehen, sodass Arbeitskräfte freigesetzt werden, in anderen schwächer; die zusätzliche Besteuerung von Luxus- und ressourcenintensiven Gütern wird diese Struktureffekte verstärken. Arbeitsmarkt- und verteilungspolitische Absicherungsmaßnahmen werden daher unverzichtbar sein. Noch viel mehr gilt das alles, wenn man über die nationalen Probleme hinaus an die internationale Beschäftigungs- und Verteilungsproblematik denkt.

Es erscheint eher unwahrscheinlich, dass Maßnahmen der hier skizzierten Art in absehbarer Zeit durchdacht, im Detail ausgearbeitet und (vor allem) politisch durchgesetzt werden können. Soziologen glauben sogar, dass das erst nach einer Sequenz von Krisen möglich sein wird. Soweit es die Ressourcenverknappung betrifft, erscheint eine solche Verzögerung weniger problematisch: Die Verknappung wird zwangsläufig zu Preissteigerungen der jeweiligen Ressource und damit zu autonom ablaufenden, wenn auch unangenehmen Anpassungsprozessen führen. Anders liegt der Fall bei Emissionen und Klimawandel: Eine existenzverträgliche Umweltqualität und gemäßigte mittlere Welttemperaturen sind öffentliche Güter, für die Marktautomatismen fehlen; zögerndes Abwarten würde unmittelbar in schwere Probleme führen. Wenn die Prognosen der Klimaforschung und der Pessimismus der Soziologie auch bloß annähernd richtig sind, wird ein potenzieller Kulturwandel vermutlich zu spät kommen. Parallel zu den eben erwähnten Anstrengungen zur Vermeidung des Schlimmsten und nach dem Prinzip „let’s hope the best and expect the worst“ wäre daher ein Plan B zu erwägen. Er müsste die schwersten Schäden der Klimaerwärmung auflisten und präventiv Abhilfemaßnahmen konzipieren – von Dammbauten über Umsiedlungen bis zu

gesundheits- und verteilungspolitischen Maßnahmen.(15) Gegen einen solchen Vorschlag kann eingewendet werden, dass er von einer echten Lösung der Probleme ablenkt. Doch könnte gerade eine ernste Diskussion über die konkrete Art, den Umfang und die Lokalisierung der gefährlichsten Schäden die Dramatik der Lage drastisch vor Augen führen; auch sei daran erinnert, dass die Politik allzu oft vor dem Nichts gestanden ist, wenn der einzige existierende Plan gescheitert war und ein Plan B fehlte. Die bisherigen Erfahrungen mit Kyoto, die übliche Wirkungsverzögerung wirtschaftspolitischer Maßnahmen und die herakleische Dimension eines Kulturwandels lassen erhebliche Zweifel aufkommen, dass das Wettrennen gegen die Klimaerwärmung mit den traditionellen Strategien noch gewonnen werden kann.

Soweit ein kurzer, leider eher pessimistischer Aufriss der Probleme, die im Folgenden breiter und kontrovers dargestellt werden. Wir hoffen, dass das Heft einen kleinen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leistet. Abschließend verbleibt mir, den Autorinnen und Autoren, den Gutachtern und vor allem meiner Mitherausgeberin herzlich zu danken; es war eine perfekteZusammenarbeit: Ich habe geleitet, sie hat gearbeitet, und die gar nicht seltenen Meinungsdifferenzen konnten immer irgendwie überwunden werden.

 

GUNTHER TICHY, Jg. 1937, Studium der Volkswirtschaftslehre und -politik und der Rechtswissenschaften in Wien und New York; Konsulent am Österr. Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Professor (in Ruhe) für Volkswirtschaftslehre und -politik an der Karl-Franzen-Universität Graz, bis 2005 Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; Schwerpunkte Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik.

 

 

 

Anmerkungen

1 Die islamische Welt oder China waren Europa jedenfalls bis in die Zeit der Renaissance wirtschaftlich und kulturell überlegen; danach beschleunigte sich das Wachstum in Europa, wogegen es sich in Asien verlangsamte. Die Gründe dafür sind heftig umstritten. Zurück zum Text

2 Auf die gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Modellen kann hier nicht eingegangen werden. Siehe dazu: G. Tichy (2003): Wirtschaftsverfassung als Wettbewerbsinstrument – Zum beginnenden Wirtschaftskrieg mit den USA. In R. Weinzierl (Hg.): Hegemonie des American Way of Life oder europäischer Weg? Wien (Löcker), S. 15–50 Zurück zum Text

3 Bei Nullwachstum gibt es keine Investitionen außer Ersatzinvestitionen, daher sind im Modell Zins, Gewinn und Akkumulation jeweils Null. Zurück zum Text

4 Verteilungsaspekte müssen vor allem deswegen ernst genommen werden, weil die Bevölkerung an der sozialen Gerechtigkeit der Marktwirtschaft zunehmend zweifelt: In Deutschland ist die Zahl der Respondenten, die die Marktwirtschaft (selbst die soziale) für ungerecht halten, seit 2000 (also noch vor der Krise) von 49 auf 34 Prozent gefallen, und Ähnliches wurde auch für die USA, für Großbritannien und die Emerging Economies gefunden; 2008 hielten nur noch 73 Prozent der Deutschen die Einkommensverteilung für gerecht. Vgl. F. Roth (2009): The effect of the financial crisis on systemic trust. In: Intereconomics 44(4), pp. 203–208 Zurück zum Text

5 Insofern wirkt Wachstum auch als ein Substitut für Gerechtigkeit (U. Simonis): Andere können wohlhabender werden, ohne dass man selbst etwas hergeben muss. Zurück zum Text

6 Ein schönes Beispiel dafür sind die Klimaanlagen von Pkws: Um den Kraftstoffverbrauch

zu senken, wurde versucht, den Luftwiderstand zu senken; dies geschah durch flachere Front-und Heckscheiben, die allerdings die Sonneneinstrahlung und damit die Aufheizung verstärkten. Dadurch wurden Klimaanlagen erforderlich, die allerdings viel mehr Energie benötigen, als durch den geringeren Luftwiderstand eingespart wird. Zurück zum Text

7 Derzeit verbraucht ein Viertel der Menschheit drei Viertel der Ressourcen. Zurück zum Text

8 Siehe etwa die unverbindlich-allgemeine Sorge um die Klimaerwärmung bei gleichzeitig nahezu irrationalem Widerstand gegen Energiesteuern, Road Pricing oder Parkgebühren („Autofahrer als Melkkuh der Nation“). Zurück zum Text

9 Siehe etwa die Angst der USA, dass China das Land im Niveau des (gesamten!) BIP überholen könne, obwohl das chinesische BIP pro Kopf noch sehr lange bloß einen Bruchteil des amerikanischen betragen wird. Zurück zum Text

10 Allerdings war Expansion im Sinn der Erweiterung des Staatsgebiets und Vergrößerung

der Zahl der Untertanen überall auf der Welt und immer ein zentrales Ziel der Herrschenden. Zurück zum Text

11 Das erinnert an die Konzeption von Marx, der die Entwicklung der Gesellschaft über die Diktatur des Proletariats zur klassenlosen Gesellschaft konzipierte, ohne zeigen zu können, mit welchen Instrumenten und auf welchem Weg das erfolgen sollte. Zurück zum Text

12 Der Fatalismus der Experten kommt darin zum Ausdruck, dass sie sich auf immer neue Analysen und Drohszenarien beschränken, statt effiziente Gegenstrategien zu entwickeln. Zurück zum Text

13 Ein berühmter Witz der 1970er- und 1980er-Jahre erklärte die Beliebtheit von Porsches mit dem einmaligen Gefühl, von unten auf andere herabsehen zu können. Diese Subtilität ist inzwischen verloren gegangen; der SUV-Fahrer von heute möchte von oben auf andere herabblicken und leidet darunter, dass die zunehmende Zahl von SUVs das zunehmend vereitelt. Zurück zum Text

14 Dabei kann es zwangsläufi g zu Mehrfachbesteuerung desselben Produkts kommen, etwa wenn ein Luxusgut zugleich auch ressourcenintensiv ist; das ist durchaus beabsichtigt, weil der Widerstand gegen mehrere niedrige Steuern geringer ist als gegen eine einzige hohe. Zurück zum Text

15 In den Niederlanden hat man längst begonnen, die Dämme an den prognostizierten höheren Meeresspiegel und die erwarteten stärkeren Sturmfluten anzupassen (DIE ZEIT 20.8.2009, S. 29); sehr viel ernster liegen die Probleme in Ländern mit kürzerem Planungshorizont und vor allem in solchen mit fi nanziellen Begrenzungen (siehe etwa Bangladesh). Zurück zum Text

 

Niko PAECH: Wachstum "light"? Qualitatives Wachstum ist eine Utopie

www.fwu.at/wu_print/2009_13_paech.htm

 

 

Manfred PRISCHING: Fetisch Wachstum. Über die politische Ausweglosigkeit der Steigerungsprogrammatik

www.fwu.at/wu_print/2009_13_prisching.htm

 

People (2)

 


 

 

 Es darf weiter gehungert werden


Von: Benny Haerlin


Gut dass man mal drüber geredet hat? Der Welternährungsgipfel der FAO wird in die Geschichte als ein Armutszeugnis internationaler Politik eingehen. Die Weltgemeinschaft der Potentaten und Staatschefs erwies sich einmal mehr als unfähig und unwillg, wirkliche Probleme gemeinsam anzugehen. Ein Vorgeschmack auf Kopenhagen? Die Schlusserklärung wurde bereits in der ersten Sitzung verabschiedet: Floskeln und Allgemeinplätze, Prinzipien und technische Details über die nach wie vor von Eifersucht und Streiterei geprägten internationalen Gremien, die die größte Menschenrechts-Verletzung aller Zeiten, den vermeidbaren Hunger eines Sechstels der Menschheit, weiter verwalten sollen. Zusätzliche Hilfsmittel wurden nicht zugesagt. Wie sich die einzelnen Staaten ihre bisherigen Zusagen zurecht rechnen und wieviel Geld tatsächlich auf dem Tisch liegt, ist selbst Eingeweihten ein Rätsel.

Doch die öffentlichen internationalen Mittel, die in die Bekämpfung des Hungers gesteckt werden sollen, sind ohnehin nicht der entscheidende Punkt. Solange Länder wie Indien (ca 270 Millionen Hungernde) ihre durchaus vorhandenen Mittel zur Bekämpfung des Hungers nicht einsetzen und dafür nicht von der Weltgemeinschaft kritisiert werden, so lange die First Ladies aus afrikanischen Ländern, in denen mehr als 20 Prozent der Bevölkerung hungern, nach Rom zum Shoppen [1] kommen und solange die Länder, die den Weltagrarhandel beherrschen, sich durch untere Chargen vertreten lassen, muss von einem globalen Konsens gesprochen werden, den Hunger zu akzeptieren. Erst wenn die städtische Bevölkerung wieder auf die Barrikaden geht, weil neue Preis-Sprünge auch für sie das täglich Brot unerschwinglich machen, werden, wie im vergangenen Jahr, Krisentreffen einberufen werden, die "das Schlimmste" verhindern sollen. Das Schlimmste aber ist nicht der Hungertod von Millionen, das Schlimmste ist die Destabilisierung von Regierungen, die in den vergangenen drei Tagen in Rom ihre Untätigkeit hinter mehr oder weniger wohlklingenden Phrasen zu verstecken suchten.

Bis dahin werden sich die FAO und die Weltbank weiter in den Haaren darüber haben, wer denn nun die eigentliche Hoheit über die Hungerprogramme haben soll. Derweil werden reiche Länder in armen Ländern Ackerland aufkaufen [2], um für die eigene Versorgung mit Lebensmitteln oder auch Agrarsprit vorzusorgen.  Für die Nichtregierungs-Organisationen am Katzentisch des Gipfels war dies eines der zentralen Themen [3]. Dem FAO-Direktor blieb nur, zu versprechen, "Verhaltensregeln" dafür aufzustellen und gleichzeitig derartige "private Investitionen" zu begrüßen.

Ihm stehen nach dem Gipfel nicht mehr Mittel zur Verfügung als zuvor. Dafür soll ein erweitertes Komitee für Ernährungssicherheit [4], erstmals auch unter Einschluss von Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft, über künftige Maßnahmen diskutieren. Über internationale Gelder und Investitionen wird auch in Zukunft anderswo entschieden. Beispielsweise hier:

10 Milliarden Dollar [5] investiert China in die landwirtschaftliche Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten allein in diesem Jahr. Damit könnte es mehr bewirken als alle Reden in Rom zusammen. "Wir können nicht zulassen, dass die Chinesen Afrika aufkaufen," sagte eine NGO-Vertreterin am Rande des Gipfels. Und mit dieser Meinung trifft sie möglicherweise auch die Stimmungslage vieler westlicher Staatschefs.

1,4 Milliarden [6] investierte die Bill & Melinda Gates Foundation unter der Führung eines ehemaligen Vize-Präsidenten von Monsanto in landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte und will damit v.a. eine "Grüne Revolution" in Afrika anstoßen.

20 Milliarden [7] soll die Weltbank in einem Treuhand-Fonds der Industriestaaten gegen den Hunger verwalten, ohne einen einzigen Betroffenen an der Aufstellung und Umsetzung der Vergabekriterien zu beteiligen.

Mehr zum Thema auf www.weltagrarbericht.de 

 

 

 

Gemeinsam! Eine reale Utopie. Wenningen 2025 | Eine reale Utopie ...

www.reale-utopie.de/

Matthias Grundmann. Wie begegnen wir Klimawandel, Umweltzerstörung, Radikalkapitalismus, zwischenmenschlicher Sprach- und Teilnahmslosigkeit, wie der ..

 

Das neue Buch von
Steffen Andreae und
Matthias Grundmann

Wie begegnen wir Klimawandel, Umweltzerstörung, Radikalkapitalismus, zwischenmenschlicher Sprach- und Teilnahmslosigkeit, wie der politischen Entmündigung? Wie wollen wir heute und in einer Zukunft verschwindender Ressourcen und zunehmender Kriegsgefahren leben und uns organisieren? Wenn alles zusammenbricht, muß dann Mensch gegen Mensch kämpfen; kann nur überleben, wer sich gegen andere durchsetzt? Brauchen wir gar eine ökologische Diktatur, um den Zusammenbruch ganzer Zivilisationen aufzuhalten? Oder vielleicht weitere „Krisenmanager“, die uns zu gerne die Entscheidungen abnehmen würden- zu unser aller Wohl, versteht sich… Kein Ausweg aus dem Karussell?

Oder könnte es auch anders gehen? Gemeinsam?  Solidarisch? Selbstorganisiert? Verantwortungsbewußt? Ohne Wachstum? Ohne Aufstiegskampf? Mit Tauschhandel, gemeinsamem Wirtschaften, politischer Partizipation?

In vielen Kommune- und Lebensprojekten ist das bereits Alltag. Aber läßt der sich auch auf größere Einheiten, etwa auf Dörfer und Städte übertragen? Ja! antworten die Autoren, die seit vielen Jahren in Kommunen leben und sich mit der Transition-Town-Bewegung beschäftigen. Das geht! Aber wie will man alle Bewohner, etwa einer Kleinstadt, dazu bringen, solidarisch zu handeln, soll man sie zu ihrem Glück zwingen?
Die Autoren ersinnen in Wenningen 2025 ein Modellprojekt, bei dem jeder Bürger Anspruch auf ein bedingungsloses Grundeinkommen hat, sodaß es ihm freigestellt ist, weiterhin seiner bisherigen Arbeit nachzugehen, sich eine andere zu suchen, etwas für die Gemeinde oder auch- gar nichts zu tun. In vielen Kommuneprojekten gibt es Menschen, die traditionell Geld verdienen und andere, die kein „reales“ Einkommen haben und keine feste Anstellung, sondern sich stattdessen der Kunst widmen oder das Brot für die Kommune backen, das Kräuterbeet betreuen, die Gemeinschaftsräume renovieren oder Kunststücke, wie Jonglage, vorführen. Daß jemand „gar nichts“ tut, kommt sehr selten vor; aber dann ist dieser Mensch vielleicht sozial besonders sensibel und für die anderen wichtig, wenn sie sich mitteilen wollen oder Rat suchen, zum Beispiel bei Konflikten. Die Erkenntnis, daß niemand unnütz ist, kann vielleicht erst dann entstehen, wenn der Mensch nicht länger als ökonomischer Faktor und bloßer Erfolgsproduzent betrachtet wird, sondern als Teil einer lebendigen Gemeinschaft. Ein Grundeinkommen, davon sind die Autoren überzeugt, kann Entwicklungen anstoßen, die der Gemeinschaft viel geben, ohne dem Einzelnen etwas zu nehmen. Der Mensch soll befähigt werden, sich zu entwickeln, sich einzubringen und zu beteiligen.

In der konkreten Utopie Wenningen 2025 gibt es ein bedingungsloses Grundeinkommen. Nach und nach entwickeln sich neue zwischenmenschliche Bindungen und Kooperationen, gemeinsames Handeln wird Teil des Alltags, ob in der Handwerkernachbarschaft oder bei Projekten, es entstehen Tauschbörsen und selbstverwaltete Kleinbetriebe, die Menschen verbrauchen weniger und andere Güter, die Hierarchien zwischen „einfachen Bürgern“ und Staatsbediensteten beginnen, sich aufzulösen, soziale Grenzen werden überschritten, Alt und Jung kommen in „3-Generationen-Gesprächen“ zusammen, selbstverwaltete Kulturkneipen von Kommunarden werden zu Begegnungsstätten aller Wenninger Bürger und allmählich weckt die Gemeinde, die sich so „seltsam anders“ verhält, das Interesse der Menschen aus den umliegenden Gemeinden…

Auf 160 Seiten folgt der Leser dem Widerstand gegen einen energiehungrigen und menschenverachtenden Kapitalismus und dem allmählichen Aufbau einer alternativen Gemeinschaftsform aus dem Blickwinkel verschiedener Wenninger Bürger. Und vielleicht setzt der eine oder andere manch eine Idee aus dem Buch ja auch direkt bei sich zuhause, in seinem Dorf, seinem Stadtteil oder seinem Freundeskreis um!

Veröffentlicht unter Allgemein
 Mehr Lesestoff in meiner Bibliothek.

 

Er hatte sich schon vor Jahrzehnten die Frage gestellt, wie es kommt, daß die Menschen im Zuge kapitalistischen Wirtschaftens & globaler politischer Steuerung ihr Privatleben & ihre nähere Umgebung so schnell aus den Augen verlieren, wenn ihnen nur genügend Konsum- und Ablenkungsmöglichkeiten geboten wurden. Besonders verwunderlich war für ihn, daß sich die Menschen nicht gegen die Zwänge einer technisierten & hoch formalisierten, konsumorientierten Welt zur Wehr setzten, denn vor ihnen lag ein Leben, daß sich vor allem in Anpassung & Nachahmung äußerte. Die Menschen wurden auf diese Weise unmerklich voneinander isoliert - und in dem Glauben gelassen, ihre Lebensstile & Konsumgewohnheiten miteinander zu teilen. Auf diese Weise funktionierten Individuen wunderbar als kleine Rädchen im Getriebe gesellschaftlicher Organisationen & Institutionen, dachte er damals desöfteren. Das galt selbst für jene, die sich als Herrn der Verhältnisse, als politische, ökonomische oder religiöse Führer sahen, denn letztlich waren sie auch nur mehr oder weniger glücklose Sklaven jener abstrakten & formalisierten Lebensverhältnisse, die sie sich in den letzten Jahrhunderten geschaffen hatten. Ihm war allerdings klar, daß er als Wissenschaftler selbst Teil dieses Spektakels war & in genau jenen formalisierten Verhältnissen lebte, die eine Weiterentwicklung im Sinne eines Überschreitens kaum ermöglichte.

Doch selbst in den Momenten, wo ihm diese Ohnmacht klar vor Augen lag, zeigte ihm die reale Entwicklung in Ökodörfern & Ökolandkommunen bei - zugegeben - wesentlich veränderten Grundbedingungen, daß ein Leben in verantwortlicher Selbstwirksamkeit denkbar ist & damit möglich.

Zitat: Aus dem Buch - GEMEINSAM! - Eine reale Utopie - Wenningen 2025 von Steffen Andreae & Matthias Grundmann.

 

 
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«More than Honey» — wenn das Bienensummen verstummt

 

Von: Melanie Küng

 

(©Austrianfilm)

(©Austrianfilm)

«Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen aus.» Dieser schöne und vielleicht wahre Satz stammt nachweislich nicht von Albert Einstein, obwohl er ihm immer wieder zugeschrieben wird. In der Tat: Die Honigbiene macht längst nicht nur Honig, als Bestäuber von unzähligen Nutzpflanzen gilt sie volkswirtschaftlich gesehen nach Rind und Schwein als drittwichtigstes Nutztier. Und sie verliert langsam ihre Kräfte. Der neue Dokumentarfilm «More than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof zeigt, wie Bienen einen unentbehrlichen Beitrag an unsere Ernährungskette leisten, erzählt von ihrem Schicksal als Laufbandarbeiter für die industrielle Landwirtschaft und geht dem Mysterium des weltweiten Bienensterbens (Colony Collapse Disorder) auf den Grund. Der Film ist nicht nur eine Reise zu den Bienen dieser Welt, sondern auch in die Welt der emsigen Alleskönner selbst. Eindrückliche Makroaufnahmen zeigen die Tierchen beim Pollen abstreichen, beim Wabenbau und beim Fliegen und gewähren Einblicke in die Geburt einer Königin.

 

Mit «More than Honey» hat sich Markus Imhoof erneut einem Thema mit grosser gesellschaftlicher Relevanz gewidmet. Seine frühen Dokumentarfilme über das Wohl der Pferde im Militär und über den Gefängnisalltag wurden vor ein paar Jahrzehnten noch verboten. Einen Namen gemacht hat sich der Regisseur insbesondere mit dem Film «Das Boot ist voll» von 1981, einer Geschichte von Flüchtlingen des Zweiten Weltkriegs. Die Hauptdarsteller von «More than Honey», die Bienen, begleiten Imhoof schon ein Leben lang. Als Enkel eines Imkers hat er bereits als Kind gelernt, dass es einen Drittel von dem, was die Menschen essen, ohne Bienen nicht gäbe.  An den eifrigen Alleskönnern fasziniert ihn vor allem deren Schwarmintelligenz: Reduktion von Individualität zugunsten des Ganzen. Forscher wie Professor Menzel, ein Bienenhirnforscher, sowie Imhoofs Tochter und Schwiegersohn, die auf einer unbewohnten Insel Australiens das Immunsystem der Bienen erforschen und auf einen Ausweg hoffen, kommen zu Wort. Lassen sich Bienen womöglich nicht so einfach vom Menschen manipulieren und zu willkürlichen Arbeitsvölkern zusammenwürfeln? Welchen Einfluss haben Pestizide auf den Orientierungssinn der Bienen? Wir lernen einen Bergimker kennen, der seine Bienen von den industriellen Grossimkern fern zu halten versucht und trotzdem zu den Leidtragenden des Bienensterbens gehört. Seine rassenreinen Bienen scheinen der Inzucht zum Opfer zu fallen.

Markus Imhoof mit seinen Hauptdarstellern (©Austrianfilm)

 

Egal auf welchen Kontinenten, den Bienen scheint es immer weniger zu gefallen in unserer Welt. Imhoof sucht aber nicht nach einem einzelnen Sündenbock. Wenn heute in Nordamerika, China und Europa den Honigbienen Medikamente verabreicht werden, dann stehen dahinter auch Existenzängste der Imker. «Die Bienen sterben nicht einfach an Pestiziden oder Milben oder Antibiotika oder Inzucht oder Stress: Es ist die Summe von allem. Die Bienen sterben am Erfolg der Zivilisation», sagt Imhoof. Am Beispiel der Bienen lässt sich vieles sagen über die Auswirkungen der industriellen Nahrungsmittelproduktion, der Globalisierung und unseren Umgang mit der Natur und anderen Lebewesen. Auf die Frage, ob es Schwarmintelligenz auch bei Nichtinsekten gibt, antwortet Imhoof: «Zu hoffen wäre beim Menschen...»

 

 

MORE THAN HONEY: Markus Imhoof. Frenetic Films Zürich, 2012. 94 Min.

Kinostart Schweiz: 25. Oktober 2012 (Deutschland: 8. November / Österreich: 12. November)

Verleih Schweiz: Frenetic Films

 

Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=Gw8dweb1_NQ

 

 

 
 10 Gebote, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten
Von Evo Morales Ayma, Präsident der Republik Bolivien

1. Mit dem Kapitalismus aufhören
Um den Planeten, das Leben und die menschliche Spezies zu erhalten, müssen wir mit dem Kapitalismus aufhören. Es ist Zeit, die finanziellen Schulden des Südens gegen die ökologischen Schulden des Nordens aufzurechnen.

2. Auf Kriege verzichten
Nichts und niemand kann sich aus einem Krieg ausschließen. Die Kriege sind die größte Verschwendung und Plünderung von Leben und der natürlichen Ressourcen. Wir, die indigenen Völker des Planeten, müssen der Welt sagen, dass wir glauben, dass die Millionen und Millionen von Dollar, die heute in die Industrie des Todes inves­tiert werden, in einen großen gemeinsamen Fonds gehen sollten, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten.

3. Eine Welt ohne Imperialismus und Kolonialismus
Das kapitalistische System trägt in seinen Eingeweiden den Imperialismus und den Kolonialismus. Den anderen zu beherrschen, den anderen zu unterwerfen, den anderen zu kontrollieren und den anderen unterzuordnen sind die Formen des „Lebens“ dieses Modells der „Entwicklung“, die auf der Konkurrenz basiert und nicht auf der Ergänzung/Vollständigkeit.

4. Das Wasser als Recht aller Lebewesen
Ohne Wasser gibt es kein Leben. Der Grundwasservorrat geht weltweit zurück. Um uns mit dieser Weltkrise des Wassers auseinanderzusetzen, müssen wir damit anfangen, den Zugang zu Wasser als Menschenrecht zu erklären und folglich als eine öffentliche Dienstleistung, die nicht privatisiert werden kann. Wenn das Wasser privatisiert und vermarktet wird, können wir kein Wasser für alle garantieren. Es ist fundamental, den Zugang zu Wasser zum Menschenrecht zu erklären.

5. Saubere und umweltfreundliche Energiearten
Einige Daten ermöglichen uns zu verstehen, was in der Welt im Hinblick auf die Anwendung von Energie und ihre Beziehung zur Natur vor sich geht. Die Entwicklung sauberer und umweltfreundlicher Energien ist eine weitere grundlegende Aufgabe zur Rettung des Planeten, der Menschheit und des Lebens.

6. Achtung vor der Mutter Erde
Der Schändung unserer Mutter Erde und aller ihrer Lebewesen werden wir mit der Kraft der Erkenntnis und der Liebe zur Schöpfung entgegenwirken. Die Erde kann nicht nur als eine natürliche Ressource angesehen werden. Wir respektieren die Natur, ehren unsere Mutter Erde und erkennen die Naturgesetze als höchstes Gesetz an.

7. Die Grunddienstleistungen als Menschenrecht
Der Zugang zu Wasser, Energie, Bildung, Kommunikation, Gesundheit und Transport ist ein Grundrecht, das jeder Staat seiner Bevölkerung als grundlegendes Menschenrecht garantieren muss. Diese Dienstleistungen können nicht zu privaten Geschäften gemacht werden. Sie müssen zur Grundlage der öffentlichen Dienste werden.

8. Verbrauchen, was notwendig ist, und Konsum des lokal Produzierten
Wir müssen Schluss machen mit dem Konsumismus, der Verschwendung und dem Luxus. Im ärmeren Teil des Planeten verhungern jedes Jahr Millionen Menschen; gleichzeitig werden im reicheren Teil des Planeten Millionen Dollar ausgegeben, um die Fettleibigkeit zu bekämpfen. Wir verbrauchen im Exzess, wir vergeuden Naturressourcen und produzieren Müll, der die Mutter Erde vergiftet. Verbrauchen, was notwendig ist, und dem Verbrauch dessen, was wir lokal produzieren, den Vorrang geben, das ist von erstrangiger Bedeutung, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten.
9. Respekt vor kultureller und wirtschaftlicher Vielfalt
Der Kapitalismus reduziert die Menschen auf ein Leben als Konsumenten. Wir – die indigenen Völker dieses Planeten – glauben nicht an Einheitslösungen für alle. Menschen sind verschieden. Wir leben in Gemeinschaften mit Identitäten, mit eigenen Kulturen. Eine Kultur zu zerstören, die Identität eines Volkes anzugreifen – das ist der größte Schaden, den man der Menschheit zufügen kann.

10. „Vivir Bien“ – das gute Leben
Wir – die indigenen Völker dieses Planeten – wollen einen Beitrag leisten für eine gerechte, vielfältige und ausgeglichene Welt, die einschließt und nicht ausgrenzt. Wir sagen „Vivir Bien“ – das gute Leben.

Ich denke, dass wir Menschen unsere Wurzeln wiederentdecken können – und sollten. Ich glaube daran, dass die Menschheit eine gerechtere Welt aufbauen kann. Eine vielfältige Welt, eine Welt, die integriert und ausgeglichen ist, eine Welt im Einklang mit der Natur, mit der Mutter Erde.

Boliviens Initiative für einen internationalen Tag der Mutter Erde

Vorschlag zur Ausrufung des „Internationalen Tags der Mutter Erde“ durch die Regierung Boliviens auf der UN-Generalversammlung 2009:

Die Regierung Boliviens schlägt der Generalversammlung der Vereinten Nationen vor, die Resolution zur Ausrufung des Internationalen Tags der Mutter Erde, der an jedem 22. April gefeiert werden soll, anzunehmen.
Diese Initiative beabsichtigt besonders:
– Ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass alle Menschen ein Recht auf gesundes Leben in Harmonie mit der Natur haben, so wie es die Deklaration von Rio 1992 über Umwelt und Entwicklung bestimmt.
– Das Bewusstsein für die große Bedeutung des Schutzes unseres Planeten, der das Zuhause aller Lebewesen und die Quelle allen Lebens selbst ist.
– Über die Zusammenhänge, die zwischen den Menschen, anderen Lebewesen und unserem Planeten bestehen, zu reflektieren. Dies sollte aus dem Verständnis heraus geschehen, dass sowohl die Menschen als auch die Umwelt Teil desselben Systems sind.
– Warum der 22. April? Gegenwärtig gibt es bei den Vereinten Nationen keinen Tag der Mutter Erde. Es gibt einen Internationalen Tag der Umwelt, der sich auf den Schutz der natürlichen Ressourcen bezieht, doch gibt es bisher noch keine Gelegenheit, zu der die Erde als Ganzes und wir Menschen als Teil derselben geehrt werden. Viele Länder auf der Erde haben bereits seit 1970 den 22. April als Tag der Erde gefeiert. Der „Internationale Tag der Mutter Erde“ beabsichtigt keineswegs, diesen Tag zu ersetzen. Vielmehr soll dieser Tag gestärkt auf Grundlage der gegenwärtigen Realität reinterpretiert werden.
Der Internationale Tag der Mutter Erde fördert eine Vision von der Erde als eine Einheit, die alle Lebewesen, die in unserer Natur existieren, am Leben erhält. In diesen Zeiten des wachsenden Interesses an der Umwelt, akzentuiert diese Vision die Idee eines Lebens im Gleichgewicht und in Harmonie mit der Natur, die unser aller Zuhause ist. ♠
Internet
Auf den Seiten der Lateinamerika-Nachrichten finden sich mehrere lesenswerte Interviews über die neue Verfassung Boliviens, so etwa mit dem Schriftsteller Ramón Rocha Monroy, mit der indigenen Präsidentin der verfassungsgebenden Versammlung Sylvia Lazarte, aber auch mit dem radikalen Indigéna-Aktivisten Felipe Quispe Huanca, einem wichtigen Kritiker von Evo Morales: www.lateinamerikanachrichten.de
Noch mehr Informationen zur Entwicklung in Bolivien und ganz Lateinamerika gibt es zum Beispiel bei der Informationsstelle Leiteinamerika (www.ila-bonn.de/lateinamerika/home.htm) bei www.bolivialine.de oder beim „Nachrichtenpool Lateinamerika“ (www.npla.de)

 

Ihr werdet euch noch wünschen wir wären politikverdrossen !!!

 istungen in hochspezialisierten  Arbeitsprozessen, in denen sie weder Sinn noch Bedeutung finden können, deren letzter und einziger Sinn  darin besteht, dass man dafür Geld bekommt, denn die Verfügung über Geld ist nun einmal die einzige Weise,  sich am Leben zu erhalten in einer Gesellschaft, in der alles bewirtschaftet und alles zur Ware geworden  ist. Hauptresultat aller modernen, industriellen Gesellschaften ist die „Abwertung der individuell- persönlichen Fähigkeit, etwas zu tun oder zu schaffen, die der Preis jedes zusätzlichen Quantums an  Warenüberfluss ist", schreibt Ivan Illich. Also je mehr Substitute für eigenes Tun industriell erzeugt  werden, desto hilfloser und abhängiger werden die Menschen, während sie jedoch glauben, durch die Ersparnis  von Mühsal immer unabhängiger und freier zu werden.

 

 

 

 

Laszlo, E. - Die besten Gedanken der Welt

www.die-besten-gedanken.de › Welt-Anschauungen
Der Brief des Präsidenten des "Club of Budapest", Ervin Laszlo, ... Der Text des Briefes von Ervin Laszlo "An die Jugend der Welt". Ihr, die jungen Menschen von ...
 
 
 
 
 
Permakultur

 Permakultur ist ökologische Lebensraum Gestaltung im weitesten Sinne von der Auswahl der permakulturellen Prinzipien als Planungsgrundlage für die gestalterische Beschäftigung im Garten und in der Architektur bis zum Aufbau von dauerhaften menschlichen Gemeinschaften. Das grundlegendsten Prinzip von Permakultur ist nützlicher Verbindungen zwischen verschiedenen Elementen eines Systems herzustellen, damit möglichst viele Bedürfnisse aus dem System selbst heraus gedeckt werden können. Nur so können viele seiner Produkte möglichst direkt genutzt werden. Jedes Element unterstützt produktiv mehrere andere. Neben der weitgehenden Selbstversorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln ist ein weiteres Ziel auch die sparsame, effektive Nutzung der immer knapper werdenden Ressourcen. Dies alles wiederum sind Teilbereiche geschlossener, autonomer Systeme, die auch die Erhaltung und Förderung der Fruchtbarkeit, die Vernetzung aller Lebenszusammenhänge und ein harmonisches Leben mit Lebensinhalt (Kultur!) Miteinbeziehen. Das Ziel ist die Schaffung und Erhaltung von ausgeglichenen, gesunden, sich im Gleichgewicht haltenden Ökosysteme (auch im Selbstversorger Garten, im ökologischen Landbau usw.).


Entscheidend ist auch, dass nicht die Maximierung eines Teilbereiches angestrebt wird, sondern die Optimierung des Gesamtsystems. Letztendlich erhöht sich die Stabilität des ganzen Systems dadurch, dass jede Funktion von mehreren Elementen abgedeckt wird.


In einem natürlichen Wald gibt es hohe Baumkronen darunter die Ebenen der kleineren Bäumen große Büsche, kleine Büsche, Kraut- und Bodenschicht, plus jene Pflanzen, deren Hauptteil unter der Erde liegt, sowie Kletterpflanzen die allen Ebenen bewohnen. Die Produktion an Pflanzenmaterial ist irrsinnig verglichen mit beispielsweise einem Weizenfeld das nur aus einer einzigen Schicht besteht. Wäre der Wald nur vollkommen aus essbaren Pflanzen aufgebaut welch einen Reichtum würde er hervorbringen, um wie viel größer wäre der Ertrag gegenüber dem Weizenfeld! Um diese großartige Produktion an Biomasse zu erreichen, benötigt der Wald keine andere Energie als Sonne, Regen und den Fels aus dem er seine Erde macht.


Normale Landwirtschaft braucht regelmäßiges Pflügen, kultivieren, aussäen, Düngen, Wildkraut regulieren und Krankheitsschutz. All dies verbraucht Energie, menschlich oder fossil. Könnten wir ein System wie den Wald schaffen, nur essbar, kämen wir ohne so viel Erdöl aus. Es ist der Gedanke, der hinter der Permakultur steckt: essbare Ökosysteme zu schaffen.


Der Wald ist produktiv und selbständig durch die Anzahl nützlicher Verbindungen der Arten untereinander. Kooperation kann nur durch sorgfältige Planung erreicht werden. Nützliche Verbindungen kann man nur schaffen indem man die Elemente in der richtigen Anordnung zueinander platziert. Das Ziel ist anstelle menschlicher Muskelkraft oder Energie aus fossilen Brennstoffen und der damit verbundenen Umweltverschmutzung, die Kraft des menschlichen Geistes im Entwurf zu nutzen. Permakultur ist ein Prozess das Ganze zu betrachten, die Verbindungen unter den Elementen zu sehen und zu entwickeln, wie diese Verbindungen verändert werden könnten, damit alles harmonisch zusammenarbeitet. Das kann auch bedeuten, neue Elemente oder Methoden einzuführen, besonders auf noch unterentwickelten Plätzen. Aber diese Veränderungen sind zweitrangig im Prozess die Landschaft als Ganzes zu betrachten. Permakultur wird heute als permanente Kultur verstanden und beinhaltet Architektur, Stadtplanung, Wasserversorgung, Abwasserreinigung und sogar Handels- und Finanzsysteme. Sie wird mit dem Entwurf dauerhafter menschlicher Lebensräume beschrieben.


Im Herzen von Permakultur ist ein Ethikverständnis: Sorge um die Erde, Sorge um den Menschen, gerechtes teilen.


Jede Entwicklung, im Norden wie im Süden, zielt darauf ab, die Verwicklung der Menschen in die Geldwirtschaft zu erhöhen und die lokale Produktion für den lokalen Bedarf durch Handel über große Entfernungen zu ersetzen. Hier im Norden wird dieser Vorgang "Wirtschaftswachstum" genannt. Es trennt uns zunehmend von den Ressourcen von denen unser Überleben abhängt. Nur indem wir die Verbindung zu unserem lokalen Ressourcen wiederherstellen, können wir zu einer nachhaltig orientierten Gesellschaft finden.


Prinzipien der Permakultur

Das Futter kommt in die direkte Nähe Ihrer Erzeuger. Mehrjährige Pflanzen nutzen. In der Nähe des Hühnerauslaufs ist ein Weizenfeld. Der "Hühner Traktor" ist eine Vorrichtung, mit dem die Hühner den Boden von Wildkräutern und Schädlingen befreien. Jeder Teilbereich soll durch mehrere Funktionen abgedeckt werden. Die Nistbox der Hühner könnte ein Gewächshaus aufwärmen. Jede Pflanze, jedes Tier und jedes andere Element soll mehrere Funktionen erfüllen. Ein Wasserfass sammelt das Regenwasser vom Dach als Trinkwasser für die Hühner.


Aus diesen zwei Methoden der Hühnerhaltung erhalten wir eine allgemein gültige Erkenntnis: Arbeit = jedes Bedürfnis, das nicht vom System gestellt wird und Abfall = jede Ressource, die vom System nicht genutzt wird.

In der Legebatterie sind die von den Vögeln erzeugte Wärme, das CO2 und der Mist Abfallprodukte, während sie im Permakultur-System nützliche Ressourcen darstellen. Obwohl ein System beim Aufbau Energie benötigen mag sollte es, sobald es läuft, keine regelmäßige Energiezufuhr von außerhalb des Systems mehr brauchen. Ja, es sollte sogar mehr Energie produzieren als es verbraucht. Streng genommen ist es unmöglich, Energie zu erzeugen. Wir können sie nur von einer Form in eine andere umwandeln. Aber die Sonnenenergie steht uns unbegrenzt zur Verfügung. Etwas davon in eine nutzbare Form umzuwandeln ist ein tatsächlicher Gewinn, wohingegen fossile Brennstoffe zu verbrauchen ein Verlust ist. Regen, Wind und die Energie, die in allem Lebendigen steckt, kommen alle gleichermaßen von der Sonne. Das Permakultur-System beinhaltet den Gedanken, die Tiere alles tun zu lassen, was sie auch natürlicherweise tun würden.


Die bei weitem kosteneffektivste "Energiequelle" ist aber das Energiesparen. Den Verbrauch mit allen Mitteln zu senken also zum Beispiel Energiesparlampen und andere Sparvorrichtungen einzubauen zahlt sich in jedem Fall besser aus und ist weniger umweltbelastend als Strom zu produzieren. Blockheizkraftwerke funktioniert durch die geschickte Anordnung von Häusern und Kraftwerk zueinander. Sie erzeugen neben dem Strom Hitze, die das Wohngebiet durch Warmwasserbereitung wärmen kann.


Städte und Gemeinden haben solche Alternativen gegenüber leider meist eine gleichgültige bis ablehnende Haltung. Die Antwort ist, dass sich Menschen lokal zusammenfinden und eigene Organisationen aufbauen müssen, um etwas zu erreichen. Das vielleicht wertvollste Prinzip im Entwurf von Permakultur Gärten ist das der Zonierung. Es besagt, dass die Elemente, die die meiste Aufmerksamkeit erfordern, am nächsten zum Zentrum der menschlichen Aktivitäten platziert werden sollen.

"Der beste Dünger ist der Schatten des Gärtners." Gemüse wächst besser, wo sie es jeden Tag sehen und ihnen die Aufmerksamkeit geben, die es braucht, wenn es sie auch nähren soll. Das Gemüse sollte nahe beim Haus sein, nicht versteckt hinter einer Hecke. Außerdem werden Sie mehr von dem Essen, was sie anbauen, wenn sie jeden Tag leicht überprüfen können, was reif ist. Zu diesem Prinzip gehört die Sektierung. Dabei geht es darum, Teile so zu platzieren, dass sie Einflüssen, die von außerhalb des Gartenzauns kommen entsprechen. Das sind zum einen klimatischen Faktoren wie Sonneneinfall, Wind und Frost. Zum anderen sind es eher Menschen orientierte Einflüsse wie beispielsweise eine schöne Aussicht oder die Zu- bzw. Abneigung zu bestimmten Nachbarn, zu denen Grundstücksgrenzen entsprechend pflanzt oder sonst wie gestaltet werden.

Der Gärtner sollte einen Jahr den Garten beobachten bevor er Bäume pflanzt. Lieber mit einem kleinen Stück Gemüsebeet anfangen (3 × 3 m) und dies intensiv benutzen. Die restliche Fläche kann benutzt werden um z.B. mit Bienenfeund den Boden zu verbessern und für Mulchmaterial. Im nächsten Jahr kann der Platz vergrößert werden. Schlüsselloch Beete sind von einem weg ausgehend so bepflanzt dass die täglich zu besuchenden Pflanzen ganz nah am Weg sind danach die selten besuchten Pflanzen wie Bohnen und Wurzeln und am Schluss die einmal im Jahr besuchten Pflanzen wie Kürbis.


Jeder Steilhang sollte bewaldet sein, um ihn vor Errosion zu schützen. Bodenerrosion ist nicht -wie oft angenommen- ein Problem kritischer Regionen. Anzeichen davon finden sich auf unbewaldeten Hängen in den steileren Teilen auch in unseren Breiten. Tiefer gelegene Wiesen sind durch Hochwasser gefährdet, diese Stücke sind besser für Weiden geeignet als für den Ackerbau, bei dem Überschwemmungen verheerende Folgen haben können. Gebäude werden an leichte Hänge gebaut, vorzugsweise an Südhängen. Hier sind Sie oberhalb der Höhe wo sich kalte Luft über Nacht zu so genannten Kälteseen sammelt und unterhalb der exponierten Hügelspritzen.


Wie man Eichel-Brot macht


Sammeln Sie die Eicheln und trocknen Sie sie. Schälen und malen Sie sie (eine Kaffeemühle oder ein Mixer reichen aus). Geben Sie das Mehl in einem Stoffbeutel und gießen Sie kochendes Wasser darüber, um das Tannin zu entfernen. Mischen Sie die so entstandene Paste zur Hälfte mit Mehl und benutzen Sie das Gemisch anstelle von reinem Mehl für Brot, Kekse, und so weiter. Das Brot wird dadurch reich, schwer und von köstlich nussigem Geschmack.


Ein Wasserkörper kann in Form von Fischen zehnmal mehr Eiweiß hervorbringen als es eine Weide mit Rindvieh oder Schafen kann. Die Produktivität kann noch gesteigert werden indem dem Wasser Mist zugeführt wird der die Mikrolebewesen ernährt, die dann wiederum von den Fischen gefressen werden. Die beste Methode dafür ist beispielsweise Schweine oder Hühnerställe über den Teich zu bauen so dass die Ausscheidungen der Tiere einfach in das Wasser fallen. Diese Fütterungs Methode wird bereits in vielen tropischen Ländern praktiziert. Es ist eigentlich das gleiche wie ein Feld zu düngen, nur das es weniger Arbeit macht.


Ein "Hydraulischer Widder"


Eine Gemeinschaft könnte eine städtische Nachbarschaft oder ein ländliches Dorf sein. Sie muss nur klein genug sein, dass die Menschen sich untereinander kennen und persönlich miteinander sprechen können. Soziale und emotionale Beziehungen sind genauso wichtig wie wirtschaftliche. Jede von ihnen beeinflusst die anderen und wir können keinen Fortschritt in Richtung einer ökologischen Lebensweise schaffen, ohne an allen drei gemeinsam zu arbeiten. Miteinander offen und ohne Furcht kommunizieren zu lernen ist elementar für das Entstehen wahrer Gemeinschaft, und wahre Gemeinschaften sind die wesentlichen Bausteine einer nachhaltigeren Welt.

 

 Permakultur - was ist das?


Der Begriff “Permakultur” wurde in den 70er Jahren von den Australiern Bill Mollison und David Holmgren geprägt, für etwas, das sie als “dauerhafte Landwirtschaft” bezeichneten, als “permanent agriculture”. Sie hatten Planungsgrundsätze entwickelt, um Systeme zu erschaffen, die ebenso stabil, komplex und produktiv wie natürliche Ökosysteme sein würden, aber gleichzeitig vor allem aus Pflanzen und Tieren bestünden, die dem Menschen und sich selbst in KOOPERATION nützen: Essbare Landschaften, die den Mustern und Prinzipien der Natur entsprechen und gleichzeitig einen Überfluss an Lebensmitteln, Biomasse und Energie liefern könnten. Auch die vor Ort lebenden Menschen und die Art und Weise, in der ihr soziales Leben organisiert ist, wurden immer stärker in die Planung einbezogen. Damit reifte das Konzept mit den Jahren zur Vision einer dauerhaften nachhaltigen Kultur, einer “permanent culture” .

Bill Mollison wurde für das Permakulturkonzept 1981 der Alternative Nobelpreis verliehen.

weitere erläuterungen hier:
http://waldrandgarten.de/index.php?article_id=29
hier:
http://waldrandgarten.de/index.php?article_id=23
und hier:
http://waldrandgarten.de/index.php?article_id=24

 

 Dr. Norman W. Walker ist nicht allein durch sein erreichtes Alter von 116 Jahren eine herausragende Erscheinung der Rohkostszene.
Er fand durch eine schwere Erkrankung in seiner Jugend, bei der ihm von Ärzten nicht geholfen werden konnte, zum ErnährungsThema. Schon um die Jahrhundertwende machte er in London erste Versuche. 1910 gründetet er in New York das Norwalk- Laboratorium für Ernährung und Forschung, das er Jahrzehnte leitete und hat damit wichtige Erkenntnisse für ein längeres, gesünderes Leben gewonnen und publiziert.
In den 30er- Jahren wurde er in Amerika durch seine Schriften und Erfolge über und durch Obst- und GemüseSäfte bekannt.
Man kann Dr. Walker als wohl erfahrendsten und produktivsten Ernährungswissenschafter, mit einer Unzahl an veröffentlichten Artikeln und Büchern, bezeichnen. Sein letztes Buch verfasste er noch mit 113 Jahren.
Einige seiner noch erhältlichen Bücher:
Auch Sie können wieder jünger werden
Wasser kann Ihre Gesundheit zerstören
Frische Gemüse- und Fruchtsäfte
Täglich frische Salate erhalten Ihre Gesundheit
Einiges Interessante aus seinen Büchern:
' Die Natur hat den Menschen mit allem ausgestattet, seinen Körper von der Geburt bis ins hohe Alter gesund zu erhalten, was Freude, Energie, Kraft und Vitalität und ein glückliches, langes Leben einschließt. Hierfür ist nur wenig erforderlich. Das wichtigste sind natürliche Nahrungsmittel.'

'Das Geheimnis eines erfüllten Lebens liegt in richtiger Ernährung, verbunden mit ausreichender Ruhe und Beherrschung der Gefühle. Das ist wirklich kein Geheimnis!'


'Gesunder Boden = gesunde Nahrung = gesunder Körper'


'Enzyme sind empfindlich gegen hohe Temperaturen. Werden sie einer Temperatur von über +55° Celsius ausgesetzt, sterben sie.
Tote Materie kann aber nicht die Aufgabe von lebendigen Organismen erfüllen, infolgedessen verliert Nahrung, die Temperaturen über 55° ausgesetzt wird, ihren Nährwert. Solche Nahrung kann zwar das Leben im menschlichen Körper erhalten, und sie tut es auch, aber dies geschieht auf Kosten eines zunehmenden Abbaus der Gesundheit, der Energie und der Vitalität.
Dieser Zustand wird anschaulich, wenn der Bauer sein Kalb mit pasteurisierter Milch füttert... Kälber, die mit pasteurisierter Milch gefüttert werden, sterben innerhalb von sechs Monaten!'


'Sobald der Körper gründlich gereinigt und an eine solche Ernährung (Rohkost) über Monate oder Jahre hinweg gewöhnt wurde, kennt der Mensch nach meiner Erfahrung keine Müdigkeit mehr; er verfügt über einen schier unerschöpflichen Vorrat an Energie, Kraft und Vitalität und ebenso über ein erstaunliches Maß an Stärke und Ausdauer. Ich spreche aus eigener Erfahrung, denn ...'


'Ungeachtet aller entgegengesetzten Behauptungen gibt es schlüssige Beweise Tausender von Menschen, die ihre Ernährung umgestellt haben, also alle gekochten, stärkehaltigen Nahrungsmittel und Produkte drastisch reduziert oder ganz darauf verzichtet haben, und dadurch ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden wesentlich verbessert haben.'


'Rohe Kuhmilch ist schon schlimm genug. Milch zu pasteurisieren und sie Kindern und Kranken zu verordnen, ist jedoch meiner Meinung und Erfahrung nach eine unglaubliche Dummheit.'


'Erwachsene, die an Asthma, Heuschnupfen und anderen Verschleimungszuständen leiden, sprechen sofort auf den Verzicht der Milch aus ihrer Ernährung an...'



Seine Methode, schmackhafte Salate zuzubereiten ist sehr einfach und effizient:
Es werden die Zutaten je nach Gusto und Vorhandensein, schichtweise auf das Teller geraffelt oder gelegt.
Zutaten können alle Arten von Gemüse (Kohl, Kohlrabi, Karfiol, Kraut, versch. Salate, Radieschen, Paradeiser, Paprika, Karotten, Spinat, Lauch, Rote Rüben, Sellerie, etc.) und geringere Mengen von Obst (Äpfel, Kaki, Birnen, Orangen, etc.) sein.
Dabei beachtet man, dass sich geschmacksintensivere mit geschmacksärmeren abwechseln, oder träufelt bei Bedarf Zitronen-, OrangenSaft o.Ä. zwischen die Lagen.
Bei uns haben sich als unterste Lage, zerdrückte Avocados bewährt.
Als Garnierung können Nüsse (Wal-, Haselnüsse, Mandeln, Macadamia, etc.), Samen (Sesam, Lein, Kürbiskerne, etc.), Keimlinge (Sonnenblumenkerne, Bockshornklee, Mungobohnen, etc.), Trockenfrüchte (Rosinen, Datteln, Feigen, etc.), kleine Mengen Rohweichkäse und/ oder Kräuter (Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Koriander, etc.) dienen.



Auch seine (Radikal-)Entgiftungs- Methode finde ich genial. Ist sie doch
a) für jedermensch einfach durchführbar und
b) mit 'Hausverstand' durchschaubar bzw. in ihrer Einfachheit überzeugend.
Sie beruht darauf, dass 1/4 l Salzwasser in der Lage ist bis zu 4 l Lymphflüssigkeit in den Darm zu ziehen und dann auszuscheiden. Dieser Flüssigkeitsverlust wird sofort mit alkalischen Frischsäften aufgefüllt:
Morgens 1/4 l Wasser mit einem Esslöffel Glaubersalz (Natriumsulfat) vermischen und trinken. Eine halbe Stunde danach und dann weiter in Halbstunden- Abständen je einen viertel Liter einer 50:50- Zitrusfruchtsaft- Wasser- Mischung trinken.
Für den Saft empfiehlt er

6 mittelgroße Grapefruits,
3 mittelgroße Zitronen und
so viele Orangen um insgesamt zwei Liter Saft zu erhalten.
Diese 4 l ersetzen die abgegangene Lymphflüssigkeit. Abends wird ein Einlauf (2 l Wasser mit ev. dem Saft von 1- 2 Zitronen) gemacht. Dieser Ablauf wird an 2 weiteren Tagen wiederholt. Es sollte dabei nichts gegessen werden. Bei Hunger ev. einige Orangen, Grapefruits essen, deren Saft oder etwas (rohen) Selleriesaft trinken.

 

 

 

 Noch aus einem anderen Grund können wir nicht verzichten:
Die ganze Industriewelt lebt ja genau davon, dass alle all das kaufen, was zwar zum
Überleben überhaupt nicht gebraucht wird, aber die Verdienstmöglichkeiten für alle
garantiert, damit sie das kaufen können, was sie zwar nicht brauchen, aber kaufen
müssen, damit sie das nötige Geld verdienen können, um all das kaufen zu können,
was sie nicht brauchen...Ein Rückzug der Konsumfreude um ein, zwei Prozent alamiert
bereits die Wirtschaftswächter: Eine Rezession ist im Anzug! Die Arbeitslosenzahlen
steigen, Firmenpleiten häufen sich. Nach dem Bankencrash sank die Wirtschaftsleistung
einiger Länder vorübergehend um sechs, sieben Prozent. Das war der Auslöser einer
Weltwirtschaftskrise. Wie würden wir das nennen, wenn wir nun freiwillig den Konsum
um 10, 20, 30, eben gar 40 Prozent einschränkten?Detailansicht
Richtig. das wäre der globale Zusammenbruch der Welt, wie wir sie heute kennen.
Sind wir nicht schrecklich gefangen zwischen Skylla undf Charbdis?
Wenn wir uns nicht einschränken, nicht schrumpfen, bricht das System wegen Überlastung
zusammen. Wenn wir schrumpfen, bricht es aus strukturellen Gründen zusammen.
Tertium non datur, sagte Aristoteles - zwar in anderem Zusammenhang, aber hier passt
es auch: Ein Drittes gibt es nicht. Das wäre die Fee mit dem Zauberstab, aber für diesmal
muss es ohne den unrealistischen Optimismus gehen.
DIE POST-KOLLAPS-Gesellschaft - Seite 103.
In der kathartischen Phase des Zusammenbruchs, der Krise, hat die Menschheit - bei solider
Vorbereitung! - die einmalige Chance zur bewussten gemeinsamen (R)Evolution in eine
vollständig andere, nachhaltig gute, lebensfördernde und enkeltaugliche Welt hinein.
Die Chancen dafür sind jedoch äußerst gering. (Szenario 3)
(Szenario 1)
Wesentlich wahrscheinlicher ist dieser Verlauf: Vermögende Eliten sichern mit Privatarmeen
ihr eigenes Überleben und unterhalten abgeschottete Hightech-Inseln, um Mittel
zur ständigen Kompensation der ökologischen Bedrohung durch eine ausgeplünderte Erde
herzustellen. Es gibt keine öffentliche Ordnung und keine Möglichkeit zur Selbstorganisation
der Zivilgesellschaft mehr.
(Szenario 2) stellt einen qäulend langsamen Niedergang der (Industrie-)Gesellschaften dar,
die durch zunehmende Reperaturaufgaben ökonomisch und sozial ausbluten.
DIE POST-KOLLAPS-Gesellschaft - Seite 90 & 91.

 

Die Post-Kollaps-Gesellschaft - Scorpio-Verlag

 

scorpio-verlag.de/Buecher/91/Die-Post-Kollaps-Gesellschaft.html

Die Post-Kollaps-Gesellschaft. Wie wir mit viel weniger viel besser leben werden – und wie wir uns heute schon darauf vorbereiten können. Johannes Heimrath.

 

 

 

Befreiung vom Überfluss

 

144 Seiten, oekom verlag München, 2012
ISBN-13: 978-3-86581-181-3


 Preis: 14.95 €
 Erhältlich als e-Book

 

Niko Paech

 

Befreiung vom Überfluss

 

Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

Nachhaltigkeit befreit von Überfluss, sagt Volkswirtschaftler Niko Paech. Die gute Nachricht dabei: Das kann uns glücklicher machen (taz)

 

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche möchte man sich auch mal etwas gönnen: das neueste Smartphone, ein iPad, einen Flachbildfernseher. Ruckzuck steckt man im Teufelskreis aus Konsumwunsch und Zeitmangel. Und nicht nur das: der stete Ruf nach »mehr« lässt Rohstoffe schwinden und treibt die Umweltzerstörung voran.

Noch ist die Welt nicht bereit, von der Droge »Wachstum« zu lassen. Aber die Diskussion u?ber das Ende der Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf. Der Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech liefert dazu die passende Streitschrift, die ein »gru?nes« Wachstum als Mythos entlarvt. Dabei gelten »gru?nes« Wachstum und »nachhaltiger« Konsum als neue Königswege. Doch den feinen Unterschied – hier »gutes«, dort »schlechtes« Wachstum – hält Paech fu?r Augenwischerei.

In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Diese Art zu wirtschaften wäre genu?gsamer, aber auch stabiler und ökologisch verträglicher. Und sie wu?rde viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Leseprobe

 

ISBN 978-3-89401-764-4
Erschienen August 2012

 

2011 weist das Vermögen der Reichsten der Welt aus
42,7 Billionen Dollar auf. Das sind 2,5 Billionen
mehr als vor der "Krise" von 2008.
Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der Hungernden
in der Welt um 100 Millionen auf mehr als eine Milliarde!
Davon verhungern jährlich ca. 40 Millionen.
Auch 389 Miliadäre besitzen genauso viel wie die
Hälfte der Weltbevölkerung.
Nur 8 Prozent der Weltbevölkerung leben in relativem
Wohlstand. Und von diesen sind ca. 30 Prozent psychisch
krank.
Alleine in Deutschland ist das Vermögen der Reichen
zwischen 1998 und 2010 von 3,1 Billionen auf
4,9 Billionen Euro gestiegen.
Und in diesem Zeitraum  ist das Vermögen um ungefähr
die Summe angewachsen wie die Staatsschulden.
Auch: Das Einkommen  der Lohnabhängigen  betrug vor
1914 - 14 Prozent des gesamtgesellschaftlichen Ertrags;
1974 waren es 22 Prozent.
Inzwischen  ist dieses auf ca. 15 Prozent zurückgefallen.
2011 leben 15,6 Prozent der Bevölkerung in Deutschland
an der Armutsgrenze. Das betrifft  etwas mehr als
12 Millionen Menschen.

 

Die soziale Ungleichheit ist heute höher - wenn auch

auf einem anderen Niveau - als vor hundert Jahren! Stefano Battison und James Glattfelder von der ETH Zürich zeigen

in ihrer Studie, dass 737 Firmen rund 80 Prozent des Weltmarktes

kontrollieren. Eine hoch vernetzte Kerngruppe von 147 Firmen

kontrolliert allein fast 40 Prozent.

Dieses kleinere Netzwerk besteht fast nur aus britischen und

amerikanischen Banken und Finanzfirmen.

Das heißt: Weniger als ein Prozent der 43000 transnationalen

Unternehmen weltweit hat die Kontrolle über die Märkte.

Der Bericht der US-Finanzbehörde aus dem Jahr 2005 zeigt,

dass zwei Drittel des Einkommens aller Bürger an 0,1 Prozent

der Bevölkerung  und damit an die ohnehin schon Reichsten ging.

Dieses reichste Tausendstel der amerikanischen Bevölkerung

erwirtschaftete im Zeitraum von 1979 bis 2005 einen Einkommens-

anstieg um mehr als 400 Prozent.

Das ist ungerecht und alles andere als moralisch.

So wundert sich heute scheinbar keiner mehr darüber, dass

Großkonzerne Erträge in Milliardenhöhe machen und nur

die Hälfte der gesetzlich vorgeschriebenen Steuer von

35 Prozent bezahlen müsssen, und zudem manchmal sogar

noch Unterstützung von der Regierung erhalten.

67 dieser Konzerne bezahlten weniger als 10 Prozent Steuern,

einige überhaupt keine.

Dennoch ändert sich nichts, und immer die gleichen Menschen-

typen mit den gleichen Prinzipien bleiben an der Macht.

Das so viele der US-Bürger, aber auch Menschen in anderen

Ländern, ganz offensichtlich gegen ihre eigenen Interessen

wählen, ist auf die zwanghafte Identifikation mit Autoritäten und

die unterentwickelte eigene Identität zurückzuführen.

Weil sie keinen Zugang zu ihren empathischen Wahrnehmungen

haben, leben so viele in einer Scheinwelt.

Ihr Bewußtsein ist durch abstraktes Denken geformt, in dem Geld

und Besitz die Hauptrolle spielen.

Die Reichen werden reicher, aber die Löhne sinken. Die Freiheit,

die dadurch entsteht, ist allein ihre Freiheit (der Reichen).

Fast alle arbeiten heute härter, leben unsicherer, damit wenige im

Reichtum schwimmen. Die Demokratie, die den Leuten dienen

sollte, füllt die Taschen von Bankern, Zeitungsbaronen und anderen

Millidären ... Die Banken sind ein Spielfeld für Abenteurer,

die reich werden, auch wenn sie Milliarden verfeuern.

Die Rolle aller anderen ist, ihre Rechnung zu bezahlen. (ARNO GRUEN)

 

Anarchistische Zeitungen

Weltagrarbericht

www.weltagrarbericht.de/
Diese Webseite präsentiert die wichtigsten Ergebnisse des Weltagrarberichts, macht alle seine Berichte zugänglich und liefert Hintergründe und ...
[PDF]

Wege aus der Hungerkrise .pdf - Weltagrarbericht

www.weltagrarbericht.de/.../Wege_aus_der_Hungerkrise_2.4MB.pdf
Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes.

 

 

Potenzialentfaltung in Städten und Gemeinden
Erfarhungsräume mit Potenzial


Der Mensch lernt nur, was ihn begeistert. Nur, was mit unserer Erfahrungswelt zu tun hat
und was wir in Beziehung zu anderen erfahren, etabliert neue und dauerhafte neuronale
Verknüpfungen – Voraussetzung für wirklichen Lernerfolg.
Gerald Hüther, einer der bekanntesten Neurobiologen Deutschlands, fordert die Umsetzung
dieser Erkenntnis auf kommunaler Ebene.

Kommune, das ist viel mehr als eine Verwaltungseinheit, das sind wir alle.
Kommune bedeutet ursprünglich »Gemeinschaft«: die Familie, das Dorf, die Stadt.
Das sind die wahren Lernorte, für Kinder wie für Erwachsene. Hier lernt der junge Mensch,
worauf es im Leben ankommt, wie man gemeinsam mit anderen sein Leben gestaltet
und Verantwortung übernimmt. Diesen entscheidenden Erfahrungsraum wiederzubeleben,
erfordert ein radikales Umdenken: eine neue Beziehungskultur.

So wie das Gehirn nicht immer größer wird, aber sich ständig weiterentwickelt, können auch Städte
und Gemeinden wachsen: nicht durch ein »immer mehr«, sondern durch die Verbesserung der Beziehungen.
»Kommunale Intelligenz« ist ein Aufruf, heute, vor Ort, mit einer neuen Lern- und Beziehungskultur zu beginnen.
Jede Veränderung beginnt im Kopf, und sie manifestiert sich in vielen einzelnen Schritten.

Edition Körber-Stiftung

Leseprobe[103 KB]

 

 
 



WER VERDIENT AN DER ZERSTÖRUNG VON LEBENSRÄUMEN VON MENSCH UND NATUR ?

- DER KAHLSCHLAG AN DEN REGENWÄLDERN -

Am 5. April 1998 wurden 18 Aktivistinnen und Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace zu Bewährungsstrafen verurteilt, eine Aktivistin muß sogar für drei Wochen ins Gefängnis. Ihr "Verbrechen": Gemeinsam mit den Nuxalk-Indiandern aus dem kanadischen Gebiet British Columbia haben sie gegen den dramatischen Kahlschlag in Kanadas Regenwäldern protestiert.


Über die Hälfte der gemäßigten Regenwälder der Welt sind bereits zerstört. Mehr als ein Viertel des verbleibenden Bestandes befindet sich an der Westküste Kanadas, in British Columbia. Dieser Regenwald bedeckt nur etwa 1,2 Prozent der Gesamtfläche des Landes. Nur in Rußland, Brasilien und Kanada ist noch bedeutende Bewaldung zu finden. Ebenfalls bedroht sind die gemäßigten Regenwälder Neuseelands, Tasmaniens und Chiles. In Norwegen, Schottland, Irland und der Türkei sind sie bereits abgeholzt.

- WARUM KAHLSCHLAG? -

Kahlschlag ist ein kommerzielles Verfahren der Holzgewinnung, bei dem der gesamte Bestand eines Waldgebietes flächendeckend gerodet wird. Danach gehen die Arbeiter dazu über, wenige Sorten - oft nur eine - Setzlinge zu pflanzen. Untersuchungen belegen, daß 97 Prozent der gesamten Holzgewinnung weltweit durch Kahlschlag in den Regenwäldern erfolgt.


Von den 335 ursprünglich vorhandenen Waldtälern an der Westküste Kanadas sind nur noch 69 intakt. Aber auch sie sollen in den nächsten zehn Jahren ausgebeutet und zum größten Teil abgeholzt werden. Die kanadische Firma Western Forest Products hat bereits damit begonnen, eine Zufahrtsstraße nach Ingram Lake zu bauen, um einen weiteren bisher unberührten Regenwald mit der Größe von zwei Millionen Hektar zu vernichten. Vor den dort lebenden Menschen, unter anderem die Indianer des Nuxalk-Stammes, machen sie nicht halt. Die Menschen werden einfach zwangsumgesiedelt.

- DER "GREAT BEAR"-REGENWALD -

In British Columbia an der Westküste Kanadas liegt ein schmales Gebiet, das aus gemäßigtem Regenwald besteht, der "Great Bear"-Regenwald. Dieser Jahrtausende alte Wald bietet einer Vielzahl verschiedener Pflanzen-, Vögel- und Tierarten eine üppige Heimat. Dort sind 1 000 Jahre alte Zedern und bis zu 100 Meter hohe Sitka-Fichten zu finden. Die Flüsse, die sich durch das Gebiet schlängeln, sind reich an Lachsvorkommen und bieten somit Tieren wie Orca-Walen, Adlern sowie Grizzlys und Schwarzbären Nahrung. Etwa 50 Prozent der Bären Kanadas sind in dieser Region heimisch. Und nur hier leben die schneeweißen Kermodebären, auch Spiritbären genannt.

British Columbia macht von seiner Fläche etwa zehn Prozent der Gesamtfläche Kanadas aus, doch leben dort 74 Prozent der heimischen Tier- und Pflanzenarten, viele sind dem Menschen noch gar nicht bekannt.

Das Ausmaß des Kahlschlags in British Columbia wird schon jetzt immer deutlicher: 764 Lachsschwärme sind bereits ausgestorben. 83 Prozent der Flüsse, die sich durch die Provinz ziehen, haben keine Uferböschung mehr. Das Abholzen bis an die Ufer der Flüsse und Bäche ist zwar offiziell verboten, wird aber kaum kontrolliert. Der ungeschützte Boden rutscht ab, trübt das Wasser und zerstört so den Lebensraum der Lachse. Weniger als sechs Prozent der Urwälder stehen unter dem Schutz der Regierung. Ein Artenschutzgesetz gibt es nicht in Kanada.

- DIE PROFITEURE DES KAHLSCHLAGS -

Die kanadischen Konzerne Interfor und Doman Industries, eine Tochtergesellschaft der Western Forest Products, zählen zu den schlimmsten Umweltzerstörern im British Columbia. Vor kurzem vereinbarten Manager von Interfor und des finnischen Papierkonzerns Enso eine engere Zusammenarbeit sowie das gemeinsame Angebot ihrer Produktpalette. Damit haben sich der größte Raubbaukonzern Kanadas und der größte Papierhersteller Europas zusammengetan.


Weiterhin am Kahlschlag beteiligt sind die Firmen Mac Millan Bloedel, West Fraser, Timber West und Avenor/PFP. Alle diese Firmen sind hauptsächlich Papierhersteller und Lieferanten für die Möbelindustrie und Zellstoffverbraucher.

- DIE ABNEHMER -

Die Hauptabnehmer für Kahlschlagholz aus Kanada sind die USA, die 48 Prozent des kanadischen Exportes für sich beanspruchen sowie Japan (13 Prozent). Deutschland ist weltweit der drittgrößte und Europas größter Abnehmer von Holz und Zellstoff aus British Columbia. 1996 entfielen 70 Prozent des deutschen Handels mit dieser Region auf Zellstoff. Mit 492 Millionen kanadischen Dollar steht Deutschland damit an der Spitze, gefolgt von Italien (254 Millionen Dollar), Belgien (127 Millionen Dollar) und Frankreich mit 88 Millionen Dollar.


Holz und Zellstoff werden vor allem an die Firmen HomeDepot (USA), Celanese (USA) und Clariant (Deutschland) geliefert. Celanese und Clariant sind Ableger des deutschen Chemiemultis Hoechst. Clariant bezieht ein Drittel der 30 000 Tonnen Zellstoff , die der Konzern jährlich verarbeitet, von Western Forest Products. Die Firma stellt daraus hauptsächlich Tapetenkleister, Zahnpasta und Kosmetikartikel her. Weitere deutsche Großabnehmer des Zellstoffs sind die großen Papierhersteller Stora, Haindl und MD-Papier.

- PAPIERHUNGER -

An jedem Tag, so rechnet der Kopiergerätehersteller Xerox aus, werden in europäischen Büros 3,5 Milliarden Papierseiten beschrieben, 800 Millionen Computerausdrucke aus den Druckern genommen, wird 300 Millionen mal "eben was kopiert", werden 100 Millionen Briefe verfaßt. Würde diese Menge in Aktenordnern abgelegt werden, so ergebe sich eine Höhe von 350 Kilometern. Der Konzern sprach 1990 davon, bis zum Jahre 1995 werde bei Computerausdrucken ein Zuwachs von 250 Prozent erreicht werden. Der Fotokopien-Berg solle im gleichen Zeitraum von 140 Milliarden auf 160 Milliarden anwachsen (Quelle: "Greenpeace-Argumente: Papier").


- PAPIER IN DEUTSCHLAND -

"Die deutsche Zellstoff- und Papierindustrie verwertet die bei der Waldpflege (Durchforstung) anfallenden Hölzer, für die es kaum andere Abnehmer gibt. Sie leistet damit einen wertvollen, ja: entscheidenden Beitrag zur Erhaltung des gesunden Waldes".


Diese Aussage stammt vom "Verband Deutscher Papierfabriken, VDP) in seiner Broschüre "Der Wald". Wahrheit und Lüge liegen dicht beieinander: Zwar verwendet die Zellstoffindustrie sogenanntes Durchforstungsholz. Doch 80 Prozent der Holzfasern, die im deutschen Papier stecken, kommen aus dem Ausland: aus Skandinavien, Rußland, Südamerika, USA und Kanada.

"Der Wald" weiter: "Unzerstörte Natur? Wer darin Ruhe und Erholung sucht, wäre enttäuscht. Ein undurchdringliches Gewirr von umgestürzten Bäumen, Sträuchern und gefährlichen, morschen Stämmen würde den Wanderer abschrecken. Was wir heute brauchen, ist ein gepflegter Wald". Im Klartext heißt das: einen Normwald, in Reih und Glied stehende Einheitsfichten und kein "gefährlicher, morscher Stamm" weit und breit. Doch genau in diesem "undurchdringlichem Gewirr" leben die meisten Tier- und Pflanzenarten, die auf die Nährstoffe der faulenden Hölzer angewiesen sind.

- BOYKOTT UND STORNIERUNGEN -

In der letzten Zeit machte die Umweltschutzorganisation Greenpeace wieder mit vielen Aktionen auf die Vernichtung der Regenwälder aufmerksam. Vor dem Hoechst-Werkstor in Frankfurt ketteten sich Aktivisten an, sie entrollten eine Banner mit der Aufschrift "Hoechst-Clariant - geschlossen wegen Urwaldzerstörung". Im schottischen Glasgow wurde ein Holzfrachter besetzt. Im Hafen von Brake bei Bremerhaven verhinderten die Umweltschützer das Einlaufen des kanadischen Frachters "Saga Wind", der 1 200 Tonnen Zellstoff gelagert hat.

Aufgrund der weltweiten Proteste von Umweltschützern haben sich wenige Konzerne und Firmen bereit erklärt, auf Holz aus den Kahlschlaggebieten zu verzichten. Aufträge an die Western Forest Products wurden storniert. Nach Angaben von Greenpeace verzeichnet dieser Konzern Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Doch Kunden gibt es noch genug. Eine ganze Reihe von Unternehmen hat erklärt, auf dieses Holz nicht zu verzichten.

- NICHT NUR KANADA -

Doch nicht nur in Kanada nimmt die Vernichtung der Regenwälder unvorstellbare Ausmaße an. Die monatelangen Brandrodungen in Indonesien, die den Smog massiv begünstigen, halten weiter an. Großgrundbesitzer, Konzerne aber auch Kleinbauern dringen immer weiter in die unberührte Wildnis vor. Die indonesische Regierung fördert diese fatale Entwicklung auch noch mit einem "Umsiedlungsprogramm". Bis zur Jahrtausendwende sollen etwa 65 Millionen Menschen aus dicht bevölkerten Gebieten in die Regenwaldgebiete Sumatras, Borneos, Sulawesi und West-Neu-Guinea umgesiedelt werden. Seit Ende der 70er Jahre sind mehr als 40 000 Quadratkilometer Regenwald vernichtet worden.


In Brasilien gilt der Wald gar als Feind der Menschen. In den Seifenopern, die im Fernsehen laufen, kommen "die Primitiven" immer aus dem Wald. Für ein Stück intakten Regenwald muß ein Besitzer mehr Steuern bezahlen als für karges Land. Für die Abholzung erhält der Besitzer gar Subventionen. Der Ausverkauf der Region hat längst einen traurigen Höhepunkt überschritten. So kaufte beispielsweise die malaysische Holzkompanie WTK 300 000 Hektar Regenwald, zu einem Preis von acht Dollar pro Hektar.

Großgrundbesitzer und Sägewerke schlagen kilometerlange Schneisen in die Wälder und zerstören so die Lebensgrundlage von Millionen Kleinstlebewesen. Die gefällten Bäume werden getrocknet und später verbrannt. Die Asche dient dann als Dünger für den gerodeten Boden. Aber nach zwei Jahren Landwirtschaft oder fünf Jahren Viehhaltung ist der Boden restlos ausgebeutet. Im Gegensatz zu den nordischen Wäldern, wo es eine dicke Humusschicht gibt, gleicht der Boden der tropischen Regenwälder eher einer Steppe. Im Januar 1997 gab die brasilianische Regierung stolz bekannt, daß bis dato durch Rodung 470 000 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden sind.

- VERLUST DER VIELFALT -

Die logische Konsequenz des Kahlschlags in den Regenwäldern ist der Verlust der biologischen Vielfalt. Jedes Jahr verschwinden Tausende von Tier- und Pflanzenarten von der Erde, viele davon konnten nie erforscht werden. Sie sind unwiederbringlich verloren. Rückgängig kann der Mensch seine fatalen Fehler nicht mehr machen.


Die Wälder tragen entscheidend zur Stabilisierung der Lebensgrundlage auf der Erde bei. Sie speichern Wasser und Nährstoffe, vor allem aber Kohlenstoff. Holz und Rinde sind zu 50 Prozent aus diesem chemischen Element aufgebaut. Kohlenstoff wird durch die Abholzung und Brandrodung in Form von Kohlendioxid freigesetzt, ein Gas, das maßgeblich zur Erderwärmung beiträgt. Allein im Herbst 1997, als der indonesische Regenwald in Flammen stand, wurde ebensoviel Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen, wie in Westeuropa durch das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle.

Das Gewächshausklima der Tropen ist zudem ein "Brutkasten" der Evolution. Mehr als 500 Baumarten gedeihen auf einem Hektar Regenwald, in allen europäischen Wäldern sind es zehnmal weniger. Allein in Südamerika leben 20 Prozent aller bekannten Vogelarten und 1 500 verschiedene Spezies von Süßwasserfischen.

Auch die Ureinwohner sind auf den Wald angewiesen. Die Indianerstämme in Nordamerika, die von Jagd und Fischfang leben, sind akut gefährdet, ihre gesamte Kultur droht unterzugehen. Manche dieser Völker leben nach Angaben von Archäologen seit 9 000 Jahren in den Regenwäldern. 44 von 68 Sprachen, die es zur Zeit der Kolonialisierung gegeben hat, sind praktisch verschwunden.

- MEHR BEWUSSTSEIN IST GEFORDERT -

Leider werden die Proteste gegen die Abholzung der Regenwälder meist von wenigen Umweltschutzorganisationen getragen. Der Regenwald ist weit weg, so denken viele Menschen. Die Konzerne, die sich des Verbrechens an der Natur schuldig machen, werden es schon nicht zulassen, daß es eines Tages zu einem Klimakollaps kommt, diese irre Ansicht wird von den meisten Menschen vertreten. Wenn nicht bald der Kahlschlag der Wälder gestoppt wird, werden alle Menschen an den Folgen zu leiden haben. Genutzt hat der Raubbau nur den Profitinteressen des Kapitals.



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