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"Die Philosophie des Punk"


"Der berühmte sowjetische Psychologe Pavel Semenow hat einmal bemerkt, dass der Mensch seinen Wissensdurst auf zweierlei Art stillt: (1) Er beobachtet seine Umwelt und versucht das Unbekannte auf eine vernünftige und sinnvolle Art einzuordnen (das ist Wissenschaft); und (2) er reogarnisiert die bekannte Umwelt, um etwas Neues zu kreieren (das ist Kunst)."

Nach dieser Definition ist Punk eine Kunstform. Punk ist aber viel mehr, da er bestimmte Theorien und politische Gedanken mit eischließt. Bei dem Versuch zu verstehen was Punk ist, sind Vergleiche mit vorangegangenen künstlerischen Bewegungen hilfreich. Frühe Punks benutzten (vielleicht absolut unbewusst) viele revolutionäre Taktiken, die von früheren avantgardistischen, künstlerischen Bewegungen eingesetzt wurden: ungewöhnliches Aussehen, das Verwischen der Grenze zwischen Kunst und Alltag, die Gegenüberstellung von angeblich grundverschiedenen Dingen und Verhaltensweisen, die absichtliche Provokation der Zuschauer, der Einsatz von nicht ausgebildeten Akteuren, die drastische Reorganisation (oder Desorganisation) von anerkannten Auftrittstilen und - prozeduren.

Der am häufigsten gezogene Vergleich zwischen Punk und einer  etablierten  Kunstbewegung ist der Dada. "Dada, im Allgemeinen zwischen 1916  und 1922 angesiedelt, erlangte in Frankreich kurz nach dem Ersten Weltkrieg traurige Berühmtheit dafür, alle vorher existierenden sozialen  und ästhetischen Werte abgelehnt zu haben." Es gibt mindestens drei mir bekannte Studien, in denen Punk als moderne Version von Dada dargestellt wird. Der Vergleich ist stichhaltig, obgleich ich glaube, dass den meisten Punks die dadaistische Kunst eher zuwider wäre. Beide sind zwar subversiv,aber Punk ist glücklicherweise weniger absurd und abstrakt, wenn es um Subversität geht.

 



Eine Bewegung, zu der der frühe Punk größere Ähnlichkeit aufweist, ist die Futuristische Bewegung. Der Futurismus wurde 1909 von Filippo Marinetti mit seinem Fundament und Manifest des Futurismus begründet, welches er in der mit hoher Auflage erscheinenden Pariser Tageszeitung Le Figaro publizierte, Wie andere Bewegungen der historischen Avantgarde war der Futurismus eine interdisziplinäre Bewegung, die visuelle Kunst, Literatur und Performance beinhaltete. Er hatte sich die Ablehnung der traditionellen Kunstformen, dem nicht-naturalistischen Ausdruck sowie der Einbeziehung des Publikums verschrieben. Diese Integration des Publikums ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Kunst- und Punkbewegung, weil beide versuchen, die bestehende Barriere, die die Beziehung zwischen Künstler und Zuschauer prägt, zu durchbrechen.

"Als Teil der provokativen Punk-Taktik haben sich Akteure auf der Bühne übergeben, das Publikum angespuckt und aus Selbstverstümmelung resultierende Wunden zur Schau dargestellt - nachdem sie mit kaputten Flaschen, Angelhaken und Messsern geschnitten und sich Prellungen zugefügt hatten. Die Rolle des Publikums beinhaltete oft, fest installierte Sitze, Bierflaschen, Gläser und alles mögliche anderem das zufällig verfügbar war, nach den Auftretenden zu werfen."

Diese Art der Interaktion wurde in den frühen Jahren des Punk aktiv betrieben, inzwischen wird aber eine sehr große Trennung von Zuschauern und Künstlern immer deutlicher sichtbar. Dadurch, dass das Publikum stetig größer wird, orientieren sich Konzerte stärker an Unterhaltungsmaßstäben als an Interaktion. Kleine Konzerthallen lassen der Interaktion immer noch Freiräume, aber größere Auftrittsorte spiegeln einfach die Bedingungen eines typischen Rock´n´Roll-Konzertes wider. Außerdem sind die spezifischen Elemente von Punk-Auftritten, wie sie oben beschrieben wurden, extrem abgemildert worden. Wenn sie doch vorkommen, werden sie in aller Regel als Akte unoriginellen Schockwerts oder einfach als Sehnsucht nach der guten alten Zeit wahrgenommen, als es noch kein anderes Ziel gab, als Wut auszudrücken.

Die spätere Punkbewegung wurde auch von der Kleidung der Futuristen beeinflusst. Die Futuristen wollten ihre Antikunst-Botschaft auf die Straße bringen, indem sie schrille Kleidung, Ohrringe und Make-up trugen. Dies wurde später von den modeorientierten Punks der Londoner Kings Road imitiert. Man muss jedoch als wichtigen Unterschied festhalten, dass Punk sich über die "Schocktaktik" der bunten Haare und Hundehalsbänder hinaus weiter entwickelt hat und jetzt eine ziemlich geschlossene Philosophie besitzt, die wenig bis nichts mit einem bestimmten Kleidungsstil zu tun hat. Obwohl es damals wirklich wirkungsvoll war und auch heute noch Spaß macht, Leute durch sein Aussehen zu schockieren, ist es doch inzwischen wichtiger, mit Ideen zu schockieren.

Dieser knappe Vergleich des Punk mit avantgardistischen Kunstbewegungen (längere sind, wie gesagt, bereits erschienen) zeigt, das Punk weder in seinem Ausdruck und seinen Methoden noch in seiner Rebellion einzigartig war. Was nun noch fehlt, ist eine genaue und aktuelle Betrachtung dessen, wie die Punkszene aussieht und was sie in der heutigen Welt mitzuteilen hat.

"Zu Beginn möchte ich euch sagen, was Punk nicht ist - er ist keine Mode, keine bestimmte Art sich anzuziehen, keine vorübergehende Phase vorhersehbarer Rebellion gegen die Eltern, nicht der neueste "coole" Trend und auch nicht eine bestimmte Lebensform oder ein Lebensstil. In Wirklichkeit ist Punk eine Idee, die dir den Weg durchs Leben zeigt und dich motiviert. Die bestehende Punk-Gemeinschaft existiert, um diese Idee durch Musik, Kunst, Fanzines und andere Ausdrucksformen persönlicher Kreativität zu unterstützen und zu realisieren. Und was beinhaltet diese Idee? Denke selbstständig, sei du selbst, nimm nicht einfach das, was die Gesellschaft dir anbietet, schaffe deine eigenen Regeln, lebe dein eigenes Leben." (Mark Andersen)



 

Rebellion ist eine der wenigen unstrittigen Eigenschaften von Punk. Sie ist unterschwellig in Sinn, Musik und Texten des Punk enthalten. Auch wenn jemand nicht lange genug dabei bleibt, um wichtige persönliche Erkenntnisse zu erlangen, wird doch "jeder", der sich mit Punk einlässt, normalerweise von irgendeiner Form der Rebellion motiviert, sei es gegen Eltern, Autoritäten oder gegen das System.

Das wichtigste (und vielleicht radikalste) Ziel für Punks ist, selbst Verantwortung zu übernehmen. Diese gilt zuerst einmal nur für sie selbst und dafür, das eigene Leben zu ordnen und zu  meistern. Danach werden andere mit einbezogen. Doch worin genau bsteht diese Verantwortung? Den eigenen Kopf anzustrengen, Leuten mit Respekt zu begegnen, kein Urteil aufgrund von Äußerlichkeiten zu fällen, andere im Kampf um das Recht, "sie selbst zu sein", zu unterstützen, ja sogar mitzuhelfen, eine positive Veränderung in der Welt zu bewirken. (Mark Anderson)

Nicht alle Punks sind sich darüber einig, wie andere unterstützt und wie Veränderungen außerhalb der eigenen Kreise herbeigeführt werden können, aber sie alle sind sich über die Notwendigkeit der Veränderung einig. Da Punk inzwischen mehrheitlich aus Menschen besteht, die der weißen Mittelschicht entstammen und nicht mehr der weißen Unterschicht (oder anderen benachteiligten Gruppen), ist es heute ein wichtiger Schritt, die eigene privelegierte Stellung in der Gesellschaft abzulehnen. Wir sind die Erben der weißen Vorherrschaft und der patriarchalen und kapitalistischen Weltordnung.

Für die meisten Leute sind wir alle mit Drogen vollgepumpte, auf die Zerstörung jeglicher Zivilisation versessene Revolutionäre. Ist es da erstaunlich, wenn Punks geschlagen, in Streifenwagen gestopft und ins Gefängnis verfrachtet zu werden? Die Unrechtlliste ist so lang wie die Geschichte der miesen Presse, die Punkrock bekommen hat.

ANARCHISMUS - Eine alternative zu bestehenden Systemen. Was er ist und wieso er von Punks in der ganzen Welt übernommen wurde. Das Versagen der "gekauften" Politiker hat einer Gegenkultur den Weg geebnet, die die Vorstellung vertritt, dass es ohne diese Blutsauger besser ginge. - Jede Art von Regierung ist unerwünscht und unnötig. Es gibt keine staatliche Dienstleistung, die eine kleinere Gemeinschaft nicht auch selbst zur Verfügung stellen könnte. Wir brauchen niemanden, der uns sagt, was wir machen sollen, der unser Leben für uns organisiert, uns mit Steuern, Regeln und Bestimmungen belästigt und gleichzeitig von unserer Arbeit in Saus und Braus lebt.

"Schon früh in der Entwicklung dessen, was wir Zivilisation nennen, bemerkten ein paar Leute, dass sie ein leichtes Leben führen und reich werden könnten, indem sie andere für sich arbeiten ließen. Diese Leute setzten sich mit List oder nackter Gewalt als Häuptlinge, Shamanen, Könige oder Priester durch, Mit Hilfe von Drohungen und Aberglauben hielten sie die Leute auf Kurs. Hin und wieder revoltierten ihre Untertanen, und die Herrschenden ließen entweder gerade mal so viele Reformen zu, dass die Leute besänftigt wurden von neuen Herrschern ersetzt. Das ist das Wesen der Regierungen.

Punks huldigen dem Anarchismus als Alternative zu den existierenden Systemen und zu den fortwährenden, bislang auf jede Revolution gefolgten Zyklen der Unterdrückung. Eine Regierung (und allgemein eine Hierarchie) unterdrückt und beutet die von ihr regierte und beeinflusste Bevölkerung aus. Im Gegensatz zu anderen jugendlichen oder bürgerlichen Gegenkulturen lehnen Punks den Kommunismus und die linken Flügel der traditionell-demokratischen Regierungen genauso ab wie den Kapitalismus. Reformen der herrschenden Parteien werden oft als dirigistisch - also dem formalen Erhalt der Regierung dienlich - und als oberflächlich verurteilt. Reformen werden ihrer Ansicht nur zugelassen, um die Bevölkerung zu besänftigen, nicht um sie zu befreien. Was den Kommunismus angeht, so stimmen viele Punks dessen vorgeblicher Unterstützung von Frauenrechten und der Arbeiterklasse zu. Beide, Punks und Kommunisten, lehnen die kapitalistische Gesellschaft ab. Viele Punks haben schon an Demonstrationen teilgenommen, die von der Spartakistischen Liga, der Revolutionären Kommunistischen Partei und anderen marxistischen, lenistischen oder trotzkistischen Gruppen organisiert wurden. Anarchisten und alle, die sich die Geschichte näher betrachten, werden allerdings merken, das die kommunistische Realität bislang weit von den Zielen  eines idealen anarchistischen Staates entfernt war.

Kommunistische Unterdrückung kann nicht nur anhand repressiver Regimes aus jüngster Vergangenheit belegt werden, sondern auch anhand des Kronstädter Aufstands von 1921, der ukrainischen anarchistischen Bewegung von 1918-21 und des spanischen Bürgerkriegs von 1936-39, in dem die Anarchisten verraten und vom totalitären kommunistischen Kräften niedergeworfen wurden. Kommunistische Regimes unterscheiden sich am Ende nicht notwendigerweise vom gestürzten Regime, zumindest nicht was den Umgang mit den beherrschten Untertanen anbelangt. Revolution sollte aus mehr als nur dem Wechsel von Herrschern bestehen. In diesem Jahrhundert hat der Begriff der Revolution die Bedeutung einer Umwälzung erlangt, die von einer professionellen Klasse kommunistischer Organisationen herbeigeführt wurde, um lediglich das kapitalistische System zu stürzen und es gegen ein ebenso oder schlimmer unterdrückendes System auszutauschen. In diesem Sinne sind Revolutionen zu einem Teufelskreis geworden: Die Unzufriedenen lehnen sich nur auf, um eine neue Klasse von Unzufriedenen zu schaffen. Der Kommunismus bringt nicht nicht den notwendigen Grad an Freiheit, den der Anarchismus schafft, und sollte deshalb nicht seinem vorgeblichen Feind - dem Kapitalismus - vorgezogen werden.

Die Punkbewegung entstand in den kapitalistischen, pseudo-demokratisch regierten Ländern. Kein Wunder also, dass der Kapitalismus mitsamt seinen Problemen zur eigentlichen politischen Zielscheibe von Punks wurde. Obdachlosigkeit, Klassendiskriminierung und die Ausbeutung durch Arbeit sind wohl nur einige Resultate eines auf Habgier gegründeten Systems. Denn obwohl es stimmt, dass das kapitaslistische System vielen seiner Mitglieder einen großen Luxus zugesteht, hängt dieser doch direkt mit der Ausbeutung jener zusammen, die einen solchen Luxus nicht haben. Der alte Glaube daran, man könne durch ehrliche und harte Arbeit reich werden, hat sich schon immer als Unsinn entlarvt. Wenn dem so wäre, wären viele der unteren Klassen, inklusive meiner Familie und mir, stinkreich.

In einer kapitalistischen Gesellschaft wird Erfolg über Reichtum und Waren definiert. Nach dieser Defintion ist die bürgerliche Mittelklasse "gut situiert", gut genug, um jeder Form radikaler Veränderung aus dem Weg zu gehen, da sie mit dem Status zufrieden ist und also Angst hat, "arm" zu werden. Selbst die materiell Armen, die eigentlich ihre wahre Situation verstehen sollten (und oft können), arbeiten in der Hoffnung auf bürgerlichen Luxus. Die Tatsache, dass in der Regel Stereoanlagen und Fernseher, nicht Nahrungsmittel gestohlen werden, zeigt, dass die meisten Menschen der Vorstellung unterliegen, ein besseres Leben bestünde aus mehr Geld und mehr Waren.

Ein gewisser Luxus und Geld können das Leben auf jeden Fall leichter machen. Aber Erfolg und Versagen nach diesem Schema zu beurteilen, hat gefährliche Auswirkungen. "Der Kapitalismus basiert auf einem theoretischen Modell, das davon ausgeht, das jeder bestrebt ist, seinen individuellen Profit zu maximieren. Im Großen und Ganzen haben sich die Menschen nach diesem Modell verhalten und dabei alle Dinge um sich herum in Waren verwandelt, die gekauft und verkauft werden können. Die Auswirkungen werden besonders anhand der gegenwärtigen ökologischen Gefahren und Katastrophen offensichtlich. Wenn Ökonomen den Wert eines Umweltprodukts errechnen, ohne dabe den dazugehörigen Verlust einzubeziehen, arbeiten sie auf eine Katastrophe für  nachkommmende Generationen hin, von den Folgen für Pflanzen und Tiere ganz zu schweigen. Sein Extrem erreicht dieses Denken in Kriegszeiten, in denen sowohl Menschen als auch der Kampf zwischen ihnen warenförmig wird. Töten wird bedeutungslos. (New World Order) Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, der vom Golfkrieg im Nahen Osten nur unterstrichen wird.

 



Eine gängige These besagt, dass Kapitalismus Kannibalismus ist. Diese Aussage soll versinnbildlichen, wie Konzernchefs oder Führungskräfte andere Menschen aus Profitgier ausbeuten. Dem Kapitalismus, so scheint es, liegt stets das Elend bestimmter Menschengruppen zugrunde. Während des Golfkrieges wurden Soldaten auf beiden Seiten nicht nur dazu benutzt, Profitverluste zu verhindern, sondern sogar, um das Geschäft zu beleben. Bestimmte Tatsachen dieses Krieges sind nicht zu widerlegen: Hundertausende unschuldige Menschen haben ihr Leben verloren. Eine ganze Zivilisation wurde zerstört. Im kapitalistischen Amerika hatte der Krieg aber ganz andere Auswirkungen: Es wurde kräftig verdient.  Mit einem Blick auf den "Profit" waren die Erdölfirmen vielleicht die größten Gewinner. Die populäre Antikriegs-Parole "kein Blut für Öl" hätte daher wohl besser "kein Blut für den Profit" lauten sollen.

Es ist kennzeichnend für die Linke, das sie den Verlauf von Demonstrationen festlegt und nach strikten Regeln gestaltet. Man hatte die Strukturen von Autorität, Hierarchie und Profit beibehalten und also nicht erkannt, auf welche Weise gerade sie für den Konflikt im Golf verantwortlich waren: Der befehlshörige Gefreite hätte sich da ganz zuhause gefühlt. Die Botschaft der Demonstranten wae klar: Sag ihnen (auf möglichst demütige Weise), dass du wütend bist, dann geh heim und schau fern.

...Solange Menschen glauben, dass es möglich ist, die richtigen Führer zu wählen, wird die Legende von der Demokratie leider weiterleben. - Die "Legende von der Demokratie" ist auch die treibende Kraft, die progressive und linke Politik beherrscht. Es ist ein einfacher und verführerischer Glaube, irgendwo würden gute und ehrliche Politiker sitzen, die nur gewählt werden wollen, um endlich große und positive Veränderungen herbeiführen zu können. In Wirklichkeit ist es aber wohl eher so, dass nur solche Politiker als ernsthafte Kandidaten in Betracht kommen, die in Wort und Tat ihr Festhalten am Status Quo unter Beweis stellen. Selbst wenn es irgendeine Möglichkeit gäbe, gute Führer zu wählen, gibt es doch immer noch das Problem des Reformisten, der nicht glaubt, dass ein Individuum oder eine Gemeinschaft die eigenen Probleme je selbst wird lösen können. Stattdessen glaubt der Reformist an die Notwendigkeit der Autorität zu Wohle des Einzelnen. "Es ist ein Denkfehler, darauf zu zählen, dass die Regierung je Reformen mit dem Ziel durchführen wird, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen, denn jede dirigistische Gesellschaft baut notwendig auf Klassenschranken und Ungleichheit auf. Die von den Linken favorisierten Reformen greifen also nur die Symptome des Systems, nicht die Krankheit selbst an. Probleme wie Obdachlosigkeit oder Armut werden angegangen, ohne deren Ursache im Wesen des Kapitalismus selbst zu suchen. Letzten Endes dient es nur den Interessen der herrschenden Klasse und des Staates, wenn Tausende von intelligenten und engagierten Individuen ihre ganze Energie in Scheinreformen stecken, die in keiner Weise an den herrschenden Machtstrukturen kratzen.

Ein Anarchopunk lehnt deshalb die Art, wie gegenwärtige Regierungen funktionieren, ab. - Die Anarchie ist die einzige Form politischen Denkens, die nicht versucht, das Individuum durch Gewalt zu kontrollieren. Punks verurteilen sowohl die rechten wie linken Parteien dafür, dass sie ihre Macht nutzen, um Menschen zu kontrollieren und ihnen etwas aufzuzwingen. Die Idee eines Staates bringt zwangsläufig mit sich, dass die Menschen ihm viele Aspekte ihres Lebens unterordnen - in manchen Fällen das Leben selbst. "Anarchie bedeute, staatliche Kontrolle abzulehnen; sie stellt den Anspruch des Individuums dar, ein Leben in persönlicher Freiheit und nicht eines der politischen Manipulation zu leben. - Kontrolle abzulehnen setzt allerdings ein gewisses Maß an persönlicher Verantwortung voraus. So sehr die Menschen auch von Regierungen schikaniert werden - unter ihen lebt es sich frei von aller Verantwortung, was am Ende vielleicht sogar bequemer ist. "Wer sich der Kontrolle verweigert, nimmt sein Leben selbst in die Hand. - Im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung von Anarchie als Chaos ist genau das der Beginn persönlicher Ordnung...Anarchie bedeutet kein wirres Durcheinander, in dem sich jeder selbst der Nächste ist." - Anarchie ist vielmehr ein Zustand, in dem Individuen in gegenseitigem Vertrauen und Respekt zueinander leben.

Für Intellektuelle ist es sicher schwer und für den Durchschnittsbürger fast unmöglich, die Punkbewegung als revoltioäre Kraft ernstzunehmen. Die falsche Darstellung der Medien, Punk auf Drogenkonsum und Selbstverstümmelung zu reduzieren, hat die politische Wirkung von Punk nachhaltig geschwächt. Und doch hat sie nicht die Welle von anarchistisch motivierten Punks verhindern können, die erst vor kurzem entstand und bemüht ist, Theorie in Praxis umzusetzen.

Eine echte anarchistische Revolution und Gesellschaft kann nur entstehen, wenn die Menschen durch Einsicht und nicht durch Zwang dazu gebracht werden, die Freiheit anzunehmen. Anarchisten die gewalttätig gegen ihre Feine vorgehen, sind oft durch ihr Ego und weniger durch ihr Gefühl motiviert und wenden Gewalt an, wann immer ihnen danach ist. Pazifisten glauben, dass "Bücher zu verfassen oder Streitfragen zu diskutieren" die Menschen eher überzeugen kann, als einen "Molotow-Cocktail" zu werfen. Der Hauptgrund dafür, dass sich zahlreiche Anarchopunks als Pazifisten betrachten, liegt im Wesen der Anarchie selbst. "Aufgrund seiner Ideale, keinerlei Regierung und Unterdrückung zu dulden, ist anarchistische Gewalt mit den eigenen Zielvorstellungen noch schwerer in Einklang zu bringen als für andere politische Gruppen.

Das Spiel mit romantischen Vorstellungen von revolutionärer Gewalt führt oft dazu, dass Leute früher als nötig begraben werden oder zu zumindest im Gefängnis landen...selbst wenn fast all ihre Gewalt eine genuine Form der Selbstverteidigung ist."  (Quelle - The Philosophy of PUNK - Die Geschichte einer Kulturrevolte - Craig O´Hara)

 

 

Streetart (8)

 

 "Ich bin kein Revolutionär, Sozialist oder irgedetwas dieser Art. Ich habe damit überhaupt nichts zu tun. Eine kompromisslose Individualität ist meine Politik. Alle politischen Gruppen, die ich auf diesem Planeten kenne, scheinen darauf abzuzielen, Individualität zu unterdrücken. Sie brauchen Wählerstimmen. Sie brauchen Einheiten. Macht nichts ob rechts oder links, die Taktiken sind oft diesselben. Worum es diesen Leuten geht, ist die Uniformität der Masse...Ich hasse all diese Gruppierungen, jede Sorte von Versammlungen dieser Art. Sie zerstören Persönlichkeit und Individualität. Vielleicht ist ein Raum, der voll von Leuten mit unterschiedlichen Meinungen ist, chaotisch, aber er ist wunderbar chaotisch, ungemein unterhaltsam und ausgesprochen lehrreich. Das ist die Weise, auf die wir Sachen lernen - nicht indem wir alle derselben Doktrin folgen. Wahrscheinlich kann die Welt, die ich mir wünsche, nicht wirklich existieren, weil es zu viele Schafe da draußen gibt, die geführt werden wollen. Lass die Schafe blöken, für mich ist das nichts. Ich bin lieber das einsame Schaf, das gegen die Wölfe kämpft. Das ist viel besser. Wenn du in einem Arbeiterklassemilieu aufwächst, dann wird von dir erwartet, dass du da auch drinnen bleibst und den Regeln dieses kleinen Systems folgst. Das kann mir alles gestohlen bleiben. Es ist alles falsch, gleichermaßen beschissen. (JOHN LYDON)

Streetart (9)

 "I´m a person just like you. But I´ve got better things to do. Than sit around and fuck my head. Hang out with the living dead. Snort white shit up my nose. Pass out at the shows. I don´t even think about speed. That´s something I just don´t need. I´ve got the straight edge. I´m a person just like you. But I´ve got better things to do. Than sit around and smoke dope. Cause I know that I can cope. Laugh at the thought of eating ludes. Laugh at the thought of sniffing glue. Always gonna keep in touch. Never want to use a crutch. I´ve got the straight edge." (Der Song Straight Edge der Punk/Hardcore-Band Minor Threat)

 

 

 

 "Punk hat nichts mit deinem Aussehen zu tun, sondern mit deinen Vorstellungen, Einstellungen, Ideen...Wenn dir deine kleine Modenschau so wichtig ist, dann verpiss dich, weil der Szene hilfst du kein bisschen!"

All die Probleme auf der Welt, über die wir uns aufregen, werden weniger werden, wenn wir aufhören, zu ihnen beizutragen. Wenn wir Veränderung fordern, müssen wir bereit sein, diese Veränderung zu vollziehen. Wenn Einzelne die Verantwortung übernehmen, sich selbst zu transformieren, dann ändert sich auch die Gesellschaft Schritt für Schritt. (Ray Cappo - Youth Of Today)

 

 

 

Streetart (21)